Novo Nordisk

dänisches Pharmaunternehmen From Wikipedia, the free encyclopedia

Novo Nordisk A/S ist ein international tätiger Hersteller von Pharmazeutika mit Sitz in Bagsværd, Dänemark. Seit der Gründung im Jahr 1923 hat sich das Unternehmen zu einem weltweit führenden Insulinhersteller[5] entwickelt. Auch in den Bereichen Blutgerinnungsmedikamente, Wachstumshormontherapie und Hormonersatztherapie ist Novo vertreten. Das ab 2021 auf dem Markt eingeführte Antidiabetikum Semaglutid, das auch zur langfristigen Gewichtskontrolle eingesetzt werden kann, bescherte dem Unternehmen ein hohes Umsatzwachstum. Semaglutid wurde in den USA bereits 2017 als Diabetesmedikament zugelassen (Ozempic), bevor es als Adipositastherapie (Wegovy) eingeführt wurde.[2] Wegovy wurde in den USA im Juni 2021 eingeführt und traf dort auf eine erheblich stärkere als erwartete Nachfrage.[2] Das Unternehmen hatte die Nachfrage zunächst deutlich niedriger veranschlagt, was in der Anlaufphase zu Kapazitätsengpässen führte.[2] In der Folge stand Wegovy zeitweise auf der offiziellen US-Engpassliste, wodurch Apotheken unter bestimmten Voraussetzungen Nachahmerzubereitungen herstellen durften.[2] Nach Schätzungen des Unternehmens nutzten zeitweise rund eine Million Menschen in den USA solche Zubereitungen.[2] Wegovy erzielte 2023 in den USA einen Umsatz von rund 4,3 Mrd. US-Dollar.[2] Ab 2023 verschärfte sich der Wettbewerb im Markt für Injektionspräparate zur Gewichtsreduktion durch neue Konkurrenzprodukte.[2] Im Zuge des Booms von GLP-1-basierten Adipositastherapien wurde das Unternehmen im Juni 2024 zeitweise als wertvollstes börsennotiertes Unternehmen Europas bewertet.[2] Bis Dezember 2025 lag der Börsenwert nach Medienberichten bei rund 1,4 Billionen Dänischen Kronen und damit deutlich unter dem Höchststand aus dem Jahr 2024.[2]

Schnelle Fakten
Novo Nordisk A/S
Rechtsform Aktieselskab
Aktiengesellschaft (Dänemark)
ISIN DK0062498333
Gründung 1923
Sitz Bagsværd, Kopenhagen DanemarkDänemark
Leitung
  • Maziar Mike Doustdar (CEO)[1]
Mitarbeiterzahl 77.349 (2024)[3]
Umsatz 290,4 Mrd. DKK (38,9 Mrd. Euro)[4]
Branche Pharmazie
Website www.novonordisk.com
Stand: 31. Dezember 2024
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Novo Nordisk gliedert sich in eine Dachgesellschaft, die Novo Holdings, zu der auch Novonesis und NNIT (IT-Abteilung) gehören. Das Stammwerk des Unternehmens liegt in Bagsværd im Großraum Kopenhagen. Außer dem Hauptsitz in Dänemark hat Novo Nordisk noch Produktionsstandorte in neun weiteren Ländern sowie Vertretungen oder Büros in 79 Ländern. Der Deutschlandsitz befindet sich seit August 1958 in Mainz. In der deutschen Niederlassung werden 70 % aller Phase-1-Studien im Bereich Diabetes koordiniert und dokumentiert.[6] Der Hauptsitz in Bagsværd ist architektonisch von einer zentralen Wendeltreppe geprägt, deren Gestaltung auf das Insulinmolekül Bezug nimmt.[2] Als Spezialist für Stoffwechselerkrankungen positionierte sich das Unternehmen früh als Anbieter für Therapien bei Diabetes und Adipositas.[2]

Novo Nordisk vergibt seit 2002 den mit 12.000 Euro dotierten Novo Nordisk Media Prize für journalistische Beiträge über Diabetes.[7]

Hauptsitz von Novo Nordisk in Bagsværd, Dänemark
Deutschlandsitz von Novo Nordisk in Mainz

Eigentümerstruktur

Alle A-Aktien der Novo Nordisk A/S gehören seit dem 31. Dezember 1999 der Novo Holdings A/S, die wiederum Eigentum der Novo-Nordisk-Stiftung ist; diese wiederum ist eine gemeinnützige Stiftung, deren Ziel es ist, eine stabile Basis für die Unternehmen der Novo-Gruppe zur Verfügung zu stellen, sowie sich am wissenschaftlichen, humanitären und sozialen Fortschritt zu beteiligen. Die A-Aktien repräsentieren 25,5 % des gesamten Stammkapitals und 68,5 % der Stimmen. Dies bedeutet, dass die Novo Holdings A/S auf der Hauptversammlung immer die Stimmenmehrheit hat. Im Jahr 2025 trat die Stiftung als Großaktionärin nach außen sichtbar stärker als Impulsgeberin für Governance- und Strategiethemen auf.[2] Der Vorsitzende der Stiftung kritisierte dabei, dass der Verwaltungsrat zu spät auf die Veränderungen im Markt für Adipositasmedikamente reagiert habe.[2] Im Oktober 2025 traten in diesem Zusammenhang sieben Mitglieder des Verwaltungsrats zurück.[2] In der Folge übernahm Lars Rebien Sørensen den Vorsitz im Verwaltungsrat des Unternehmens.[2]

Geschichte

Novo Nordisk entstand 1989 durch den Zusammenschluss der zwei dänischen Firmen Nordisk Insulinlaboratorium und Novo Terapeutisk Laboratorium.[8]

  • 1923: Nordisk Insulinlaboratorium (die spätere Nordisk Gentofte) wird gegründet
  • 1925: Novo Terapeutisk Laboratorium (später Novo Industri) wird von den Brüdern Harald und Thorvald Pedersen gegründet
  • 1932: Das Nordisk Insulinlaboratorium gründet das Steno-Memorial-Krankenhaus
  • 1938: Novo gründet das Hvidøre-Diabetes-Sanatorium
  • 1941: Novo bringt ihr erstes Enzym, Trypsin, auf den Markt. Es wird aus der Bauchspeicheldrüse von Tieren gewonnen und beim Gerben von Leder eingesetzt.
  • 1946: Nordisk entwickelt Insulin-Isophan NPH Insulin, ein neutrales Insulin mit verlängerter Wirkungsdauer
  • 1958: Novo gründet seine Deutschlandzentrale in Mainz[9]
  • 1969: Errichtung des Arne-Jacobsen-Baus
  • 1974: Novos B-Aktien gehen an der Börse Kopenhagen an die Börse
  • 1981: Novo wird als erste skandinavische Firma an der New Yorker Börse gehandelt
  • 1982: Das weltweit erste, mit menschlichem Insulin identische Insulinpräparat kommt heraus. Es wird aus der Bauchspeicheldrüse von Schweinen gewonnen und dann zu menschlichem Insulin weiterverarbeitet.
  • 1985: Der NovoPen, ein neuartiges Injektionssystem mit austauschbaren Insulinpatronen kommt auf den Markt. Das Gerät sieht wie ein Füllfederhalter aus.
  • 1989: Durch den Zusammenschluss von Novo Industri A/S und Nordisk Gentofte A/S entsteht der Weltmarktführer für Insulinproduktion
  • 1992: Das Steno-Memorial-Krankenhaus und das Hvidøre-Krankenhaus schließen sich zum Steno Diabetes Center zusammen
  • 1996: Proconvertin NovoSeven zur Behandlung von Hämophilie kommt auf den Markt
  • 2000: Novo Nordisk wird in drei separate Firmen unter dem Dach der Novo-Gruppe (Novo Holdings A/S) aufgespalten: Novo Nordisk, Novozymes und NNIT
  • 2001: Das weltweit erste kombinierte Blutzuckermessgerät und Insulininjektionssystem „InDuo“ wird vorgestellt
  • 2001: Novo Nordisk wird Mehrheitseigentümer am brasilianischen Pharmaunternehmen Biobrás

(...)

  • 2017: Das GLP-1-Analogon Semaglutid (Inkretinmimetika) wird auf den Markt gebracht[10]
  • 2021: Übernahme von Dicerna Pharmaceuticals[11]
  • 2023: Übernahme von Inversago Pharma, einem Forschungsunternehmen um den Cannabinoid-Rezeptor 1[12]
  • 2024: Übernahme von Catalent Inc.
  • 2025 Ein Abbau von 9.000 Stellen (davon 5.000 in Dänemark) wurde angekündigt.[13]

Im Jahr 2025 kam es im Zuge des verschärften Wettbewerbs im Adipositasgeschäft zu einem Strategiewechsel und zu Veränderungen im Topmanagement.[2] Im Mai 2025 wurde der seit 2017 amtierende Vorstandsvorsitzende abberufen.[2] Im August 2025 übernahm Maziar Mike Doustdar die Unternehmensleitung.[2] Die angekündigten Stellenstreichungen wurden als Teil einer Restrukturierung beschrieben, die nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden in weniger als zwei Monaten abgeschlossen worden sei.[2] Im Zuge der Neuaufstellung wurden Entwicklungsprogramme, die nicht mit Diabetes oder Adipositas in Verbindung stehen, zurückgestellt.[2] Für 2026 stellte das Unternehmen zwei neue Markteinführungen in Aussicht, darunter eine orale Variante zur Gewichtsreduktion sowie eine höher dosierte Injektionsform von Wegovy.[2] Die höher dosierte Injektionsvariante erreichte in Studien Gewichtsverluste, die als Annäherung an konkurrierende Präparate dargestellt wurden.[2] Daneben kündigte das Unternehmen an, direkte Vertriebskanäle in den USA auszubauen, die zuletzt etwa ein Zehntel der Wegovy-Verordnungen ausgemacht hätten.[2] Für diesen Ausbau wurden Kooperationen mit großen Einzelhändlern sowie neue Direktpreis-Modelle für Privatkunden kommuniziert.[2] Im November 2025 wurden zudem Preisnachlässe für Medicare im Gegenzug für eine erstmalige Kostenübernahme von Adipositasbehandlungen in Aussicht gestellt.[2] Das Unternehmen stellte außerdem eine stärkere Öffnung für externe Innovationen in der Forschungspipeline in Aussicht und beteiligte sich im November 2025 an einem Bieterwettstreit um ein Biotechnologieunternehmen mit einem Adipositas-Wirkstoffkandidaten.[2] Für das Wettbewerbsumfeld wurde eine stark wachsende Zahl von Entwicklungsprojekten in der Adipositastherapie beschrieben.[2] Für mehrere große Schwellenländer wurde ab 2026 ein Auslaufen des Patentschutzes für Semaglutid erwartet, was dort den Wettbewerbsdruck durch Generika erhöhen könnte.[2]

Liste der Geschäftsführer

  • 1981–2000: Mads Øvlisen
  • 2000–2016: Lars Rebien Sørensen
  • 2017–2025: Lars Fruergaard Jørgensen
  • 2025–: Maziar Mike Doustdar

Der Wechsel an der Spitze erfolgte im Zusammenhang mit einer breiteren Neuaufstellung des Unternehmens im Adipositasgeschäft.[2]

Produkte

Semaglutid imitiert das Hormon GLP-1 und ist sowohl in Wegovy als auch in Ozempic enthalten.[2]

Weitere Informationen Produkt, Jahr der Einführung ...
ProduktJahr der Einführung
NPH-Insulin~1940
Zink-Insulin~1952
Östradiol Vagifem, Kliogest, Trisequens1992 (1997?)
Somatropin Norditropin1992
Insulin aspart NovoRapid/NovoLog, Kirsty1999
Insulin fast-aspart Fiasp2000 / 2017
Insulin detemir2004
Liraglutid2009
Insulin degludec2013
Insulin degludec/Insulin aspart Ryzodeg2013
Insulin degludec/Liraglutid2014
Semaglutid Ozempic / Wegovy / Rybelsus2017
Faktor-IX (Nonacoq)2017
Turoctocog alfa pegol2019
Somapacitan2020
Dasiglucagon Zegalogue2021
Semaglutid Wegovy2021
Insulin icodec2023/24
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Standorte

Fabriken:

Forschungszentren:

Siehe auch

Einzelnachweise

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