Oberbrönni

Historischer Hofbezirk in Obermuhlern in der Gemeinde Wald im Kanton Bern, Schweiz From Wikipedia, the free encyclopedia

Oberbrönni ist ein Bauernhof in Obermuhlern in der Gemeinde Wald BE im Kanton Bern. Er liegt im Gebiet des ehemaligen Amtsbezirks Seftigen und im historischen Hofbezirk Brönni, der die beiden Bauernhöfe Oberbrönni und Niederbrönni umfasst. Sie sind seit 1550 urkundlich belegt.

Bauernhof Oberbrönni (1977)

Die früheste bekannte schriftliche Erwähnung eines Hofes zu Brendy (Brönni) stammt aus dem Jahr 1280; der Ort wird darin als Bestandteil des grossen mittelalterlichen Freibauernhofs und Zehntbezirks Ratzenberg genannt[1][2][3]. Der Flurname Brönni ist etymologisch auf einen Ort der Holzkohleproduktion im Spätmittelalter zurückzuführen. In diesem Zusammenhang ist anzunehmen, dass der Familienname Brönnimann, der seit mehreren Jahrhunderten am Ort urkundlich belegt ist, in direktem historischem Zusammenhang mit dieser Nutzung steht.

Bau und Besitzgeschichte

Zehntplan des Brönni Viertels, Obermuhlern, Kirchgemeinde Zimmerwald von C.A. Dittlinger, 1754

Das Wohnhaus des Hofes Oberbrönni mit angebauter Scheune wurde gemäss den am Gebäude angebrachten Jahreszahlen in den Jahren 1723/24 errichtet. Der Bau entstand vermutlich unter Einbezug substantieller Teile eines älteren Vorgängerbaus oder an dessen Stelle. Eine am südlichen Bundbalken des Hauses angebrachte Inschrift weist den Zimmermeister Hieronymus Streit als ausführenden Handwerker aus. Als Bauherren sind die Brüder Hans Brönnimann (1667–1728) und Christian Brönnimann (1668–?) überliefert, die aus dem rund 500 m entfernten Weiler Bumishus stammten.

Wohn- und Oekonomiegebäude in Oberbrönni (1930)

Der südlich gegenüberliegende Speicher mit Inschriften und Fassadenmalerei wurde im Jahr 1753 unter der Bauherrschaft von Christian von Niederhäusern (1699–1788), einem Schwiegersohn Hans Brönnimanns[4], errichtet. Die Ausführung erfolgte durch den aus der Hofmatt bei Belp stammenden Baumeister Hieronymus Bloch (1723–1792)[5]

Speicher zu Oberbrönni

Das zugehörige Ofenhaus trägt die Jahreszahl 1711 und dokumentiert eine frühere Bauphase innerhalb der Hofanlage.[6][7][3]

Architekturhistorische Einordnung

Das Bauernhaus des Hofes Oberbrönni ist ein weitgehend original erhaltener Bohlenständerbau auf Sandsteinfundament mit gewölbtem Keller und Dreiviertelwalmdach. Das massiv ausgeführte Stubengeschoss wird durch eine dreiseitig umlaufende Gadengeschosslaube ergänzt; darüber befindet sich eine vorkragende Bühnislaube. Die Laubenbrüstungen bestehen aus Brettbalustern. Am Rähm des Erdgeschosses sowie an den Lauben haben sich Frakturinschriften erhalten, die sowohl baugeschichtliche als auch sozialhistorische Aussagen erlauben.

Eine Hocheinfahrt in das Tenn wurde erst im frühen 20. Jahrhundert eingebaut und stellt eine spätere bauliche Veränderung dar.

Inschriften

Wohn- und Oekonomiegebäude (Baujahr 1723/24)[8]

Bund:

 In • Gottes • Namen • Und • Vertrau wen Haben • Hanss • Bröniman Und • Mareia • Hugi • diss • Huss • Lassen • Bauwen Im / 1724 / • Muss • Strit • Z • M • / Zu Dir Von Härtzen grunde • Rüff Ich Auss Tieffer Noht • Ess • ist Nun Zeit Und / stunde / Vernim Mein Bitt Herr Gott • Eröffne deine Ohren • Wahn ich Herr Zu dir schr/ey / Thun gnädiglich Anhören • wass Mein anligen sey • auss • dem [17:3ten] / psalm

oberer Gaden, Handlauf:

 Wahn • Du • Den • Herren • dein / nen • Gott • Wirst • Suchen • so • Wirst • du • Ihn • finden • Wahn • Du • Ihne •Wirst • Von • gantzem • Här / tzen • Und • Von • Gantzer • seellen • suchen • Wirst • du • ihn • aber • Verlassen • so • wirt • Er • dich • Verlassen • Ewiglich • / Auffgericht Im Jahr cte Anno 1724

Kellertürbogen:

 C BR 1723 B BR
Speicher (Baujahr 1753)

Gaden, Handlauf:

 Ihm gottess Namen / Und Ver Trauwen Hat christen von Nider Hüeseren Disen spicher Lassen Bauen / Ihm 1753 Jar

Gaden, Wand:

 Jeroni Muss
 Bloch Zimmer
 Meister

Bund:

 Gedänck o mön / tsch / Halt / dich bereit nach disser Zit komt ewigkeit

Untergeschoss, Wand:

 Jch gehe auss oder jn so ist
 der tod und warttet min so
 biten ich Gott um sine gnad dass
 mir die sünd der seel nicht scad
Türbogen aus Sandstein beim Ofenhaus mit der Aufschrift Hans Bröniman (1711)
Ofenhaus (Baujahr 1711)

Türbogen:

 Hans Bröniman 1711
 • H • B •

Denkmalschutz

Die Hofgruppe Oberbrönni wurde 1996 in das Bauinventar der schützenswerten Bauten des Kantons Bern aufgenommen. Sie steht unter kantonalem Schutz und gilt als bedeutendes Zeugnis der bernischen Bauernhausarchitektur des 18. Jahrhunderts.[9][10][11]

Besitzfolge

Oberbrönni Besitzurkunde, datiert 1805
Getreidesack Oberbrönni von Christian Guggisberg 1892
  • Hans Brönnimann (1667–1728) und Christian Brönnimann (1668–?), von Bumishus, die Bauherren
  • Christian von Niederhäusern (1699–1788), von Riggisberg, Schwiegersohn des Vorgenannten
  • Christian von Niederhäusern (1732–1805), Sohn des Vorgenannten
  • Johannes Guggisberg (1781–1836), von Englisberg, Enkel des Vorgenannten
  • Christian Guggisberg (1809–1843), Sohn des Vorgenannten
  • Christian Guggisberg (1832–1891), Sohn des Vorgenannten
  • Karl Guggisberg (1875–1949), Sohn des Vorgenannten
  • Fritz Guggisberg (1911–1968), Sohn des Vorgenannten
  • Ernst Tanner (1914–1994), von Toffen, Schwager des Vorgenannten
  • Geschwister Pia, Cornelia und Stefan Wenger, Enkel des Vorgenannten[7][12][13]

Literatur

  • K. Schmid: Fontes Rerum Bernensium, Bern’s Geschichtsquellen. 3. Band, Dalp’sche Buchhandlung, Bern 1880, S. 295.
  • Carl Jacob Durheim: Die Ortschaften des eidgenössischen Freistaates Bern. Haller'sche Buchdruckerei Bern 1838, S. 245.
  • Paul Howald: Das Gürbetal und sein Bauernhaus, Berner Heimatbücher Nr. 17. Verlag Paul Haupt, Bern 1944, S. 15–19.
  • Emmentaler Nachrichten/Berner Neueste Nachrichten: Amt Seftigen. Alte Hausinschriften im Seftigamt. Bern 17.9.1957, S. 6.
  • Robert Tuor: Berner Hausinschriften, Berner Heimatbücher Nr. 127. Verlag Paul Haupt, Bern 1981, S. 12, 14, 26, 39, 45 u.111.
  • Fritz Brönnimann: Wie entstand unsere Gemeinde. 1. Teil. Gemeinde Zimmerwald, 1988, S. 33, 53 u. 62.
  • Roland Flückiger-Seiler: Berner Bauernhäuser, Berner Heimatbücher 137. Verlag Paul Haupt, Bern 1988, Kap. 1.3/1.4, Kap. 2 (S. 36), Kap. 3, Kap. 7.2 (S. 118–122, 125), Kap. 9, Kap. 11.
  • Fritz Brönnimann et al.: Bauinventar der Gemeinde Zimmerwald. Gemeindeverwaltung Zimmerwald, 1996, Objekt 217 u. 218.
  • Fritz Brönnimann: 700 Jahre Zimmerwald, Einwohnergemeinde Zimmerwald, 1996, S. 23.
  • Daniel A. Guggisberg: Oberbrönni, eine bernische Bauernhof-Chronik. Eigenverlag 2001.
  • Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte: Schweizerische Kunstführer. 3. Band, Bern 2005, S. 317.

Einzelnachweise

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