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Niemegk

Stadt in Brandenburg From Wikipedia, the free encyclopedia

Niemegk ist eine Stadt im Süden des Landkreises Potsdam-Mittelmark in Brandenburg. Sie ist Sitz des gleichnamigen Amtes, dem weitere drei Gemeinden angehören.

Schnelle Fakten Wappen, Deutschlandkarte ...
Wappen Deutschlandkarte
Niemegk
Deutschlandkarte, Position der Stadt Niemegk hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 52° 5′ N, 12° 42′ O
Bundesland:Brandenburg
Landkreis: Potsdam-Mittelmark
Amt: Niemegk
Höhe: 75 m ü. NHN
Fläche: 45,12 km²
Einwohner: 2019 (31. Dez. 2025)[1]
Bevölkerungsdichte: 45 Einwohner je km²
Postleitzahl: 14823
Vorwahl: 033843
Kfz-Kennzeichen: PM, BEL
Gemeindeschlüssel: 12 0 69 448
Stadtgliederung: 2 Gemeindeteile
Adresse der Amtsverwaltung: Großstraße 6
14823 Niemegk
Website: www.amt-niemegk.de
Bürgermeister: Jens Bornfleth
Lage der Stadt Niemegk im Landkreis Potsdam-Mittelmark
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Geografie

Fischteiche an der Werdermühle, Plane

Die Stadt Niemegk liegt zwischen Hohem Fläming und Belziger Vorfläming in einer Höhenlage von 69 bis 148 m NHN östlich der Plane. Durch das Stadtgebiet fließen mit dem Buffbach, einem linken Zufluss der Plane, und dessen Zuflüssen Funderbach und Adda mehrere Gewässer. Das Stadtgebiet liegt auf einer Grundmoräne der Saaleeiszeit. Das südliche Stadtgebiet reicht bis zu den Endmoränen und der Eisrandlage der Saaleeiszeit hinauf. Im Norden, Südosten, Südwesten und Westen ist die Stadt von Wäldern, dem Niemegker Wald und dem Hohenwerbiger Wald, umschlossen. Nordwestlich von Niemegk lag im Mittelalter die wüste Feldmark Cedelitz, deren genaue Lage bislang unbekannt ist.

Die restliche unbebaute Fläche wird nicht zuletzt der für brandenburgische Verhältnisse hohen Bodenfruchtbarkeit wegen landwirtschaftlich genutzt. Nördlich von Niemegk stößt man auf offengelassene Sandvorkommen. Östlich der Stadt befinden sich Tonvorkommen, die noch abgebaut werden. 2005 wurde ebenfalls östlich der Stadt ein größerer Windpark in Betrieb genommen, dessen Windräder als Landmarke weithin über die Höhen des Flämings sichtbar sind. Im Territorium befinden sich eiszeitbedingt viele Findlinge, Lesesteine und Lesesteinhaufen sowie Steinriegel mit der Funktion natürlicher Schutzwaldstreifen. Niemegk liegt teilweise im Bereich des Naturparks Hoher Fläming.

Stadtgliederung

Zur Stadt Niemegk gehören die bewohnten Gemeindeteile Hohenwerbig und Lühnsdorf sowie der Wohnplatz Werdermühle.[2] Die Stadtfeldmark setzte sich aus mehreren älteren Fluren zusammen. Sie wurde gebildet aus der Feldmark Vetteressen im Süden, der Viehweide im Südosten, dem Altdorf im Osten und Nordosten sowie der Patitz im Südwesten. Im Norden gehörte außerdem die wüste Feldmark Teuchermark dazu. Im Südosten lagen zudem noch drei Vierhufen oder Haselhoffsche Hufen auf der Feldmark Viehweide.[3]

Geschichte und Etymologie

Etymologie

Kirche St. Johannis, rechts Robert-Koch-Haus

Die Ersterwähnung von Niemegk als Burgward ist auf 1161 datiert und taucht im 12. und 13. Jahrhundert in den Formen Nymik, Niemeke und um 1441 Nymegk in Urkunden auf. Weitere Bezeichnungen waren Nymigk im Jahr 1466 und Niemegk die Statt im Jahr 1591. Der Name stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit vom niederländischen Nijmegen (um 1100 Niumago) ab.[4] Niemegk stand unter dem Schutz des Deutschen Ritterordens, welcher seit 1227 die Komturei Dahnsdorf (Komthurmühle) besaß. Nichtsdestotrotz sollte erwähnt sein, dass es sich bei dem Namen auch um die slawische Bezeichnung für Deutsche handelt, also ein Ort im überwiegend slawischen Siedlungsgebiet, in dem sich Deutsche niederließen. Die Zuwanderung aus Flandern steht dabei nicht im Widerspruch, denn Deutsch, Dutch und Flämisch bedeutete früher dasselbe. Niemegk in seiner slawischen Wurzel bedeutet in etwa der „Nicht Sprechende“. Fischer sieht die Namenübertragung von Nimegen ebenfalls als nicht gesichert an. Möglich wäre auch eine Angleichung eines ursprünglich slawischen Namens an den niederländischen. Er weist darauf hin, dass der Name Niemegen auch als „Neufeld“ oder „Neumarkt“[5] erklärt wird.

Besitzgeschichte

Die Burg und Stadt Niemegk standen ursprünglich in landesherrlichem Besitz. Bis 1422 gehörten sie zum Herzogtum Sachsen-Wittenberg, danach zu Kursachsen. In allen juristischen Schriftstücken wurden Burg und Stadt als schriftsässig aus Dresden behandelt, mussten sich jedoch gegenüber dem Amt Belzig als amtssässig traktieren lassen. Im 16. und 17. Jahrhundert bestanden in der Stadt zwei Bürgermeister und vier Ratmänner, die sich jährlich abwechselten. Ein Stadtschreiber wurde erstmals 1551 genannt. Im Jahr 1806 gab es zwei Bürgermeister, zwei Ratmänner, zwei Stadtschreiber und einen Kämmerer. Viertelsmeister bzw. Achtmänner fungierten seit etwa 1600 als Bürgervertreter zur Aufsicht über die Stadtfinanzen.

Vor 1388 bis nach 1423 befand sich ein zweiter Anteil im Besitz der Familie (von) Falke, um 1447 bei der Familie Brandt von Lindau, vor 1466 bis 1594 bei der Familie von Seelen. Es folgten die Familien Brunck (1594–1596), erneut von Seelen (1596–1626), von Bindauf (1626–1729), von Kötteritz (1729–1734), Müller (1734–1769), Grust (1769–1810) und 1810–1811 Märekar. Zum Besitz gehörten unter anderem das Gut über zwei Hufen zum Altdorf, zwei Hufen, zwei Höfe, zwei Wiesen und ein Haus in der Stadt Niemegk (1388), später ein freier Hof bei dem Tor nach Belzig, zwei freie Hufen zu Altdorf und das Gut über diese Hufen (1447), ein freier Hof mit zwei Hufen am niedersten Tor (1466), ein freier Wohnhof am niedersten Tor, zwei Hufen im Altdorf mit dem Gut darüber, ein freier Garten im Altdorf, ein Wohnhof in der Rosenstraße sowie ein weiterer Wohnhof nahe der Kirche Unserer Lieben Frauen (um 1548). Hinzu kamen 14 freie Wiesen vor dem Jeseriger Busch (1526), 2½ Hufen auf dem Haseloffschen Feld (1602), das Gut am Niedertor mit Garten und Wiesenwachs (Berghof genannt), zwei Altdorfer Hufen mit Feld, weitere Hufen auf der Haseloffschen Mark, Hebungen, ein eingegangener Sitz an der Kirche Unserer Lieben Frau, die Wiese St. Ulian, ein Häuslein in der Rosenstraße (1644 abgebrannt) mit Garten (1681) sowie 1811 fünf Häuser vor dem Wittenberger Tor und fünf Häuser im Altdorf. 1811 ging der Anteil an die Familie von François über. Vor 1388 bis 1526 befand sich der dritte Anteil bei der Familie Preußnitz, von 1526 bis 1771 bei der Familie von Brück.[6] Die heute nicht mehr vorhandene Burg wurde 1441 letztmals als Schloss erwähnt und über Jahrhunderte hinweg als Haus Niemegk betitelt. Nach 1526 schenkte Kaiser Karl V. dieses Gut dem neu geadelten sächsischen Kanzler Gregor (von) Brück, dieser wiederum überreichte dies später einem seiner jüngsten Söhne, Philipp von Brück († August 1616).[7] Zeitweise bestanden zwei Rittergüter am Ort, der Edelhof sowie das Seelensche Gut. Dieser Gutsbesitz war dann über zwei Generationen im Besitz der hugenottischen Familie von François.[8] Erworben wurde es durch Heirat der Luise von Brück (1747–1791),[9] Tochter der Charlotte von Bülow-Quitzobel und des Wolf von Brück auf Niemegk, mit August von François, kgl. poln. und kurfürstlich sächs. Kapitän (Hauptmann), 1774 zu Wien nobilitiert. Letzte Vertreter seines Adelsgeschlechts wurden Wilhelm von François (1771–1820) sowie sein jüngerer Bruder Ludwig von François-Kocksdorf (1777–1857), verheiratet mit Klementine von Zeschau.[10] Zum Besitz zählten unter anderem zwei Hufen zu Altdorf[6] und ein Hof vor der Stadt (1388), später ein freier Hof, zwei Altdorfer Hufen und Teiche (1419/1420). Hinzu kamen ein freier Hof mit Fischteich, Wiese und Holzstätte am Werder (1514), der Berghof vor Niemegk bei St. Nikolaus samt Kirchhof, Ackern, Wiesen und Holz. Nach 1554 gehörten dazu weitere freie Höfe im Altdorf, der freie Berghof, Häuser, Gärten, Wiesen, Fischereien, die wüste Kirche und der Kirchhof St. Nikolaus, mehrere freie Höfe mit Ober- und Untergut, Fischhalter samt Garten und Häuslein sowie später fünf Häuser, Heideflächen und 30 Acker Holz bei Lindau (1617). 1681 umfasste der Besitz einen Rittersitz mit vier freien Hufen und Gärten in und vor Niemegk. Seit 1811 kam auch der zweite Anteil hinzu; 1819 wurde das gesamte Gut Niemegk (I. und II. Anteil) an 183 Einwohner der Stadt Niemegk verkauft. Der vierte Anteil befand sich vor 1388 bei der Familie Hennig, ab 1423 bei der Familie von Thümen, 1428 bei der Familie von Wulffen und von 1459 bis nach 1554 bei der Familie Gertitz. Der Besitz umfasste Hebungen in der Stadt, einen Hof mit zwei Hufen und einen weiteren Hof vor der Stadt (1388), später den Hof in der Stadt (1423) und einen freien Hof mit zwei Hufen im Altdorf (1465). Nach 1554 ging der Anteil an die Familie von Brück über (siehe dritter Anteil) Weitere Besitzanteile lagen unter anderem bei der Familie Slawitz (Slawtitz) und von Ziegesar sowie 1456 bei von Bredow über einen freien Hof mit Gut; vermutlich bestanden Zusammenhänge mit dem zweiten oder vierten Anteil. 1379 befand sich der Möncheteich am Werder im Besitz von Gertitz und wurde später mit dem dritten Anteil vereinigt. Vor 1388 bis nach 1419/1420 besaß die Familie Wildenow freie Höfe in und vor der Stadt. Vor 1383 bis nach 1487 verfügte die Familie von Oppen über Hebungen und einen Hof zu Altdorf. Vor 1501 bis nach 1563 besaß von Wallwitz eine Hufe Land bei Niemegk.[11]

Frühgeschichte

Südöstlich der heutigen Bahnhofstraße und rund 500 Meter nordnordöstlich der Kirche befand sich in frühgeschichtlicher Zeit eine Burgwallanlage, eine Fundstätte mittelslawischer und frühdeutscher Keramik, die heute jedoch überbaut ist. Die Ausdehnung der Burganlage wurde auf einen Durchmesser von etwa 60 bis 80 Metern geschätzt. In diesem örtlichen Bereich entwickelte sich der spätere Niemegker Siedlungskern.[3]

13. bis 15. Jahrhundert

Der Ort ist im Ursprung ein Haufendorf mit dem Status eines Burgfleckens, welcher 1228 Stadtrecht erwarb und sich im Laufe des 13. Jahrhunderts planmäßig an einer Nord-Süd-Achse (Großstraße) zu einer Stadt mit Marktplatz entwickelte. Im Jahr 1358 wurde Niemegk als civitas bezeichnet. Als kursächsische Grenzstadt wurde die Stadt oft in militärische Auseinandersetzungen verwickelt. Im Jahr 1395 wurde die Stadt von den Magdeburgern zerstört.[11] In den Jahren 1400/1401 gab es Auseinandersetzungen märkischer Ritter mit Rudolf III. von Sachsen, 1416 Plünderungen durch Dietrich von Quitzow im Auftrag des Erzbischofs von Magdeburg und 1429 Plünderungen und Zerstörungen durch die Hussiten. Im Jahr 1421 verlieh der Landesherr der Stadt den freien Zoll und das Geleit. Ein Schloss wurde 1441 erstmals erwähnt. 1476 wurde Niemegk von einer Feuersbrunst betroffen, bei der große Teile der Stadt ausbrannten.[11]

16. Jahrhundert

Für das Jahr 1506 wurden in Niemegk 82 Einwohner verzeichnet. Die Quellen überlieferten eine differenzierte Zins- und Besitzstruktur, die sich aus Wohnhäusern, Höfen, Gärten, Wiesen sowie zahlreichen wüsten Hufen zusammensetzte. Ein erheblicher Teil der Abgaben stammte aus brachliegenden Hufen in den umliegenden Feldmarken wie Viehweide, Patitz, Vettesen, Altdorf und Tauchermark, die teils „zu Lehen“ gegeben waren, also genutzt, ohne dauerhaft neu besiedelt zu sein. Neben den Bürgern entrichteten auch Angehörige des niederen Adels und Grundherren, darunter die Familien Preußnitz, von Oppen und von Seelen, Zinsen aus ihren Erbstätten. Wirtschaftlich bedeutsam waren zudem die Mühle mit einem Wasserrad sowie eine Walkmühle, die durch die Gemeinde errichtet worden war. Die Vielzahl wüster Hufen deutete auf strukturelle Belastungen der Stadt und ihres Umlandes in der Zeit um 1500 hin. Im Jahr 1530 lebten in Niemegk etwa 100 Einwohner. Für das Jahr 1531 wurden 104 Türkensteuerpflichtige erfasst, darunter 13 Hausgenossen sowie 19 Knechte und 16 Mägde. Der Wiesenbesitz belief sich auf insgesamt 34½ Morgen. Im Jahr 1532 bestanden neun Güter mit Haus und Hof sowie insgesamt 114 weitere Güter, von denen zwei jeweils eine wüste Hofstätte aufwiesen. Hinzu kamen ein weiteres Gut mit Haus und Hof, zwei Buden sowie sechs Hausgenossen mit zusammen elf Personen. Außerdem wurden 14 Knechte und 13 Mägde gezählt. Zum Gesinde gehörten ferner ein Kuhhirte mit Frau, ein Schafhirte, ein Schweinehirte mit Frau sowie ein Pferdehirte mit Frau. Im Umland lagen mehrere wüste Hufen, darunter drei in Patitz und sieben in der Viehweide. Der Besitz umfasste zudem drei Landstücke, zwei Wiesen mit insgesamt 84 Morgen, 23 Weinberge, davon fünf wüst und einer neu angelegt, sowie 19 Gärten.[11] Im Jahr 1547 im Schmalkaldischen Krieg nach der Schlacht bei Mühlberg fielen wallonische Regimenter des Heeres Kaiser Karls V. in Niemegk ein. Im Jahr 1551 wurden in Niemegk 58 Brauerben gezählt, von denen drei unbebaut waren.[11] Ein großer Teil der Brauerben verfügte über zahlreiche wüste Hufen in den umliegenden Feldmarken Patitz, Viehweide, Vettesen, Altdorf und Teuchermark, teils auch über wüste Spring- und Mithufen. Daneben bestanden Gärten, Weinberge, darunter auch wüste und neu angelegte, sowie einzelne Landstücke, Höfe und Wiesen. Zusätzlich wurden 77 Bürger erfasst, darunter der Stadtschreiber. Auch in dieser Gruppe kamen unbebaute Stellen sowie Besitz an Gärten, Weinbergen, Land und einzelnen wüsten Hufen vor. Zum städtischen Personal zählten ein Pferdehirt, ein Kuhhirte und ein Schafhirte, jeweils mit Ehefrauen. Außerdem lebten 24 Personen als Hausgenossen und 22 Personen als Gesinde in der Stadt. Der gesamte Wiesenbesitz belief sich auf 91½ Morgen zuzüglich eines weiteren Wiesenwachses. Die Vielzahl wüster Hufen und Grundstücke zeigte, dass die landwirtschaftliche Nutzung trotz vorhandener Wirtschaftsstrukturen weiterhin stark eingeschränkt war.[12] Für das Jahr 1555 wurden in Niemegk 130 Wirte verzeichnet. 1575 bestanden in der Stadt vier Edelhöfe. Daneben lebten 75 Brauer und Ackerleute sowie 80 Kossäten in Niemegk, was auf eine sozial differenzierte Stadtbevölkerung mit stark agrarisch geprägter Wirtschaftsstruktur hindeutete.[12] Im Jahr 1591 wurden in Niemegk 167 besessene Männer gezählt, darunter 57 Brauer. Neben einem Freigut bestanden zahlreiche Brauerben und weitere Brauerstellen. Der Besitz war stark von wüsten Hufen geprägt, die sich vor allem in den Feldmarken Altdorf, Vettesen, Patitz, Viehweide, Teuchermark und Haseloff befanden. Teilweise handelte es sich um Lehnhufen. Daneben wurden 108 Büdnerstellen erfasst, zu denen vereinzelt Häuser, Gärten und kleinere Besitzungen gehörten. Der Pfarrer verfügte über ein Freihaus. Insgesamt belief sich der Hufenbestand auf 102½ Hufen, von denen der überwiegende Teil wüst lag. Die hohe Zahl brachliegender Hufen verdeutlichte eine weiterhin eingeschränkte landwirtschaftliche Nutzung und eine strukturell belastete Wirtschaftsgrundlage der Stadt am Ende des 16. Jahrhunderts.[13]

17. Jahrhundert

Im Jahr 1618 bestanden in Niemegk 54 Brau- sowie 191 weitere Häuser. Während des Dreißigjährigen Krieges erlitt die Stadt schwere Zerstörungen. 1636 wurde Niemegk von schwedischen Truppen größtenteils zerstört und niedergebrannt. Für 1640 wurden nur noch 52 Brauerben gezählt, von denen 30 wüst lagen. Daneben bestanden drei Güter mit Haus und Hof, darunter eines wüstes. Insgesamt waren von 177 Häusern 138 unbewohnt. Der agrarische Besitz war stark betroffen: In Altdorf lagen 20½, in Patitz 26, in Teuchermark neun, in Haseloff zwei, in Vettesen 22 und in der Viehweide 18 Hufen wüst. Daneben wurden 111½ Gärten, 27 Morgen Wiesen sowie vier wüste Weinberge verzeichnet. Im Jahr 1644 wurde die Stadt erneut von schwedischen Truppen in Brand gesteckt.[13] Von ursprünglich 245 Häusern standen nur noch 63. Noch 1684 kam es zu einer weiteren Brandkatastrophe, bei der 80 Häuser zerstört wurden, was die langanhaltenden Folgen von Krieg und Feuersbrünsten für Niemegk verdeutlichte. Im Jahr 1697 wurden in Niemegk 150 bewohnte und 104 unbewohnte Hausstellen gezählt. Zur städtischen Infrastruktur gehörte ein Gasthof. Das Handwerk war vergleichsweise vielfältig ausgeprägt: Es gab sechs Bäcker, 57 Brauer, zwei Fleischer, 15 Leineweber, drei Müller, 16 Tuchmacher sowie 36 weitere Handwerker unterschiedlicher Gewerke. Diese Zahlen zeigten eine langsame wirtschaftliche Konsolidierung der Stadt nach den massiven Zerstörungen des 17. Jahrhunderts.[13]

18. Jahrhundert

Kursächsische Postmeilensäule mit Postkutsche von 1725

Im Jahr 1713 wurden in Niemegk insgesamt 250 Feuerstellen gezählt. Darunter befanden sich 59 Brauerben und 114 Kleinerben. Neun Häuser lagen vor dem Belziger Tor, einschließlich der kleinen Mühle, sowie 16 Häuser vor dem Wittenberger Tor. Insgesamt waren zu diesem Zeitpunkt noch 77 Stellen wüst. Vor dem Belziger Tor befand sich eine kleine Mühle mit zwei Gängen; unweit an der Plane lagen eine Öl- und eine Walkmühle. Vor dem Wittenberger Tor wurde im selben Jahr eine neue Windmühle errichtet; zudem bestand dort eine Ziegelscheune. Zum landwirtschaftlichen Besitz gehörten 20 wüste Hufen in Altdorf, drei wüste Hufen in Haseloff, 18 wüste Hufen in der Viehweide, 23 wüste Hufen in Vettesen, 30 wüste Hufen in Patitz sowie 15 wüste Hufen in der Tauchermark, wobei das Dorf Locktow unter dem Pflug lag. Diese Hufen galten sämtlich als gangbar. Gleichzeitig wurden ein Edelhof und 120 Häuser als verbrannt verzeichnet. Im Jahr 1715 wurden 185 Feuerstätten gezählt, wobei die Pfarrwohnung, die Kaplanei, die Schule, zwei Rittersitze und drei Hirtenhäuser nicht mitgerechnet waren. Die überlieferten Berufe umfassten Ackerleute, Bader, Bäcker, Drechsler, Färber, Fleischer, Grob-, Huf- und Waffenschmiede, Handarbeiter und Tagelöhner, Kleinschmiede, Kramer, Leineweber, Nadler, Rademacher, Riemer, Seiler, Schneider, Schuster, Tischler, Töpfer und Zimmerleute. Im Jahr 1718 lebten in Niemegk 98 Bürger sowie 21 Häusler; der Hufenbestand belief sich auf 109 Hufen. Im Jahr 1747 wurden 205 Häuser gezählt, darunter 151 Kleinerben, 52 Brauerben und zwei Tagelöhnerhäuser. Fünf Personen (Advokat, Akziseeinnehmer, Förster, Gastwirt und Müller) nahmen Sonderstellungen ein. Der Grundbesitz verteilte sich wie folgt: Eine Person (mit Wohnsitz in Dahnsdorf) besaß 5½ Hufen, eine (wohnhaft in Locktow) 3½ Hufen, eine drei Hufen und eine 2½ Hufen. Zehn Personen, darunter eine mit Wohnsitz in Dippmannsdorf, besaßen jeweils zwei Hufen; 13 Personen, darunter eine in Haseloff, jeweils 1½ Hufen; 32 Personen, darunter zwei in Haseloff und drei in Locktow, jeweils eine Hufe; 44 Personen, darunter zwei in Mörz, jeweils eine halbe Hufe. Insgesamt bestanden damit 108 Hufen. Im Jahr 1764 wurden zwei Dreieinhalbhufner, vier Dreihufner, sieben Zweihufner, neun Anderthalbhufner, 32 Einhufner und 61 Halbhufner gezählt. Daneben verfügten 87 Einwohner über einzelne oder waltende Grundstücke. Es bestanden zwei Mühlen. Der Gesamtbestand belief sich erneut auf 109 Hufen, darunter 20 wüste Hufen in Altdorf, 30 wüste Hufen in Patitz, 23 wüste Hufen in Vettesen, 18 wüste Hufen in der Viehweide, 15 wüste Hufen in Teuchermark sowie drei Vierhufen, früher Haseloffsche Hufen. Die Aussaat betrug je wüste Altdorfer Hufe elf Dresdner Scheffel und ein Viertel, je wüste Hufe zu Patitz sieben Dresdner Scheffel und zwei Viertel, je wüste Hufe zu Vettesen sechs Dresdner Scheffel und zwei Viertel sowie je wüste Hufe zu Viehweide, zu Teuchermark und zu den Vierhufen zwei Dresdner Scheffel und zwei Viertel. Im Jahr 1777 gliederte sich die Stadt in vier Viertel mit jeweils 59, 24, 59 und 46 Bürgerhäusern. In der Vorstadt vor dem Wittenberger Tor standen 23 Häuser, darunter das Windmühlenhaus, und vor dem Belziger Tor zwölf Häuser. Hinzu kamen drei geistliche Häuser, fünf öffentliche Gebäude, ein Häuschen, zwei Rittergutswohnungen sowie zwei weitere Wohnhäuser unter dem Weichbild der Stadt, jedoch nicht unter der Jurisdiktion des Rates. Zudem wurden 42 wüste Brandstellen verzeichnet.[14]

19. Jahrhundert

Im Jahr 1806 wurden in Niemegk 249 Häuser gezählt. Hinzu kamen sechs Einhalbhäuser, zwei Zweidrittelhäuser, zwei Eindrittelhäuser, drei Fünfsechstelhäuser sowie drei Einsechstelhäuser. Die Erwerbsstruktur war stark differenziert. In Nahrung und Verkehr waren tätig: ein Ackerbesitzer, 20 Ackerleute, acht Bäcker, ein Beutler, zwei Böttcher, ein Bürger, zwei Büttner, ein Chirurg, zwei Dienstknechte, ein Färber, drei Fleischer, drei Förster, ein Grützmacher, drei Handelsleute,[14] ein Hutmacher, ein Hutmann, drei Kürschner, 55 Leineweber, sechs Maurer, ein Mühlbursche, zwei Müller, zwei Nadler, ein Nagelschmied, ein Ölstampfer, drei Rademacher, zwei Sattler, zwei Schlosser, eine nicht näher bezeichnete Zahl von Schmieden, acht Schneider, 16 Schuster, ein Seifensieder, drei Seiler, ein Soldat, 65 Tagelöhner, drei Tischler, fünf Töpfer, ein Tuchmacher, ein Windmüller sowie 19 Zimmerleute. Den Beamten und Offizianten gehörten ein Amtsrichter, der zugleich als Musikus tätig war, zwei Bürgermeister, ein Kämmerer und Ackerbesitzer, ein Kustos, ein Magister, ein Ratmann, ein weiterer Ratmann und Musikus, ein Pastor sowie zwei Stadtschreiber an. Der landwirtschaftliche Besitz umfasste einen Dreieinviertelhufner, drei Anderthalbhufner, einen Eineinviertelhufner, neun Einhufner – darunter je einer mit Wohnsitz in Dahnsdorf und Haseloff –, neun Dreiviertelhufner, von denen einer in Hohenwerbig wohnte, sowie Einhalbhüfner, von denen mehrere außerhalb Niemegks in Dahnsdorf, Haseloff, Hohenwerbig, Locktow und Mörz ansässig waren. Hinzu kamen 65 Einviertelhufner, ebenfalls teilweise mit Wohnsitz in Dahnsdorf, Hohenwerbig, Lobbese, Locktow, Lühnsdorf, Mörz und Neuendorf bei Niemegk. Insgesamt belief sich der Hufenbestand auf 54 ½ Hufen. Als Ergebnis des Wiener Kongresses fiel Niemegk 1815 mit dem gesamten sächsischen Amt Belzig an Preußen (Musspreußen) und kam zum Kreis Zauch-Belzig in der Provinz Brandenburg. 1818 verfügte Niemegk über eine Apotheke und zwei Gasthöfe. Das Handwerk war weiterhin breit gefächert: Es wurden zwei Beutler, ein Drechsler, drei Kürschner, zwei Sattler, zwei Schlosser, sechs Schmiede, neun Schneider, 17 Schuhmacher, sieben Seiler, sieben Stellmacher, drei Tischler sowie sechs Töpfer gezählt.[15] Im Jahr 1822 wurden die Gutsflächen an die Stadt Niemegk verkauft, es verblieb lediglich das kleine Herrenhaus und ein gesondert angelegtes Erbbegräbnis. Wieder durch Heirat kam es zu einem erneuten Besitzerwechsel des Gutshauses samt Zubehör. Bertha von François (1818–1904) verheiratete sich mit Friedrich von Oppen-Jütrichau (1812–1888).[16] So gelangte der dazugehörige kleine Restgutsbezirk zur Selbstbewirtschaftung in das Eigentum der Familie von Oppen, die eine genealogische Unterlinie Niemegk herausbildete.[17] 1837 wurde Niemegk als Stadt mit 351 Wohnhäusern verzeichnet. Im Jahr 1858 bestand die Stadt mit der Belziger und der ittenberger Vorstadt sowie sechs zugehörigen Einrichtungen und Anlagen, darunter Kirstens Ziegelei, Schülers Ziegelei, ein Regierungsgebäude, eine holländische Windmühle, die Stadtmühle sowie die Paradies- oder Puffmühle. Zu diesem Zeitpunkt wurden elf öffentliche Gebäude, 388 Wohnhäuser und 833 Wirtschaftsgebäude erfasst. Zur gewerblichen Infrastruktur gehörten zwei Wassergetreidemühlen, eine holländische Getreide- und Sägemühle, eine weitere Getreidemühle, drei Ziegeleien, drei Brauereien sowie vier Brennereien.[15] Im Jahr 1861 war der Rittergutsbesitzer von Oppen Schiedsmann der Stadt Niemegk.[18] In den zwei im 19. Jahrhundert publizierten Matrikeln der Rittergüter durch Karl Friedrich Rauer findet Niemegk keine Erwähnung mehr.

20. Jahrhundert

Im Jahr 1900 standen in Niemegk 451 Häuser. Im Jahr 1908 ließ die Familie von Oppen an das neu errichtete Herrenhaus wieder eine Inschrift anbringen, welche heute nicht mehr vorhanden ist: Möchten die künftigen Bewohner des Hauses mehr Freuden des Lebens erblühen, als dem Erbauer desselben. Friedrich v. François. Zuletzt in Niemegk wohnhaft war ein jüngerer Sohn der Oppens, Oberstleutnant a. D. Udo von Oppen (1851–1918) mit seiner Ehefrau Hedwig (Hete) Leo (1870–1945), aus Dahnsdorf bei Belzig stammend. Hete von Oppen starb auf der Flucht zu Kriegsende.[19] Als Nacherbe war einst Udo von Oppen (1891–1949) vorbestimmt. Es gibt bis heute lebende Nachfahren der Niemegker Oppens.[20] Neben dem gutsherrlichen Kleinbesitz in Niemegk bestanden u. a. 1914 noch drei weitere landwirtschaftliche Betriebe. Der 47 ha Hof der Stadt betrieb der Kaufmann Wilh. Marthe, W. Retzgen jun., ein 59 ha Hof, und ein 53 ha Besitz betreute Bernhard Tietz.[21] In den Jahren 1929/1930 wurde das erdmagnetische Observatorium, das sogenannte Adolf-Schmidt-Observatorium, von den Brauhausbergen nach Niemegk verlegt. 1931 bestanden in der Stadt 534 Wohnhäuser mit insgesamt 663 Haushaltungen. 1939 wurden für Niemegk land- und forstwirtschaftliche Betriebe unterschiedlicher Größe erfasst. Es bestanden 21 Betriebe mit einer Fläche von 20 bis 100 Hektar, 25 Betriebe mit 10 bis 20 Hektar, 35 Betriebe mit 5 bis 10 Hektar sowie etwa 23 Betriebe mit einer Fläche von 0,5 bis 5 Hektar.[15]

Zwischen 1952 und 1990 gehörte Niemegk zum Kreis Belzig im DDR-Bezirk Potsdam, bis 1993 im Land Brandenburg. 1958 wurde in Niemegk die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) des Typs III gegründet. Sie umfasste zunächst vier Mitglieder und bewirtschaftete 65 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche (LN). Daneben bestand eine zweite LPG des Typs I mit neun Mitgliedern und rund 65 Hektar LN. 1960 existierte eine LPG des Typs III mit 68 Mitgliedern und 260 Hektar LN. Diese schloss sich 1962 mit der LPG Typ III in Hohenwerbig zur LPG Niemegk–Hohenwerbig mit Sitz in Niemegk zusammen. Parallel bestanden vier LPG des Typs I mit insgesamt 95 Mitgliedern und 500 Hektar LN, die 1961 vereinigt und 1969 der LPG Typ III angeschlossen wurden. Im industriellen Bereich war der Volkseigene Betrieb (VEB) Vereinigte Ziegelwerke von Bedeutung, der 154 Beschäftigte zählte, darunter 128 Produktionsarbeiter. 1963 bestand zudem eine Maschinen-Traktoren-Station (MTS) mit 156 Beschäftigten, darunter 109 Produktionsarbeiter. Im Jahr 1973 gab es in Niemegk das VEB Ziegelkombinat Potsdam, Werk Niemegk, die VEB Puppenfabrik, der VEB Wasserversorgung und Abwasserbehandlung, zwei Produktionsgenossenschaften des Handwerks (PGH) im Bau- und Elektrohandwerk, die VEB Getreidewirtschaft Jüterbog mit der Erfassungsstelle Niemegk, eine Kooperationsgemeinschaft Niemegk, der Kreisbetrieb für Landtechnik Belzig mit Betriebsteil Niemegk sowie die LPG mit einer Gemeinschaftseinrichtung Trockenwerk. Ergänzt wurde die wirtschaftliche Infrastruktur durch die VdgB (BHG), eine Revierförsterei und eine zwischengenossenschaftliche Einrichtung der Waldwirtschaft.[15]

Kirchliche Verhältnisse und geistliches Leben

Niemegk gehörte zum Bistum Brandenburg. Die Pfarrkirche war Unserer Lieben Frauen geweiht und wurde später St. Johannis genannt. Um 1450 bestand sie als Sedes und gehörte vor 1541 bis 1910 zur Superintendentur Belzig. Von 1911 bis 1968 bildete Niemegk eine eigene Superintendentur, seit 1969 war es wieder der Superintendentur Belzig zugeordnet. Die Pfarrkirche ist für die Jahre um 1450, 1530, 1555, 1575, 1817, 1900 und 1970 belegt. Zeitweise bestand eine Verbindung mit der Tochterkirche Neuendorf; von 1823 bis 1935 war außerdem Lühnsdorf als Filialgemeinde angeschlossen und vom Diakonat aus mitversorgt. Das Patronatsrecht lag 1530, 1555, 1575, 1817 und 1900 beim Kurfürsten beziehungsweise beim Rat der Stadt Niemegk.

Das geistliche Leben war im Spätmittelalter durch zahlreiche Altäre und geistliche Stiftungen geprägt. Um 1450 bestanden Messen und Altäre unter anderem zu Ehren der Jungfrau Maria, der Apostel Philippus und Jakobus, Petrus und Paulus, des Corpus Christi, des heiligen Laurentius, des heiligen Martin, des heiligen Andreas, des Heiligen Geistes sowie der Maria Magdalena. 1530 verfügte der Pfarrer Erasmus, dessen Stelle ein Ratslehen war, über umfangreiche Naturaleinkünfte an Korn, Weizen, Gerste, Hafer und Erbsen. Weitere geistliche Lehen, darunter St. Martini, Petri et Pauli, Maria Magdalena, Corpus Christi sowie Calendarum, waren ebenfalls mit Erträgen an Getreide ausgestattet, überwiegend als Ratslehen. Die Einkünfte einzelner Lehen, insbesondere Exulum und Frühmesse, standen unter der Verfügung des Herrn Gangolf zu Wittenberg. Der Kaland erhielt bereits 1384 vom Schultheißen eine Hausstätte als Lehen. Der Pfarrer besaß 1530 zwei Pfarrhufen, vermutlich in Altdorf gelegen, sowie Ackerland, Naturalpächte und umfangreiche Zehnt­Einnahmen aus Niemegk, Neuendorf und umliegenden Dörfern. Auch 1555 und 1591 verfügte er weiterhin über Pfarrhufen, Gottesäcker, Wiesen, einen Pfarrteich sowie Einkünfte aus Abgaben und Erbzinsen. Der Diakonus erhielt Getreide und Wiesenanteile, ebenso der Schulmeister und der Küster, der aus dem Gemeinen Kasten versorgt wurde. Die Kapelle St. Nikolaus war bereits 1526 wüst gefallen und wurde mitsamt Kirchhof gegen Geldabgaben an den dritten Gutsanteil veräußert. Das Hospital wurde nach 1575 auf einem Gottesacker außerhalb der Stadt errichtet. Der Gemeine Kasten verfügte über Besitz, darunter eine wüste Hufe in Vettesen; mehrere kirchliche Hufen wurden bei späteren Visitationen verkauft.[22]

Bevölkerungsentwicklung

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Jahr Einwohner
18752 304
18902 250
19102 427
19252 386
19332 436
19392 979
Jahr Einwohner
19463 257
19503 192
19642 744
19712 676
19812 714
19852 649
Jahr Einwohner
19902 530
19952 408
20002 368
20052 262
20102 058
20152 006
Jahr Einwohner
20202 005
20212 042
20222 034
20232 025
20242 038
20252 019
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Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)[23][24][25], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik

Stadtverordnetenversammlung

Rathaus

Die Stadtverordnetenversammlung von Niemegk besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt[26] aus 12 Stadtverordneten und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 84,0 % zu folgendem Ergebnis:[27]

Weitere Informationen Partei / Wählergruppe, Stimmenanteil 2019 ...
Partei / WählergruppeStimmenanteil
2019[28]
Sitze
2019
Stimmenanteil
2024
Sitze
2024
Zukunft Niemegk26,7 %351,4 %5
CDU13,7 %227,1 %2
SPD34,9 %413,9 %1
Brandenburger Vereinigte Bürgerbewegungen/Freie Wähler14,4 %207,6 %1
Die Linke03,9 %1––
Einzelbewerberin Ines Maager03,8 %–––
Bündnis 90/Die Grünen02,6 %–––
Insgesamt100 %12100 %9
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Bei der Wahl 2024 entfielen auf die Wählergruppe Zukunft Niemegk sechs Sitze, von denen einer unbesetzt bleibt, weil die Wählergruppe nur fünf Kandidaten nominiert hatte. Da deren Stadtverordneter Jens Bornfleth im Mai 2025 zum neuen Bürgermeister gewählt wurde, ist seitdem ein weiterer Platz nicht besetzt. Auf die CDU entfielen vier Sitze, von denen zwei unbesetzt bleiben, weil die Partei nur zwei Kandidaten nominiert hatte.[29]

Bürgermeister

  • 1487: Ambrosius Amelang
  • 1534: Matthäus Amelang
  • 1595: Matthäus Amelang
  • 1614: Friedrichen Haseluff
  • 1648: Christian Görns
  • 1669: Daniel Sandmann
  • 1672–1685: Andreas Heinrichsen
  • 1685–1690: Christian Joachim Pauly
  • 1695: Martin Lezens
  • 1709–1711: Andreas Schilling
  • 1725–1726: Johann Theodorti Heesens
  • 1738–1739: Wilhelm Daniel Sartorii
  • 1742: Andreen Lezens
  • 1746–1752: Johann Wilhelm Heinscovius
  • 1756: Christoph Friedrich Birthner
  • 1768: Benjamin Gottlob Franke
  • 1778–1783: Emanuel Gottlieb Goßmann
  • 1789: Carl August Poppenberg
  • 1791–1798: Johann Friedrich Kuhlo
  • 1802: Otto Friedrich Vogel
  • 1804–1808: Carl August Poppenberg
  • 1808: Otto Friedrich Vogel
  • 1815: Burkhardt
  • 1831: Küstenmacher
  • 1838: Krüger
  • 1840: Jänichen
  • 1857: Brüning
  • 1861–1871: Friedrich Schüler
  • 1871–1874: Wilhelm Hochberg
  • 1874–1877: Lübeck
  • 1877–1880: Johannes Paul Gotthilf Basche
  • 1880–1884: Wilhelm Wallbaum
  • 1884–1904: Albert Lehmann
  • 1905–1916: August Schneider
  • 1917–1937: Paul Temming (SPD)
  • 1938–1945: Werner Gutschmidt (NSDAP)
  • 1945: Fritz Liebmann
  • 1945: Arthur Sasse (KPD)
  • 1945: Karl Zimmermann (KPD)
  • 1946–1948: Friedrich Haseloff (CDU)
  • 1948–1951: Hermann Ranneberg (CDU)
  • 1951–1953: Georg Henke (SED)
  • 1953–1955: Ilse Leithold (SED)
  • 1955–1957: Herbert Weiland (SED)
  • 1957–1961: Reinhold Nützel (CDU)
  • 1961–1965: Heinrich Kolter (CDU)
  • 1995: Walter Schabrodt (CDU)
  • 1966–1990: Siegfried Dalitz (CDU)
  • 1990–1993: Rudolf Richter (SPD)
  • 1993–2014: Eckehard Zorn (SPD)
  • 2014–2024: Hans-Joachim Linthe (SPD)[30]
  • 2024–2025: Klemens Wiegand (parteilos)[31]
  • seit 2025: Jens Bornfleth (Zukunft Niemegk)

Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Niemegk hat am Abend des 27. Mai 2025 einstimmig Jens Bornfleth von der Wählergruppe „Zukunft Niemegk“ gemäß Kommunalwahlgesetz zum neuen ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt. Die Wahl war erforderlich geworden, nachdem der vorherige Amtsinhaber Klemens Wiegand Ende April 2025 sein Mandat niedergelegt hatte.[32]

Wappen

Wappen von Niemegk
Wappen von Niemegk
Blasonierung: „In Silber eine bewurzelte grüne Eiche mit goldenen Früchten, deren Stamm von zwei Schilden beseitet ist, rechts mit dem brandenburgischen (in Silber ein golden-bewehrter und rot-gezungter roter Adler mit goldenen Kleestängeln auf den Flügeln) und links mit dem sächsischen Wappen (neunmal von Schwarz und Gold geteilt und überdeckt von einem schrägen grünen Rautenkranz).“[33]
Wappenbegründung: Das Wappen wurde 2012 erneuert, weil es nicht den heraldischen Grundsätzen entsprach. Im alten Wappen stand anstelle des brandenburgischen Wappenschildchens eine Eichel. Mit dem Schild Sachsens wird an die kursächsische Vergangenheit der Stadt erinnert. Das Adlerwappen nimmt Bezug auf die heutige Zugehörigkeit zum Land Brandenburg.

Das Wappen wurde am 12. Juni 2012 durch das Ministerium des Innern genehmigt.

Historisches Wappen
altes Wappen von Niemegk
altes Wappen von Niemegk
Blasonierung: „In Silber auf grünem Hügel ein natürlicher Eichbaum, begleitet vorn von einem schwebenden Schildchen, neunmal von Schwarz und Gold geteilt, belegt mit einem schrägen grünen Rautenkranz, hinten von einer gestürzten grünen Eichel mit zwei Blättern.“
Wappenbegründung: Das Wappenbild entstand Ende des 13. Jahrhunderts als Siegelbild. Es zeigte ursprünglich einen Eichbaum zwischen einem Helm und dem sächsischen Rautenschild. Nach 1358 erschien die Umschrift SIGILLVM CIVITATIS NYEMIK. Aus dem Helm wurde später eine Eichel. Der Eichenbaum ist ein redendes Bild (eke = Eiche).[34]
Die Eichel soll den einstigen Reichtum Niemegks mit den sommergrünen Laubgehölzen in der weitgehend von Kiefernforsten dominierten Umgebung hervorheben.

Flagge

Die Flagge ist Grün – Weiß – Grün – Weiß – Grün (1:1:1:1:1) gestreift und mittig mit dem Stadtwappen belegt.

Sehenswürdigkeiten und Kultur

Alter Hof
Baudenkmal Wasserturm

In der Liste der Baudenkmale in Niemegk und in der Liste der Bodendenkmale in Niemegk stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Kulturdenkmale.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Der Personenverkehr auf der Bahnstrecke Belzig–Niemegk–Treuenbrietzen wurde 1962 eingestellt. Die nächstgelegenen Bahnhöfe befinden sich in Bad Belzig und Treuenbrietzen.

Der öffentliche Personennahverkehr besteht unter anderem durch den PlusBus. Folgende Verbindungen führen, betrieben von der Regiobus Potsdam-Mittelmark und Vetter Verkehrsbetriebe, durch Niemegk:

  • Linie 307: Niemegk ↔ Kropstädt ↔ Lutherstadt Wittenberg
  • Linie 582: Bad Belzig ↔ Niemegk ↔ Rietz ↔ Treuenbrietzen

Niemegk ist über die gleichnamige Autobahnanschlussstelle an die Bundesautobahn 9 Berlin–München angebunden. Durch den Nordteil der Stadt verläuft – ohne den Stadtkern zu berühren – die Bundesstraße 102, über die die Kreisstadt Bad Belzig sowie die Nachbarstadt Treuenbrietzen erreicht werden können. Die Landesstraße 82 führt über Hohenwerbig und Zeuden nach Marzahna an der Bundesstraße 2, die L 83 über Neuendorf nach Straach in Sachsen-Anhalt. Kreisstraßen verbinden die benachbarten Orte.

Staatliche Einrichtungen

1930 wurde in Niemegk das Adolf-Schmidt-Observatorium für Geomagnetismus gegründet. Es führt die 1890 in Potsdam begonnenen Messungen des Erdmagnetfeldes weiter. Das Observatorium wird seit 1992 vom Deutschem GeoForschungsZentrum (GFZ) betrieben.[37] Das Observatorium ist Mitglied des Intermagnet-Programms.[38]

Als geografische Referenzpunkte bei den magnetischen Messungen dienen der Kirchturm und der Wasserturm von Niemegk.[39]

Persönlichkeiten

Friedrich von Stein
Adolf Schmidt

Ehrenbürger

  • 2009: Siegfried Dalitz (1925–2012), langjähriger Bürgermeister und Ortschronist
  • 2020: Fritz Moritz (* 1943), Chronist des Ortsteils Lühnsdorf und langjähriger Amtswehrführer[40]

Söhne und Töchter der Stadt

Mit der Stadt verbundene Persönlichkeiten

  • Georg Belitz (1698–1751), evangelischer Geistlicher und Schriftsteller
  • Gottfried Wilhelm Baer (1811–1873), Orgelbauer in Niemegk
  • Julius Bartels (1899–1964), Geophysiker, hatte als Direktor des Geophysikalischen Instituts Potsdam starke Verbindungen zum Adolf-Schmidt-Observatorium für Geomagnetismus[41]
  • Robert Koch (1843–1910), Mediziner und Mikrobiologe, 1868/1869 als Allgemeinarzt mit Praxis in Niemegk tätig
  • Adolf Schmidt (1860–1944), Geophysiker, veranlasste den Bau des Adolf-Schmidt-Observatoriums in Niemegk
  • Gerhard Fanselau (1904–1982), Geophysiker, Leiter des Observatoriums Niemegk
  • Karl-Heinz Pahling (1927–1999), Streikführer in Niemegk und Belzig beim Aufstand des 17. Juni 1953 in der DDR
  • Lothar Graap (* 1933), Kantor und Komponist, Kirchenmusiker in Niemegk

Literatur

Commons: Niemegk – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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