Nils Anker
norwegischer Gutsbesitzer und Parlamentsabgeordneter (1836-1893)
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Nils Anker (* 14. Juni 1836 im Gutshof Rød in Berg, Fredrikshald (heute Halden);[1] † 1. Oktober 1893 im Landgut Sorgenfri in Berg[2]) war ein norwegischer Gutsbesitzer, Holzhändler und Parlamentsabgeordneter. Er führte den vom Vater ererbten Besitz Rød herregård in Fredrikshald erfolgreich weiter und vertrat von 1886 bis zu seinem Tod die konservative Partei Høyre im Storting.

Familie
Nils Anker ist ein Spross der bekannten norwegischen Familie Anker mit schwedischen Wurzeln, die 1668 in Kristiania (Oslo) Fuß fasste. Er war das älteste Kind des Gutsbesitzers und Parlamentsabgeordneten Peter Martin Anker (1801–1863) und dessen zweiter Frau Cathrine („Thrine“) Olava Nicoline Gløersen (1814–1902).[3][4]
Nils und seine sieben Geschwister wuchsen auf dem Rød herregård auf, einem um 1720 errichteten Herrenhaus. Die Schwester Diderikke Annette (* 1838) heiratete einen Gutsbesitzer und wurde als Dikka Møller die Pionierin der Friedensarbeit der norwegischen Frauen. Bruder Herman Anker (* 1839) gründete 1864 in Vang (heute Hamar) die erste Volkshochschule Norwegens, die Sagatun Folkehøyskole. Der jüngste Bruder Christian August Anker (1840–1912) wurde ein landesweit tätiger Bergwerksunternehmer.
Nils Anker schloss die Ehe mit Karen Kirstine (Christine[5]) Frederikke Grønn (* 4. April 1838 in Fredrikshald; † 5. April 1871 in Rød, Fredrikshald)[6][7], Tochter des Kapitäns Hans Agmann Grønn und der Annette Helene Dorothea Gløersen.[1] Frau Anker brachte vor ihrem frühen Tod mit 33 Jahren zwei Kinder zur Welt, Thrine (Kathrine) Helene (* 1860) und Peter Martin.[8][9]
Der nach dem Großvater benannte Sohn Peter Martin (1863–1939) übernahm nach dem Tod des Vaters den Gutshof. Er war zunächst (1892–1907) mit der Schriftstellerin Nini Roll Anker verheiratet und ab 1910 mit der Oberhofmeisterin Borghild Anker. Letztere gebar ihm sein einziges Kind und Hoferben, Nils Anker (1911–1960).
Leben und Werk

Erbe und Ausbildung
Nils Ankers Vorfahren hatten seit der Mitte des 18. Jahrhunderts mit Waldbesitz und Holzhandel in und um Fredrikshald ein beträchtliches Vermögen erwirtschaftet.[10] Sein Vater Peter Martin Anker war in seiner ersten Ehe mit Petronelle Didrikke Cathrine Tank (1806–1833) verheiratet gewesen, einer Tochter des Ministers Carsten Tank, dessen Familie Rød herregård seit 1733 besaß. Nach der Insolvenz des Schwiegervaters und dem Tod der Gattin gingen Hof und Landbesitz 1833 in den Besitz von Peter Martin über.[11] Nach dem Tod des Urenkels Nils 1960 wurde der Hof in eine Stiftung eingebracht und wird seitdem als Museum geführt.
Nils Anker erhielt Privatunterricht zu Hause und besuchte später die Lateinschule in Fredrikshald. 1855 legte er das Examen artium (Abitur) ab,[1] ein Jahr später das Examen philosophicum.[12] Nach dieser ersten großen Universitätsprüfung brach er sein Studium ab.[13] Er reiste ins Ausland, um Sprachen und kaufmännische Fächer zu lernen (eine Quelle nennt ein „Handelsgymnasium“, sagt aber nicht wo und wann[14]) und trat danach 1859 in das väterliche Geschäft ein.[12]
Holz und Zellstoff
Nach dem Tod des Vaters 1863 übernahmen Nils und Christian August Anker „den beträchtlichen Besitz des Anwesens an Wäldern, Sägewerken usw.“[15] entlang des Fredrikshald-Wasserlaufs[16] und führten die von ihrem Vater gegründete Holzhandelsfirma P. Anker weiter.[1]
Nicht zu dieser Firma gehörte der Holzhandel an der Glomma mit dem Lager in Hafslund (heute Sarpsborg), der bereits seit Frühjahr 1860 von Nils Anker und dem langjährigen Prokuristen seines Vaters, Jørgen Breder, unter der Firma N. Anker & Breder betrieben wurde. Nach dem Tod seines Kompagnons führte Nils das Unternehmen unter eigenem Namen weiter.[17][12]
1867 gründete der Bruder Christian August mit Beteiligung von Nils in Hafslund[18] die Ankers Træsliberi & Papirfabrik, eine der ersten Zellstofffabriken Norwegens. Die in Fredrikshald produzierte Cellulose wurde nach Großbritannien exportiert. „Das Engagement der Gebrüder Anker für die Vermarktung von Zellstoff auf dem britischen Markt gilt als Beispiel dafür, dass dieser für das Land so wichtige Industriezweig nicht durch die Nachfrage aus dem Ausland ins Rollen kam, sondern durch die Bereitschaft, neue Wege zu gehen und viele Schwierigkeiten zu überwinden.“[10]
Weitere Unternehmen

Nils Anker erbte seines Vaters Aktien der Saugbrugsforeningen (Sägewerksgesellschaft) und von Haldens Bomuldsspinderi (Baumwollspinnerei). Seitdem leitete er beide Unternehmen erfolgreich als Direktor. Die geerbte Reederei dagegen wurde allmählich aufgegeben und stattdessen wurden Anteile an fremden Schifffahrtsgesellschaften erworben.[12]
Die Firma P. Anker war an der Gründung der Fredrikshalds Tændstikfabrik (Streichholzfabrik) wesentlich beteiligt, die als erste in Norwegen schwefel- und phosphorfreie Sicherheitsstreichhölzer herstellte, wofür bislang schwedische Unternehmen ein Monopol besaßen. An diesem Unternehmen nahm auch Nils’ Bruder Herman ideell und finanziell regen Anteil.[19] Bjørnstjerne Bjørnson, bei den Brüdern häufig zu Gast, verfasste ein euphorisches Gedicht über den „Glanz des Feuers“ (Hamar fyrstikker, 1877).[20]
Nils Anker war Mitglied des Vorstands der Dalslandsbanen, einer Eisenbahnstrecke von Fredrikshald ins schwedische Sunnanå (heute Mellerud) in Dalsland, die vorwiegend mit norwegischem Geld errichtet wurde. Er war stellvertretender Leiter der Bank in Fredrikshald.[1] Und er investierte in weitere Sparten, z. B. im Umkreis von Fredrikshald in eine Schmiede, eine Tischlerei und eine Molkerei. Bei seinem Tod 1893 stellte ein Nachruf fest: „Die Firma Anker in Fredrikshald ist heute eines der größten Unternehmen des Landes.“[17]
Politik

Nils Ankers politische Tätigkeit begann in den 1860er Jahren in der Gemeindepolitik. Ab dieser Zeit war er sowohl Mitglied des Gemeinderats (Representantskap) als auch des Gemeindevorstands (Formannskap) sowie verschiedener Ausschüsse und Kommissionen.[12] (Die Mitglieder des Vorstands, der eigentlichen „Gemeinderegierung“, wurden damals noch direkt von den Einwohnern gewählt und noch nicht vom Gemeinderat ernannt.)
1879 wurde Nils Anker als Parteiunabhängiger zum Ersatzabgeordneten (Vararepresentant) im Wahlkreis Fredrikshald gewählt, kam aber in der Stortingperiode 1880–1882 als Nachrücker nicht zum Einsatz. 1885 trat er im selben Wahlkreis für die konservative Høyre an, mit Erfolg. 1888 und 1891 wurde er wiedergewählt. Er war also von 1886 bis zu seinem Tod 1893 im Storting vertreten (Das Mandat wäre mit Jahresende 1894 abgelaufen).[14]
Im Parlament war er 1886 bis 1891 Mitglied des Haushaltsausschusses, 1892 bis 1893 Mitglied des Wirtschaftsausschusses Nr. 1 und 1892 Mitglied des Verstärkten Zollausschusses, der sich mit dem Handelsabkommen mit Spanien befasste. 1893 war er mehrmals für kurze Zeit wegen Krankheit beurlaubt und ab dem 9. Juni für den Rest der Sitzungsperiode.[1][17]
Eine Quelle weiß auch von einer Berufung zum Minister (statsråd) im Jahre 1884, die er aus Bescheidenheit ablehnte.[13]
Persönlichkeit
Nils Anker war ein überzeugter Konservativer, aber auch „der Geschäftsmann, der die Stadt vertrat, der praktische Mann mit gesundem Menschenverstand und scharfem Blick für die Realitäten des Lebens. […] Anker drückte sich immer kurz und prägnant aus, vertrat seine Meinung und seine guten Argumente und überzeugte damit allein durch sein eigenes Gewicht; deshalb äußerte er sich im Storting in der Regel nur einmal zu jedem einzelnen Thema.“[17]
Er war pragmatisch und persönlich liebenswürdig, wenn er sprach, dann „mit Sachkenntnis und Geschick und erregte stets Aufmerksamkeit. Von seinen Kollegen im Storting wurde er mit uneingeschränkter Achtung und Zuneigung behandelt; in unseren unruhigen Zeiten war es eine Seltenheit, dass ein Storting-Abgeordneter so respektiert und geschätzt wurde, auch von politischen Gegnern, wie es Nils Anker war.“[12]
Auch im Erwerbs- und Gesellschaftsleben wurde „sein edler, liebenswürdiger, freundlicher Geist und sein offener, ritterlicher Charakter“ sichtbar. „Sein großes Vermögen setzte er ebenso wie sein Vater und seine Brüder mit großer Opferbereitschaft und Großzügigkeit ein, sowohl privat als auch öffentlich.“[13]
Ende

Nach der „Krankschreibung“ durch das Storting im Juni 1893 hielt sich Nils Anker zur Kur im Seebad von Larvik auf und erkrankte dort an „lebensbedrohlichem Gichtfieber.“ Er erholte sich davon „und schien ganz gesund zu sein.“ Aber als er am 28. September zur Silberhochzeit seines Bruders Christian Anker aufbrechen wollte, erlitt er um 15:00 Uhr einen Schlaganfall. Er lag bewusstlos im Bett in seinem Landgut Sorgenfri, bis er am 1. Oktober um 21:15 Uhr verstarb.[13]
Nils Anker wurde am 9. Oktober 1893 um 13:30 Uhr in einem Grab auf seinem Besitz Rød herregård bestattet.[2]
Auszeichnungen
(Quelle:[1])
- Ritter 1. Klasse des norwegischen Königlichen Sankt-Olav-Ordens.
- Ritter 1. Klasse des schwedischen Königlichen Nordstern-Ordens.
Weblinks
- Peter Martin Anker. in: Slekt skal følge slekters gang.
- Nils Anker. in: Erik Berntsens Slektsider.
- Nils Anker. in: Historisk befolkningsregister.
- Nachrufe auf Nils Anker. Suche in der Nasjonalbiblioteket.