Lo Bete
timoresische Adlige aus Gugleur in der damaligen Kolonie Portugiesisch-Timor (heute Osttimor)
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Lo Bete, Taufname Madalena Sanches, war eine timoresische Adlige aus Gugleur in der damaligen Kolonie Portugiesisch-Timor (heute Osttimor).
Werdegang
Besi Damai, der Vater von Lo Bete, war von den Portugiesen zum Dorfvorsteher (Chefe de Aldeia) ernannt worden. Ihre Mutter Cau Ana stammt aus Vatuboro.[1.1]
Julio Celestino de Montalvão e Silva, Sohn von José Celestino da Silva (1894–1908), war ursprünglich bei der Marine und als Hafenkapitän seinem Vater nach Dili gefolgt. Bald führte er stattdessen die Kaffeeplantage der Sociedade Agrícola Pátria e Trabalho (SAPT) in Fatubessi und erhielt seine eigene Kaffeeplantage in den höheren Lagen von Gugleur im Reich von Maubara. Hier nahm er sich Lo Bete, die Tochter eines Dato aus der Aldeia Vatumori als Mätresse und nahm sie mit zu seinem Heim in Fatubessi.[1.2]
1908 kehrte Gouverneur Celestino da Silva nach Portugal zurück. Sein Sohn Julio folgte ihm im Jahr darauf und ließ Madalena und deren beiden Kinder Jesuina und Alberto zurück. Mündlichen Überlieferungen zufolge kehrte Madalena in ihre Heimat nach Vatumori zurück, begleitet von einigen treuen Dienern und ihren Kindern. In einem trockenen Flusstal traf die Gruppe einen Mann, der sie nach ihrem Ziel fragte. Die Begleiter von Madalena erklärten, der Vater der Kinder sei tot, weswegen Madalena nun zu ihren Eltern zurückkehre. Der Mann fragte, was in den Satteltaschen der Pferde sei, die sehr schwer aussahen. Die Begleiter antworteten, dass es Steine seien. Laut der Überlieferungen sollen die Taschen aber mit Gold und Münzen gefüllt gewesen sein, die Julio Celestino de Montalvão e Silva seiner Mätresse gegeben habe, ebenso wie die Plantage in Gugleur.[1.3]
Joaquim Sanches war ein Portugiese aus Guarda, der 1905 aus politischen Gründen nach Portugiesisch-Timor deportiert wurde.[1.4] Später war er Vorarbeiter auf der SAPT-Plantage. Er heiratete Madalena und die Kinder erhielten seinen Nachnamen Sanches. Die Verbindungen zum Sohn des Gouverneurs und die Herkunft des Reichtums versuchte man möglichst unter den Teppich zu kehren.[1.3]
Die Familie übernahm die riesige Kaffeeplantage des Gouverneurssohns in Gugleur und lebte in einem großen Haus mit Meerblick. Das Ehepaar bekam noch neun eigene Kinder. Maria Madalena, die Älteste, wurde 1911 geboren. Die Arbeitskräfte für die Plantage wurden durch die einheimischen Führer über das Zwangsarbeits- und Kopfsteuersystem der Kolonie gestellt. Dank der Einkünfte aus dem Kaffeeanbau konnte man sich auch ein stattliches Steinhaus am Hauptplatz in der Kreishauptstadt Vila de Liquiçá leisten und die Kinder nach Liquiçá und Dili in die Schule schicken. Die Töchter heirateten später portugiesische Männer und die Söhne Frauen aus lokalen Adelsfamilien oder von Familien chinesischer Kaufleute.[1.5] Die Tochter Lucina Sanches heiratete João Ferreira Pina, portugiesischer Unteroffizier und späterer Chefe de Posto von Suai. Ihr Sohn Hélio Sanches Pina war ein führendes Mitglied der FRETILIN, der 1979 im Kampf gegen die Indonesier ums Leben kam.[1.6]
Die Dorfchefs wurden bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges von Abkömmlingen der Familie Doutel gestellt, der früheren Herrscherfamilie von Maubara. Als 1945 aber die drei Söhne des ehemaligen Liurais José dos Santos des Hochverrats beschuldigt und nach Atauro verbannt wurden, verlor die Familie zunächst auch diese Position. Stattdessen wurde Bere Dade (Berdade) neuer Chefe de Suco, der Bruder von Lo Bete.[1.7]