Niedermayrit
Mineral
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Niedermayrit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfate (einschließlich Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)“ mit der chemischen Zusammensetzung CdCu4[(OH)6|(SO4)2]·4H2O und damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Cadmium-Kupfer-Sulfat mit zusätzlichen Hydroxidionen.
| Niedermayrit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
1997-024[1] |
| IMA-Symbol |
Ndm[2] |
| Chemische Formel | |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Sulfate (Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate) |
| System-Nummer nach Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VI/D.19-005[4] 7.DD.30 31.06.06.02 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | monoklin |
| Kristallklasse; Symbol | monoklin-prismatisch; 2/m |
| Raumgruppe | P21/m (Nr. 11)[3] |
| Gitterparameter | a = 5,543 Å; b = 21,995 Å; c = 6,079 Å β = 92,04°[3] |
| Formeleinheiten | Z = 2[3] |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 2 bis 3 |
| Dichte (g/cm3) | 3,36 |
| Spaltbarkeit | vollkommen entlang {010} |
| Bruch; Tenazität | spröde |
| Farbe | bläulichgrün |
| Strichfarbe | weiß |
| Transparenz | durchsichtig |
| Glanz | Glasglanz |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα = 1,599 bis 1,619[5] nβ = 1,642[5] nγ = 1,661[5] |
| Doppelbrechung | δ = 0,062[5] |
| Optischer Charakter | zweiachsig negativ |
| Achsenwinkel | 2V = 84°[5] |
Niedermayrit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und findet sich meist in Form massiger Aggregate und krustiger Überzüge von blaugrüner Farbe.
Etymologie und Geschichte
Niedermayrit wurde erstmals 1995 von F. Schreiber im Bergbaugebiet von Lavrio (auch Lavrion oder Laurion) in Griechenland gefunden. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Gerald Giester, Branko Rieck und Franz Brandstätter,[6] die das Mineral nach dem österreichischen Mineralogen und Kurator der mineralogischen Sammlung des Naturhistorischen Museums Wien Gerhard Niedermayr (1941–2015) benannten.
Als genaue Typlokalität gilt das ehemalige Bergwerk Esperanza mit verwitternden Blei- und Zinkerzen sowie Vorkommen von Cadmium-, Chlorid- und Sulfatmineralen im Bergbaurevier Lavrio in der Region Ostattika.[7]
Giester, Rieck und Brandstätter sandten ihre Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1997 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1997-024[1]), die den Niedermayrit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde im Folgejahr im Fachmagazin Mineralogy and Petrology veröffentlicht. Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von MineralName lautet „Ndm“.[2]
Das Typmaterial des Minerals wird im Institut für Mineralogie und Kristallographie der Universität Wien (IMK) und Naturhistorischen Museum Wien (NHM) in Wien (Österreich) aufbewahrt. Die Inventarnummern sind nicht dokumentiert.[8][9]
Klassifikation
Da der Niedermayrit erst 1997 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VI/D.19-005. Dies entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate, Molybdate und Wolframate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Sulfate, mit fremden Anionen“, wo Niedermayrit zusammen mit Aldridgeit, Arzrunit, Campigliait, Devillin, Edwardsit, Kobyashevit, Lautenthalit, Orthoserpierit, Serpierit und Tatarskit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VI/D.19 bildet.[4]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[10] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Niedermayrit in die erweiterte Klasse der „Sulfate (Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)“, dort aber ebenfalls in die Abteilung der „Sulfate (Selenate usw.) mit zusätzlichen Anionen, mit H2O“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und der Kristallstruktur. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung/seinem Aufbau in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; Lagen von kantenverknüpften Oktaedern“ zu finden, wo es zusammen mit Campigliait, Devillin, Orthoserpierit und Serpierit die „Devillingruppe“ mit der Systemnummer 7.DD.30 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Niedermayrit die System- und Mineralnummer 31.06.06.02. Dies entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate (einschließlich Selenate und Tellurate, Selenite, Tellurite, Sulfite)“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen“, wo das Mineral zusammen mit Campigliait in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 31.06.06 innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen mit (A+B2+)5(XO4)2Zq × x(H2O)“ zu finden ist.
Kristallstruktur
Niedermayrit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem in der Raumgruppe P21/m (Raumgruppen-Nr. 11) mit den Gitterparametern a = 5,543 Å; b = 21,995 Å; c = 6,079 Å und β = 92,04° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]
Eigenschaften
Beim Erhitzen verliert das Mineral in zwei Stufen bei etwa 100 und 300 °C sein Kristallwasser.[3]
Bildung und Fundorte

Niedermayrit bildet sich sekundär als Umwandlungsprodukt von Chalkopyrit und Greenockit in der Oxidationszone zinkreicher hydrothermaler Erzkörper in brekziösem Marmor. Als Begleitminerale können neben den genannten vor allem noch Galenit, Hawleyit, Sphalerit und Pyrit auftreten, mit denen Niedermayrit oft verwachsen ist. Daneben finden sich als weitere Sekundärminerale wie Gips, Malachit, Chalkanthit, Brochantit, Hemimorphit, Hydrozinkit, Aurichalcit, Monteponit und Otavit vergesellschaftet mit Niedermayrit.[3]
Von dem sehr seltenen Mineral sind weltweit aktuell nur 12 Vorkommen dokumentiert (Stand 2026).[11] Außer an seiner Typlokalität in der Esperanza Mine trat das Mineral in Griechenland noch in wenigen weiteren Bergwerken wie der Hilarion Mine bei Agios Konstantinos (Kamariza) und der Sounion Mine Nr. 19 am Kap Sounion im Bergbaurevier Lavrio auf.
Weitere bisher bekannte Fundstätten sind der Tagebau Block 14 bei Broken Hill in Australien, der Bergbaubezirk Berenguela in der Provinz José Manuel Pando und möglicherweise die Kupfergrube Laurani in der Provinz Aroma in Bolivien, die berühmte Tsumeb Mine in Namibia, die Blei-, Zink-, Silber- und Kupfererzgrube Torgal bei São Luís (Odemira) in Portugal sowie die Kelly Mine mit Zn-Pb-Cu-Ag-Au-Mineralisation bei Magdalena in New Mexico, die Hidden Treasure Mine im White Pine County bzw. im Tooele County im Grenzgebiet zwischen Nevada und Utah (USA).[11]
Siehe auch
Literatur
- G. Giester, B. Rieck, F. Brandstätter: Niedermayrite, Cu4Cd(SO4)2(OH)6•4H2O, a new mineral from the Lavrion Mining District, Greece. In: Mineralogy and Petrology. Band 63, 1998, S. 19–34, doi:10.1007/BF01162766 (englisch).
- John Leslie Jambor, Jacek Puziewicz, Andrew C. Roberts: New mineral names. In: American Mineralogist. Band 84, 1999, S. 685–688 (englisch, minsocam.org [PDF; 37 kB; abgerufen am 22. Januar 2026]).
Weblinks
- Niedermayrit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- David Barthelmy: Niedermayrite Mineral Data. In: webmineral.com. (englisch).
- IMA Database of Mineral Properties – Niedermayrite. In: rruff.net. RRUFF Project (englisch).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Niedermayrite. In: rruff.net. (englisch).
