Mk-80-Serie
Serie von Fliegerbomben
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Die Mark-80-Serie ist die Bezeichnung einer Serie von vier Fliegerbomben, die in den 1950er-Jahren in Vereinigten Staaten entwickelt wurde. Die Bomben werden noch heute produziert und zählen zu den am weitesten verbreiteten Freifallbomben.

Entwicklung
Die Mark-80-Serie entstand Anfang der 1950er-Jahre im Auftrag der Streitkräfte der Vereinigten Staaten. Diese benötigten neue Sprengbomben mit einem geringen Strömungswiderstand, welche von überschallschnellen Kampfflugzeugen transportiert und abgeworfen werden konnten. Weiter sollten die Bomben über einen einheitlichen Aufbau sowie ein optimales Gewichtsverhältnis zwischen Leer- und Sprengstoffgewicht besitzen. Dabei sollten die neuen Bombenmodelle als Mehrzweckbomben gegen ein breites Zielspektrum eingesetzt werden können. Die Entwürfe der Bombenmodelle wurden von Ed Heinemann von der Douglas Aircraft Company ausgearbeitet. Heraus kam ein langgezogener, stromlinienförmiger Bombenkörper, der auch bei Transsonische Strömungen einen stabilen Fall garantierte. Erste Abwurftests mit den vier neuen Bombenmodellen wurden im Mai 1955 durchgeführt und 1956 wurden die ersten Bomben für weitere Tests und die Truppenerprobung ausgeliefert. Danach wurden die Entwürfe nachgebessert, woraufhin die Massenproduktion startete. Ab den späten 1950er-Jahren wurden die ersten Bomben an die United States Air Force, die United States Navy sowie an das United States Marine Corps geliefert. Später wurden die Bomben auch an andere Staaten exportiert. Die Bomben werden noch heute in den Vereinigten Staaten und im Lizenzbau in weiteren Staaten produziert.[1][2]
Aufbau

Mark-80-Serie besteht aus den vier Bombenmodellen Mark 81 (250 lb / 113 kg), Mark 82 (500 lb / 227 kg), Mark 83 (1000 lb / 454 kg) und Mark 84 (2000 lb / 907 kg). Alle haben denselben Aufbau und dieselbe Geometrie, unterscheiden sich aber in Größe und Gewicht. Die Mark-80-Bomben bestehen aus dem Bombenkörper, der mit unterschiedlichen Sprengstoffen befüllt werden kann sowie mit verschiedenen Zündern und Heckteilen versehen werden kann. Die Bomben haben einen stromlinienförmigen Körper mit einer langgezogenen, ogiven Spitze. Der Bombenkörper besteht aus kohlenstoffarmem Stahl (Stahlsorte AISI-1018 bis AISI-1026), der in Rohrform (geschweißt oder nahtlos), mittels Heißpressung oder Stauchung in die gewünschte Form gebracht wurde. Die Bomben der United States Air Force waren zuerst mit Minol (TNT und Ammoniumnitrat) und sind aktuell mit Tritonal befüllt. Die Bomben der United States Navy und des United States Marine Corps waren anfänglich mit H-6 (Hexogen und TNT) befüllt. Heute wird als Füllung PBXN-109 verwendet, um einen Cook off der Bomben an Bord der Flugzeugträger unwahrscheinlicher zu machen. Einige Bomben aus dem internationalen Lizenzbau sind mit reinem TNT oder Composition B befüllt. Die Masse des Sprengstoffs in den Mark-80-Bomben beträgt 40 bis 45 % ihres Gewichts. Hinten an den Bombenkörpern können verschiedene Heckteile angeschraubt werden. Standardmäßig werden die MAU-92/93/94/95-Heckteile aus geschweißten Blechen mit vier trapezförmigen Stabilisierungsflächen (Heckflossen) montiert. Mit diesem Heckteil beträgt das Längen-Durchmesser-Verhältnis rund 8:1. Anstelle der standardmäßigen Heckflossen können am Heck die Bremsmechanismen Mk 14, Mk 15 und MAU-91 (Snake Eye) oder die BSU-49/50/85 (AIR - Air Inflatable Retarder) mit einem Ballonschirm montiert werden. Die Bombenkörper haben entweder einen grauen oder olivgrünen Anstrich. Die Bomben der United States Navy haben eine zusätzliche Brandschutzbeschichtung in grauer Farbe. Ein gelber Streifen an der Bombenspitze kennzeichnet die Befüllung mit Tritonal oder TNT, zwei Streifen mit H-6 und drei Streifen mit PBXN-109. Die Mark 80-Übungsbomben haben einen blauen Anstrich. Diese Bomben haben eine verringerte Sprengstofffüllung und sind zur Gewichtskompensation mit Ballast befüllt. Bezündert sind die Mark-80-Bombem mit einem Kopf- und/oder Heckzünder. Dafür sind an der Bombenspitze und am Heck jeweils Vertiefungen bzw. Öffnungen mit einem Gewinde angebracht. Darin können verschiedene Aufschlagzünder, Näherungszünder oder Verzögerungszünder eingesetzt werden. Letztere werden nur im Bombenheck eingesetzt. Unter den Zündern kann in einer Vertiefung zusätzlich eine Verstärkerladung mit TNT oder Tetryl geladen werden. Auf halber Länge sind am Bombenkörper Bombenschlösser mit einem Abstand von 356 mm (14 inch) und/oder 762 mm (30 inch) angebracht.[1][3][4][5][6][7][8][9][10][11]
Masse der Mark-80-Bomben (Originalmodelle aus den Vereinigten Staaten)
| Bombenmodell | Mark 81 | Mark 82 | Mark 83 | Mark 84 |
|---|---|---|---|---|
| Gewicht (ohne Heckteil und Zünder) | 111 kg | 231 kg | 421 kg | 859 kg |
| Gewicht (mit Standard-Heckteil und Zünder) | 118 kg | 241 kg | 447 kg | 894 kg |
| Sprengstofffüllung | 45,4 kg | 87,3 kg | 202,3 kg | 428,6 kg |
| Länge (ohne Heckteil und Zünder) | 1,078 m | 1,501 m | 1,841 m | 2,442 m |
| Länge (mit Standard-Heckteil und Zünder) | 1,678 m | 2,166 m | 2,926 m | 3,843 m |
| Durchmesser | 228 mm | 273 mm | 389 mm | 457 mm |
| Spannweite (mit Standard-Heckteil) | 332 mm | 390 mm | 500 mm | 640 mm |
| Standard-Heckteil | MAU-94 | MAU-93 / BSU-33 | MAU-95 | MAU-92 |
| Snake Eye-Heckteil | Mark 14 | Mark 15 / BSU-86 | MAU-91 | - |
| AIR-Heckteil (Ballute) | - | BSU-49 | BSU-85 | BSU-50 |
Quellen:[12][13][14][15][16][17][18][19][20]
Für die Streitkräfte der Vereinigten Staaten wurden die Bomben BLU-110, BLU-111, BLU-117, BLU-119, BLU-126, BLU-129, BLU-134 und BLU-140 entwickelt. Diese gleichen äußerlich den Bomben der Mark-80-Serie, unterscheiden sich aber in den verwendeten Werk- und Sprengstoffen. Weiter werden die Bomben der Mark-80-Serie als Gefechtsköpfe für Präzisionsbomben und Gleitbomben wie Paveway, JDAM, AASM, PGM 500/2000, Spice sowie weiteren Bomben und Luft-Boden-Lenkflugkörpern verwendet.[1][3][4][21][22]
Einsatzspektrum & Wirkung

Die Bomben der Mark-80-Serie sind aerodynamisch optimal geformte Mehrzweckbomben. Im englischen Sprachgebrauch werden sie auch englisch Low-Drag, General-Purpose (LDGP) bezeichnet. Die Bomben können von einer Vielzahl von Kampfflugzeuge und Bombern abgeworfen werden. Sie können gegen ein breites Zielspektrum eingesetzt werden. Dabei werden sie entweder als ungebremste (englisch Low Drag (LD)) oder als gebremste (englisch High Drag (HD)) Bombe abgeworfen. Im ersten Fall sind am Bombenheck vier Stabilisierungsflächen montiert und die Bomben werden aus mittlerer und großer Flughöhe abgeworfen. Für den Abwurf aus dem Tiefflug werden am Bombenheck Bremsmechanismen angebracht. Durch diese wird der Fall der Bomben abgebremst, so dass sich bei deren Detonation das Flugzeug nicht mehr im Gefahrenbereich befindet. Die Bomben der Mark-80-Serie können aus einer Flughöhe von 15 bis über 15.240 m sowie in einem Geschwindigkeitsbereich von 278 bis rund 2.500 km/h abgeworfen werden. Dabei kann das Lastvielfache maximal 5 g betragen. Bei der Explosion entstehen eine Detonationswelle, eine kurzzeitig hohe Temperatur und der Bombenkörper wird in scharfkantige Splitter zerlegt.[1][3][14][23][24][25]
Kenngrößen der Explosionswirkung von Mark-80-Bomben
| Bombenmodell | Mark 81 | Mark 82 | Mark 83 | Mark 84 |
|---|---|---|---|---|
| Druck Detonationswelle (in 16 m Entfernung vom Ground Zero) | 0,70 Bar (70 kPa) | 1,2 Bar (120 kPa) | 1,8 Bar (180 kPa) | 2,4 Bar (240 kPa) |
| Druck Detonationswelle (in 31 m Entfernung vom Ground Zero) | 0,24 Bar (24 kPa) | 0,3 Bar (30 kPa) | 0,6 Bar (60 kPa) | 0,8 Bar (80 kPa) |
| Gewicht Fragmente | 0,2–19 g | 0,2–19 g | 0,2–19 g | 0,2–194 g |
| Anfangsgeschwindigkeit Fragmente | 670–2.286 m/s | 760–2.440 m/s | 610–2.745 m/s | 610–2.745 m/s |
| Kraterdurchmesser | 1,9–4,6 m | 4,6–10,7 m | 6,1–13,7 m | 7,6–18,3 m |
| Kratertiefe | 0,6–3,7 m | 0,8–4,3 m | 0,9–5,5 m | 1,2–8,8 m |
| Eindringtiefe in Stahl (Abwurf aus großer Höhe) | 2,5 cm | 3,2 cm | 4,6 cm | 5,1 cm |
| Eindringtiefe in Beton (Abwurf aus großer Höhe) | 40 cm | 52 cm | 70 cm | 90 cm |
Lizenzfertigung
Außerhalb der Vereinigten Staaten werden die Mark-80-Bomben in rund 17 Staaten, darunter Argentinien, Brasilien, Chile, Deutschland, Frankreich, Italien, Pakistan, Polen, Slowenien, Spanien, Südafrika und Südkorea im Lizenzbau produziert.[4][29]
Verbreitung
Die Mark-80-Bomben befindet sich bei den Streitkräften der Vereinigten Staaten sowie bei nahezu allen NATO-Staaten im Dienst. Daneben werden die Bomben weltweit exportiert.[1][3]
Galerie
- Mark 81 Bomben an einer A-4 „Skyhawk“
- Mark 82 Bomben der USAF werden vorbereitet
- Mark 83 Bomben an Bord der USS Saratoga
- Mark 84 Bombe beim Verladen
Siehe auch
Literatur
- Anthony Thornborough: Modern Fighter Aircraft Technology and Tactics: Into Combat With Today's Fighter Pilots. Patrick Stephens Ltd, Vereinigte Staaten, 1995, ISBN 978-185260426-4
- Jeremy Flack: Lenk- und Abwurfwaffen der NATO-Luftwaffen. Motorbuch Verlag, 2005, ISBN 978-3-613-02525-7.
- Robert Hewson: Jane’s Air launched Weapon 2003. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2003, ISBN 0-7106-0866-7.
Weblinks
- Mark 80 Family of low drag general purpose aviation bombs bei weaponsystems.net (englisch)
- Ungelenkte Bomben bei globalsecurity.org (englisch)
- Mk 81 Aircraft Bomb bei cat-uxo.com (englisch)
- Mk 82 Aircraft Bomb bei cat-uxo.com (englisch)
- Mk 83 Aircraft Bomb bei cat-uxo.com (englisch)
- Mk 84 Aircraft Bomb bei cat-uxo.com (englisch)
- Mark 80 Bomben bei Open Source Munitions Portal (englisch)