Museo de Bellas Artes de Sevilla
Museum in Spanien
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Das Museo de Bellas Artes de Sevilla zählt zu den bedeutendsten Kunstmuseen Spaniens. Es befindet sich in der Plaza del Museo im historischen Zentrum von Sevilla. Der Sammlungsschwerpunkt liegt auf der Malerei spanischer und andalusischer Schulen, wobei Werke des Barock aus Sevilla besonders stark vertreten sind. Das Museo de Bellas Artes de Sevilla wurde durch Königliche Verordnung vom 16. September 1835 als Museo de Pinturas gegründet. 1839 erhielt es seine dauerhafte Unterbringung im ehemaligen Konvent der Merced Calzada.[1] Nach der Säkularisation wurden die Räumlichkeiten für museale Zwecke umgestaltet. Die offizielle Eröffnung datiert in die frühen 1840er Jahre. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde die Sammlung durch Zuweisungen, Käufe und Depots aus kirchlichem und privatem Besitz systematisch erweitert. Heute gilt das Museum als zentrale Institution für die bildende Kunst Sevillas und Andalusiens.[2]

Geschichte und Architektur
Das Museo de Bellas Artes de Sevilla wurde 1971 in seiner heutigen Form eröffnet und ist in einem historischen Klosterkomplex aus dem frühen 17. Jahrhundert untergebracht. Der Museumsbau geht auf ein manieristisches Gebäudeensemble des Ordens der Merced Calzada (Mercedarier) zurück. Er wurde ab 1602 nach Entwürfen von Juan de Oviedo y de la Bandera errichtet. Er entstand auf dem Gelände eines älteren gotisch-mudéjaren Klosters aus dem 13. Jahrhundert, das auf eine Gründung durch Pedro Nolasco zurückging. Initiator des Neubaus war der Ordensgeneral Fray Alonso de Monroy. Zwischen 1602 und 1620 wurde der Hauptkomplex fertiggestellt. In den folgenden Jahrhunderten erfuhr das Gebäude zahlreiche Umbauten und Erweiterungen. So gestaltete Leonardo de Figueroa den Kreuzgang im Jahr 1724 teilweise um, und 1729 entstand ein barockes Portal nach Entwürfen von Fray Bartolomé de Roxas, das von Miguel de Quintana ausgeführt wurde.[3]
Im Zuge der Umgestaltung des städtischen Umfelds wurde der Noviziatstrakt um 1840 abgerissen, um die heutige Plaza del Museo anzulegen. Gleichzeitig erhielt das Gebäude eine neoklassizistische Fassadengestaltung. Die Hauptfassade wurde zwischen 1847 und 1851 von Balbino Marrón y Ranero ausgeführt. Zwischen 1868 und 1898 folgten weitere Restaurierungs- und Anpassungsmaßnahmen, darunter die Erneuerung der Arkaden und Mauern des Obergeschosses, die Pflasterung der Kreuzgänge und die Ausstattung mit Azulejos aus säkularisierten Klöstern. Im 20. Jahrhundert kam es zu weiteren Umbauten: 1942 wurde der Patio del Aljibe geöffnet, die ehemalige Sakristei umgestaltet und ein Kirchenportal an die Straßenfassade der Calle Bailén versetzt. Zudem wurden die Räumlichkeiten des Museums angepasst. Die umfassende bauliche und museografische Sanierung des Gesamtkomplexes wurde zwischen 1985 und 1993 unter der Leitung von Javier Feduchi Benllurie durchgeführt.
Der Bau weist die für spanische Klosterkomplexe des 17. Jahrhunderts typischen räumlichen Strukturen auf. Vom Haupteingang aus gelangt man zu einer monumentalen Treppe im imperialen Stil, die mit manieristischen Dekorelementen verziert ist. Sie wird von einer oktogonalen Kuppel überwölbt. Die Treppenanlage fungiert als verbindendes Element zwischen den drei Hauptkreuzgängen des Komplexes. Um diese herum gruppieren sich die ehemaligen Konventsbereiche. Die Kirche liegt seitlich, während andere Funktionsräume wie das Refektorium und die Sala de Profundis erhalten geblieben sind. Im Zuge der Umnutzung zum Museum gingen mehrere ursprüngliche Klosterbereiche verloren, darunter das Noviziat, die Sakristei und der Kirchenchor.[3]
Der große Kreuzgang besteht aus zwei Geschossen. Das untere Geschoss ist durch Rundbogenarkaden auf paarweise angeordneten Marmorsäulen gegliedert, das obere Geschoss durch eine Abfolge von Balkonen, die durch Säulen ionischer Ordnung getrennt sind. Parallel dazu liegt der sogenannte Kreuzgang der Buchsbäume (Claustro de los Bojes). Es handelt sich um einen rechteckigen Hof mit leicht erhöhten Rundbögen und einem Wechsel von offenen und geschlossenen Wandfeldern im Obergeschoss. Der dritte Hauptpatio, der Patio del Aljibe, dient als Zugangsbereich zum Museum. Er erstreckt sich über drei Ebenen und befindet sich an der Stelle der ehemaligen Sakristei. Ein weiterer, kleinerer Hof, der Patio de las Academias, bildet das funktionale Zentrum des Museums und verbindet die Verwaltungsbereiche vertikal mit den Abteilungen für Konservierung, Restaurierung und Sammlungen.[3]
Die ehemalige Klosterkirche hat ihre ursprüngliche Gestalt weitgehend bewahrt. Sie hat einen Grundriss in Form eines lateinischen Kreuzes, ein einschiffiges Langhaus, ein Tonnengewölbe, Gurtbögen und Stichkappen sowie eine zweigeschossige Glockenwand (Espadaña). In den 1970er Jahren wurde eine grundlegende museografische Neuausrichtung vorgenommen, bei der großzügigere und offenere Ausstellungsräume geschaffen wurden.[3]
Sammlung
Das Museum gilt als die wichtigste Institution zur Erforschung und Präsentation der Malerei aus Sevilla im 17. Jahrhundert. Der Schwerpunkt liegt auf Werken, die im Kontext der religiösen, sozialen und künstlerischen Entwicklung Sevillas während des Siglo de Oro entstanden sind. Den Kernbestand der Sammlung bilden Gemälde aus aufgelösten Klöstern, Kirchen und religiösen Institutionen Andalusiens, die infolge der spanischen Säkularisation (Desamortización) im 19. Jahrhundert in staatlichen Besitz übergingen. Viele dieser Werke waren ursprünglich für liturgische oder klösterliche Räume bestimmt.[4][5]
Sevillanische Malerei des 17. Jahrhunderts
Ein zentraler Bestandteil der Sammlung sind Werke von Bartolomé Esteban Murillo, der im Museum mit einer der umfangreichsten öffentlichen Werkgruppen vertreten ist. Gezeigt werden unter anderem Darstellungen der Unbefleckten Empfängnis, Heiligenbilder sowie Szenen christlicher Nächstenliebe, die Murillos religiöse Ikonografie und seine für Sevilla prägende Bildsprache dokumentieren. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Gemälde von Francisco de Zurbarán, insbesondere monumentale Ordensdarstellungen, Märtyrerbilder und Zyklen für Mercedarier- und Kartäuserklöster. Diese Werke zeichnen sich durch eine strenge Komposition, reduzierte Farbgebung und eine ausgeprägte Lichtführung aus. Sie spiegeln die spirituellen Ideale der Gegenreformation wider. Auch Juan de Valdés Leal ist mit mehreren Werken vertreten, die seine dramatische Bildauffassung und seine expressive Malweise belegen. Dieser Bestand wird durch Gemälde von Francisco de Herrera dem Älteren und Francisco de Herrera dem Jüngeren ergänzt. Sie dokumentieren den Übergang von manieristischen zu barocken Ausdrucksformen in der Malerei Sevillas.[5]
Weitere spanische Künstler und Gattungen
Neben der lokalen Schule umfasst die Sammlung Werke weiterer bedeutender spanischer Künstler des 16. bis 18. Jahrhunderts. Dazu zählen Gemälde von Alonso Cano, der in seinen Werken die Grenzen zwischen Malerei, Skulptur und Architektur verwischt, sowie Arbeiten von Juan de Ruela, die den frühen Einfluss venezianischer Malerei in Andalusien belegen. Die Gemäldesammlung wird durch Skulpturen ergänzt, vor allem durch polychrome Holzskulpturen religiöser Thematik aus dem andalusischen Barock. Diese Werke stehen in engem Zusammenhang mit der Bildschnitztradition von Sevilla und sind vielfach mit der lokalen Prozessions- und Bruderschaftskultur verbunden. Das Museum verfügt zudem über Bestände an Kunsthandwerksobjekten, Zeichnungen und Druckgrafiken. Sie dienen vor allem der Kontextualisierung der Hauptwerke und bieten Einblicke in Werkprozesse, ikonografische Traditionen und kunsthandwerkliche Praktiken der Frühen Neuzeit.[5]
Werke (Auswahl)
- Werkstattreplik nach einem Gemälde des flämischen Malers Gerard David
- Gemälde vom Hauptaltaraufsatz der Kirche des ehemaligen Klosters San Benito de Calatrava in Sevilla.
- Bartolomé Esteban Murillo (1617–1682): Virgen de la Servilleta (um 1665/1666)
- Antonio María Esquivel (1806–1857): Porträt der Königin Isabella II. von Spanien (1830–1904), Tochter von König Ferdinand VII. und Königin Maria Christina von Bourbon-Sizilien
- Valeriano Domínguez Bécquer (1833–1870): Porträt des Malers Francisco Tristán y Camaño (1859)
- Manuel Cabral Aguado Bejarano (1827–1891): Baile en una caseta de feria (Tanz in einem Festzelt)
- José Rico Cejudo (1864–1939): Floristas en el Parque de María Luisa (um 1920)
- Juan Martínez Montañés zugeschrieben (ca. 1630): Niño Jesús desnudo
- Pietro Torrigiano (1472–1528): Büßender hl. Hieronymus
- Bildnis des San Pablo Miki. Im Auftrag der Casa Profesa (Sevilla) von Juan de Mesa anlässlich der Seligsprechung des Märtyrers im Jahr 1627 angefertigt
Literatur
- Alfonso E. Pérez Sánchez, La pintura barroca en España 1600–1750, Cátedra, Madrid, 1992.
- Benito Navarrete Prieto (Hrsg.), Murillo y su época, Museo de Bellas Artes de Sevilla, Sevilla, 2017.
- Enrique Valdivieso, Historia de la pintura sevillana, Guadalquivir, Sevilla, 1986.
- Ignacio Cano Rivero; María Victoria Muñoz Rubio; Rosario Izquierdo Moreno, Museo de Bellas Artes de Sevilla: Guía oficial, Consejería de Cultura, Junta de Andalucía, Sevilla, 2005.
- Manuel Fernández Rojas, El Convento de la Merced Calzada de Sevilla: actual Museo de Bellas Artes, Área de Cultura y Deportes, Diputación de Sevilla, Sevilla, 2000.
- Museo de Bellas Artes de Sevilla (Hrsg.), Guía del Museo, Junta de Andalucía, Sevilla, 2019.
- Odile Delenda, Francisco de Zurbarán (1598–1664). Catálogo razonado y crítico, Fundación de Apoyo a la Historia del Arte Hispánico, Madrid, 2009.
- Víctor Pérez Escolano, El convento de la Merced Calzada de Sevilla (actual Museo de Bellas Artes) a la luz de la relación de Fray Juan Guerrero (mediados del siglo XVII) y la planta aproximada de 1835, Universidad de Sevilla, Sevilla, 1982.
Weblinks
- Website des Museums
- Museo de Bellas Artes de Sevilla, Información general Junta de Andalucia (spanisch)
- Architektur Arquitectura de los museos, Gobierno de Espagna (spanisch)
- Entstehung und Entwicklung des Museums der Schönen Künste in Sevilla (spanisch)