Max von der Grün
deutscher Schriftsteller (1926–2005)
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Max von der Grün (* 25. Mai 1926 in Bayreuth; † 7. April 2005 in Dortmund) war ein deutscher Schriftsteller. Er gilt als maßgeblicher Antreiber der Erneuerung der Arbeiterliteratur in der Bundesrepublik.

Von der Grün wuchs in prekären wirtschaftlichen Verhältnissen auf, nahm am Zweiten Weltkrieg teil und geriet Anfang 1944 in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Weil er arbeitslos geworden war, ließ sich von der Grün 1951 für den Ruhrbergbau anwerben und arbeitete zwölf Jahre unter Tage. Während dieser Zeit begann er Gedichte, Essays und Prosa zu schreiben. 1962 veröffentlichte er seinen ersten Roman Männer in zweifacher Nacht über verunglückte Bergleute. Zugleich gehörte er zu den Mitbegründern und prägenden Mitgliedern der Dortmunder Gruppe 61, die sich die Schaffung einer neuen „Literatur der Arbeitswelt“ zum Ziel gesetzt hatte. Aufsehen erregte von der Grün mit seinem zweiten Roman Irrlicht und Feuer (1963), da ein Maschinenhersteller versuchte, die Veröffentlichung wegen angeblicher Falschdarstellung gerichtlich zu unterbinden. Von der Grün entschied sich für ein Leben als freier Schriftsteller und erlebte seinen eigentlichen Durchbruch mit der Verfilmung seines Romans durch das Fernsehen der DDR im Jahr 1966 und die Ausstrahlung des Zweiteilers im westdeutschen Fernsehen 1968.
Waren die frühen Texte von der Grüns noch stark von der eigenen Arbeitsrealität als Bergmann geprägt, entwickelten sie sich in den folgenden Jahren hin zu breiterer Gesellschaftskritik. In den Romanen Zwei Briefe an Pospischiel (1968) und Stellenweise Glatteis (1973) thematisierte von der Grün politische Kontinuitäten des Faschismus, Überwachung in Betrieben und gesellschaftliche Konflikte. Er setzte sich kritisch mit der industriellen Arbeitswelt und gewerkschaftlichen Strukturen auseinander. Einen großen Publikumserfolg erzielte er mit dem Jugendbuch Vorstadtkrokodile (1976), das die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen im Arbeitermilieu und den Umgang mit Körperbehinderung aufgriff. Daneben verfasste er Erzählungen, Reportagen und auch ein Theaterstück sowie ein Opernlibretto.
Nachdem von der Grün in den 1970er-Jahren noch Bestseller gelungen waren, wurde es ab den 1980er-Jahren zunehmend stiller um ihn. Mit insgesamt elf Fernsehfilmen, die nach seinen Texten produziert wurden, zählt er gleichwohl zu den am häufigsten verfilmten deutschen Schriftstellern. Die Literaturkritik monierte an von der Grüns Werken häufig die einfache Sprache und klischeehafte Darstellungen, erkannte jedoch seine Bedeutung für die Entwicklung einer realistischen, gesellschaftskritischen Literatur der Arbeitswelt an.
Leben
Kindheit und Jugend
Max von der Grün kam als Sohn der Dienstmagd Margarete von der Grün (1901–1975) im Bayreuther Stadtteil Sankt Georgen, im Hinterhaus des Anwesens „Hinter der Kirche“ Nr. 1, unehelich zur Welt.[Scholz 1] Sein leiblicher Vater, der Knecht Adam Lauterbach (1906–1945), erkannte die Vaterschaft 1926 an, gründete aber 1932 mit einer anderen Frau eine Familie. Aufgrund der prekären wirtschaftlichen Verhältnisse der allein erziehenden Mutter kam Max schon bald in die Obhut seiner Großeltern in Schönwald in Oberfranken. Der Großvater Johann von der Grün (1873–1941) lebte in den 1920er-Jahren mit seiner Familie mit vier eigenen Kindern in einer Zwei-Zimmer-Wohnung. Zwischenzeitlich konnte die Mutter Max zu sich nehmen, aber er wurde 1933 in Schönwald eingeschult.[Scholz 2] Margarete von der Grün lernte in der Zwischenzeit den Schuster ohne Meisterbrief Albert Mark (1901–1965) kennen. Da Mark zu dieser Zeit tschechoslowakischer Staatsbürger war und verdächtigt wurde, Kommunist zu sein, wurde ihm der Aufenthalt in Bayern 1933 nicht genehmigt. Er zog nach Paulusbrunn in Böhmen. Dorthin folgte ihm Margarete, wo die beiden am 14. August 1933 heirateten. Max von der Grün zog ebenfalls nach Paulusbrunn. Während seine Mutter den Namen ihres Mannes annahm, behielt Max den Namen von der Grün, weil er nicht vom Stiefvater adoptiert worden war. Trotz guter Noten konnte er vermutlich aufgrund der Armut der Eltern keine höhere Schule besuchen.[Scholz 3]
Die Familie war evangelischer Konfession in einem katholischen Umfeld. Der Stiefvater war zudem bei den „ernsten Bibelforschern“, einer von den Zeugen Jehovas abgegrenzten Gruppe, verwurzelt. Max von der Grün gab später an, er sei streng lutherisch erzogen worden. Sein Vater habe mit ihm Bibelstunden abgehalten. Einen Einfluss der Sekte auf sich konnte er aber nicht feststellen.[Scholz 4] Als Paulusbrunn nach dem Münchner Abkommen zu Deutschland kam, wurde Albert Mark wegen Schmuggels verbotener Schriften in „Schutzhaft“ genommen und vom 14. Oktober bis 12. November 1938 im KZ Dachau inhaftiert. Max kam wieder zu den Großeltern nach Schönwald, während seine Mutter zu ihrer Schwiegermutter nach Mitterteich zog. Der Stiefvater tauchte nach seiner Haftentlassung unter und schlug sich mit Gelegenheitsarbeiten auf Wanderschaft durch.[Scholz 5] Ein enges Verhältnis zu seinem Stiefvater hatte Max von der Grün nicht.[Scholz 6]
Nach dem Abschluss der Volksschule begann von der Grün 1941 eine kaufmännische Lehre in den Rosenthal Porzellanfabriken in Selb und Marktredwitz. Im Spätherbst 1941 verlor er die Lehrstelle, weil er mit Schulfreunden einen Streich verübt hatte und zu mehrwöchigem Jugendarrest verurteilt worden war. Er musste zu seiner Mutter ziehen. Er gehörte weder Jungvolk noch Hitlerjugend an und wurde am 28. August 1943 zum Reichsarbeitsdienst eingezogen. Von dort meldete er sich freiwillig zu den Fallschirmjägern und wurde in der 2. Fallschirmjäger-Division zum Funker ausgebildet. Anfang August 1944 wurde Max von der Grün bei Quimper in der Bretagne gefangen genommen. Als Kriegsgefangener kam er über Schottland nach Monroe in Louisiana. In amerikanischer Kriegsgefangenschaft arbeitete er als Landarbeiter, als Holzfäller, im Steinbruch und im Bergbau. Am 10. August 1946 wurde er aus der Gefangenschaft entlassen und kehrte nach Mitterteich zurück.[Scholz 7]
Angaben der autobiographischen Schriften
Biografische Darstellungen des Lebens Max von der Grüns haben sich lange an seinen Selbstauskünften und autobiographischen Schriften orientiert. So veröffentlichte von der Grün 1979 Wie war das eigentlich? Kindheit und Jugend im Dritten Reich. Diese Dokumente enthalten teils unpräzise, teils verklärende und teils falsche Angaben, die von der Grün zeitlebens nicht korrigierte. So gab von der Grün an, das Kind von Albert von der Grün zu sein; seine Mutter sei eine geborene Mark.[Scholz 8] Seine Jahre in Paulusbrunn verschwieg er.[Scholz 9] Er gab an, die höhere Schule nach der Verhaftung seines Stiefvaters verlassen zu haben, die aber tatsächlich erst über ein Jahr später erfolgte.[Scholz 10] Lebenslang erzählte er die Legende, sein Stiefvater sei bis 1945 im KZ Flossenbürg inhaftiert gewesen.[Scholz 11] Dabei deutet von der Grün in der Erzählung Grenze (1965) und dem autobiographischen Roman Zwei Briefe an Pospischiel (1968) an, die Wahrheit zu kennen.[Scholz 12] Er verschwieg seine Jugendstrafe.[Scholz 13] Als Ende seiner Kriegsgefangenschaft gab er 1948 an.[Scholz 14] Der Literaturwissenschaftler Rüdiger Scholz erkennt bei von der Grün „eine gewisse Verklärung der harten Verhältnisse, unter denen er aufgewachsen ist“. Von der Grün habe es darauf angelegt, „die reale Biographie seiner Jugend in Franken mit der Aura einer Märchengeschichte zu umgeben und damit die Härte des wirklichen Lebens zu mildern. […] Er hat seine Familie durch Korrekturen der Wirklichkeit zu einer Familie der vorzeigbaren Normalität stilisiert.“[Scholz 15]
Arbeit im Ruhrbergbau

Nach der Gefangenschaft in den Vereinigten Staaten versuchte von der Grün zunächst in der bayerischen Heimat Fuß zu fassen. Er arbeitete zunächst als kaufmännischer Angestellter in Marktredwitz, wechselte aber wegen besserer Verdienstmöglichkeiten und Schwerstarbeiterzulagen im August 1948 auf den Bau. Nach dem Bankrott der Firma wurde er im Januar 1951 arbeitslos. Nach einer kurzen Tätigkeit in der Bibliothek eines Zisterzienserklosters ließ er sich nach einem halben Jahr für den Ruhrbergbau anwerben und legte zunächst als Schlepper auf der Zeche Königsborn II/V in Heeren bei Unna an. Er wurde Hauer und nach einem Unfall 1954 Grubenlokomotivführer. Seine Freundin Lieselotte Köhler folgte ihm ins Ruhrgebiet. Die beiden heirateten 1953; die erste Tochter, Rita, wurde 1955 geboren.[Scholz 16]
Bis Dezember 1963 arbeitete von der Grün auf der Zeche.[1] Er berichtet selbst, zum Schreiben sei er gekommen, weil ihm in der Kriegsgefangenschaft ein viel älterer Mitgefangener geraten habe, damit das Gehirn zu trainieren. Von der Grün begann, ein Tagebuch zu führen, und veröffentlichte seine Amerikaerfahrungen in einer Gefangenenzeitschrift. Er gab ferner an, nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft erste literarische Versuche in Regionalzeitungen veröffentlicht und auch als Bergmann weiter Tagebuch geschrieben zu haben. Etwa zehntausend Seiten davon habe er verbrannt.[Scholz 17] In einem Interview mit Heinz Ludwig Arnold führte von der Grün 1975 an, seine Tagebuchaufzeichnungen, seine Phantasie und seine Erfahrungen mit der harten Arbeit als Bergmann hätten ihn zum Schreiben gebracht. Eine andere Selbstauskunft von der Grüns, er habe einen Bericht über „Schweinereien“ im Betrieb geschrieben, aber weggeworfen und dann zehn Jahre nichts mehr, hält sein Biograph Rüdiger Scholz für fragwürdig, denn von der Grüns erster Roman entstand bereits 1958.[Scholz 18]
Karriere als Schriftsteller
Der erste Roman und die „Dortmunder Gruppe 61“

Den ersten Roman Männer in zweifacher Nacht, der 1962 erschien, entwarf von der Grün 1955 und stellte ihn bis 1959 fertig.[Scholz 19] Auslöser war nach von der Grüns eigener Darstellung, dass er gemeinsam mit fünf Kumpeln 1958 für 36 Stunden unter Tage verschüttet gewesen sei.[Scholz 20] Die Veröffentlichungsgeschichte wird unterschiedlich erzählt und steht in Zusammenhang mit der Gründungserzählung der Dortmunder Gruppe 61. Demnach hatte von der Grün für sein fertiges Manuskript vergeblich einen Verleger gesucht, als er zufällig einen Bericht über das von Fritz Hüser in Dortmund geleitete „Archiv für Arbeiterdichtung und soziale Literatur“ gelesen habe. Er habe Hüser aufgesucht, so von der Grün 1970, ihm das Manuskript geschickt und habe 14 Tage später einen Verleger gehabt. Bei einem weiteren Treffen habe er Hüser gefragt, „ob er noch Leute kenne, die sich auch, wie ich, mit eben dem Thema Arbeit und Arbeitswelt beschäftigen. Er wußte einige. So kam es zu dem Treffen am Karfreitag des Jahres 1961.“[2] Diese Darstellung findet sich auch im Almanach der Gruppe 61 und ihrer Gäste von 1966.[3] 1971 erzählte von der Grün in seiner Auskunft Nichts als gegeben hinnehmen, er habe einem Bekannten von seinem Manuskript erzählt, der es an einen Journalisten weiterleitete. Dieser Journalist, Friedhelm Baukloh, war zugleich Lektor beim Recklinghäuser Paulus-Verlag, der das Buch dann herausbrachte. Außerdem hatte sich der Feuilletonleiter der Ruhr-Nachrichten, Walter Schmieding, für von der Grün eingesetzt und einen Vorabdruck des Romans in den Ruhr-Nachrichten gebracht.[Scholz 21] Baukloh berichtet auch eine andere Entstehungsgeschichte der Gruppe 61. Ihm zufolge hatten Hüser und Walter Köpping die Anthologie Wir tragen ein Licht durch die Nacht (1960) unter anderem mit einem Gedicht von der Grüns („Unter Tag“) zusammengestellt und von der Grün habe vorgeschlagen, die Autoren sollten sich regelmäßig zu gegenseitiger Anregung und Kritik treffen.[2] Hüser hatte von der Grün auch mit der klassischen Arbeiterdichtung bekannt gemacht, zumal dieser mit seinem autodidaktisch erworbenen Wissen Literaturkurse an der Volkshochschule hielt. Unterstützt wurde das Projekt der Anthologie durch Heinrich Gutermuth, den Vorsitzenden der IG Bergbau.[4] Dass die Anthologie mit Bergmannsdichtung auf Resonanz stieß und binnen eines Jahres eine neue Auflage notwendig machte, ermutigte den Kreis um Hüsers Archiv zur Gründung der Gruppe 61.[5] Es handelte sich bei der Anthologie aber nicht um einen Vorläufer der Gruppe 61, denn die Auswahl der weit überwiegend historischen Texte aus der Zeit vor 1933 stand konträr zur gegenwartszentrierten Programmatik der Gruppe 61.[6]
Die Gruppe 61 war keine feste Organisation, sondern ein informeller Kreis mit schwankender Mitgliederzahl, der sich in dieser Hinsicht an der Gruppe 47 orientierte. Allerdings lehnte die Gruppe 61 Klausurtagungen ab, sondern lud zweimal im Jahr zu öffentlichen Lesungen. Programmatisch ging es der Gruppe 61 um die literarische Behandlung spezifischer Problemfelder in einer zunehmend technisierten Welt. Die Autoren verstanden sich als individuelle Schriftsteller, nicht als für Arbeiter schreibende Arbeiter.[7] Von der Grün wurde in der breiten Öffentlichkeit zur Identifikationsfigur der Gruppe 61, in der er sich zeitweilig auch als Sprecher engagierte, nicht zuletzt, weil seine literarische Qualität Anerkennung fand und er als einziger Autor der Gruppe eine Massenauflage erreichte.[8] Er hatte auch die Redaktion der Zeitschrift der Gruppe 61 übernommen, von der aber nur ein Heft im Juli 1961 erschien.[9]
Während von der Grün mit seinen Romanen, die auf seinen eigenen Erfahrungen als Bergarbeiter basierten, die eine prägende Richtung der Gruppe 61 repräsentierte, stand Günter Wallraff, der 1966 zur Gruppe 61 gestoßen war, mit seinen undercover recherchierten Industriereportagen für die andere.[10] Waren die Entstehungsbedingungen der Gruppe 61 die Erscheinungen von Krise und Strukturwandel im Ruhrgebiet ab Ende der 1950er-Jahre, so stellten die Texte und Schriften der Gruppe 61 die retrospektive Erzählung in Frage, dass dadurch Möglichkeiten sozialen Aufstiegs und individueller Autonomie entstanden seien. Die 1960er-Jahre wurden von ihr nicht als Boom-, sondern als Krisen- und Umbruchzeit gedeutet. Das „Wirtschaftswunder“ und die damit zusammenhängende Vorstellung von sozialem Aufstieg wurde radikal in Frage gestellt und das Bild einer klassenlosen Gesellschaft verworfen.[11]
Publikationen der Gruppe 61 wie der von Hüser und von der Grün herausgegebene Almanach wurden zwar aus links-liberalen und religiös-sozialen Kreisen wohlwollend beurteilt, waren aber auch einer Kritik ausgesetzt, die Pathos, Überzeichnung und Klischees monierte. Insbesondere der Feuilleton-Redakteur und spätere stellvertretende Chefredakteur der Welt, Günter Zehm, trat als äußerst scharfer Kritiker der Gruppe 61 hervor. Nach Einschätzung von Sibylle Marti zielten solche Besprechungen darauf ab, „der Arbeiterliteratur durch eine formale Abklassifizierung jegliche Authentizität und Realitätsnähe sowie den dadurch beabsichtigten gesellschaftskritischen Impuls abzusprechen“. Die Infragestellung des Narrativs des „Wirtschaftswunders“, das die Kontinuitäten zur NS-Diktatur kaschierte, war auch vergangenheitspolitisch kaum erwünscht.[12] Durch Einschätzungen wie die Zehms, so Uwe-K. Ketelsen, wurde diese Literatur paradigmatisch an der Peripherie des literarischen Felds verortet und in der Literaturwissenschaft gleichsam aus dem geschichtlichen Kontinuum herausgenommen. Die Gruppe 61 erschien als Ausdruck von Zufällen und persönlichen Verbindungen zwischen Randfiguren und rechtfertigte eine isolierte, auf das Industriegebiet bezogene Betrachtung.[13]
Innerhalb der Gruppe 61 gab es Kritik, dass die Thematiken der Arbeitswelt zu künstlerisch bearbeitet würden und überwiegend arrivierte Autoren zum Zuge kämen, Arbeitnehmer aber ausgeschlossen würden. In Gelsenkirchen wurde 1967 eine literarische Werkstatt an der Volkshochschule Gelsenkirchen gegründet, um schreibende Arbeiter zu versammeln. 1970 gründete sich der eigenständige Werkkreis Literatur der Arbeitswelt. Die Gruppe 61 versuchte sich noch an der Neuformulierung ihrer Prinzipien, doch aufgrund der theoretischen Differenzen und auch persönlicher Animositäten hörte die Gruppe 61 praktisch auf zu existieren.[14] Stand der Werkkreis Literatur der Arbeitswelt für ein verändertes Klassenbewusstsein und einen verstärkten Wunsch nach Solidarität und Wirksamkeit in der Gesellschaft gelesen werden, erschien die Arbeit der Gruppe 61 als ein Zurückbleiben hinter dieser gesellschaftlichen Politisierung.[15] Laut Gabriele Wölke bildete der Werkkreis Literatur der Arbeitswelt ein „klassenbetont-kämpferisches Gegenprogramm zur Gruppe 61“. Statt nur Texte zu diskutieren, widmete sich der Werkkreis auch der Bildungsarbeit und kooperativer Literaturproduktion in Schreibwerkstätten. Im Zentrum stand die Herausbildung von Klassenbewusstsein, sowohl bei den Schreibenden in den Werkstätten als auch bei den Rezipient*innen.[16] Ziel war es, Bewusstsein für die Lage der Arbeitenden zu schaffen und eine Klassenidentität politisch zu aktivieren.[17] Gleichzeitig gab es einen Flügel, der eine Parteinahme für gewerkschaftliche Politik forderte.[18] „Bevor man einen Roman aus der Arbeitswelt schreibt“, legte Erasmus Schöfer, treibende Kraft des Werkkreises, von der Grün nahe, „sollte man erst an einer mehrwöchigen Gewerkschaftsschulung teilnehmen.“[19]
Von der Grün kritisierte am Konzept der Werkkreisbewegung, dass nicht jeder das Talent zum Schriftsteller besitze, und er wollte Literatur auch nicht von dem direkten Angriff auf politische Verhältnisse her definieren. Er befürchtete, dass Literatur aus der Arbeitswelt den Charakter von Kampfschriften erhalten könnte.[Scholz 22] In einem Interview stellte er 1976 klar, dass die Gründer des Werkkreises nie der Gruppe 61 angehört hätten, sondern die Gruppe hätten umfunktionieren wollen. Dagegen habe man sich gestemmt, weil eine literarische Vereinigung „nicht plötzlich zu einem politischen Stoßtrupp werden [kann].“ Am meisten habe ihn aber die starke Verquickung mit den Gewerkschaften bis ins Finanzielle hinein gestört, „[w]eil aus der Literatur dann so etwas wie eine Hofsängerei wird.“[Scholz 23] Für von der Grün war „die Gewerkschaft gar nicht mehr so sehr der Interessenvertreter der Arbeiter“.[20]
Der literarische Durchbruch
Arbeitsschutz und Gewerkschaftskritik
Nach der Veröffentlichung seines ersten Romans, so berichtete von der Grün 1975 in einem Gespräch mit Heinz Ludwig Arnold, sei er zum Betriebsdirektor seiner Zeche bestellt worden, der ihm vorgehalten habe, über die eigene Zeche geschrieben zu haben. Obwohl er, von der Grün, dem Betriebsdirektor klarmachen wollte, dass er „eine Grundsituation“ gemeint habe, hätte er nach dem Gespräch Angst gehabt, seine Arbeit zu verlieren.[Scholz 24] Mit dem Vorabdruck von Auszügen aus von der Grüns zweitem Roman Irrlicht und Feuer in der Sonderbeilage der katholischen Wochenzeitung Echo der Zeit zu den Ruhrfestspielen am 19. März 1963 wurde diese Problematik akut. Denn dieser Auszug handelt von der Erprobung eines Kohlenhobels, der nach Südafrika exportiert werden soll. Im Roman kommt es dabei binnen vier Wochen zu mehreren Unfällen mit dreiundzwanzig Verletzten und einem Todesopfer.[21] Durch einen solchen Unfall war von der Grün auf der Zeche Königsborn 1955 selbst verletzt und gezwungen worden, statt als Hauer nunmehr als Grubenlokführer zu arbeiten.[22] Eine Woche nach Erscheinen des Vorabdrucks wurde von der Grün zum Betriebsdirektor bestellt, der gemeinsam mit dem Pressereferenten des Unternehmens und dem des Unternehmensverbands Ruhrbergbau mit ihm redete. Von der Grün schrieb anschließend an seinen Verlagslektor Baukloh: „Sie drohen mir mit wirtschaftlichen Repressalien, sie sagen ganz offen, daß sie mich schikanieren können und daß es an ihnen liegt, mich wirtschaftlich kirre zu machen, zumal ich immerhin ein Eigenheim habe, das noch fünf Jahre an den Arbeitgeber gebunden ist. Ein Herr aus Duisburg sagte mir ganz brutal, daß ich unter Tage als Lokführer abgelöst werde, mir eine schwere Arbeit zugewiesen wird, damit mir die Lust am Romanschreiben vergeht, ich also so ausgelaugt nach Hause komme, daß ich keinen Löffelstil mehr heben kann.“[23] Die Firma Westfalia Lünen, die sich aufgrund ihrer Marktführerschaft als Herstellerin des Hobels bezeichnet sah, übte massiven Druck auf Autor und Verlag aus und beantragte eine einstweilige Verfügung mit dem Ziel, die Publikation zu untersagen. Diese wurde vom Gericht und Berufungsgericht abgelehnt, da der kleine Kreis der beeinflussbaren Leser nicht auf die Herstellerfirma verwiesen werde.[24]
Von der Grün berichtet, ihm seien von dem Unternehmen Klöckner, dem die Zeche Königsborn gehörte, eine Summe von 40.000 DM und der Posten eines Redakteurs der Werkszeitung angeboten worden, wenn er den Roman zurückziehe.[Scholz 25] Auf der Zeche hatte er Nachtschicht um Nachtschicht zu fahren, was ihn effektiv von der Teilnahme an Lesungen und Diskussionsveranstaltungen abhielt. Als die Hoesch AG ihm einen Arbeitsplatz zusagte, um für einen Roman über die Hüttenwelt zu recherchieren, kündigte er am 28. November 1963 sein Arbeitsverhältnis bei der Klöckner-Werke-AG selbst fristlos zum Monatsende. Er war wegen Fernsehaufnahmen nicht zur Nachtschicht erschienen und konnte auch am folgenden Tag nicht arbeiten. Der Betrieb erkannte sein unentschuldigtes Fehlbleiben als Tatbestand an, der zur fristlosen Beendigung des Arbeitsverhältnisses berechtigte. Man trennte sich also einvernehmlich, aber die Hoesch AG fühlte sich gegenüber einem vertragsbrüchigen Angestellten nicht im Wort. Weitere Bewerbungen blieben erfolglos. Karl Friedrich Grosse vom Unternehmensverband Ruhrbergbau meinte, die Firmen hätten Angst, dass von der Grün bei ihnen Material für ein drittes Buch sammeln würde.[25] Leicht verfremdet verarbeitete von der Grün die Versuche von Unternehmerseite, ihn von der Publikation seines zweiten Romans abzuhalten, in der Erzählung Etwas außerhalb der Legalität, erschienen in dem Band Fahrtunterbrechung (1965).[Scholz 26]
Mit dem Roman Irrlicht und Feuer und dem folgenden Skandal hatte von der Grün den Blick auf das Problem der Arbeitssicherheit gelenkt, das in der Öffentlichkeit sonst kaum Beachtung fand. Mit dem plötzlichen Beginn der Kohlekrise im Februar 1958 war die Unfallrate unter Tage erheblich gestiegen, von 115,64 auf 100.000 verfahrene Schichten im Jahr 1956 auf 171,01 im Jahr 1958. Rationalisierung, Mechanisierung und Leistungsdruck auf die Bergleute erhöhten die Unfallgefahr. Während Grubenunglücke wie das in Luisenthal 1962 oder in Lengede 1963 Aufsehen erregten, ging man nach Arbeitsunfällen zur Tagesordnung über.[26] In der 1965 veröffentlichten Erzählung Der Betriebsrat schreibt von der Grün über ein Unglück:
„Es war weiter nicht viel passiert. Ein Unglück – fünf Überlebende, drei Tote; es war also noch einmal gut gegangen. In den Abendstunden sprachen in der Stadt nur noch diejenigen von dem Unglück, die unmittelbar berührt oder betroffen waren. Rundfunk und Fernsehen blendeten in ihre Regionalsendungen die Unglücksmeldung ein. Warum sich groß erregen über drei Arbeiter, die der Berg erschlagen hat. In der Welt verändert sich täglich so viel, ganze Länder werden erschüttert, Städte zum Einsturz gebracht. Flüsse treten über ihre Ufer, Berge speien Feuer und Schwefel; warum sich erregen über drei Männer, die weiter nichts als Opfer ihres Berufs wurden.“
Von der Grün beschränkte sich in Irrlicht und Feuer nicht auf allgemeine Aussagen, sondern nannte eine konkrete Unfallursache, nämlich einen Kohlenhobel und Panzerförderer. Und er hatte Ansichten und Sorgen verarbeitet, wie sie auch die Gewerkschaft IG Bergbau und Energie vertrat. Die Gewerkschaft unterstützte von der Grün daher auch uneingeschränkt in seinem Verfahren gegen Westfalia Lünen.[28] Als das vollständige Buch erschien, merkte man auf Seiten der Gewerkschaft erst, dass man selbst zur Zielscheibe der Kritik von der Grüns geworden war. Seinen Ich-Erzähler Jürgen Fohrmann lässt von der Grün räsonieren:
„Mit solchen Betriebsräten, wie wir sie haben, ist der Gewerkschaft nicht gedient, sie macht sich der Bestechlichkeit verdächtig. Vielleicht wird einmal die Zeit kommen, daß wir nicht mehr gegen die Unternehmer Front beziehen müssen, sondern auch gegen unsere eigene Gewerkschaft. […] Unsere Vertreter werden zu mächtig, sie verschanzen sich noch dahinter, daß sie nur unser Bestes wollen, aber wer sagt, daß sie nicht ihr Bestes wollen. Sie wachsen sich zu Bürokraten aus, und wenn sie Bürokraten geworden sind, müssen wir uns mit dem Unternehmer verbinden, um sie von ihren Stühlen zu jagen.“
Die Gewerkschaft empfand dies als Verunglimpfung und Kampfansage, die sie empört zurückwies. Verdächtig erschien zudem, dass von der Grüns Buch im katholischen Paulus-Verlag erschienen war und er Unterstützung durch die katholische Presse, die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung und die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft Deutschlands einerseits und aus der DDR andererseits erhielt, mithin aus dezidiert gewerkschaftsfeindlichen Kreisen.[30] Die Gewerkschaft wandte sich scharf gegen das „antigewerkschaftliche Buch“ und dessen Autor. Der Hauptvorstand der IG Bergbau und Energie distanzierte sich. Heinz Oskar Vetter schrieb einige Jahre später an den Kulturdezernenten der Stadt Recklinghausen: „Wir haben Max von der Grün genau beobachtet und erinnern uns noch gut, dass er jede Einbeziehung in die gewerkschaftliche Funktionärschaft bzw. in den gewerkschaftlichen Bildungsapparat abgelehnt hat. Wir halten ihn für einen Anarchisten ohne jede Vorstellung über eine fortschrittliche gesellschaftspolitische Entwicklung, Hier liegt auch – unabhängig von seinen Werken – unsere Ablehnung seiner Person.“[31] Walter Köpping kommentierte gegenüber Fritz Hüser, er habe den Eindruck, von der Grün wolle unbedingt ein Michael Kohlhaas werden.[31] Die Gewerkschaft verweigerte aber auch jede Diskussion über das Buch, um keine Werbung dafür zu machen. In den Augen mancher Zeitgenossen bestätigte sich damit freilich von der Grüns Kritik. Umgekehrt war von der Grün nicht bereit, irgendetwas zurückzunehmen.[32] Ob von der Grün selbst aus der Gewerkschaft austrat oder lediglich die Beitragszahlungen einstellte, lässt sich nicht eindeutig klären. Jedenfalls schied er aus der IG Bergbau und Energie aus, wurde aber nicht ausgeschlossen.[33] Der ehemalige Bergmann und Schriftsteller Hans Dieter Baroth kommentierte 1982, er kenne Max von der Grün, wisse, was er für ein Heißsporn sei, und „dass er, was den früheren Konflikt mit seiner Gewerkschaft betrifft, einen lyrischen Umgang mit der Wahrheit hat.“[33]
Vermutlich hatten die Gewerkschaften auch geglaubt, die Gruppe 61 sei so etwas wie eine literarische Untergruppe der Gewerkschaften. Köpping, zugleich Funktionär beim Vorstand der IG Bergbau und Energie, trat auf Druck der Gewerkschaft aus der Gruppe 61 aus. Die Ereignisse führten dazu, dass die Gruppe ihre Unabhängigkeit gegenüber außenstehenden Interessengruppen betonte.[34] Die Gewerkschaften übertrugen ihren Konflikt mit von der Grün aber auch auf die Gruppe 61, deren Mitglieder sich nicht von ihm distanzieren wollten. Die Gewerkschaftspresse nahm nur noch kritisch von den „Dortmundern“ Notiz. Publikationsmöglichkeiten in Gewerkschaftspublikationen fielen weg. Umgekehrt verschaffte der Fall von der Grün der Gruppe 61 überregionale Aufmerksamkeit.[35] Ab 1963 war von der Grün Mitglied der Autorenvereinigung „Die Kogge“ und ab 1964 Mitglied des Deutschen PEN-Zentrums Ost und West. Durch den Beitritt zum Verband Deutscher Schriftsteller 1963 wurde er Mitglied der Gewerkschaft IG Druck und Papier.[Scholz 27]
Durch den Prozess fand Irrlicht und Feuer allerdings die Aufmerksamkeit der Presse. Von der Grün wechselte zum prestigeträchtigen Luchterhand Verlag, der 1966 schon einen Almanach der Gruppe 61 verlegt hatte. Dabei hatte von der Grün beim Kulturestablishment noch als künstlerisch kaum ernstzunehmendes Zeitphänomen gegolten.[36] Aber von der Grün sollte sich als Schriftsteller behaupten. Ein Honorar von 80.000 DM, das für den Abdruck von Irrlicht und Feuer in der Neuen Illustrierten gezahlt wurde, bedeutete zunächst materielle Sicherheit. Auftragsarbeiten für den Rundfunk erleichterten den Übergang. Die Mehrzahl wurde für den WDR (für die Ressorts „Kulturelles Wort“ und „Hauptabteilung Politik“) produziert, zum Beispiel Ruhrgebiet? – Was ist das? – Gedanken zur Zeit, Am Tresen gehen die Lichter aus, einige auch für den Hessischen Rundfunk. Teilweise handelte es sich um überarbeitete Erzählungen (Urlaub am Plattensee, Ein Tag wie jeder andere), teilweise wurden die Sendungen später in überarbeiteter Form in Erzählungsbänden veröffentlicht. Aus der Erzählung Waldläufer und Brückensteher, einer Überarbeitung des Funkbeitrags Wenn der Nebel kommt, entstand das erste Hörspiel Smog (WDR). Die realistische Darstellung des lokalen Milieus und seiner Menschen sowie die eingängige und dialoglastige Schreibweise haben sich nach Ansicht Franz Schonauers als weitgehend mediengerecht erwiesen.[37]
Romanverfilmung durch das Fernsehen der DDR
Der eigentliche Durchbruch als Schriftsteller gelang von der Grün mit der Verfilmung von Irrlicht und Feuer durch den Deutschen Fernsehfunk der DDR.[Scholz 28] Tatsächlich hatten in der DDR die Werke der Gruppe 61 bereits früh wohlwollende Verbreitung gefunden. Walter Ulbricht galt als anerkennender Leser der Industrieromane von der Grüns. Die Berliner Zeitung hatte kurz nach Erscheinen Irrlicht und Feuer in Fortsetzungen abgedruckt und der Aufbau-Verlag 1964 eine Lizenzausgabe veröffentlicht, deren Erstauflage von 10.000 Exemplaren rasch vergriffen war. Die Texte der Gruppe 61 wurden in der DDR als „qualitativer Sprung in der Entwicklung der westdeutschen Literatur“ charakterisiert. Von der Grün wurde 1964 auch Mitglied des internationalen Autorenverbandes Deutsches PEN-Zentrum Ost und West mit Sitz in Ost-Berlin. Besucher aus der Sowjetunion suchten den Kontakt zur Gruppe 61. Aus ihrer Sicht bestätigte die Literatur der Gruppe 61 das Bild eines die Arbeiterschaft ausbeutenden westdeutschen Kapitalismus. Von Seiten der Gruppe 61 war man sich der ideologischen Instrumentalisierung bewusst und sah „das Pauschalverdammungsurteil von Springers Welt gegen eine selbstständige Arbeiterliteratur an der Ruhr in Kausalverbindung mit dem vorausgegangenen Pauschallob, das zwecks Sympathiewerbung vom Ostberliner Sonntag gespendet wurde, als Kalter-Kriegs-Hick-Hack“.[38] Im Rahmen der Propagierung eines Austauschs zwischen ost- und westdeutscher Arbeiterliteratur fand von der Grün besondere Beachtung. Austausche wie eine gemeinsame Lesung von der Grüns mit Willi Bredel in Dortmund im September 1964 wurden entsprechend inszeniert. Bredel charakterisierte von der Grün als „beispielhaft“ für den Widerhall des Bitterfelder Weges außerhalb der DDR. Im Oktober 1964 traf von der Grün Erwin Strittmatter in Düsseldorf. Ende 1964 unternahm er eine Lesereise durch die DDR. Von der Grün nahm die ihm zugedachte Rolle allerdings nicht an, sondern äußerte sich in Beiträgen kritisch über den Bitterfelder Weg, den er als zentral kontrollierte und gelenkte Arbeiterliteratur einstufte. Die literarischen Ergebnisse lehnte er „rundweg als bedeutungslos“ ab. Eine erneute Einreise von der Grüns im März 1965 wurde von der DDR in der Folge abgelehnt.[39]
Sowohl der NDR als auch der Deutsche Fernsehfunk hatten die Film- und Fernsehrechte an Irrlicht und Feuer erworben, aber nur in der DDR wurde der Film realisiert. Der NDR ließ die von Egon Monk erworbene Option auslaufen. Die Verfilmung in der DDR kam gleichwohl eher zufällig zustande, weil dem Drehbuchautor Gerhard Bengsch das Buch in die Hände gefallen war. Er trug das Projekt zunächst bei der DEFA vor, wo man ablehnte. Beim Deutschen Fernsehfunk war man überrascht, sah aber eine propagandistische Chance. Bengsch durfte von der Grün in Dortmund besuchen und kaufte beim Verlag die Filmrechte zu günstigen Bedingungen. Die Drehbücher entstanden 1965 in Abstimmung mit von der Grün. Gedreht wurde in den Babelsberger Ateliers der DEFA und im Zwickauer Steinkohlenrevier unter der Regie von Heinz Thiel und Horst E. Brandt (auch Kamera). Einige Aufnahmen entstanden sogar im Ruhrgebiet. Die Hauptrolle übernahm der populäre Günther Simon, der sein Image als Thälmann-Darsteller ablegen wollte. Im August 1966 wurde der Film in zwei Teilen im Fernsehen der DDR gesendet. Die Zuschauerreaktionen waren begeistert und wurden von der SED-Führung dazu benutzt, den Film als Augenöffner über das Wirtschaftswunder zu etikettieren.[40]
Laut Eckart Kroneberg wich der Film kaum von der Vorlage ab, sondern verbesserte die Handlungsstruktur, milderte grelle Töne und vertiefte seichte Stellen. Die westdeutschen Verhältnisse würden nicht verteufelt, die sozialistische Alternative nicht zu knüppeldick aufgetragen.[41] Es handelte sich, so Rüdiger Scholz, nicht um einen antiwestdeutschen Propagandafilm, sondern um eine um Realismus bemühte Darstellung. Gleichwohl erscheine das bundesdeutsche Proletariat als Hoffnungsträger für gesellschaftliche Veränderungen, während der Roman hier pessimistischer sei.[Scholz 29] Der Südwestfunk kaufte die Aufführungsrechte und im Juni 1968 wurde der Film in der ARD ausgestrahlt. Begleitet wurde er von einer Podiumsdiskussion und einem Interview von der Grüns mit dem damaligen Programmdirektor des SWF, Günter Gaus, der ihm vorwarf, die Darstellung im Roman entspreche nicht der Wirklichkeit.[Scholz 30] Auch wurde eine Dokumentation ausgestrahlt und eine Befragung 230 „repräsentativer“ Ruhrgebietler gezeigt, um den Wahrheitsgehalt infrage zu stellen. Dieses Vorgehen wurde in der westdeutschen Fernsehkritik zum Teil scharf kritisiert. Von der Grün erklärte, er identifiziere sich mit der Adaption seines Buches.[42]
Nach der westdeutschen Fernsehausstrahlung verkaufte sich der Roman besser, wurde in andere Sprachen übersetzt und erreichte insgesamt eine Millionenauflage. Für die Filmrechte hatte von der Grün aus der DDR DM 8.000,– erhalten, in etwa der Jahreslohn eines Bergmanns.[Scholz 31] 1968 hatte von der Grün den Schriftsteller Hans Dieter Schwarze kennengelernt, der die Drehbücher zu den Fernsehspielen Feierabend (1968) (nach der Erzählung „Waldläufer und Brückensteher“) und Schichtwechsel (1968) nach Texten von der Grüns verfasste.[43] Weitere Fernsehfilme waren Skizzen aus dem deutschen Alltag – der Mann am Schaltpult und Ostende. Schichtwechsel wurde 1970 gesendet, ebenso Aufstiegschancen.[44] Die Bundesrepublik hatte im Bereich des Genres „Arbeiterfilm“, das in den frühen 1970er-Jahren entstand, Nachholbedarf gegenüber der DDR, aber auch gegenüber Großbritannien. Westdeutsche Fernsehzuschauer erhielten kaum zuverlässige Informationen über Lohnempfänger, die bis dahin medial unterrepräsentiert waren. Die Fernsehanstalten im Westen nahmen mit ihren Arbeiterfilmen, so Stefan Wannenwetsch, „lediglich die Rolle des Kulturfolgers“ ein. Vor allem junge Intellektuelle zeigten Ende der 1960er Jahre ein wachsendes Interesse an der Arbeiterschaft.[45] Der Romanerfolg von Irrlicht und Feuer und die weiteren erfolgreichen Filme und Romane brachten von der Grün 1974 ein Jahreseinkommen von schätzungsweise DM 250.000 ein. Nach der Scheidung von seiner ersten Frau 1967 hatte von der Grün 1968 Elke Hüser, die Tochter Fritz Hüsers, geheiratet und lebte mit ihr und ihrem gemeinsamen behinderten Sohn Frank in einer Vierzimmerwohnung in Dortmund-Brechten.[Scholz 32]
Auseinandersetzung mit dem Faschismus und den Gewerkschaften
In seinem dritten Roman Zwei Briefe an Pospischiel (1968) beschäftigte sich von der Grün mit den Nachwirkungen der NS-Zeit in der Bundesrepublik. Die Handlung basiert auf dem Schicksal seines Stiefvaters Albert Mark, der nach dem deutschen Einmarsch ins Sudetenland im Oktober 1938 verhaftet und ins KZ Dachau verbracht wurde. Dabei korrigierte von der Grün die von ihm selbst kolportierte biografische Legende. Auch der Versuch, den Denunzianten zu Rede zu stellen, hat nach Angaben von der Grüns einen biografischen Hintergrund. Er sei 1967 mit seiner Mutter nach Bernau gefahren, um den Mann zu sehen.[Scholz 33] Der Roman wurde 1970 zweimal verfilmt, einmal von Roland Gall für das ZDF und von Ralf Kirsten in der DDR.[46]
Politisch hatte sich von der Grün in der SPD engagiert, der er 1951 beigetreten war und für die er 1965 gemeinsam mit Günter Grass Wahlkampf gemacht hatte. Nach Bildung der Großen Koalition war er 1967 aus der Partei ausgetreten.[Scholz 34] Auf seinen zahlreichen Lesereisen kam von der Grün auch mit der Außerparlamentarischen Opposition und dem SDS in Kontakt, stellte aber vor allem eine Sprachbarriere zwischen Arbeiter und Studenten mit ihrem „überkandidelte[n] Soziologendeutsch“ fest.[47] Er engagierte sich 1968 als Vorsitzender des Republikanischen Clubs Dortmund und Mitarbeiter im Kuratorium „Notstand der Demokratie“. Auch nahm er an Ostermärschen teil.[48] In seinen Interviews äußerte er sich aber fast gar nicht zur Remilitarisierung, den Notstandsgesetzen, zum Vietnamkrieg oder zur Antiatomkraftbewegung.[Scholz 35] Seine Themen fand von der Grün dort, wo er lebte. „Das Ruhrgebiet bietet einem Schriftsteller die allerbesten Stoffe an, weil hier alles kompakt, gedrängt und dennoch durchschaubar vor der Haustür liegt. Das nennt man Glücksfall“, rekapitulierte von der Grün 1986.[49] Das Ruhrgebiet verstand er, so schrieb er 1979, als „eine Ansammlung von Dörfern, denn die Innenstädte sind austauschbar: Glas und Beton sind so einfalls- und gesichtslos, wie jene Stadtväter waren, die diesen stupiden Wiederaufbau billigten. […] Hier wurde ein Jahrhundert lang zum Nutzen der Industrie gebaut, selten zum Nutzen des Menschen, und weil dem Ruhrgebietler das klar war, wuchsen die Siedlungen zu Gemeinschaften. Leben im Ruhrgebiet heißt für mich: Leben in einem Vorort. Die Herzstücke der Vororte sind die Kneipen, sie haben, nicht nur für mich, eine magnetische Anziehungskraft. Ich halte die Kneipen im Ruhrgebiet für die demokratischste Einrichtung überhaupt.“[50] Für von der Grün bedeutete die Kneipe aber auch Recherche. „Ich muß zum Beispiel abends an der Theke stehen“, erläuterte er 1967, „ich muß mit den Leuten reden können, besonders jetzt, wo es wieder Umwälzungen gibt im Ruhrgebiet, Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit.“[49]
Am 8. Januar 1969 hatte von der Grüns Stück Notstand oder das Straßentheater kommt Premiere im Ruhrfestspielhaus Recklinghausen, während es gleichzeitig am Maxim-Gorki-Theater in Ost-Berlin uraufgeführt wurde. Hintergrund des Stücks ist die Verabschiedung der Notstandsgesetze am 30. Mai 1968 sowie die Rolle der Bergwerksgesellschaften als Vermieter zecheneigener Häuser und Wohnungen.[Scholz 36] Darin konfrontierte von der Grün Arbeiter und politisierte Studenten. Der Arbeiter misstraut den „Grünschnäbeln“ mit den roten Fahnen und dem Adorno-Marcuse-Jargon, während der Versuch der Studenten, die Arbeiter aufzurütteln, scheitert.[48] Zum Konflikt kam es hier vor allem mit den Gewerkschaften. Walter Köpping, ehemaliger Mitstreiter in der Gruppe 61, warf von der Grün im Organ der Industriegewerkschaft Bergbau und Energie vor:
„Max von der Grün, der sich gern in der Pose eines sozialkritischen Schriftstellers präsentiert, gerät immer stärker in die Rolle eines nicht ernst zu nehmenden Phantasten. Seine unausgegorenen Angriffe gegen alles, was er zum Establishment zählt, haben den faden Geschmack einer Kritik, hinter der kein ernstes Anliegen steht. Es sind Attacken eines Nörglers. […] Statt seine schriftstellerische Kritik an den sozialen Verhältnissen in glaubwürdige Fassungen zu kleiden, baut er sich jeweils einen Popanz, um dann blindwütig auf ihn einzudreschen. Das wäre kaum erwähnenswert, träte er nicht mit dem Anspruch auf, seine Werke seien kritische schriftstellerische Verarbeitung tatsächlicher Verhältnisse. Statt ‚Anwalt der Arbeitnehmer‘ paßt daher zu von der Grün eher der Titel ‚Winkeladvokat‘, dessen Auslassungen für den sozialpolitischen Prozeß unserer Gesellschaft belanglos sind.“
In dem Roman Stellenweise Glatteis (1973) setzte sich von der Grün mit einem Abhörskandal in einem größeren Betrieb auseinander, der auf einem realen Vorfall beruhte, und verarbeitete die Septemberstreiks des Jahres 1969.[Scholz 37] In Interviews im Vorfeld des Erscheinens hatte von der Grün die Fiktionalität als Informantenschutz dargestellt und die Bank für Gemeinwirtschaft und die IG Chemie-Papier-Keramik als Teilnehmer einer realen Abhöraffäre benannt.[Scholz 38] Aufgrund der im Roman enthaltenen Kritik an der IG Chemie und dem Gewerkschaftsbund versuchte der Vorsitzende der Bank für Gemeinwirtschaft, Walter Hesselbach, von der Grün zu Änderungen zu bewegen, und drohte mit gerichtlichen Konsequenzen.[Scholz 39] In einem Beitrag für das ARD-Kulturmagazin Titel, Thesen, Temperamente warf die Journalistin Swantje Ehrenreich dem Autor am 9. März 1973 antigewerkschaftliches Verhalten vor, kritisierte, dass der Informant nicht genannt werde, und fand den Roman wenig literarisch. Von der Grün antwortete darauf in einem Artikel „Wir müssen uns wehren“ in der Frankfurter Rundschau vom 12. März 1973. Swantje Ehrenreich verteidigte zwei Tage später in der Frankfurter Rundschau ihre Thesen, woraufhin Stephan Reinhardt und Peter J. Bock in Leserbriefen für den Autor Partei ergriffen. In der Gewerkschaftspost der IG Chemie, Papier und Keramik wurde mitgeteilt, der Klarname der Firma sei Messer Griesheim, die ein Zweigwerk in Dortmund betreibe. Die Anlage sei im Einvernehmen mit der Betriebsleitung modifiziert worden, alles andere im Roman sei Erfindung. Von der Grün wurde vorgeworfen, einen Kolportageroman geschrieben und literarischen Rufmord verübt zu haben.[Scholz 40] Bis 1976 wurden in Deutschland ca. 250.000 Exemplare des Romans verkauft.[Scholz 41] Für das Fernsehen verfilmte Wolfgang Petersen den Roman 1975.[46]
Erfolg als Jugendbuchautor und Spätwerk
Das nach Auflagenhöhe zweiterfolgreichste Buch von der Grüns erschien 1976, das Jugendbuch Vorstadtkrokodile. Noch zu seinen Lebzeiten überschritt die Auflage der deutschen Fassung die Million. Es wurde Schullektüre, zweimal verfilmt (1977 und 2009) und inspirierte Fortsetzungsfilme sowie Hörspiele.[Scholz 42] In einem Interview berichtete von der Grün, das Buch selbst in vier Wochen geschrieben zu haben, aber weitere elf Monate mit der Überarbeitung zugebracht zu haben, um alles Intellektuelle abzustreifen und die Probleme altersgerecht in Dialogen herauszuarbeiten.[Scholz 43] Ein weiteres Jugendbuch, Friedrich und Friederike, erschien 1983 und schilderte Episoden aus dem Leben zweier Vierzehnjähriger aus einer Siedlung am Nordrand von Dortmund.[Scholz 44]
Von Februar bis Juni 1977 war von der Grün „writer in residence“ am Oberlin College in Ohio.[52] 1979 veröffentlichte er mit Flächenbrand ebenfalls einen in Dortmund spielenden Zeitroman. Hierin beschäftigte er sich mit den Themen Arbeitslosigkeit, Abriss einer Arbeitersiedlung und dem Anwachsen des Neonazismus. Kritisch setzte er sich dabei auch mit der Dortmunder SPD auseinander.[Scholz 45] Eine Verfilmung nach dem Drehbuch von der Grüns entstand 1981 unter der Regie von Alexander von Eschwege.[Scholz 46] Bereits 1977 hatte von der Grün das Drehbuch zu dem Film Späte Liebe geschrieben, der unter der Regie von Ilse Hofmann realisiert wurde. 1982 erschien eine Erzählung nach dem Drehbuch.[Scholz 47]
Von der Grün unterzeichnete 1981 eine Resolution gegen den Rücktritt des Hamburger Bürgermeisters Hans-Ulrich Klose und einen Appell der Schriftsteller Europas zur Beendigung des Wettrüstens.[52] Den Kulturpreis der Stadt Bayreuth erhielt er 1982 auf Widerspruch der CSU-Fraktion nicht.[53] Er solidarisierte sich mit Streiks, etwa dem wilden Streik bei der Hoesch AG Dortmund 1973 oder dem Kampf um den Erhalt des Stahlwerks Rheinhausen, wo er sich an der Blockade beteiligte und das Nachwort zur Reportage von Bernd Hendricks schrieb.[Scholz 48]
In Die Lawine wählte von der Grün 1986 die Form eines Kriminalromans. Der Roman schildert den Versuch, einen kapitalistischen Betrieb in den Besitz der Belegschaft zu überführen und damit zu sozialisieren. Hintergrund waren die Schenkung seiner Glashütte in Immenhausen an die Belegschaft durch den Fabrikanten Richard Süßmuth im Jahr 1970 und die Verschenkung seiner Fotohandelskette an seine Mitarbeiter durch Hannsheinz Porst im Jahr 1972.[Scholz 49] Eine geplante Verfilmung wurde im November 1987 durch den WDR fallen gelassen.[Scholz 50] Der Roman war von der Literaturkritik kaum noch zur Kenntnis genommen worden und von der Grüns Veröffentlichungen wurden spärlicher.[53]
Der letzte größere Roman, Springflut von 1990, bediente sich erneut des Genres des Kriminalromans. Der Ich-Erzähler Thomas Koch ist ein 50-jähriger Journalist, der nach Anfängen bei einer linken Studentenzeitung inzwischen als Lokalredakteur einer CDU-orientierten Zeitung arbeitet. Es geht um Pläne, ein leer stehendes Schulgebäude für Aussiedler umzubauen, und den Mord an einer jungen Polin, deren Leiche im Dortmunder Hafen gefunden wird.[Scholz 51] Peter Mohr konstatierte 1996 anlässlich von der Grüns 70. Geburtstags in der Berliner Zeitung, dieser sei ein „Aufklärer im Abwärtstrend“, mit dem es in den 1980er-Jahren „rapide bergab“ gegangen sei. Die Lawine sei verrissen und die Springflut fast gar nicht mehr zur Kenntnis genommen worden. Von der Grüns Dilemma sei es, sich seit seinen literarischen Anfängen nicht weiterentwickelt zu haben. Sein literarisches Genre in der Tradition der Arbeiterdichtung habe er nicht davor bewahren können, vom Aussterben bedroht zu sein.[54]
Von der Grüns letzte Veröffentlichungen zu Lebzeiten waren die Kurzgeschichtenbände Die Saujagd und andere Vorstadtgeschichten (1995) sowie Die schöne Unbekannte (1997). Er wirkte auch noch an dem Projekt Mein Kriegsende des WDR mit, bei dem 25 Schauspieler und Schriftsteller des 60-jährigen Kriegsendes gedachten. Das Werk wurde eine Woche nach seinem Tod ausgestrahlt.[53]
Max von der Grün starb 78-jährig an den Folgen eines Herzinfarkts in Dortmund-Lanstrop.[55] Hier hatte er mit seiner dritten Ehefrau Jennifer, die er 1973 in Birmingham kennengelernt und 1983 geheiratet hatte, in einem Reihenhaus gelebt.[Scholz 52] Max von der Grün wurde auf dem Bezirksfriedhof Dortmund-Scharnhorst beerdigt.[56] Sein Nachlass im Umfang von 70 Archivkartons liegt im Fritz-Hüser-Institut, das sich auf dem Gelände der Dortmunder Zeche Zollern befindet.[57]
Im Bielefelder Pendragon-Verlag erschien von 2009 bis 2011 eine zehnbändige Werkausgabe.
Werk
Die Rezeption des Werks Max von der Grüns unterlag deutlichen Schwankungen und erwies sich als abhängig von gesellschaftlichen Entwicklungen.[58] Von der Literaturkritik wurde es kaum akzeptiert und literaturwissenschaftlich nicht umfangreich aufgearbeitet. Lange wurde von der Grün als Verfasser kurzweiliger Chroniken seiner Welt im Ruhrgebiet ohne hohen literarischen Anspruch wahrgenommen und als „Arbeiterschriftsteller“ apostrophiert.[59] Bereits 1960 wies Fritz Hüser dieses Etikett zurück. Die schriftstellerischen Versuche, den Umkreis der Arbeitswelt und das Leben der Menschen im Betrieb und in der Freizeit zu schildern, seien keine Arbeiterdichtung und könnten auch nicht nur mit den Namen Max Barthel, Karl Bröger und Heinrich Lersch gekennzeichnet und verbindlich bestimmt werden.[60] Weder die Arbeiterdichtung der 1920er- und 1930er-Jahre noch die Versuche der „Schreibenden Arbeiter“ in der DDR könnten Vorbild sein, um die Veränderungen der Gesellschaft, die Unsicherheit und das quälende Unbehagen der arbeitenden Menschen literarisch zu gestalten[61]:
„Pathos und Arbeitsheldentum, Fabrikarbeit als religiöse Handlung und die Verwunderung, daß ein Arbeiter auch schreiben kann, sind überwunden. Sie haben einer nüchternen und distanzierten Haltung zur Arbeit und zum industriellen Arbeitsbereich Platz gemacht […]
Die Autoren der Dortmunder Gruppe 61 schreiben nicht als Arbeiter für Arbeiter, sie wollen einen Beitrag leisten zur literarischen Gestaltung aller drängenden Fragen und Erscheinungen unserer von Technik und ‚Wohlstand‘ beherrschten Gegenwart. Nicht der Beruf und die soziale Stellung des Schreibenden ist entscheidend – wichtig allein ist nur das Thema und die Kraft, es künstlerisch darzustellen.
Kritisch und mit Unruhe betrachtet von Vertretern der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisationen, mehr behindert als befördert wollen sie sich – in jeder Beziehung Unabhängigkeit anstrebend und frei von politischen und staatlichen Aufträgen und Richtlinien – mit den sozialen und menschlichen Problemen der industriellen Arbeitswelt künstlerisch auseinandersetzen, ohne Rücksicht auf Proteste und ärgerliche Reaktionen ängstlicher und empfindlicher Vertreter des öffentlichen und betrieblichen Lebens.“
Unter „Arbeiterliteratur“ oder „Literatur der Arbeitswelt“ verstanden die Vertreterinnen und Vertreter der Gruppe 61 somit literarische Darstellungen aktueller Themen- und Problemkreise der industrialisierten Moderne, die sich nicht primär an die Arbeiterschaft richteten, sondern vielmehr an das breite, nicht zuletzt bildungsbürgerliche Publikum, das die Werke nicht zuletzt aufgrund ihres künstlerisch-ästhetischen Wertes lesen sollte.[63] Franz Schonauer hat die Distanzierung Hüsers von der Arbeiterdichtung der 1920er- und 1930er-Jahre in Frage gestellt. Hüser habe sich Ende der 1950er-Jahre um die Ehrenrettung Lerschs und Barthels bemüht, die mit dem Nationalsozialismus sympathisiert hatten, und Beiträge von Mitgliedern der Gruppe 61 über die bekanntesten Vertreter der „Arbeiterdichtung“ in der Gewerkschaftlichen Rundschau angeregt. Dass Hüser und Veteranen wie Bruno Gluchowski und Otto Wohlgemuth, aber auch Gewerkschafter wie Walter Köpping an diese Traditionen anknüpfen wollten, sieht er in den Zeitverhältnissen begründet, die für klassenkämpferische Parolen nicht günstig waren.[64] So mögen bei der Gruppe 61 auch Überlegungen eine Rolle gespielt haben, dem „Bitterfelder Weg“ der DDR etwas entgegenzusetzen.[65]
Im Kunstbegriff der Gruppe 61, darauf weist Uwe-K. Ketelsen hin, war das Kunstwerk dabei selbstbestimmt nur den eigenen Gesetzen verpflichtet. Als Raum der physischen wie der moralischen Freiheit wurde alles „Interesse“ daraus verbannt und als „Tendenz“ und „Propaganda“ denunziert. „Das wahre Kunstwerk agitiert nicht, lehrt nicht, es beschreibt nicht nur, es legt vielmehr einen tieferen ‚Sinn‘ hinter den Erscheinungen frei, d.h. es arbeitet die thematisierte Referenzebene zu einem Symbol um.“[66] Die moralische Empörung sowohl der Gruppe 61 als auch des Werkkreises zielte darauf ab, so Sibylle Marti, „dass die Arbeiterin bzw. der Arbeiter in der fordistisch geprägten Nachkriegsindustriegesellschaft als Mensch zu wenig Raum und Beachtung fand.“[67] Hier unterschied sich diese Konzeption auch von der des Werkkreises, dessen Mitglieder nicht länger den literarischen Anspruch der Arbeiterliteratur, sondern die damit verbundene politische Praxis ins Zentrum ihrer Anstrengungen rücken wollten. Schreiben galt ihnen als explizit politische Handlung zur Selbstvergewisserung und Bewusstseinsbildung, aber auch zur Selbstermächtigung und Emanzipation der Arbeiterschaft.[68]
Von der Grün bezeichnete das Etikett des „Arbeiterdichters“ als „Quatsch mit Soße“.[69] Sein Selbstverständnis lag darin, dass er zwar eine Veränderung der Gesellschaft anstrebte, aber versuchte, beim Leser das Bewusstsein zu dieser Veränderung herbeizuführen.[70] In einem Gespräch erklärte er 1974: „Wenn mich vielleicht einer fragt, was ich für die Literatur und damit auch für die Gesellschaft getan habe, dann würde ich bis heute jedenfalls sagen, daß ich – mit anderen – eine neue gesellschaftliche Dimension in die Literatur hineingetragen habe.“[70] Hanno Beth und Stephan Reinhardt sprechen dementsprechend vom Etikett des Arbeiterdichters als „zumeist nicht eben wohlwollende, vielmehr leicht verächtlich-denunziatorische, weil Abstand demonstrierende Bezeichnung“.[70] Sein Schreiben definierte von der Grün 1973 aber auch: „Ich schreibe für die Klasse, aus der ich komme und der ich mich nach wie vor verbunden fühle […]: Für den, der täglich ausgebeutet wird für den Profit weniger. Ob das Arbeiter sind oder Angestellte oder welche Termini man sonst noch findet“. In von der Grüns Verbindung aus proletarischer Herkunft, ‚sozialem Aufstieg‘ und anhaltender Klassenverbundenheit zeigen sich nach Ansicht von Henning Podulski daher Parallelen zu Merkmalen heutiger Klassenliteratur bzw. class literature, die im angloamerikanischen Raum unter literature and class diskutiert werde und die mit der deutschsprachigen Veröffentlichung von Didier Eribons Rückkehr nach Reims (2016) auch im deutschsprachigen Raum gesteigerte Öffentlichkeit erfahren habe.[71]
Während der 1970er- und 1980er-Jahre war von der Grüns Werk lediglich Gegenstand unveröffentlichter Dissertationen und Examensarbeiten.[Scholz 53] Martin H. Ludwig betont 1976, die realistische Darstellung sei von der Grüns schriftstellerisches Anliegen, nicht die Emanzipation des Helden im Roman. Als nonkonformistischer Sozialist rechne von der Grün mit einem breiten Spektrum komplementären kritischen Bewusstseins, „das die realistische Darstellung von Mißständen in der Arbeitswelt und die durch das Stilmittel der Übersteigerung pointierten Hinweise in gezielt kritische Haltung und Aktion umwandeln kann“. Diesem Ziel habe auch die publizistische Tätigkeit von der Grüns gedient.[72] Rüdiger Safranski verortet 1976 die Arbeiterliteratur am Anfang der 1960er-Jahre zwischen den Polen einer an der sozialdemokratischen Arbeiterdichtung orientierten Heroisierung der Arbeit und der Thematisierung der Arbeitswelt als eines Ortes metaphysischer Erlebnisse. Weder die gesellschaftlichen Hintergründe der Krise des Bergbaus noch ihre Auswirkungen auf die Bergarbeiter kämen in den Blick. Von der Grün präsentiere zwar Arbeiter, aber als Akteure eines Problemzusammenhangs, der mit den Problemen und Konflikten der westdeutschen Bergarbeiter während der Krise im Bergbau wenig zu tun habe.[73]
In den 1990er-Jahren wurde es noch stiller um von der Grün.[Scholz 54] Erst mit dem Tod von der Grüns sowie der 50. Wiederkehr der Gründung der Dortmunder Gruppe 61 hat sich die Forschung unter den verschiedensten Aspekten wiederbelebt.[74] Rüdiger Scholz beklagt, dass von der Grüns Dialektik der Darstellung gesellschaftlicher Verhältnisse verkannt worden sei. Mit ihrem kompromisslos nüchternen Sprachstil, der in Figurenrede Alltagssprache einzufangen versuche, habe von der Grüns Prosa den Beginn einer neuen Literaturepoche dargestellt. Dass gerade akademisch vorgebildete Rezensenten die Kunstfertigkeit der Sprache nicht erkannt hätten, sei ein hohes Lob, weil das Ziel erreicht worden sei, den Charakter als Kunstsprache vergessen zu machen. Die Literatur von der Grüns habe die abgerissene Tradition proletarisch sozialistischer Literatur und Publizistik in der Bundesrepublik erneuert und damit auch eine Brücke zur DDR geschlagen. Die Gesellschaftskritik von der Grüns im Bereich der industriellen Arbeitswelt sei dann von der studentischen 68er-Bewegung aufgegriffen worden. Von der Grün habe eine Brücke zwischen der Arbeiterschaft und der akademischen Oppositionsbewegung gebaut.[Scholz 55]
Neben dem thematischen Schwerpunkt ist das Werk Max von der Grüns auch regional verortet worden. Thomas Schwarz ordnet Max von der Grün innerhalb der Literatur über das Ruhrgebiet der „(dokumentarischen) Arbeiterliteratur“ zu, die sich von experimentelleren Literaturformen vor allem darin unterscheidet, dass eine gewisse Kontinuität zur Arbeiter- und Industrieliteratur vom 19. Jahrhundert bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts besteht.[75] Kevin Drews hält die Bezeichnung als realistisch-dokumentarische Literatur allerdings für zu ungenau. Man müsse bestimmen, wie sich die Formen der Kritik an der Arbeitswelt in den Romanen Max von der Grüns von der Kritik an der Arbeit im Bergbau (Männer in zweifacher Nacht, 1962; Irrlicht und Feuer, 1963) zu der Kritik an der Arbeit im Kraftwerk (Zwei Briefe an Pospischiel, 1968) oder der Kritik an der Arbeit eines Fernfahrers (Stellenweise Glatteis, 1973) verändern. Die gewerkschaftlich orientierte Kritik von der Grüns an spezifischen Arbeitsverhältnissen gehe „zunehmend in eine globalere Kritik an der (auch durch die Gewerkschaften repräsentierten) anthropologischen Universalisierung der Idee vom animal laborans [über], das sich ausschließlich über Arbeit zu definieren vermag.“ Auch die vermeintlich eindeutige Arbeitsweltliteratur Max von der Grüns der 1960er Jahre sei nicht auf eine einzige Arbeitswelt zu verengen.[76] Für Drews hat von der Grün das Bild der Ruhrgebietslandschaft als eine ausschließliche Arbeitswelt erweitert, indem Nicht-Arbeit, Freizeit, Müßiggang als das Andere der Arbeit häufiger auftauchen, um die Arbeits- und Machtverhältnisse auf eine viel grundsätzlichere Weise zu kritisieren als durch die Beschreibung der Arbeitswelt.[77] In Roman Stellenweise Glatteis (1973), aber auch in anderen Erzählungen und Aufsätzen der 1970er Jahre habe von der Grün dasjenige kritisiert, was eigentlich als Erfolg der Gewerkschaft ausgegeben werde: Die Humanisierung der Arbeitswelt. Humanisierung der Arbeitswelt bedeute nach von der Grün für die Gewerkschaft bloß die Aushandlung von Tarifen und besseren Löhnen, der Mensch hinter dem lohnabhängig Arbeitenden bleibe jedoch ausgespart. Das sei weniger eine Humanisierung der Arbeitswelt als eine Laborisierung des Humanen.[78]
Weil er sich eng an die Bezugsgrößen seines unmittelbaren Lebensumfeldes halte und künstlerisch zur Vermittlung einer atmosphärischen Dichte fähig sei, fühlen sich Hanno Beth und Stephan Reinhardt bei Max von der Grün an Joseph Roth erinnert.[70] Für Heinz Georg Max drängen sich Vergleiche mit Hans Fallada förmlich auf.[59]
Das Romanwerk
„Männer in zweifacher Nacht“ (1962)
Der Roman schildert das Schicksal dreier Bergleute, des Theologie- und Werkstudenten Johannes Brinkmann und der erfahrenen Bergleute „Stacho“ Hubalek und Josef Kießling. In Folge von Gebirgsschlägen brechen die Firste einer Strecke ein. Die drei können sich an deren Ende retten. Dort eingeschlossen mangelt es ihnen an Wasser, Nahrung und Atemluft. Aus der Perspektive eines allwissenden Erzählers schildert von der Grün die Konflikte der Eingeschlossenen untereinander und die Bemühungen zu ihrer Rettung.[Scholz 56] Der Roman zeichnete sich durch die detailgenaue Darstellung von Arbeitsabläufen aus der Sicht der Arbeiter aus und übte Kritik an den Arbeitsbedingungen bis zu den Lohn- und Besitzverhältnissen. Rückblickend, so sieht es der Germanist Rüdiger Scholz, stellte der Roman Männer in zweifacher Nacht von 1962 „den Beginn der neuen deutschen westdeutschen Industriedichtung dar.“[Scholz 57] Der Roman erschien zu einem Zeitpunkt, als sich in der Öffentlichkeit Stimmen wie Alfred Andersch, Wolfgang Rothe und Walter Jens zu Wort gemeldet hatten, die das Fehlen von Literatur über konkrete Arbeitswelten beklagten.[Scholz 58] Andererseits merkt Dirk Hallenberger an, dass die generelle Arbeitssituation des Bergmanns, gewissermaßen seine anthropologische Bestimmung, im Mittelpunkt stehe. Damit werde der Beruf des Bergmanns bisweilen als einzigartig apostrophiert, so dass im Roman die Gefahr einer Verklärung lauere. Einzelne Stellen mit religiös aufgeladenem Pathos störten die realistische Darstellung.[79]
„Der Berg, die Gefahr, der Kumpel: Trinität gefährlichen Alltags.
Der Berg: ein Fluch – ein Gebet.“
Von der Grün geht zuvor auf das Ort ein, einen Fachbegriff des Bergbaus, der bei ihm für den Bergmann „das Ende der Welt“ bedeutet. Auf die Grenzsituation des Bergmanns, „seine große Verlassenheit“, hinzuweisen, ist laut Hallenberger ein zentrales Anliegen von Männer in zweifacher Nacht und scheine damit mühelos an die heroisierende Bergarbeiterdichtung der Weimarer Republik anzuschließen. Andererseits stelle der Roman Bezüge zur Gegenwart der beginnenden Bergbaukrise her. Auch das Thema Nationalsozialismus wird etwas unvermittelt angeschnitten.[81]
Fritz Hüser würdigte die nüchtern-sachliche Darstellung der Bergmannsarbeit. Kritiker wie Hanno Möbius sahen hingegen weniger Realistik als eine sprachliche Dämonisierung und Archaisierung der Arbeitsbedingungen, durch welche die Grube als „Monstrum“ dargestellt werde. Franz Schonauer ordnete den Roman wegen seiner Sprache und einer Neigung zur Mythisierung in die Kategorie der heroisierenden Arbeiterdichtung ein.[Scholz 59] Rüdiger Scholz hält dies für krasse Fehlurteile, denn die Darstellung sei sachlich exakt und vermittele zugleich die Empfindungen der Eingeschlossenen.[Scholz 60] Von der Grün erzähle in der Tradition des realistischen Romans des 19. Jahrhunderts aus wechselnden Perspektiven seiner Figuren mit einem unpersönlichen Erzähler, in einer Sprache, die den Schein von Alltäglichkeit erzeuge. Der Unterschied zu späteren Werken bestehe in der Erzählsituation. Die nachfolgenden Romane seien alle Ich-Erzählungen.[Scholz 61] Mit seiner religiösen Thematik stellt der Roman darüber hinaus von der Grüns Abkehr vom Christentum dar. Hatte er sich seit seiner Heirat noch in der evangelischen Kirche engagiert, trat er 1960 aus der Kirche aus. Im Roman erweist sich der Atheismus des Arbeiters Stacho als dem christlichen Glauben des Theologiestudenten überlegen, der den Entschluss fasst, sein Theologiestudium zugunsten der Medizin aufzugeben.[Scholz 62]
„Irrlicht und Feuer“ (1963)
In Irrlicht und Feuer berichtet der Protagonist Jürgen Fohrmann als Ich-Erzähler über seine Erlebnisse am Arbeitsplatz und in der arbeitsfreien Zeit. Da der Ich-Erzähler auf der Höhe des Geschehens bleibe und unvermittelt und assoziativ Erlebnisse und Ereignisse schildere statt einen ordnenden Blickwinkel einzuhalten, dokumentiert er nach Ansicht Martin Ludwigs ein Arbeiterbewusstsein, wie es die soziologische Literatur beschreibe.[82] In der Form eines Stationenstücks folgt der Roman der Lebensgeschichte seines Protagonisten während des beginnenden Strukturwandels im Ruhrgebiet. Fohrmann sucht nach der plötzlichen Schließung seiner Zeche nach einer neuen, sinnvollen Tätigkeit. An verschiedenen direkten Bezügen lässt sich erkennen, dass der Roman im Jahr 1962 spielt. Die erzählte Zeit beträgt dabei ein Jahr.[83] Fohrmann arbeitet zunächst auf einem Eisenverladeplatz, dann im Straßenbau und schließlich in einer Fabrik. Aufgrund seines unsicher gewordenen Einkommens nimmt auch seine Ehefrau eine Beschäftigung auf. Obwohl es Fohrmann gelingt, sich zum weißen Kittel der Fließbandarbeit in der Fabrik hochzuarbeiten, bleibt er unzufrieden, da die Arbeit zwar leicht, aber extrem eintönig ist. Die Arbeit verschleißt nicht den Körper, aber die Psyche des Menschen.[84] Der Roman behandelt Ehefragen, Frauenarbeit, NS-Vergangenheit, DDR-Flüchtlinge und die erlebbaren Hierarchiestufen der Arbeitswelt. Enthalten sind darin auch eine scharfe Kritik an Arbeitnehmervertretern und die Schilderung repetitiver Arbeit an einer Bohrmaschine.[82] Von der Grün wurde aufgrund seiner auch in weiteren Romanen fortgesetzten Gewerkschaftskritik ein individueller und persönlicher Hass auf die Gewerkschaften unterstellt.[Scholz 63] Er war 1951 in die Gewerkschaft IG Bergbau und Energie eingetreten und wurde 1964 als Mitglied gestrichen.[Scholz 64]
Gemessen an der außerliterarischen Reaktion auf Irrlicht und Feuer nimmt sich die Zahl der Kritiken, die sich auf den Text konzentrieren, gering aus. Aber von der Grün hatte sich außerhalb des Ruhrgebiets auch noch keinen Namen gemacht. Dem Roman wurden vor allem Glaubwürdigkeit und Authentizität bescheinigt, indes eine unnötige Themenausweitung vorgeworfen.[85] In einer der wenigen überregionalen Rezensionen kritisierte Günter Zehm in der Welt 1965 den Roman als künstlerisch belanglos. Aus der DDR-Perspektive warf Günther Cwojdrak dem Autor vor, seine Erlebnisse und Erfahrungen zu wenig verarbeitet, naiv naturalistisch und sprachlich umständlich dargestellt zu haben. In den Frankfurter Heften monierte Lothar Romain, von der Grün biete keine Sprache für die Wirklichkeit, sondern kaschiere sie „mit einem Arsenal entwerteter Symbole“.[Scholz 65] Rüdiger Scholz konstatiert, die These von den sprachlichen und kompositorischen Mängeln sei zum Stereotyp der Rezensionen und wissenschaftlichen Abhandlungen geworden.[Scholz 66] Er verweist darauf, dass der Schein der Kunstlosigkeit trüge. Die künstlerische Raffinesse bestehe darin, „die Erzählung als Sprache eines wenig gebildeten, aber klar denkenden und menschlich urteilenden Arbeiters erscheinen zu lassen, der scheinbar nur nebenbei seinen Kollegen seine Erlebnisse berichtet.“[Scholz 67] Für Scholz hat selten ein Roman die Geschichte eines Landes so stark beeinflusst wie Irrlicht und Feuer. Hauptprobleme der westdeutschen Gesellschaft zu Beginn der 1960er-Jahre seien darin zu einer bis ins Detail realistischen Darstellung proletarischer Lebensverhältnisse verdichtet und durch die Lebensgeschichten der Hauptfiguren mit der Geschichte der DDR und den Folgen des Nationalsozialismus verklammert worden. Der Roman bedeute den Wiederbeginn der mit der Weimarer Republik untergegangenen Literatur der Arbeitswelt aus proletarischer Sicht, den Neubeginn eines gesellschaftshistorischen Realismus und einer politisch provozierenden Literatur.[Scholz 68] Für Gerhard Rupp registriert der Roman die Veränderung der Arbeitswelt und der Freizeit durch das Konzept der (zunehmenden) Entfremdung. Objektives Korrelat sei das monotone Geräusch „Raaaa-itsch, raaaaitsch, raaaa-itsch“ des Stanzbohrers, den Fohrmann bedienen muss und mit dem zahlreiche Absätze im letzten Viertel des Romans eingeleitet werden. Die repetitive Arbeitsteilung stelle den Produktionsfaktor „Mensch“ zur Gewinnmaximierung ins Zentrum, was sich in ähnlicher Weise auch im Freizeit- und Konsumbereich zeigen lasse.[86]
Die weiteren Romane
Der Roman Zwei Briefe an Pospischiel (1968) handelt von Paul Pospischiel, der nicht mehr unter Tage, sondern als Facharbeiter in einem Dortmunder Kraftwerk arbeitet. Ihn erreicht der Brief seiner Mutter, die noch in der Oberpfalz nahe der tschechischen Grenze lebt. Sie glaubt, den Mann gefunden zu haben, der für die Verschleppung ihres Mannes ins Konzentrationslager verantwortlich war, und bittet den Sohn, ihr dabei zu helfen, den Denunzianten aufzusuchen und zu konfrontieren. Obwohl er keinen Urlaub bekommt, entschließt sich Pospischiel zu seiner Mutter zu fahren, verliert aber in der Folge dauerhaft einen erheblichen Teil seines Lohns.[Scholz 69] In Rezensionen wurde von der Grün eine künstlerische Weiterentwicklung attestiert. Wiederum Günter Zehm kritisierte von der Grün als „Laiendichter“ mit „tollpatschigen Naturalismus“ und warf ihm „literarische Schlamperei“ vor.[Scholz 70]
In Stellenweise Glatteis (1973) befasst sich von der Grün mit einem Abhörskandal in einem größeren Betrieb und den Mechanismen im Klassenkampf von oben in einem Unternehmen Anfang der 1970er Jahre. Ausgehend von dem Sexualmord an der zehnjährigen Tochter des Bauunternehmers Schöller, der aber im weiteren Romanverlauf keine weitere Rolle spielt, schildert von der Grün die soziale Topographie der Straße, in welcher sein Ich-Erzähler Karl Maiwald wohnt. Maiwald ist Betriebsrat in der Firma Maßmann, die Industriegase herstellt, und entdeckt durch Zufall eine Abhöranlage im Vorzimmer des Chefs. Die Gewerkschaft zeigt kein Interesse daran, den Skandal ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Allein die Kommunisten drucken ein Flugblatt.[Scholz 71] Der Roman wurde überwiegend positiv rezensiert.[Scholz 72] Allerdings überlagerte die öffentliche Kontroverse zunehmend die Rezeption.[Scholz 73]
Marcel Reich-Ranicki unterstellte von der Grün 1973 in der Zeit materielle Motive. Wer nicht erzählen könne, erzähle vom Alltag der Arbeiter. Das mache sich bezahlt.[Scholz 74] Für Vintila Ivanescu in der Welt entpuppte sich der Roman „als Rabengesang eines Agitpropdichters“.[Scholz 75] In der Frankfurter Rundschau meinte Klaus Morgenstern, der Roman sei „reportagehaft trocken, mit der für von der Grün typischen schnoddrigen Hemdsärmeligkeit geschrieben“. Erasmus Schöfer sprach von einem „Kolportageroman“ mit einem an Trivialliteratur orientierten Publikum.[Scholz 76] Heinrich Vormweg verteidigte den Roman gegen die Kritik, nicht dokumentarisch zu sein. Er sah die Qualitäten darin, „die eindringliche Reales komplex vermittelnde Sachlichkeit der Erzählung und die Knappheit der ganz und gar unrhetorischen, trockenen, die Konventionen realistischen Erzählens auf die Sache zu unterlaufenden Prosa.“[Scholz 77]
Der Roman Flächenbrand (1979) schildert die Geschichte des Maurers Lothar Steingruber, der aus der SPD ausgeschlossen wird, weil er an einer von Kommunisten organisierten Demonstration gegen Fahrpreiserhöhungen teilgenommen hat. Sein Freund Frank ist Ortsvorsitzender der SPD und tritt aus der Partei aus, als die SPD-Stadtratsfraktion den Abriss einer Arbeitersiedlung für Neubauten beschließt. Gemeinsam decken Frank und Lothar neonazistische Umtriebe auf. Eine „Gesellschaft zur politischen Erneuerung Deutschlands“ hatte Waffen geschmuggelt und verteilt.[Scholz 78] Der Roman wurde unterschiedlich aufgenommen. Ingeborg Drewitz lobte im Tagesspiegel die Milieukenntnis und Menschenbeobachtung. Josef Quack fand in der FAZ, dass von der Grün seine Konstruktionslaune bisweilen zu weit treibe.[Scholz 79] Hanno Beth und Stephan Reinhardt sehen in Flächenbrand bestenfalls ein Panorama gesellschaftlicher Verhältnisse, keinesfalls aber ein Soziogramm. Die recht platt und individualistisch motivierten Handlungen der Protagonisten führten im Verein mit einer Reihe von Unwahrscheinlichkeiten dazu, dass das gesellschaftliche Umfeld des Romanpersonals lediglich plakativ beschworen, nicht aber konkret beim Namen benannt werde. Bei der analytischen Grobschlächtigkeit stelle sich keine Transparenz der gesellschaftlichen Verhältnisse ein.[70] Rüdiger Scholz sieht mehr als in den vorangegangenen Romanen „Trauer über den schleichenden Verlust der Handlungsmächtigkeit der Arbeiterschaft, über das Auszehren gesellschaftlicher wie individueller Lebensziele, über das Ausbleiben von Utopien und Visionen einer besseren Gesellschaft“.[Scholz 80]
Die Erzählung Späte Liebe (1982) entstand nach von der Grüns Drehbuch zum gleichnamigen Fernsehfilm von 1977. Darin schildert er in Erinnerung an seine Eltern das späte Glück zweier siebzigjähriger Menschen, die sich auf dem Friedhof begegnen, heiraten und auf Hochzeitsreise nach Paris gehen. Allerdings ist die Erzählung utopisch.[Scholz 81] Die Kritik nahm sie nicht wohlwollend auf. Michael Zeller sprach 1982 in der FAZ von einer „Schablone des Trivialen“ und bezeichnete die Erzählung als „Ärgernis“.[Scholz 82] Für Hanno Beth und Stephan Reinhardt verhielten sich die außer Zweifel stehenden honorigen Absichten umgekehrt proportional zu ihrer literarischen Umsetzung.[70]
In dem Roman Die Lawine (1986) erzählt von der Grün in der Form eines Trivialromans die Geschichte der Schenkung eines Betriebes an seine Belegschaft. Rüdiger Scholz meint, die Kritiker hätten dabei die Ironie der Trivialisierung nicht verstanden. Von der Grün habe Alltäglichkeit und Figurenkonstellation als subtiles Mittel der Gesellschaftskritik bewusst eingesetzt.[Scholz 83] Hanno Beth und Stephan Reinhardt kritisieren, dass sich von der Grün, wie in seinen letzten Büchern zunehmend, auf eine reißerisch und zum Teil holzschnittartig erzählte spannende Handlung verlasse und meinen, dass das Urteil der Literaturkritik auch daher zurückhaltend bis kritisch war.[70]
Auch von der Grüns letzter Roman, Springflut von 1990, bediente sich des Genres des Kriminalromans. Von der Grün setzte sich darin mit den Aversionen der Bundesdeutschen gegenüber den Spätaussiedlern auseinander. Im Zentrum stehen die Auseinandersetzungen um ein nicht mehr benötigtes Schulgebäude, das für Aussiedler umgebaut wird.[Scholz 84] Der Roman stieß überwiegend auf Ablehnung. Wilhelm Pauli in der Zeit und Gert Oberembt in der Süddeutschen Zeitung monierten die Häufung von Klischees. Dagegen fand es Norbert Schachsiek-Freitag in der Frankfurter Rundschau nicht richtig, dies dem Roman anzukreiden.[Scholz 85] Rüdiger Scholz meint, es handele sich um eine satirischen Farce des Journalismus, die von der Spannung zwischen den realistisch gröbsten Unwahrscheinlichkeiten der Handlung und dem starken Detailrealismus lebe. Es sei ein witzig ironischer und furioser politischer Zeitgeschichtsroman.[Scholz 86] Die Kritiker hätten von der Grüns Ironie und Satire verkannt und seien aufgrund ihrer Vorurteile gegenüber von der Grüns Kunstbegriff leicht bereit, satirisch eingesetzte Trivialität als künstlerischen Mangel zu werten.[Scholz 87]
Die Jugendbücher
„Vorstadtkrokodile“ (1976)
Die Vorstadtkrokodile wird als zeittypischer, problemorientierter Roman der 1970er Jahre charakterisiert.[87] Offensichtlich von der Grüns eigenem körperlich behinderten Sohn nachempfunden,[58] handelt das Buch von einem querschnittgelähmten Jungen, der Mitglied einer Kinderbande werden will, und deren Abenteuern. Als zeittypisch gilt dabei das Setting im Arbeitermilieu mit seinen Alltagsproblemen, zu denen nicht nur finanzielle Sorgen, sondern auch Luftverschmutzung gehören. Realitätsnah wirken die Figuren durch ihre Alltagssprache. Von der Grün behandelte dabei nicht nur ein, sondern mehrere zeittypische Probleme wie körperliche Behinderung, Fremdenfeindlichkeit, Gruppendynamik, Mutproben, Arbeitslosigkeit, Generationenkonflikte. In einer Mischung aus Detektivgeschichte und Bandenroman werden Aufklärung und Empowerment mit Spannung und Unterhaltung verknüpft. Im Mittelpunkt steht aber die Aufklärung über behinderte Kinder bzw. Jugendliche. Eingewoben sind Situationskomik und Wortwitz.[88] Karin Vach siedelt den Roman an der Grenze zwischen Kinder- und Jugendbuch an und hebt hervor, „dass die Geschichte narrative Strategien aufweist, die über ihre Zeit hinausreichen. Herauszustellen ist die große thematische Breite, die auch im gegenwärtigen Jugend- und Kinderroman eine Rolle spielt. Es ist die dialogische Figurenentfaltung zu nennen, die passagenweise ohne das kommentierende Eingreifen des Erzählers geschieht, und die Verwendung der Umgangs- und Jugendsprache. Dass bei aller Aufklärungsintention die Geschichte spannend und mit Witz erzählt wird, macht „Vorstadtkrokodile“ auch für heutige Leser:innen immer noch attraktiv, wenngleich die Diskurse um Behinderung, Migration und Gender sich offensichtlich eindeutig weiterentwickelt haben“.[89]
Die Vorstadtkrokodile wurden zweimal verfilmt. Für die erste Verfilmung durch den WDR, in der neben jugendlichen Laiendarstellern aus der Region auch bekannte Schauspieler wie Eberhard Feik, Martin und Willy Semmelrogge mitwirkten, erhielt Drehbuchautor von der Grün 1978 im Rahmen des Fernsehfestivals Prag den Preis der Prager Fernsehzuschauer. Regisseur Wolfgang Becker wurde 1977 mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet.[90] Die leicht aktualisierte Version des Stoffs von 2009 erhielt 2010 den Deutschen Filmpreis als Bester Kinderfilm. Die Fortsetzungen Vorstadtkrokodile 2 und Vorstadtkrokodile 3 lösen sich von der Romanvorlage.
„Wie war das eigentlich?“ (1979)
In Wie war das eigentlich? Kindheit und Jugend im Dritten Reich schilderte von der Grün in einem autobiographischen Teil seine Kindheit. Der größere Teil der Darstellung setzt sich mit der deutschen Geschichte zwischen 1926 und 1945 auseinander und wird durch den Abdruck zahlreicher Dokumente im Text begleitet. Zielgruppe waren Jugendliche und junge Erwachsene.[Scholz 88] In seiner Darstellung der unmittelbaren Vorgeschichte der Zeit des Nationalsozialismus nimmt von der Grün eine undogmatische, aber klar antifaschistische Haltung ein. Der Nationalsozialismus ist bei ihm nicht als unabwendbare Naturerscheinung über das deutsche Volk hereingebrochen. Konsequent beleuchtet er die Ereignisse aus der Sicht der Arbeiter. Wichtige Gründe für Hitlers Wahlerfolg bei der Reichstagswahl 1930 und den starken Zulauf zur NSDAP sieht er in den ständigen Versprechen Hitlers, Arbeitsplätze zu schaffen, und in der Unterstützung durch die Industrie. Faschismus ist bei von der Grün eine Folge des Kapitalismus und dessen Krise.[91]
Das Buch war ein großer Erfolg und erschien 1980 bereits in der 7. Auflage. Edgar Hilsenrath lobte das Buch in der Zeit als spannend wie einen Thriller. Sehr negativ äußerte sich Wolfgang Handke im Tagesspiegel. In der FAZ erschienen eine negative Besprechung von Christa Rotzoll, die in von der Grün einen „schulgerechten Klassenkämpfer“ sah, und eine positive von Volker Diepgen. Sophie Fischer forderte in der Süddeutschen Zeitung, das Buch solle „Pflichtlektüre im Geschichtsunterricht werden“.[Scholz 89] Bianka Prüße lobt, dass Alltäglichkeiten und die Leitlinien der Politik mitunter geschickt aufeinander bezogen würden, aber der Zusammenhang in vielen Passagen leider fehle. Die kommentierende Sachschilderung aus der Gegenwartsperspektive und die Vertiefung durch teilweise eingearbeitete, teilweise additiv eingestreute Dokumente unterbreche immer wieder die autobiographische Erzählung aus der Ich-Perspektive, die jugendlichen Lesern Ansatzpunkte zum sinnlichen Nachvollziehen bieten könnte, und störe den Lesefluss.[92] Der Versuch, Autobiographie und Dokumentation miteinander zu verbinden, sei nur teilweise geglückt. Das Autobiographische werde von den Kommentaren und gut ausgewählten Dokumenten erdrückt. Wie war das eigentlich? sei eigentlich kein Jugendbuch, sondern ein Geschichtsbuch.[93]
„Friedrich und Friederike“ (1983)
Der Jugendroman Friedrich und Friederike schildert die aufkeimende Liebe zweier 14- oder 15-Jähriger, die in neun Geschichten erzählt wird. Er lieferte die Vorlage für eine leicht modifizierte und um eine neue Schlussepisode ergänzte neunteilige Fernseh-Serie des WDR, die – ebenfalls unter der Regie von Alexander von Eschwege – 1988 im Vorabendprogramm der ARD ausgestrahlt wurde. Sebastian sieht in dem Buch einen extremen Realismus, der in seiner Darstellung von „Wirklichkeit“ nicht an Rezeptionserwartungen orientiert sei, „sondern der sich ganz auf die Präsenz einer betont unspektakulären Diegese einlässt und sie in ihrer Faktizität, ihrer Defizienz, Enge und vordergründigen Sinnarmut annimmt. Die überwiegend externe Perspektive, die das Innere von Figuren nur sehr bedingt erreicht, dient dabei der Objektivierung einer Darstellung, der es gerade nicht um subjektive Deutungsperspektiven geht.“ Das schaffe „eine Projektionsfläche vielfacher Art“.[94]
Weitere Prosa
Neben seinem Romanwerk hat von der Grün eine Reihe von Erzählungen, Reportagen, Reiseberichte und auch einige Gedichte verfasst. Viele davon sind auch in Sammelbänden mehrmals erschienen; seine Beiträge in Periodika wurden zum Teil in Buchform veröffentlicht. Das Gesamtwerk auch in Zeitungen und Zeitschriften ist aber nicht vollständig erschlossen. So wurden Publikationen in fränkischen oder oberpfälzischen Regionalzeitungen noch nicht recherchiert und auch seine Kolumnen „Wenn Sie mich fragen“, die von 1964 bis 1966 in elan erschienen, dem Jugendmagazin der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend, sind nicht gesammelt ediert. Die bibliographischen Angaben vieler Rundfunkbeiträge fehlen. Ebenfalls nicht gedruckt sind die acht zweistündigen Vorlesungen, die von der Grün als erster Inhaber der Paderborner Gast-Dozentur für Schriftsteller 1983/84 an der Gesamthochschule Paderborn hielt.[Scholz 90]
Im Mai 1975 publizierte von der Grün „Gastarbeiterporträts“ unter dem Titel Leben im gelobten Land. Darin lässt er je einen Arbeiter aus der Türkei, Griechenland, Jugoslawien, Italien und Spanien sowie eine Arbeiterin aus Frankreich von ihren Lebensumständen und Erwartungen erzählen, ergreift aber auch selbst das Wort, um das Erzählte zu ergänzen und zu kommentieren. Gastarbeiter und Autor sprechen nicht miteinander, sondern kommen abwechselnd zu Wort. Es geht um individualisierte Geschichten der Migration, die zu Modellfällen entfaltet werden. Die „Fiction-Nonfiction-Manier“ (Franz Schonauer) soll das Unterhaltungsbedürfnis des Lesers bedienen und gleichzeitig die Aussage des Autors transportieren, der um Verständnis für die Gastarbeiter wirbt.[95] Die Geschichte des türkischen Gastarbeiters Osman fungiert beispielsweise als Zeugnis für die Zivilisierbarkeit der Türken. So berichtet von der Grün aus eigener Erfahrung über den Umgang mit den ersten Türken auf einer Dortmunder Zeche Anfang der 1960er-Jahre:
„Es war schwer, den Türken klarzumachen, daß allein aus hygienischen Gründen nackt gebadet werden mußte. Es dauerte mehr als ein Jahr, bis sie das akzeptiert hatten. Andererseits: kommen die türkischen Gastarbeiter nach Jahren wieder in ihre Heimat zurück, für immer oder aber nur für einen längeren Urlaub, dann sehen sie ihr Land und seine Menschen nicht mehr mit den Augen eines Türken, sie haben die Passivität des Türken, der bei jeder Schwierigkeit sagt: Inshallah! weitgehend abgelegt. Sie denken mittlerweile anders, sie denken und handeln nicht mehr nach den Kriterien des Orients, sie haben angefangen, ohne sich dessen in Deutschland bewußt geworden zu sein, deutsche Wertvorstellungen als verbindlich anzusehen. Sie geraten zu Hause nicht selten in Konflikt mit ihren eigenen Leuten, denen sie dann sagen: Ihr seid rückständig, ihr lebt noch wie zu Mohammeds Zeiten.“
Als freier Schriftsteller unternahm von der Grün Reisen durch Europa und fuhr für seine Gastarbeiterporträts auch mit seinem Auto in die Herkunftsorte seiner interviewten Personen nach Anatolien. Über seine vom Goethe-Institut organisierte Lesereise in die Türkei, nach Afghanistan, Pakistan, den Iran und Israel im November 1974 veröffentlichte er das Buch Wenn der tote Rabe vom Baum fällt (1975). Das Motiv des toten Raben symbolisiert dabei die Atmosphäre dieser Reise und die Erfahrungen des Autors. Als Todesvogel nutzte von der Grün den Raben als Signal für den Zustand der Welt.[Scholz 91] Franz Schonauer konstatierte für den Sender Freies Berlin, dass dem Buch nahezu alles zu einem klassischen Reise-Essay fehle, aber dass es völlig unprätentiös ehrlich sei. Die Aufzeichnungen wiesen alle Merkmale einer spontanen Niederschrift auf, seien aus der unmittelbaren Emotion heraus entstanden. Das sei sympathisch, aber in den vielen Gesprächen und Diskussionen, die der Text referiere, würden mehr oder weniger vorgefertigte Meinungen mit geringem Informationswert geäußert.[97]
In seinem Reisetagebuch berichtet von der Grün auch, wie er gefragt wurde, ob er ein Türke sein könnte, und er antwortet: „Nein, Moslems, Männergesellschaft, schmutzig, humorlos, rückständig.“[98] Sargut Şölçün argumentiert, infolge der Mischung von Tatsachen und Werturteilen handele es sich dabei um mehr als eine kleine Sammlung von Vorurteilen. Angemessener sei es, „hier von Vorausurteilen zu sprechen, in denen sich Wissen und Denken der Zeit artikulieren“.[98] Von der Grün sei fasziniert von der orientalischen Fremdheit Istanbuls gewesen, die als Grenzerfahrung dargestellt und als Gegensatz zu den Bildern, die er vom Eigenen habe, hervorgehoben werde. Da, wo auf das Fremdartige für sich hingewiesen werde, fasziniere der Orient nicht mehr, sondern manifestiere sich mit den ihm eigenen stereotypen Bildern und Meinungen. Das lasse sich bei von der Grün in zwei Themenkreise einordnen, nämlich Korruption und Unterdrückung der Frauen. Diese würden in der Form von Gewalt, die von der Grün in anekdotischen Berichten besonders krass zum Ausdruck bringe, und dem Umgang mit dem Thema „Gastarbeiter“ erfasst.[99] Bereits im Roman Stellenweise Glatteis hatte von der Grün die türkischen Arbeiter selten außerhalb eines Gewaltkontexts dargestellt. Sie wirken in erster Linie durch ihr Äußeres und erscheinen als eine anonyme Masse, deren Existenz beunruhigt und den Einheimischen unerwünscht ist.[100] „Ich erfahre“, schreibt von der Grün über die Erfahrungen auf seiner Lesereise in der Türkei, „daß die türkischen Zuhörer mit dem Bild des Türken in der deutschen Gesellschaft, so wie ich es gezeichnet habe, nicht einverstanden sind.“[101]
In den meisten Erzählungen behandelte von der Grün die gleichen Themen wie in seinen Romanen. Die Prosatexte im Umfeld seiner ersten Romane kreisen um das Thema Bergbau und wirken wie aus den Romanen ausgeschiedene Kapitel. Ähnliches gilt für die wenigen Gedichte. Weitere Themen sind die Silikose-Krankheit („Am Tresen gehen die Lichter aus“, 1972), die Rettung der Bergarbeiter von Lengede („Wunder“, 1969) Isolation bei der Arbeit („Allein“, 1977), das andere Deutschland („Naumburg“, 1965), die Nachwirkungen des Faschismus („Rom“, 1965) und Gastarbeiter („Porzellanarbeiterin“, 1973).[Scholz 92]
Dramatik
Von der Grün schrieb zwei Theaterwerke. Zum einen brachte das Westfälische Landestheater 1969 sein Stück Notstand oder das Straßentheater kommt. Eine Revue auf die Bühne des Ruhrfestspielhauses Recklinghausen, während es gleichzeitig im Maxim-Gorki-Theater in Ost-Berlin uraufgeführt wurde. In dem Stück führt eine protestbewegte Studentengruppe eine Arbeitertragödie auf, die von einer Arbeiterfamilie handelt, der nach der Schließung der Zeche das Vorkaufsrecht für ihre Werkswohnungen abgekauft wird. Stilistisch handelt es sich um eine Farce mit Elementen des Bänkelsangs.[Scholz 93] Heinrich Vormweg sah in der Revue ein „epigonales Puzzle. Nichts Neues, und das ist auf eine verschwommene, etwas linkische, immer wieder auf Schlagwörter und Vorstellungsklischees zurückgreifende Manier serviert“. Allerdings hielt Vormweg dies für eine richtige Entscheidung, da er beim Publikum von der Grüns und des Westdeutschen Landestheaters „ein mittleres Unterhaltungs- und Informationsbedürfnis zwischen Millowitsch und Bild-Zeitung voraussetzen“ dürfe.[Scholz 94]
Als Auftragsarbeit der Stadt Dortmund verfasste von der Grün das Libretto für die Oper Brot und Spiele, die am 15. April 1989 uraufgeführt wurde. Inhaltlich ging es um die Reaktionen auf das Zechensterben und den Strukturwandel im Ruhrgebiet in den 1980er-Jahren. Die Musik schrieb Günther Wiesemann. Die Kritiken waren vernichtend. Ulrich Schreiber sprach in der Frankfurter Rundschau von „Desaster“ und „Fiasko“, Gerhard Bauer im Kölner Stadtanzeiger von einer Ansammlung von „Gemeinplätzen“ und „Ausverkauf von Klischees“ und Frieder Reininghaus in der FAZ von „Pseudo-Realismus“ und der „Betulichkeit der Schnulze“.[Scholz 95]
Auszeichnungen
- 1966: Goldenes Lorbeerblatt des Deutschen Fernsehfunks (DFF), für die Verfilmung von Irrlicht und Feuer
- 1973: Großer Kulturpreis der Stadt Nürnberg
- 1978: Preis der Prager Fernsehzuschauer beim Fernsehfestival Prag, für die Verfilmung von Vorstadtkrokodile
- 1979: Wilhelmine-Lübke-Preis des Kuratoriums Deutsche Altershilfe, für das Fernsehspiel Späte Liebe
- 1981: Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis
- 1982: Reinoldus-Plakette der Stadt Dortmund („Eiserner Reinoldus“)
- 1985: Gerrit-Engelke-Preis der Stadt Hannover
- 1987: Ehrenring der Stadt Dortmund
- 1988: Literaturpreis Ruhr
- 1991: Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen[102]
- 1998: Kogge-Literaturpreis der Stadt Minden
Ehrungen
- Im Bayreuther Ortsteil Kreuzstein wurde eine Straße nach Max von der Grün benannt.
- In Bönen wurde ein Teil der ehemaligen Bahntrasse der Klöcknerbahn und des heutigen Radwegs in Max-von-der-Grün-Weg umbenannt. Diese Bahntrasse ist einer der Schauplätze von Irrlicht und Feuer.
- In Dortmund wurde nach längerer Diskussion um einen geeigneten Ort im November 2011 von der Bezirksvertretung Innenstadt-West beschlossen, den exponierten Platz zwischen Hauptbahnhof und Katharinentreppe, an dem sich auch die Zentralbibliothek der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund befindet, Max-von-der-Grün-Platz zu nennen. Das Straßenschild wurde am 20. Dezember 2011 von Jennifer von der Grün, Witwe des Schriftstellers, enthüllt.[103]
- Nach Max von der Grün wurden mehrere Schulen benannt: in Flensburg, Olpe, Merchweiler und Viersen-Süchteln.
- Im Mai 2012 wurde eine Gedenktafel zum Geburtshaus Max von der Grüns angebracht. Die Tafel hängt jedoch am Vorderhaus des Anwesens. Tatsächlich kam Max von der Grün im Hinterhaus zur Welt.[104]
Werke
Romane
- Männer in zweifacher Nacht. Paulus-Verlag, Recklinghausen 1962.
- Irrlicht und Feuer. Paulus-Verlag, Recklinghausen 1963.
- Zwei Briefe an Pospischiel. Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1968.
- Stellenweise Glatteis. Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1973.
- Flächenbrand. Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1979.
- Die Lawine. Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1986.
- Springflut. Luchterhand, Frankfurt am Main 1990.
Erzählungen
- Fahrtunterbrechung und andere Erzählungen. Europäische Verlags-Anstalt, Frankfurt am Main 1965.
- Urlaub am Plattensee. Verlag Eremiten-Presse, Stierstadt im Taunus 1970.
- Am Tresen gehn die Lichter aus. Verlag Eremiten-Presse, Stierstadt im Taunus 1972.
- Stenogramm. Erzählungen. Verlag Eremiten-Presse, Düsseldorf 1972.
- Ein Tag wie jeder andere. Bericht. Verlag Eremiten-Presse, Düsseldorf 1973.
- Ein Tag wie jeder andere/Reisen in die Gegenwart/Nach Südiler und zurück. dtv, München 1978.
- Die Entscheidung. Erzählungen. Klett, Stuttgart 1979.
- Etwas außerhalb der Legalität und andere Erzählungen. Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1980.
- Späte Liebe. Erzählung. Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1982.
- Waldläufer und Brückensteher. Erzählungen. Reclam, Stuttgart 1987.
- Fahrt in den Morgen. Erzählungen. dtv, München 1994.
- Die Saujagd und andere Vorstadtgeschichten. Luchterhand, München 1995.
Kinder- und Jugendbücher
- Vorstadtkrokodile. Eine Geschichte vom Aufpassen. Bertelsmann, München 1976.
- Friedrich und Friederike. Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1983.
- Die schöne Unbekannte. Storys. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1997.
Autobiographisches
- Wenn der tote Rabe vom Baum fällt. Bertelsmann, München [u. a.] 1975.
- Wie war das eigentlich? Kindheit und Jugend im Dritten Reich. Mit einer Dokumentation von Christel Schütz, Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1979; Taschenbuchausgabe dtv, München 1995.
- Klassengespräche. Aufsätze, Reden, Kommentare. Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1981.
- Das Revier. Eine Liebeserklärung. Harenberg-Edition, Dortmund 1988 (zusammen mit Peter Iwers).
- Eine Jugend in Franken. Wallstein-Verlag, Göttingen 1990.
Weitere Veröffentlichungen
- Feierabend. Dreh- und Tagebuch eines Fernsehfilms. Paulus-Verlag, Recklinghausen 1968 (zusammen mit Hans Dieter Schwarze).
- Flug über Zechen und Wälder. Nordrhein-Westfalen, Land der Gegensätze. Westermann, Braunschweig 1970.
- Menschen in Deutschland (BRD). 7 Porträts. Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1973.
- Leben im gelobten Land. Gastarbeiterporträts. Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1975.
- Unsere Fabrik. (Fotoband) Bucher, Luzern/Frankfurt am Main 1979 (mit Oren Schmuckler (Fotografie) und Günter Wallraff (Text)).
- Unterwegs in Deutschland. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1980.
- Maloche. Leben im Revier. Eichborn, Frankfurt am Main 1982 (Fotobuch mit der Gruppe Anthrazit).
- Unser schönes Nordrhein-Westfalen. Von Menschen und Natur, von Kohle und Kultur. Umschau-Verlag, Frankfurt am Main 1983.
Werkausgaben
- Ausgewählte Werke. Moskau 1984.
- Werke in 10 Bänden. Pendragon, Bielefeld 2009
Herausgeberschaft
- Aus der Welt der Arbeit. Almanach der Gruppe 61 und ihrer Gäste. Luchterhand, Neuwied/Berlin 1966 (mit Fritz Hüser, in Zusammenarbeit mit Wolfgang Promies).
- Mein Lesebuch. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1980.
- Geschichten aus der Arbeitswelt I. Baulino Verlag, 1982.
- Geschichten aus der Arbeitswelt II. Europa, Wien [u. a.] 1984.
- Geschichten aus der Arbeitswelt III. Baulino Verlag, 1989.
- Geschichten aus der Arbeitswelt 4. Löcker Verlag, Wien 1993.
- Geschichten aus der Arbeitswelt 5. Löcker Verlag, Wien 1997.
Oper
- Brot und Spiele. Ruhroper. Von Günther Wiesemann. Libretto v. Max von der Grün (UA Opernhaus Dortmund, 15. April 1989)
Rundfunkarbeiten
- Ruhrgebiet? Was ist das? Gedanken zur Zeit (WDR 1, 6. Juni 1965)
- Am Tresen gehn die Lichter aus. Wenn die Zeche schließt (WDR 2, 4. Dezember 1965)
- Smog. Hörspiel (WDR 1966), zuletzt gesendet von WDR 5, 2. März 2010
- Bonn ist gar nicht so weit. Der Wähler und die Politik (WDR 2, 2. April 1966)
- Wenn der Nebel kommt. Menschen am Rande der Gesellschaft (WDR 2, 20. November 1966)
- „Ach, Sie kommen aus dem Ruhrgebiet?“ Ein Dortmunder in Dresden (WDR 2, 12. August 1967)
- Dortmund, Liebeserklärung an eine Stadt, die ich nicht liebe (WDR 2, 7. Oktober 1967)
- Abseits vom Wege. Besuch in Flossenbürg (WDR 2, 19. November 1967)
- Stichworte bei meiner Lektüre (hr 2, 25. Januar 1968)
- Der Unfall. I. Urlaub am Plattensee. Eine Erzählung (hr 1, 17. November 1968)
- Ein Tag wie jeder andere. Als Schriftsteller im Ruhrgebiet (WDR 2, 15. Dezember 1968)
- Wer steuerte wen? Automation und Mensch. Beobachtungen am Arbeitsplatz (hr 2, 9. Januar 1970); gek. Fass.: WDR, 14. März 1970; leicht modifiziert: Wer steuerte wen? Mensch und Automation (DLF, 25. März 1974)
- Nach dem jüngsten Streik. Haben die Betriebsrats- und Gewerkschaftsfunktionäre das Vertrauen der Arbeiter verloren? Eine Untersuchung. (NDR, 6. Februar 1970; WDR 2, 9. Februar 1970)
- Man lebt nicht irgendwo. Zeitungsleser im Revier (WDR 2, 10. Oktober 1970)
- Wenn der Abend kommt (hr 1973; RIAS Berlin, 9. Dezember 1973 sowie SDR, DLF, WDR/NDR)
- Nach Südiler und zurück. Wenn türkische Arbeiter Ferien machen (WDR 3, 19. Januar 1974)
- Die Absturzstelle (SWF 1976), zuletzt gesendet von WDR 5, 24. September 2005
- Vorstadtkrokodile (WDR 1977)
Theater
- Notstand oder Das Straßentheater kommt (UA Ruhrfestspielhaus Recklinghausen, 8. Januar 1969; Regie: H. D. Schwarze; Westf. Landestheater Velbert, 30. April 1971 [erarbeitet im Autorenkollektiv])
- Vorstadtkrokodile (Westf. Landestheater Castrop-Rauxel; UA Siegburg an der Lahn, 23. Oktober 1981)
Multimedia
- Vorstadtkrokodile. Eine Geschichte vom Aufpassen. Audio-CD. Patmos, Düsseldorf 1995 (zugleich Audio-Kassette).
- Vorstadtkrokodile. CD-ROM für Windows 95/98/NT/2000/XP [Lernmaterialien] Audio-CD. Co.Tec-Verlag, 2005.
- Vorstadtkrokodile. Eine Geschichte vom Aufpassen. 3 CDs. Gelesen von Richy Müller. Argonauten bei Random House, Köln 2006.
Verfilmungen
- Irrlicht und Feuer (DFF, 21. und 23. August 1966; ARD, 17. und 18. Juni 1968)
- Skizzen aus dem deutschen Alltag. Der Mann am Schaltpult (ARD, 29. Januar 1967)
- Ostende (ebd., 8. April 1968)
- Feierabend (ZDF, 1. Mai 1968)
- Schichtwechsel. Fernsehspiel (ARD, 29. September 1968; Whg. 8. Mai 1970)
- Aufstiegschancen (ebd., 17. Juni 1971)
- Zwei Briefe an Pospischiel (DFF, 22. November 1970; Neuinszen. ZDF, 13. Oktober 1971)
- Stellenweise Glatteis (ARD, 20. und 22. Juni 1975)
- Die Vorstadtkrokodile (ebd., 25. Dezember 1977)
- Späte Liebe (ebd., 26. April 1978)
- Über Tage, unter Tage. Gesichter des Ruhrgebiets (ZDF-Serie Beschreibungen vom 17. Februar 1980) [mit U. Wöhning]
- Flächenbrand (ARD, 12. April 1981)
- Teutonia Lanstrop (ZDF: Der Sport-Spiegel, 2. November 1984) [mit K.-H. Erfurt]
- Friedrich und Friederike. Fernseh-Serie (ARD, 1988)
- Vorstadtkrokodile (Neuverfilmung 2009)
Literatur
- Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Gespräche mit Schriftstellern. Max Frisch, Günter Grass, Wolfgang Koeppen, Max von der Grün, Günter Wallraff. C. H. Beck, München 1975, ISBN 3-406-04934-6 (= Beck’sche schwarze Reihe; 134).
- Max von der Grün. Edition text + kritik, München 1975, ISBN 3-921402-01-8 (= Text + Kritik, 45).
- Gisela Koch (Hrsg.): Zum 70. Festschrift für Max von der Grün. Stadt- und Landesbibliothek, Dortmund 1996.
- Martin H. Ludwig: Perspektive im Arbeiterroman. Untersuchungen zum Verhältnis von literarischer und soziologischer Darstellung der Arbeitswelt am Beispiel von Max von der Grüns „Irrlicht und Feuer“. Diss. phil. Universität Hamburg 1975.
- Heinz Georg Max: „Gradlinig, ohne Angst, die Dinge klipp und klar beim Namen nennend“. Max von der Grün (1926–2005). In: Literatur in Westfalen. Beiträge zur Forschung. 9 (2008), S. 235–266.
:Darin auch: rund 100-seitiger Sonderteil über Max von der Grün mit Beiträgen von Horst Hensel, Hugo Ernst Käufer und Heinrich Peuckmann; zudem umfangreiche Bibliografie (Stand Sommer 2008). (PDF). - Hanno Möbius: Arbeiterliteratur in der BRD. Eine Analyse von Industriereportagen und Reportageromanen. Max von der Grün, Christian Geißler, Günter Wallraff. Pahl-Rugenstein, Köln 1970.
- Wozan Urbain N’Dakon: Kinder lesen „Vorstadtkrokodile“. Eine empirische Studie zur Rezeption des Kinderromans Max von der Grüns. Peter Lang, Frankfurt am Main u. a. 2000, ISBN 3-631-38658-3 (= Bayreuther Beiträge zur Literaturwissenschaft; 23).
- Nichts als gegeben hinnehmen. Max von der Grün wird 60. Fritz-Hüser-Institut für Deutsche und Ausländische Arbeiterliteratur, Dortmund 1986 (= Information des Fritz-Hüser-Instituts für Deutsche und Ausländische Arbeiterliteratur der Stadt Dortmund; 31).
- Stephan Reinhardt (Hrsg.): Max von der Grün. Materialienbuch. Luchterhand, Darmstadt u. a. 1978, ISBN 3-472-61237-1 (= Sammlung Luchterhand; 237).
- Stephan Reinhardt (Hrsg.): Max von der Grün. Texte, Daten, Bilder. Luchterhand, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-630-61931-2 (= Sammlung Luchterhand; 931).
- Franz Schonauer: Max von der Grün. C. H. Beck, München 1978, ISBN 3-406-07123-6 (= Autorenbücher; 13).
- Gunther Weimann: Max von der Grün: Arbeiterliteratur und Arbeiteralltag. Eine Untersuchung der Romane „Irrlicht und Feuer“, „Zwei Briefe an Pospischiel“ und „Stellenweise Glatteis“. Univ. Diss., Saint Louis 1984.
- Wolfgang Bittner, Mark vom Hofe: Heinrich Heine und die Zeche Königsborn. Max von der Grün. In: Ich mische mich ein. Markante deutsche Lebensläufe. Bad Honnef 2006, ISBN 978-3-89502-222-7.
- Bernhard M. Baron: Max von der Grün – Einer von uns. Zeit für eine persönliche und literarische Renaissance. In: Heimat – Landkreis Tirschenreuth, Bd. 22/2010. Verlag Eckhard Bodner, Pressath, ISBN 978-3-939247-04-3, S. 82–90.
- Rüdiger Scholz: Max von der Grün. Politischer Schriftsteller und Humanist. Mit einer Würdigung von Werner Bräunigs „Rummelplatz“. Königshausen & Neumann, Würzburg 2015, ISBN 978-3-8260-5699-4.
- Jan-Pieter Barbian, Erhard Schütz (Hrsg.): Gegen Mauern anschreiben. Max von der Grün als Kinder- und Jugendbuchautor. Aisthesis Verlag, Bielefeld 2023, ISBN 978-3-8498-1877-7 (Inhalt).
Weblinks
- Literatur von und über Max von der Grün im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Werke von und über Max von der Grün in der Deutschen Digitalen Bibliothek
- Max von der Grün bei IMDb
- Max von der Grün im Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren
- Rüdiger Scholz: Grün, Max Martin von der. In: NDB-online, 1. Januar 2024.
- Website über Max von der Grün
- Wolfgang Delseit: Max von der Grün: Als das Revier noch rührt. Porträt im Literatur-Archiv NRW
- „Heinrich Heine und die Zeche Königsborn“ – Max von der Grün erzählt aus seinem Leben. In der WDR-5-Reihe Erlebte Geschichten vom 8. Juni 2003.
- Max von der Grün im Literaturportal Bayern
- Über Menschen und Verhältnisse. 100 Jahre Max von der Grün. Bei der Fritz-Hüser-Gesellschaft