Mit den Augen der Liebe (1945)
Film von John Cromwell (1945)
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Mit den Augen der Liebe (OT: The Enchanted Cottage) ist eine US-amerikanische Literaturverfilmung aus dem Jahr 1945, bei der John Cromwell Regie führte. Die Filmhandlung beruht auf Arthur Wing Pineros Romanze The Enchanted Cottage von 1923. Die Hauptrollen sind mit Dorothy McGuire und Robert Young sowie Herbert Marshall, Mildred Natwick und Spring Byington besetzt.
| Film | |
| Titel | Mit den Augen der Liebe |
|---|---|
| Originaltitel | The Enchanted Cottage |
| Produktionsland | USA |
| Originalsprache | Englisch |
| Erscheinungsjahr | 1945 |
| Länge | 91 Minuten |
| Altersfreigabe |
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| Stab | |
| Regie | John Cromwell |
| Drehbuch | DeWitt Bodeen Herman J. Mankiewicz |
| Produktion | Harriet Parsons |
| Musik | Roy Webb |
| Kamera | Ted Tetzlaff |
| Schnitt | Joseph Noriega |
| Besetzung | |
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Handlung
Laura Pennington hat ein sehr unscheinbares Aussehen, ist zugleich klug, empfindsam und spürt sehr schnell, was in anderen Menschen vor sich geht. Als Laura sich bei der zurückgezogen lebenden Witwe Abigail Minnett um eine Stelle bemüht, hofft sie, dort gleichzeitig einen Ort zu finden, der ihre Heimat werden kann. Mrs. Minnett mag Laura sofort und behält sie bei sich. Bei dem Cottage von Mrs. Minnett an der Küste Neuenglands handelt es sich um den Seitenflügel eines Kastells, das vor mehr als zweihundert Jahren bis auf ebendiesen Seitenflügel ausgebrannt ist, und seit Generationen an jungverheiratete, möglichst glückliche Paare vermietet wurde. So hat es auch Mrs. Minetts Mann gehalten, der im Ersten Weltkrieg fiel, und dessen Tod sie nie verwunden hat.
Mrs. Minnett weist Laura umgehend in ihre Arbeit ein, denn noch für den gleichen Tag ist ein junges Paar angemeldet, das bald heiraten will: Oliver Bradford und seine Verlobte Beatrice Alexander. Über das Cottege gibt es in der Gegend Gerüchte, es spuke in ihm – Laura erklärt jedoch Oliver, das alte Haus sei – auf gute Weise – verwunschen (englisch enchanted). Auch Oliver beginnt den eigenartigen Zauber des Hauses zu spüren, aber nicht seine eher konventionelle Braut Beatrice. Sie empfindet den Flair des Hauses lediglich als altmodisch.
Oliver versucht, ihrer beider Namen den vielen Brautpaaren hinzuzufügen, die sich bereits in einem der bleigefassten Fenster des Cottages verewigt haben. Dabei bricht aber Beatrices Stein aus ihrem Verlobungsring. Für die Witwe Minnett ist das ein schlechtes Omen für das Paar. Und so kommt es auch: Oliver wird im Zuge des Zweiten Weltkrieges zum Fliegerkorps eingezogen, weshalb die Eheschließung verschoben werden muss. Im Zusammenhang mit dem Krieg beginnt Laura in einer Soldatenkantine auszuhelfen, die jungen Soldaten lassen sie aber aufgrund ihres Äußeren links liegen.
Zeitsprung: Mrs. Minnett erhält ein Telegramm von Oliver Bradford; er möchte das Haus auf unbestimmte Zeit mieten. Diesmal kommt er allein und schließt sich in sein Zimmer an. Durch Kriegsverletzungen ist sein Gesicht von einer Narbe schlimm entstellt und sein rechter Arm gelähmt. Wenig später reisen auch Beatrice, Olivers oberflächliche Mutter Mrs. Price sowie sein Stiefvater Freddy an. Er öffnet ihnen aber nicht die Zimmertür. Er und Beatrice, die es nicht geschafft hat, ihren Abscheu gegenüber der Narbe zu verhehlen, beenden die Beziehung. Als Laura später Oliver im Halbdunkel antrifft, spielt er mit einer Pistole in der Hand. Laura spürt sie die schreckliche Verzweiflung, die ihn umtreibt, fast als wäre es ihre eigene. Sie kennt diese Angst, und die Blicke der Menschen, weil auch sie davon betroffen ist.
Oliver weiß instinktiv, dass es nicht Mitleid ist, was Laura für ihn empfindet, sondern ehrliche Sympathie. Ein weiterer Freund wird ihm der im Ersten Weltkrieg erblindete Pianist und Komponist John Hillgrove, der Menschen ganz anders wahrnimmt, als das sehende Menschen tun. Laura und Oliver kommen sich in diesen Wochen seines Verbleibs im Haus von Tag zu Tag näher. Jedoch erhält Oliver weiter mahnende Briefe von seiner Mutter, die ihn so verunsichern, dass er einen Halt braucht und Laura bittet, seine Frau zu werden. Laura liebt ihn und nimmt den Antrag an, obwohl sie weiß, dass er sich in gewisser Weise nur an sie klammert, weil sie auch zu den „Benachteiligten“ gehört. Auch liegt es ihr am Herzen, weiter mit ihm zusammen die Atmosphäre des alten verwunschenen Hauses, die gemeinsamen Spaziergänge durch den Wald und alles, was damit zusammenhängt, nicht zu verlieren. Die Zweisamkeit mit Oliver ist Laura kostbar, so etwas kannte sie zuvor nicht.
Am Tag der Hochzeit wird Oliver bewusst, wie wichtig ihm Laura inzwischen geworden ist, und bereut, dass er sie in eine möglicherweise kalte Vernunftehe geführt hat. Laura wiederum schmerzt es, dass sie hässlich ist und der Mann, den sie liebt, sie nie so sehen wird, wie sie es sich so sehr wünscht. Sie sucht und findet Zuflucht in der Musik. Als Chopins Etude op. 10 Nr. 3[1] erklingt, spüren beide, dass etwas mit ihnen geschieht, das sie verwandelt. Die Innigkeit dieser wunderbaren Musik bewirkt, dass sie sich plötzlich mit anderen Augen sehen, mit den Augen der Liebe. Beide nehmen sich nunmehr auch äußerlich als voll und ganz schön wahr. Hillgrove und Mrs. Minnett ahnen diesen Zauber und versuchen ihn zu wahren.
Als jedoch Olivers Mutter und Stiefvater auftauchen, verhalten diese sich taktlos und unsensibel. Die Mutter lässt einen abfälligen Kommentar über Lauras Äußeres fallen. Die Illusion scheint zerbrochen. Mrs. Minnett gibt jedoch zu bedenken, dass ihre Liebe dem Paar eine einzigartige Gabe des Sehens schenkt, und solange die Liebe anhalte, würden sie sich immer als schön empfinden. Oliver hat sein Selbstvertrauen durch die Liebe Lauras wiederfinden können und Laura bleibt an seiner Seite. Er schreibt ihrer beider Namen in das alte Fenster ein. Beide können sich weiter mit den Augen der Liebe anschauen.
In einer Rahmenhandlung hat der Pianist die Liebesgeschichte von Laura und Oliver erzählt, weil er dem Paar seine neue Komposition The Enchanted Cottage gewidmet hat und diese auf einer Party vorstellt. Zum Schluss treffen auch Laura und Oliver auf der Party ein, selbstbewusst genug, ihre Liebe öffentlich zu zeigen.
Produktion und Hintergrund
Vorlage und weitere Verfilmungen
Das Theaterstück The Enchanted Cottage von Arthur Wing Pinero, einem damals prominenten Dramatiker, feierte 1923 in London seine Premiere. Erstmals wurde die Geschichte bereits ein Jahr später, unter dem gleichen Titel The Enchanted Cottage, verfilmt. In der Verfilmung von 1924 spielte Richard Barthelmess die Rolle des Oliver Bashforth und May McAvoy die Rolle der Laura Pennington.
Im Vergleich zu Pineros Bühnenvorlage wurde für diese zweite Verfilmung die Handlung von Sussex (Großbritannien) in die Vereinigten Staaten verlegt, und von der Zeit kurz nach dem Ersten Weltkrieg in die Gegenwart des Zweiten Weltkrieges. Auch wurden die körperlichen Verletzungen von Oliver verändert, ebenso teilweise die Namen von Figuren (z. B. das sehr britisch klingende Bashforth zu Bradford).
Eine weitere Verfilmung entstand innerhalb der TV-Serie Lux Video Theatre: The Enchanted Cottage datiert vom 29. September 1955, Staffel 6, Folge 1. Teresa Wright spielte die Rolle der Laura Pennington, Dan O’Herlihy verkörperte Oliver Bradford. In den 2000er-Jahren war zeitweise eine Neuverfilmung mit Cher im Gespräch, die Interesse an dem Stoff hatte.[2] 2016 entstand eine weitere Verfilmung als Low-Budget-Produktion mit weitgehend unbekannten Mitwirkenden.[3]
Produktionsgeschichte
Bereits 1929 hatte RKO Radio Pictures die Rechte an Pineros Theaterstück erworben, ursprünglich um daraus einen Film mit Helen Twelvetrees zu machen. Dazu kam es nie. Um 1940 war eine Verfilmung mit Ginger Rogers als Star im Gespräch. Jedoch kamen erst ab 1943 konkrete Pläne zu einer Verfilmung: Das lag vor allem an Harriet Parsons, eine der wenigen Filmproduzentinnen ihrer Zeit in Hollywood, die begeistert entdeckt hatte, dass das Studio die Rechte an dem Stück besaß.[4] Jedoch wurde Parsons ihr Wunschprojekt zeitweise weggenommen; Dudley Nichols sollte produzieren, Jean Renoir war als Regisseur im Gespräch. Als die Journalistin Hedda Hopper, ironischerweise die langjährige berufliche Rivalin von Harriets Mutter Louella Parsons, das Vorgehen von RKO in ihrer Kolumne kritisierte und dem Studio Benachteiligung von Frauen vorwarf, erhielt Parsons das Projekt zurück.[5]
Gedreht wurde von Anfang Oktober bis zum 2. Dezember 1944.[4] Das vorkommende Klavierkonzert schrieb Filmkomponist Roy Webb selbst, der hierfür die einzige Oscar-Nominierung des Filmes einfahren sollte. Webb durfte das Klavierkonzert auch 1945 in der Hollywood Bowl konzertant aufführen.[6] Der Citizen Kane-Drehbuchautor Herman J. Mankiewicz wurde herangezogen, um das Drehbuchs von DeWitt Bodeen zu überarbeiten.
Besetzung
Mit den Augen der Liebe war Dorothy McGuires zweite Filmarbeit und wie schon in ihrem Debütfilm Claudia von 1943 war auch hier wieder Robert Young ihr Filmpartner. Für die männliche Hauptrolle war dabei eigentlich Alan Marshal vorgesehen, der jedoch vor Beginn der Dreharbeiten einen Nervenzusammenbruch erlitt, sodass Robert Young einsprang.[4] Neben dem Film wiederholten Robert Young und Dorothy McGuire ihre Rollen 1945 auch in einer Radioadaption des Werkes.[4] Für Young war es offenbar ein Liebeslingsfilm: Er benannte später ein Haus, das er baute, „The Enchanted Cottage“, und bezeichnete den Film 1986 in einem Interview als die seiner Meinung nach „beste Liebesgeschichte“. Er sei traurig gewesen, als die Dreharbeiten und der Film zu Ende gewesen seien.[7]
Regisseur John Cromwell griff zu einem Trick, um Dorothy McGuire unterschiedlich auf den Zuschauer wirken zu lassen. Wurde sie durch die Augen der anderen gesehen, trug sie schlecht sitzende Kleidung, unvorteilhafte Frisuren und war völlig ungeschminkt. Wird sie aber mit den Augen der Liebe gesehen, passte die Kleidung perfekt und auch Frisur und Make-up trugen zu einem anderen Bild bei. Kostümbildner Edward Stevenson schuf dafür identische Kleidung für Dorothy McGuire, einmal schlecht sitzende, einmal perfekt passende.[8]
Bemerkenswert ist auch die Besetzung des Briten Herbert Marshall als blindem, kriegsversehrtem Maler – Marshalls linkes Bein hatte im Ersten Weltkrieg bis über die Hüfte amputiert werden müssen. Das hinderte ihn nicht daran, zu einem Theater- und Filmstar zu werden. Der breiten Öffentlichkeit war seine Amputation weitgehend unbekannt, die ihm bis an sein Lebensende regelmäßig Schmerzen bereitete.[9]
Rezeption
Veröffentlichung
Die Uraufführung erfolgte in den USA am 15. Februar 1945. In Deutschland startete der Film im Juli 1946 und in Österreich am 9. August 1946.
Die DVD ist bisher nur in der englischen Originalversion erschienen: The Enchanted Cottage Archive Collection von Warner Brothers.[10] 2025 folgte in den USA die Veröffentlichung einer Blu-ray basierend auf einem neuen 4K-Scan des Originalnegativs.[11]
Kritik
Die zeitgenössischen Kritiken waren eher gemischt. Bosley Crowther in der The New York Times vom 28. April 1945 betonte vor allem, dass der Film oftmals unrealistisch wirke: Eine eigentlich gutaussehende Frau wie Dorothy McGuire zeige sich bei der heutigen Schönheitskultur nicht mehr derart unscheinbar, und Kriegsveteranen sähen bei den Möglichkeiten plastischer Chirurgie nicht mehr so verunstaltet wie Robert Young aus.[12] James Agee lobte die Leistungen von McGuire und Young, und es gebe auch Zuschauer, denen der Film sicher gefallen würde. Ihm sei er aber zu „schnulzig“ in den Dialogen und seiner Philosophie.[13]
In einer der wenigen deutschsprachigen Kritiken schreibt das Lexikon des Internationalen Films:
„Zunächst ist es nur Mitleid, das die unscheinbare Frau und den durch Kriegsverletzungen entstellten Flieger verbindet. Nach der Heirat löst jedoch tiefere Zuneigung das verbitterte Paar aus äußerer und innerer Vereinsamung. Trotz einiger Ungereimtheiten ein Liebesfilm, der mit diskreter Darstellung, einfallsreicher Bildführung und solider Inszenierung ansprechend unterhält.“
Heute sind die Besprechungen des Filmes im Allgemeinen im angloamerikanischen Raum wohlwollend bis sehr positiv – der starke Romantizismus des Filmes wird mittlerweile oft eher als faszinierend denn als negativ gesehen. So empfahl Times Leader den Film im Jahr 2015 für Valentinstage und betonte, er sei zu „zart und fantasievoll“, um heute noch einmal gedreht werden zu können.[2] Bei Rotten Tomatoes fallen alle sechs gelisteten Kritiken positiv aus (Stand Mai 2026).[15]
Für Jim Hemphill bei IndieWire im Jahr 2025 ist die Handlung an sich zwar eher trivial, altmodisch und unglaubwürdig – doch hier gelte das alte Wort von Roger Ebert, dass nicht das was der Handlung, sondern das wie für die Qualität des Filmes entscheidend sei. Es sei bemerkenswert, was Cromwells herausragende Regie, die beiden Hauptdarsteller und Roy Webbs Musik an Atmosphäre und Emotion erzeugen würden.[16] Troy Anderson beschrieb den Film als „unverfroren sentimental“ und frei von Ironie, aber gerade diese Eigenschaften könnten im Zeitalter zynischer Filme anziehend sein. Am interessantesten sei, dass der Film seine Fantasy-Elemente nicht nutze „um der Realität zu entfliehen, sondern um tiefere Wahrheiten über Wahrnehmung, Schönheit und die transformative Kraft dessen zu beleuchten, von einem anderen Menschen wirklich gesehen zu werden“.[17]
Auszeichnungen
Roy Webb war 1946 mit seiner Musik für diesen Film in der Kategorie „Beste Filmmusik in einem Drama“ für einen Oscar nominiert, hatte jedoch das Nachsehen gegenüber Miklós Rózsa, der die Trophäe mit seiner Musik für den Thriller Ich kämpfe um dich (Spellbound) gewann.
Weblinks
- Mit den Augen der Liebe bei IMDb
- The Enchanted Cottage Dorothy McGuire – Robert Young
- The Enchanted Cottage bei Turner Classic Movies (englisch, derzeit von Deutschland aus nicht zugänglich)
- The Enchanted Cottage Original-Trailer und Interview mit Whoopi Goldberg bei TCM (englisch)
- Mit den Augen der Liebe Film Bühne Jahrg. II Nr. 32