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Niederweningen

Gemeinde in der Schweiz From Wikipedia, the free encyclopedia

Niederweningen ist eine politische Gemeinde im Bezirk Dielsdorf des Kantons Zürich in der Schweiz.

Schnelle Fakten Lage der Gemeinde ...
Niederweningen
Wappen von Niederweningen
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Zürich Zürich (ZH)
Bezirk: Dielsdorfw
BFS-Nr.: 0091i1f3f4
Postleitzahl: 8166
UN/LOCODE: CH NWG
Koordinaten: 670835 / 262316
Höhe: 505 m ü. M.
Höhenbereich: 437–860 m ü. M.[1]
Fläche: 6,85 km²[2]
Einwohner: 3349 (31. Dezember 2024)[3]
Einwohnerdichte: 489 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
19,4 %
(31. Dezember 2024)[4]
Gemeindepräsident: Mark Staub (parteilos)
Website: www.niederweningen.ch
Blick von der Lägern auf Niederweningen
Blick von der Lägern auf Niederweningen
Lage der Gemeinde
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Karte von Niederweningen
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Niederweningen ist insbesondere für seine Mammutfunde bekannt und gilt als bedeutendste Fundstelle eiszeitlicher Tiere in der Schweiz.[5][6]

Wappen

Blasonierung:

In Rot ein achtstrahliger silberner Stern vor einem gebildeten silbernen Halbmond

Das Gemeindewappen von Niederweningen zeigt einen silbernen Halbmond und einen achtstrahligen silbernen Stern auf blauem Grund. Die ältesten bekannten Darstellungen aus dem 18. Jahrhundert zeigen lediglich einen Halbmond. Die heute verwendete Kombination von Halbmond und Stern ist seit dem 19. Jahrhundert belegt und wurde 1928 vom Gemeinderat offiziell als Gemeindewappen angenommen.[7]

Geographie

Niederweningen liegt zwischen Egg und der Lägern am westlichen Ende des Wehntales, welches durch die Surb entwässert wird. Die 685 ha Gesamtfläche der Gemeinde verteilt sich auf 45,4 % Landwirtschaft, 39,0 % Wald, 4,2 % Verkehrsfläche, 10,8 % Siedlungsgebiet und 0,6 % Gewässer (Stand 2018).[8] Sie ist die westlichste Gemeinde im Kanton Zürich.

Die Gemeinde grenzt im Norden an Siglistorf (AG), im Osten an Schleinikon, im Südosten an Otelfingen, im Süden an Wettingen (AG), im Westen an Ehrendingen (AG) und im Nordwesten an Schneisingen (AG).

Die höchste Erhebung liegt beim Burghorn auf 859 m ü. M. an der Lägernkrete in unmittelbarer Grenze zur Aargauer Gemeinde Wettingen.

Geologie

Das Wehntal liegt in einem glazial übertieften Becken des nördlichen Alpenvorlands. Niederweningen befindet sich am westlichen Ende dieses Beckens, das beim letzten Vorstoss des Rheingletschers vor rund 24'000 Jahren nicht mehr vollständig vom Eis überfahren wurde. Dadurch blieben ältere Sedimente weitgehend erhalten.[9] Eine Grundwasserbohrung bei Oberweningen zeigte 1994, dass das Wehntal ursprünglich mindestens 130 Meter tiefer reichte als der heutige Talboden.[6]

Die erhaltenen Sedimentablagerungen liefern wichtige Erkenntnisse zur Klima- und Landschaftsgeschichte des Schweizer Mittellands während der Eiszeiten und bilden die Grundlage für geologische und paläontologische Untersuchungen im Wehntal.[6][10]

Bevölkerung

2025 waren 29,4 % der Bevölkerung evangelisch-reformiert, 19,0 % römisch-katholisch, und 51,6 % gehörten einer anderen oder keiner Konfession an.[11] Der Ausländeranteil betrug 17,9 %.[12] Zwischen 2000 und 2025 wuchs die Einwohnerzahl von 2240 auf 3273 Personen.[12]

Die Altersstruktur setzte sich 2025 aus 22,1 % Personen unter 20 Jahren, 61,0 % Personen zwischen 20 und 64 Jahren sowie 17,0 % Personen im Alter von 65 Jahren oder älter zusammen.[13]

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Bevölkerungsentwicklung
Jahr 16341850190019501975200020052010201520202022202320242025
Einwohner 3098065518411209224024552729285630893081322533353273
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Politik

Gemeindepräsident von Niederweningen ist seit März 2022 Mark Staub (parteilos). Der fünfköpfige Gemeinderat besteht in der Legislaturperiode 2022–2026 ausschliesslich aus Parteilosen.[14]

Bei der Nationalratswahl 2023 erreichte die Schweizerische Volkspartei mit 33,85 % den höchsten Wähleranteil. Es folgten die Grünliberale Partei mit 13,79 %, die Sozialdemokratische Partei der Schweiz mit 12,92 %, die FDP.Die Liberalen mit 11,24 %, die Grüne Partei der Schweiz mit 10,67 % und Die Mitte mit 9,17 %. Weitere Stimmen entfielen auf die Evangelische Volkspartei, die Eidgenössisch-Demokratische Union, Aufrecht Zürich sowie weitere Parteien.

Geschichte

Bei den Grabungen von 1840 bis 1911 auf der Schöfflisdorfer-, der Oberweninger- und der Schleinikerplatte sowie in Niederweningen wurden die 28 Grabhügel auf der Egg erforscht, die der jüngeren Steinzeit (2000 v. Chr.) zugerechnet wurden. Das Wehntal war bereits in römischer Zeit besiedelt. Davon zeugen die beiden Gutshöfe in Oberweningen und in Schleinikon-Dachsleren. Im Jahre 507 geriet die Region unter die Herrschaft des burgundischen Königs Gundobad. Um 700 besiedelten die Alemannen das Tal. In Wenigen liess sich die Sippe des Wano nieder.[15] Der Ortsname leitet sich aus der Bezeichnung «situs Waninctale» (bei den Leuten des Wano) ab. Ab dem Jahre 1000 gehörte das Wehntal innerhalb des Deutschen Reiches zum Herzogtum Schwaben-Alemanien. Von 1127 bis 1218 regierten die Zähringer. Ihnen folgten im 11. Jahrhundert die Freiherren von Regensberg. Ulrich von Weningen war der Vorsteher des regensbergischen Meierhofes zu Niederweningen und bekleidete als solcher das höchste Amt im Dorf.

Am 17. März 1409 gelangte Niederweningen unter die Botmässigkeit des Stadtstaates Zürich, der dem verarmten Adel Geld auslieh und dem durch nicht eingelöste Pfandschaften Teile des heutigen Kantonsgebietes zufielen. 1431 schon klagte Regensberg über die Verletzung seiner alten Freiheiten. 1439 brach dann der so genannte Alte Zürichkrieg aus. Die Landwirtschaft musste zur Zeit der Regensberger Herrschaft Zinsen in Form von Kernen, Hafer und Dinkel sowie von Hühnern, Eiern, Gänsen und Schweinen abliefern. Ein Wachszins verbürgt das Bestehen der Bienenzucht. Freie Bauern gab es im Wehntal des 14. Jahrhunderts laut dem Habsburgischen Urbar nur noch in Schleinikon und Dachsleren.

Wegen schlechter Ernten befand sich im 16. und 17. Jahrhundert die Landwirtschaft in und um Niederweningen im Umbruch. 1524 wurden im Kanton Zürich im Rahmen der Reformation alle Wallfahrten verboten. Seit 1526 wurde in der Pfarrei Niederweningen, die auch Ober- und Unterehrendingen einschloss, das Abendmahl eingeführt und das Lesen der Messe verboten. Gleichzeitig versuchte die Grafschaft Baden noch den katholischen Kaplan Hans Lugger einzusetzen. Von 1608 bis 1668 wurden 150 Jucharten Wald zugunsten von Ackerland und Rebgelände gerodet. Als Hauptort des Wehntals konnte die Gemeinde manches selber ordnen, anderes fiel in die Zuständigkeit des Amtmanns des Domkapitels Konstanz und des Obervogtes auf Regensberg. 1671 wurde auf den Fundamenten der alten romanischen Kirche die reformierte Kirche erbaut, der alte Chäsbiss-Turm blieb noch etwa 150 Jahre stehen.[16]

Die Helvetik brachte im Jahre 1803 die Mediationsverfassung und mit ihr die politische Gemeinde Niederweningen mit dem fünf Mitglieder zählenden Gemeinderat und dem Gemeindepräsidenten an der Spitze. Niederweningen gehörte zum Bezirk Bülach und innerhalb dieser Verwaltungseinheit zum Zunftgericht Schöfflisdorf. Mit der Bezeichnung Zunftgericht betonte man die Gleichstellung der Landschaft mit der Stadt Zürich, die bis 1798 allein eine Zunftverfassung gekannt hatte.

Die wirtschaftliche Entwicklung blieb bis ins 19. Jahrhundert stark von Landwirtschaft und wassergetriebenen Gewerben geprägt. Mühlen entlang der Surb sowie die Verarbeitung von Gips spielten dabei eine wichtige Rolle.[17] Die Ebnemühle ist bereits 1559 urkundlich belegt;[18] die Murzlemühle seit 1471.[19]

Im Jahre 1842 wurde eine Postverbindung nach Zürich eingerichtet. 1844 wurde in der Dorfstrasse Nummer 24 ein Schulhaus gebaut.

Im Sommer 1890 begann die Schweizerische Nordostbahn mit dem Bau der Eisenbahnlinie von der bisherigen Endstation Dielsdorf her ins Wehntal bis nach Niederweningen, der sogenannten Wehntalbahn.

Beim Bau der Wehntalbahn wurden 1890 in einer Materialgrube der Schweizerischen Nordostbahn zahlreiche Knochen, Zähne und Stosszähne von Mammuten entdeckt. Arnold Lang leitete noch im selben Jahr systematische Grabungen ein und veröffentlichte 1892 einen ausführlichen wissenschaftlichen Bericht über die Funde.[5] Er bezeichnete den Niederweninger Fund als den bedeutendsten damals bekannten Mammutfund der Schweiz. Die Fundschicht lag in einem ehemaligen Torfmoor. Neben Überresten mehrerer erwachsener Tiere wurden auch Knochen eines Mammutfötus oder neugeborenen Mammuts geborgen. Weitere Mammutfunde erfolgten 1987, 2003 und 2004 in Baugruben im Dorfgebiet. Seit 2005 werden die Ergebnisse der Forschung im Mammutmuseum Niederweningen präsentiert.[6]

Mit der Eröffnung der Wehntalbahn im Jahr 1891 erhielt Niederweningen einen direkten Anschluss an das Eisenbahnnetz des Zürcher Unterlands. Die verbesserte Verkehrsanbindung begünstigte die industrielle Entwicklung des Dorfes. Besondere Bedeutung erlangte die Firma Bucher-Guyer, aus der die heutige Bucher Industries AG hervorging.[20]

Luftbild (1953) von Werner Friedli

Während des Zweiten Weltkriegs bestand von 1942 bis 1946 im Gebiet Hasel ein Internierungslager für polnische Soldaten. Die Internierten wurden zunächst bei Entwässerungs- und Meliorationsarbeiten im Rahmen der Anbauschlacht eingesetzt, später auch bei Waldarbeiten sowie in landwirtschaftlichen Betrieben und den Werkstätten von Bucher-Guyer.[21]

Am 7. Dezember 1944 Ziel eines irrtümlichen Luftangriffs. Ein alliierter Jagdbomber beschoss die Anlagen der Firma Bucher-Guyer sowie benachbarte Wohnhäuser in Niederweningen und Schneisingen mit Bordwaffen. Personen kamen nicht zu Schaden; der Sachschaden wurde auf rund 5'000 Franken geschätzt. Spätere Forschungen des ehemaligen Bucher-Direktors Rudolf Hauser führten den Angriff mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen amerikanischen Nachtjäger zurück, der sein eigentliches Ziel in Süddeutschland verfehlt hatte.[22]

Schulen

Neben der Primarschule Mammutwis und dem Kindergarten ist Niederweningen das lokale Sekundarschul-Zentrum, welches mit der Schulanlage Schmittenwis die Sekundarschule der Wehntaler Gemeinden Niederweningen, Schleinikon, Schöfflisdorf und Oberweningen beherbergt. Seit dem 1. Januar 2010 sind alle vier Schulen des Wehntals in einer einzigen Schulgemeinde Wehntal vereint.[23]

Das alte Schulhaus von 1844 ist als Gebäude an der Dorfstrasse 24 erhalten. Zeitweise wurde der Keller des Schulhauses als Gefängnis für internierte Kriegsgefangene genutzt.[24]

Wirtschaft

Arbeit und Unternehmen

In Niederweningen hat die international tätige Schweizer Unternehmensgruppe der Maschinenindustrie Bucher Industries ihren Hauptsitz. Das Unternehmen geht auf eine 1807 in Niederweningen gegründete Schmiede zurück und entwickelte sich über die frühere Bucher-Guyer AG zur heutigen Bucher Industries AG.[20]

2025 betrug die Arbeitslosenquote in Niederweningen 1,3 %.[25]

Verkehr

Niederweningen ist der Endpunkt der Wehntalbahn (Oberglatt–Niederweningen), die von der S 15 Rapperswil – Uster – Zürich HB – Oberglatt – Niederweningen befahren wird.[26] Die Züge der S 15 verkehren halbstündlich. Das Gemeindegebiet wird von den beiden Bahnstationen Niederweningen Dorf und Niederweningen erschlossen, letztere liegt unmittelbar an der Grenze zur Aargauer Nachbargemeinde Schneisingen. Im weiteren Verlauf des Surbtales verkehren Postautos nach Döttingen, da die 1915 per Bundesgesetz vorgesehene Surbtalbahn nie gebaut wurde. Auch Richtung Baden und Siglistorf, Kaiserstuhl führen Postautolinien. Die Postautolinie 354 verkehrt von Baden über Niederweningen nach Kaiserstuhl[27] und die Postautolinie 355 von Niederweningen nach Endingen.[28]

Die Hauptstrasse 17 von Zürich nach Döttingen führt durch Niederweningen.

Kirchen

In Niederweningen gibt es zwei kirchliche Gebäude:

  • Die Reformierte Kirche Niederweningen prägt das Ortsbild. Die heutige Kirche wurde 1671 als reformierte Predigtkirche auf den Fundamenten des romanischen Vorgängerbaus erbaut.[18] Von der Vorgängerkirche wurde der in den Turm integrierte gotische Chor beibehalten, aber geschlossen. Der Turm wurde 1811–1813 erbaut von Johann Volkart und Caspar Stadler. Anlässlich der Renovation 1948 wurde der Turmchor wieder geöffnet und ein Buntglasfenster zur Offenbarung des Johannes eingebaut (Künstler: Konrad Grimmer). Der Kirchturm wurde 2007 als einer der letzten im Kanton Zürich aus dem Kantonseigentum an die Kirchgemeinde übergeben.[29]
  • Die Katholische Kapelle Niederweningen entstand 1956 und wurde 2014 neu gestaltet.

Persönlichkeiten

  • Adolf Meyer (1866–1950), schweizerisch-amerikanischer Psychiater
  • Josua Boesch (1922–2012), Goldschmied, Theologe, Bibelübersetzer, Autor und Metallikonograph

Sehenswürdigkeiten

Mammutfunde

Niederweningen gilt als bedeutendste Fundstelle eiszeitlicher Tiere in der Schweiz.[5][6] Neben den Überresten von mindestens sieben Mammuten wurden Fossilien weiterer eiszeitlicher Tierarten wie Wollnashorn, Wildpferd, Steppenbison, Wolf und Höhlenhyäne gefunden.[30] Die Fundstelle liefert wichtige Erkenntnisse zur Klima- und Landschaftsgeschichte des Wehntals. Das Mammutmuseum Niederweningen präsentiert einen Teil der Funde und die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen;[31] weitere bedeutende Fundstücke, darunter das Skelett eines Mammutbullen, sind im Paläontologischen Museum der Universität Zürich ausgestellt.[32]

Villa Bucher-Guyer

Baukultur

Bedeutendstes Kulturgut in Niederweningen ist die Villa Bucher-Guyer.

Neben der Villa Bucher-Guyer verzeichnet das kommunale Inventar schützenswerter Bauten zahlreiche weitere historische Gebäude. Das Inventar soll die typische bauliche Entwicklung der Gemeinde dokumentieren und umfasst kommunale sowie überkommunal eingestufte Objekte.[18] Besonders vertreten sind historische Vielzweckbauernhäuser, Mühlen- und Gewerbebauten entlang der Surb sowie Gebäude der ehemaligen Verkehrsachsen.

Literatur

Einzelnachweise

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