Megan Marie Hart

amerikanische Opernsängerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Megan Marie Hart ([/ˈmɛɡɪn məˈɹiː ˈhɑɹt/], geboren am 11. Juli 1983 in Santa Monica) ist eine amerikanische Opernsängerin im Stimmfach Spinto-Sopran.

Megan Marie Hart (2023)

Herkunft und Ausbildung

Hart wurde in Santa Monica in Kalifornien geboren und wuchs in Eugene (Oregon) auf, wo ihre musikalischen Eltern Claudia und Dale eine Farm erworben hatten.[1][2] Im Alter von neun Jahren erhielt Hart auf eigenen Wunsch Klavierunterricht,[3] später spielte sie Violine und wechselte dann zum Chorgesang.[4][3] Erste Gesangsstunden erhielt sie im Alter von 17 Jahren. Sie nahm am Jugendprogramm des Oregon Bach Festivals unter der Leitung von Helmuth Rilling teil, der sie zu einer professionellen Laufbahn als Sängerin inspirierte.[5] Daraufhin studierte Hart ab 2001 am Oberlin Conservatory of Music bei Richard Miller, unter dessen Leitung sie 2003 an der Sommerakademie des Mozarteum Salzburg teilnahm.[6] Ebenfalls 2003 sowie 2004 war sie Teilnehmerin der Elysium-Sommerakademie in Bernried.[7] 2005 erlangte sie in Oberlin den Bachelor of Music und absolvierte einen Meisterkurs bei Marilyn Horne.[1] Nach dem Master of Music 2006[8] folgten Studien bei Mignon Dunn an der New Yorker Manhattan School of Music,[1] wo sie 2007 mit dem Professional Studies Certificate abschloss.[9]

Von 2007 bis 2010 war Hart im Young Artist Program der Seattle Opera[10] unter der Anleitung von Jane Eaglen.[11] 2008 nahm sie am zehnwöchigen Ausbildungsprogramm der Central City Opera teil.[12][13] Ab 2010 folgten Studien bei Marilyn Horne an der Music Academy of the West, wo Hart die Marilyn Horne Song Competition gewann.[14]

Künstlerische Laufbahn

Oper

Frau mit langen, glatten, dunkelbraunen Haaren, die roten Lippenstift und roten Stoff um die Schultern trägt und mit leicht nach hinten geneigtem Kopf über ihre linke Schulter in die Kamera blickt.
Megan Marie Hart beim Detmolder Theaterpreis

Harts Opernrepertoire beinhaltet Barockrollen wie Händels Alcina und Almirena in Rinaldo, Rollen in Mozartopern wie Gräfin Almaviva in Le nozze di Figaro, Donna Anna in Don Giovanni und Fiordiligi in Così fan tutte, moderne Rollen wie Lady Billows in Brittens Albert Herring,[15] die Frau in Poulencs La voix humaine und Blanche in Dialogues des Carmélites.[16] Sie tritt in lirico-spinto-Rollen auf, darunter die Titelrollen in Verdis Aida und Luisa Miller, Desdemona in Otello sowie Gilda in Rigoletto, Puccinis Madama Butterfly, Tosca und Mimì in La Bohème, Chrysothemis in Elektra von Richard Strauss und Elsa in Wagners Lohengrin.[16]

Hart begann ihre Laufbahn während des Studiums als Cover der Juliette in Gounods Roméo et Juliette am Opera Theatre of Saint Louis, gefolgt von kleinen Rollen in Ravels L’enfant et les sortilèges und Gianetta in der Operette The Gondoliers mit der amerikanischen Opera North.[17] Ihr europäisches Operndebüt hatte sie 2006 in Italien im Rahmen des Sommerprogramms des Oberlin Conservatory als Amina in Bellinis La sonnambula.[18] Anschließend sang sie in den USA im Opernstudio der Seattle Opera.[10] 2009 war Hart an der Central City Opera als Almirena in Händels Rinaldo zu hören.[19] 2010 wurde die Alcina-Produktion des Ensembles für Alte Musik Bourbon Baroque unter der Regie von Caroline Copeland mit Hart in der Titelrolle für eine mehrfach ausgestrahlte Fernsehaufzeichnung inszeniert.[20] Im selben Jahr hatte Hart am Granada Theatre in Santa Barbara ihr Debüt als Donna Anna in Don Giovanni,[21] ein Jahr später sang sie diese Partie an der Bronx Opera in New York.[22] Es folgten weitere Hauptrollen, darunter Juliette in Roméo et Juliette und Gilda in Rigoletto an der Annapolis Opera.[11]

Hart setzte ihre Karriere in Europa fort und sang 2014 die Donna Anna beim Zomeropera Festival im belgischen Schloss Alden Biesen.[23] 2015 wurde sie Ensemblemitglied am Landestheaters Detmold,[5] wo sie unter anderem als Arminda in Die Gärtnerin aus Liebe, Mimì in La Bohème, Rosalinde in Die Fledermaus, Chrysothemis in Elektra, die Frau in La voix humaine, Gilda in Rigoletto, Fiordiligi in Così fan tutte, Sylva Varescu in Kálmáns Operette Die Csárdásfürstin, sowie in den Titelrollen in Luisa Miller, Aida und Tosca auftrat.[16][11]

Hart verließ zum Ende der Saison 2019/2020 das Landestheater Detmold und trat dem Ensemble des Staatstheaters Darmstadt bei.[24] Dort übernahm sie Rollen wie Mimì in La Bohème,[25] Madeleine de Faublas in Paul Abrahams Operette Ball im Savoy,[16] und Elsa in Wagners Lohengrin in der Inszenierung von Andrea Moses.[16] Für ihr Debüt als Cio-Cio-San in Madama Butterfly kehrte sie 2023 auf Wunsch von Zoran Todorovich,[26] der mit der Inszenierung sein Regiedebüt gab, als Gast an das Landestheater Detmold zurück.[27] In Darmstadt sang Hart in der Premiere von Don Giovanni in der Inszenierung von Karsten Wiegand erstmals in Deutschland die Donna Anna.[28][29] In den folgenden Spielzeiten übernahm sie die Rolle der Liù in Puccinis Turandot, Tatjana in Eugen Onegin in der Inszenierung von Isabel Ostermann (in russischer Sprache), Antonia in Offenbachs Les contes d'Hoffmann und Desdemona in Otello in der Inszenierung von Paul-Georg Dittrich.[16]

In Darmstadt sang sie außerdem in der Uraufführung der deutschsprachigen Übersetzung von Pierangelo Valtinonis Il piccolo principe die Mutter, die Rose und die Eitle,[30] sowie Elvire in der vom Staatstheater Kassel übernommenen Produktion von La muette de Portici in der Regie von Dittrich.[31]

Gastengagements führten Hart unter anderem als Konstanze in Die Entführung aus dem Serail zu den Bühnen der Stadt Gera unter der Leitung von Laurent Wagner,[32] als Tosca zu den Schlossfestspielen Zwingenberg[33] und als Donna Anna an das Schlosstheater Schwetzingen mit dem Nationaltheater Mannheim.[34]

Konzert

Frau mit langen dunklen Haaren in dunkelblauem Kleid steht nach rechts gewandt vor schwarzem Hintergrund, hinter ihr halten Musiker mit Streichinstrumenten ihre Streichbögen hoch, ganz links sitzt ein Pianist.
Hart mit Bourbon Baroque

Nach ersten konzertanten Auftritten während ihres Studiums in Salzburg und Bernried[6][7] folgten Konzerte mit Arien von Händel mit Bourbon Baroque.[35] Eine Aufzeichnung der Arie Lascia ch’io pianga zeigt Hart mit der Barocktänzerin Caroline Copeland.[36] 2008 sang sie in einer Fernsehsendung die Sopranpartie in Beethovens 9. Sinfonie mit dem Seattle Symphony Orchester unter der Leitung von Gerard Schwarz in einem Konzert für den Dalai Lama und Desmond Tutu.[9][37] Mit diesem Orchester sang sie unter dem Dirigat von Marvin Hamlisch im Feiertagskonzert Holiday Pops die Premiere seines für diesen Anlass geschriebenen Liedes Chanukah Lights.[38]

Gemeinsam mit dem Ensemble Music of Remembrance präsentierte sie 2009 auf Jiddisch Kunstlieder des Komponisten und Holocaust-Überlebenden Lazar Weiner[39] und übernahm 2010 das Sopransolo in Schostakowitschs Aus der jüdischen Volkspoesie, op. 79.[40] Im selben Jahr führte sie unter Carlos Kalmar in einem Konzert mit dem Oregon Symphony Orchestra und Rufus Wainwright Auszüge aus dessen Oper Prima Donna auf.[41] Nach ihrem Debüt in der Weill Recital Hall der Carnegie-Hall mit Liedern von Franz Liszt im Jahr 2012[42] sang sie ebendort im Rahmen eines Preisträgerkonzertes des Wettbewerb Liederkranz of the City of New York.[43][44] Auch trat sie in Konzerten unter der Leitung der Dirigentin Eve Queler auf, mit der sie zuvor bereits unter anderem bei einer konzertanten Produktion von Adriana Lecouvreur begleitet vom Opera Orchestra of New York gearbeitet hatte.[45][46][47]

Ab 2013 folgten Konzerte mit Orchestern in Deutschland,[48] zum Beispiel mit der Philharmonie Südwestfalen unter der Leitung von Markus Huber.[49] 2017 wirkte sie unter der Leitung von Lutz Rademacher als Solistin in Mahlers 2. Sinfonie (Auferstehungssinfonie) mit, der Erstaufführung dieses Werkes in der Region Ostwestfalen-Lippe.[50][51] Ihre Laufbahn am Landestheater Detmold beendete Hart mit Mozarts Konzertarie Misera, dove son? (KV 369).[52]

Außerdem trat Hart in Operngalas auf, zum Beispiel mit dem Orchester des Nationaltheaters Mannheim im Garten des Schloss Schwetzingen unter Jānis Liepiņš[53] oder mit der Darmstädter Hofkapelle unter Wolfgang Seeliger bei den Darmstädter Residenzfestspielen.[54] Zu ihrem Repertoire zählen unter anderem die Solopartien in Verdis Messa da Requiem,[55] Mendelssohns Oratorium Elias[56] oder Suppès Missa pro defunctis.[16]

Mit Mitgliedern des Staatsorchesters Darmstadt nahm Hart im Jahr 2021 Mozarts Arie Laudate Dominum auf, arrangiert für Violoncello und fünf Kontrabässe.[57] Am Staatstheater Darmstadt gab sie Liederabende mit Werken von Simon Sargon, Erich Wolfgang Korngold, Viktor Ullmann, Libby Larsen und Arien aus Halévys La Juive, Saint-SaënsProserpine und Meyerbeers Robert le diable.[58][59]

Gesellschaftliches Engagement

Hart engagiert sich als säkulare Jüdin aktiv für jüdische Musik und Kultur.[60] In ihrer Zeit im Opernstudio der Seattle Opera war sie Teil des Music of Remembrance Ensembles, das Musik von Opfern und Überlebenden des Holocaust aufführt.[61] 2020 war sie an der Verlegung von fünf Stolpersteinen für die Detmolder Familie Herzberg beteiligt.[62]

Die Premiere von Harts Liederabend Famous Musicians of Jewish Origin mit Werken jüdischer Komponisten war 2021 die Eröffnungsfeier der Darmstädter Veranstaltungsreihe „100 Tage 1700 Jahre“ im Festjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland.[63] Anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktags komponierte Bracha Bdil im Auftrag des Staatstheaters Darmstadt für Hart den Liederzyklus Letters to Fred für Gesang und Klavier,[64] in dem anhand von Briefen an den überlebenden Sohn die Geschichte der Familie Herzberg erzählt wird.[65]

Rollenrepertoir (Auswahl)

Oper
Operette

Filmografie

  • Alcina. Regie: Caroline Copeland. Mit Teresa Wakim, Maegan Amelia Brus, Kristen Leich, Katherine Lerner, David Menzies, Evan Prizant, Bourbon Baroque. Aufführung 2010, Erstausstrahlung und DVD 2011.

Auszeichnungen

  • 2010: Gewinnerin des Grand Prize bei der Marilyn Horne Song Competition[14]
  • 2012: Erster Platz in der Kategorie „Kunstlied“ beim Wettbewerb Liederkranz of the City of New York[44]
  • 2018: Theaterring Detmold, beste Sängerin oder Sänger[66]
  • 2019: Theaterring Detmold 2019, Publikumspreis beliebtestes Ensemblemitglied Musiktheater[67]
Commons: Megan Marie Hart – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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