Noah Stolz

Schweizer Kurator, Ausstellungsmacher, Autor und Kulturvermittler From Wikipedia, the free encyclopedia

Noah Stolz (* 1976 in Locarno) ist ein Schweizer Kurator, Kunstkritiker und Kulturmanager mit Schwerpunkt auf zeitgenössischer Kunst. Seine Arbeit verbindet regionale Initiativen in der Schweiz mit internationalen Projekten, wobei er insbesondere die Tessiner Kunstszene prägte und transnationale Vernetzungen förderte.

Ausbildungen, Jurytätigkeit und Stipendien

Stolz absolvierte ein CAS, ein Nachdiplomstudium in Cultural Policies und Audience Engagement an der SUPSI sowie einen Master in Cultural Management in Lugano (2022–2024). 2012 erhielt er das Landis & Gyr Atelier-Stipendium für einen Aufenthalt in London, der seine internationale Perspektive weiter schärfte.

  • 1997–1998: Szenografie, Accademia di Belle Arti di Brera
  • 1998–2004: Zeitgenössische Kunst, Accademia di Belle Arti di Brera
  • 2008–2016: Mitglied der Eidgenössischen Kunstkommission
  • 2012: Landis & Gyr Atelier-Stipendium, London
  • 2022: CAS Cultural Policies, SUPSI, Lugano
  • 2022–2023: CAS Audience Engagement, SUPSI, Lugano
  • 2022–2024: MasCult Master of Advanced Studies, Cultural Management, SUPSI Conservatorio della Svizzera Italiana, Lugano

Werdegang

Stolz arbeitet seit den frühen 2000er-Jahren als freier Kurator und Kunstkritiker.[1] Er leitete, von 2004 bis 2011, erst zusammen mit Anne-Laure Stolz den Kunstraum la rada in Locarno, der 1996 von Tina Stolz gegründet wurde.[2] Noah Stolz, der die Anfänge von la rada mit der familiär verbundenen Tina Stolz erlebt hat, verliess Locarno wie viele seiner Generation um an der Accademia di Belle Arte di Brera in Mailand zu studieren und um im MAMCO in Genf Erfahrungen im Bereich der zeitgenössischen Kunst zu machen. la rada wurde Teil eines wachsenden Netzwerks von Projekträumen und selbstorganisierte Kulturinitiativen im Tessin. Hier setzte er lokale Akzente, indem er experimentelle Formate für zeitgenössische Kunst etablierte und den Dialog zwischen Kunst und Publikum stärkte.[3] Sein Engagement für die Tessiner Kunstlandschaft zeigte sich auch in der Kuratierung von Retrospektiven, etwa der umfassenden Schau zum Werk des Künstlers Aldo Mozzini (* 1956) im Museo Casa Rusca Locarno. Für die begleitende Monografie analysierte Stolz Mozzinis architektonisch inspirierte Skulpturen als „als Architektur getarnte Porträts“, die existenzielle Themen spiegeln.[4]

Später arbeitete er als Atelierleiter und Archivmanager für die Künstlerin Marion Baruch. Kurator von fünf der Künstlerin gewidmeten retrospektiven Ausstellungen, zwei ihrer Publikationen und zahlreichen Produktionen.[5][6] Als Kurator hat er mit zahlreichen Institutionen wie auch dem Monte Verita und der Eranos Foundation im Tessin mit internationalen Projekte zusammengearbeitet[7][8] und zahlreiche Ausstellungen für Museen wie das MA*GA in Gallarate, das Kunstmuseum Luzern, das Nationalmuseum für moderne Kunst in Bukarest (MNAC), Les Abbatoires in Toulouse und das Magazin in Grenoble, das Museo Cantonale d'Arte in Lugano und das Museo Casa Rusca in Locarno kuratiert.[9]

Kuratorische Praxis

Noah Stolz ist für kollaborative und interdisziplinäre Ausstellungsprojekte bekannt. Seine Arbeit fördert den Dialog zwischen Künstlerinnen und Künstlern, Institutionen und Publikum in verschiedenen Sprachregionen. Er realisiert Einzel- und Gruppenausstellungen mit Fokus auf gesellschaftliche, politische und kulturelle Fragestellungen. Experimentelle und partizipative Formate sowie die Verbindung von Kunst, Archiv und Forschung sind zentrale Elemente seiner Praxis.[10]

Neben seiner freien Kuratorentätigkeit hat Noah Stolz die Mehrzweck-Produktionsplattform The Stella Maris Archive konzipiert und koordiniert, mit der sie mehrere Künstlerfilme, Ausstellungen, Workshops und Veranstaltungen produziert hat.[11] Seine multilinguale Expertise (Italienisch, Französisch, Englisch, Deutsch) ermöglicht ihm die Vermittlung zwischen verschiedenen Kulturräumen.

BAC Geneva, Gianni Motti, Parallelo Art Museum Lucerne, 2015, Palais De L’Athenee, Societe des Arts, Geneva, 2013, Utopics 11. The Foundation Swiss Plastic Exhibition Biel/Bienne, 2009 und David Renggli: You, can you recommend your psychiatrist, Via Farini, Milan, 2007.[12]

Er war Mitglied der Eidgenössischen Kunstkommission (BAK) wo er von 2008 bis 2016 kulturpolitische Entscheidungen auf nationaler Ebene mitgestaltete. 2024 war er in der Jury des Bally Artist Award.[13]

Charakteristisch für Stolz’Praxis ist die Verbindung von humorvoller Poesie und konzeptueller Tiefe, wie seine Arbeit zu Mozzinis Secret Books zeigt – Tagebücher, die intime Gedanken des Künstlers dokumentieren und erstmals durch Stolz’Initiative öffentlich zugänglich wurden. Seine Ausstellungen betonen oft die Alltagsnähe von Kunst, etwa durch skulpturale Objekte, die an Möbel oder Häuser erinnern und so Barrieren zwischen Betrachter und Werk abbauen.

Heute ist er für den Aufbau des digitalen Archivs der Ignaz und Mischa Epper Stiftung in Ascona verantwortlich und arbeitet an Projekten und Ausstellungen zur Erschliessung und Würdigung des immateriellen Kulturerbes der Region Locarno.[5]

Wichtige Ausstellungen (Auswahl)

  • 2007: David Renggli: You, can you recommend your psychiatrist, Via Farini, Mailand[14]
  • 2009: Utopics. 11. Schweizerische Plastikausstellung, mit Simon Lamunière, Biel/Bienne[15]
  • 2013: Gianni Motti, Palais de l’Athénée, Société des Arts, Genf[16]
  • 2015: Gianni Motti, Parallelo Art Museum[17], Luzern
  • 2015: Sviluppo-Parallelo, Kunstmuseum Luzern, Luzern, Schweiz. Kurator Noah Stolz[18]
  • 2015: Voglio vedere le mie montagne, Museum MA*GA, Gallarate[19]
  • 2016: Unter 30, You Swiss Art XII. – Kiefer Hablitzel Preis, Fonds d’Art Contemporain de la Ville de Genève[20]
  • 2016: Eingang, In & Out, Up & Down, Durch und Durch, Galerie Bolte Lang, Zürich, Schweiz. Kurator Noah Stolz
  • 2017: La ruche et la valise, Villa Alphonse Bernasconi, Lancy[21]
  • 2018: ABBRACCIO LO SPAZIO E LO ATTRAVERSO, Kurator Noah Stolz, MA*GA Museo d'Arte Gallarate, Italien
  • 2020: innenausseninnen. Marion Baruch, Retrospektive, Kunstmuseum Luzern
  • 2021–2022: Marion Baruch—DÉCALAGE, Ilse Lafer und Noah Stolz in Kollaboration mit Dana Demetrescu, HGB Galerie, Leipzig
  • 2022: Marion Baruch—Endless Going Trying to Say – Window-Landscape of My Work, Noah Stolz, MNAC in Bukarest
  • 2022: Marion Baruch— Bomba, Noah Stolz and Nicola Trezzi, CCA Tel Aviv-Yafo
  • 2023/24: Aldo Mozzini: Casematte, Museo Casa Rusca, Locarno
  • 2023: No Place Like Home, Stadtgalerie Bern
  • 2024: Geranos, Riccardo Arena, Centro Elisarion, Minusio[22][23]
  • 2024: Karim Forlin, Lisa Lurati und Aldo Mozzini, Un sass da par lüü al fa mia fracass[24] (Ein Stein, den man nicht werfen darf), kuratiert von Noah Stolz, Casa Rusca, Locarno[25]
  • 2025: Confirmer l'invisible – Zeichnungen, Notizen und Projekte auf Papier 1990–2025, Valérie Favre, Mischa Epper, Fondazione Epper[26]
  • 2025: chiosco nomade, mit Yves Mettler, Teil von PUBLICsPACE, Intervention und Reflexione zum öffentlichen Raum, PalaCinema, Locarno[27]

Bücher und Kataloge

  • 2009: LOGE Rückblick Stadtgalerie Bern, Biel/Bienne, ISBN 978-3-033-01839-6[28]
  • 2011: Cahier d’Artiste: Pascal Schwaighofer, (Collection Cahiers d'Artistes 2011), Edizioni Periferia, ISBN 978-3-907474-88-4
  • 2021: Marion Baruch, Hrsg. von Fanni Fetzer, Noah Stolz, Kunstmuseum Luzern, 2020. Mousse Publishing. ISBN 978-88-6749-406-4
  • 2023: Tzimtzum. Marion Baruch in conversation with Noah Stolz, in: Illaria Bombelli, Nicola Trezzi (Hg.), Tzimtzum, Mailand, S. 65, ISBN 978-8-867-49564-1[29]
  • 2024: Aldo Mozzini. Casematte, Hrsg. von Noah Stolz, Alexandra Blättler, Nancy Lunghi, Scheidegger & Spiess, Zürich, ISBN 978-3-03942-199-2

Zeitschriften und Magazine

  • 2005–2007: Diverse Beiträge, darunter Editorial, Belvedere, San Staë. Urs Fischer e Ugo Rondinone, Borgovico 33: Direct Architecture. Politics and space in Kunstbulletin
  • Beiträge und Essays in Mousse Magazine,[30] Kaleidoskope,[31] Kunstbulletin[1] und weiteren internationalen Kunstzeitschriften

Weiterführende Literatur

  • Rachel Mader, Pablo Müller (Hrsg.): Unabhängig, prekär, professionell. Künstlerische Selbstorganisation in der Schweiz. Diaphanes, Zürich 2023 (online).

Einzelnachweise

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