Max Seligsohn
amerikanischer Orientalist; Übersetzer und Äthiopist
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Max Seligsohn (geboren 13. April 1865 Kaiserreich Russland; gestorben 11. April 1923 in Manhattan, New York) war ein russisch-US-amerikanischer Orientalist.
Er emigrierte nach New York und ließ sich zunächst in Paris, dann in Kairo nieder. Ab 1902 war er in New York u. a. als Redakteur und Autor an der Jewish Encyclopedia tätig.
Leben und Wirken
Über Max Seligsohn liegen – abgesehen von einer biographischen Notiz von Cyrus Adler und Frederick T. Haneman in der Jewish Encyclopedia – bislang wenige biographische Informationen vor.
Im zaristischen Russland geboren, erhielt er seine erste rabbinische Ausbildung (Simcha) in den 1880er Jahren in Slutsk (Gouvernement Minsk), einem bedeutenden Zentrum jüdischen Lebens im Ansiedlungsrayon. Dort studierte er unter lokalen Rabbinern die klassischen Grundlagen der jüdischen Gelehrsamkeit, insbesondere den Talmud, zentrale Kommentare sowie halachische Kodizes. Die Ausbildung vermittelte ihm Kenntnisse in Textkritik und Philologie, die er in seiner späteren wissenschaftlichen Arbeit anwandte.
Um 1888 verließ er Russland angesichts zunehmenden Antisemitismus (Pogrome). Im Jahr 1888 wanderte er nach New York City aus. Zwischen 1888 und 1894 widmete er sich dort dem Studium moderner Sprachen. In dieser Zeit sah er sich den typischen sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen gegenüber, die viele osteuropäische jüdische Einwanderer bewältigen mussten.
Im Jahre 1894 zog Seligsohn nach Paris, wo er sich an führenden Institutionen der Orientalistik und Semitistik weiterbildete. An der École des Langues Orientales Vivantes erlangte er 1897 das Diplom als ein „Élève diplômé“. 1900 folgte ein weiterer Abschluss an der École Pratique des Hautes Études, mit Schwerpunkt auf semitischer Philologie und Handschriftenkunde. In dieser Zeit vertiefte er seine Kenntnisse des Arabischen, Hebräischen und Judäo-Persischen und machte sich mit den Methoden der vergleichenden Sprachwissenschaft vertraut. Seine Ausbildung bildete die Grundlage für seine späteren Editionen und Übersetzungen klassischer Texte.[1]
1898 beauftragte die Alliance Israélite Universelle Seligsohn mit einer Forschungsreise nach Abessinien zur Untersuchung der Lebensbedingungen der jüdischen Beta-Israel-Gemeinschaft. Aufgrund logistischer und politischer Hindernisse erreichte er jedoch nur Kairo (Ägypten), wo er achtzehn Monate lang als Lehrer im Rahmen der Bildungsarbeit der Alliance tätig war und erstmals seine wissenschaftliche Ausbildung mit praktischer pädagogischer Arbeit verband.
Im Jahre 1902 wurde Seligsohn nach New York eingeladen, um als Redakteur an der „Jewish Encyclopedia“ mitzuwirken. Er betreute zahlreiche Artikel zu jüdischer Geschichte, Literatur und Gelehrtenbiografien, insbesondere mit Bezug zur semitischen und orientalischen Welt, und verfasste mehrere eigene Beiträge. Seine Mitarbeit erstreckte sich über die gesamte Erscheinungszeit des Werkes von 1901 bis 1906.
Zu seinen wichtigsten wissenschaftlichen Arbeiten zählt die französische Übersetzung und Edition eines Diwāns des vorislamischen Dichters Ṭarafa ibn al-ʿAbd. Darüber hinaus bearbeitete er judäo-persische Literatur, samaritanische Chroniken und arabische Fachtexte. In Fachzeitschriften veröffentlichte er Studien zur jüdischen Geschichte des Nahen Ostens (Mizrachim) sowie kritische Rezensionen zeitgenössischer orientalistischer Werke, darunter eine Kritik an der frühen Encyclopaedia of Islam (1909).[2]
Seligsohn blieb bis zu seinem Tod in den Vereinigten Staaten, überwiegend in New York City. Über sein Privatleben ist wenig bekannt. Er verstarb im Alter von 57 Jahren und wurde auf dem Montefiore Cemetery in Queens beigesetzt.[1]
Veröffentlichungen (Auswahl)
- L’Encyclopédie de L’Islam: Examen critique des quelques feuilles imprimées jusqu'à présent, donnant les raisons de la lenteur apportée à la publication et de la rédaction défectueuse. St. Catherine Press, Brügge, Belgien 1909
- Le Diwan de Ṭarafah ibn al-'Abd. LIBRAIRIE EMILE BOUILLON, Paris 1901 (französisch, remacle.org).
- Sambation, Sanbation, Sabbation (Sambaṭyon). In: Isidore Singer (Hrsg.): The Jewish Encyclopedia. Band 10. Funk & Wagnells, New York 1905, S. 681–683 (englisch, jewishencyclopedia.com).
- The Hebrew-Persian Mss. of the British Museum. Jewish Quarterly Review 15 (1903): 278-301
- Aiyūb. In: Arent Jan Wensinck, Johannes H. Kramers (Hrsg.): Handwörterbuch des Islam. Brill, Leiden 1941. S. 30–32.
- Ādam. In: Arent Jan Wensinck, Johannes H. Kramers (Hrsg.): Handwörterbuch des Islam. Brill, Leiden 1941. S. 14.
- Une nouvelle chronique samaritaine. Revue des études juives (1903)
- Une critique de la Bible au temps des Gueonim. Revue des études juives (1903)
- Une nouvelle chronique samaritaine. Revue des études juives (1902)
- Quatre poésies judéo-persanes sur les persécutions des Juifs d'Ispahan. Revue des études juives (1902)
- Azharot judéo-persanes. (1901, article)[3]
- zusammen mit E. N. Adler, Une Nouvelle Chronique Samaritaine Paris, 1903
- als Mitherausgeber „Jewish Quarterly Review“
- „Revue des études juives“
Weblinks
- Seligsohn, Max.. (PDF; „S“) In: Jacob Rader Marcus (Hrsg.): The Concise Dictionary of American Jewish Biography, 1994. S. 581, doi:10.14263/2330-2976.1182