Operation Vivaldi
Offensive der ukrainischen Streitkräfte 2026 im Russisch-Ukrainischen Krieg
From Wikipedia, the free encyclopedia
Die Operation Vivaldi war eine mehrphasige Militäroperation der ukrainischen Streitkräfte im Russisch-Ukrainischen Krieg. Die erste Phase begann im Frühsommer 2026 mit einer „stillen Offensive“ im Donbas. Bekannt wurde die Operation durch eine Ansprache von Brigadegeneral Andrij Bilezkyj, Kommandeur des 3. Armeekorps, im September. Sie endete Mitte Oktober 2026 mit der Zerschlagung des russischen Angriffskeils in Richtung Lyman.
| Operation Vivaldi | |||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Teil von: Russisch-Ukrainischer Krieg | |||||||||||||
| Datum | 22. Mai bis 14. Oktober 2026 | ||||||||||||
| Ort | Donbas, Gebiet um Lyman | ||||||||||||
| Ausgang | Ukrainischer Sieg | ||||||||||||
| Folgen | 277 km² befreit (ukr. Angaben), Verzögerung des rus. Vormarsches auf Slowjansk, Innovationen in der Drohnenkriegsführung | ||||||||||||
| |||||||||||||
Der Name „Vivaldi“ ist eine Anspielung auf Antonio Vivaldis berühmtestes Werk Die vier Jahreszeiten, da die Operation aus vier Phasen bestehen soll.
Hintergrund
Nach der Einnahme von Pokrowsk legten die russischen Streitkräfte ihren Fokus auf den ukrainischen „Festungsgürtel“, bestehend aus den Städten Slowjansk, Kramatorsk, Druschkiwka und Kostjantyniwka, entlang der Fernstraße N 20. Diese Städte sind schwer befestigt und gelten als die letzte Verteidigungslinie der Ukraine im Donbas.[4] Da die Einnahme schwer befestigter Großstädte viel Zeit in Anspruch nehmen würde, entschied sich die militärische Führung Russlands dafür, den Festungsgürtel von Norden und Süden her einzuschließen. Dafür müssen die Städte Lyman im Norden und Dobropillja im Süden eingenommen werden. Entsprechend starteten russische Truppen einen Angriff auf Dobropillja und Angriffe in Richtung Lyman.
Verlauf
Erster Akt

Die erste Phase von Operation Vivaldi begann am 22. Mai 2026 mit dem Ziel, den nördlichen Keil der russischen Zangenbewegung in Richtung Lyman zu zerschlagen. Konkret will man russische Truppen hinter den Fluss Tschornyj Scherebez drängen. Ausgeführt wird die Gegenoffensive vom 3. Armeekorps.[5]
Die Offensive wurde bis Mitte September nicht offiziell von ukrainischer Seite aus bestätigt oder kommentiert. Trotz des vermeintlich signifikanten Fortschritts wurden die Geländegewinne aus Gründen der operativen Sicherheit verschwiegen. Darum wurde von unabhängigen Beobachtern von einer „stillen Offensive“ gesprochen.[5][6]
Am 1. September behauptete der russische Präsident Wladimir Putin, dass russische Truppen 14 Ortschaften, darunter die Stadt Swjatohirsk, erobert hätten. Kurze Zeit später, am 7. September, veröffentlichte der Kommandeur des ukrainischen 3. Korps, Andrij Bilezkyj, ein Video aus Swjatohirsk. Darin widerlegte er die Behauptung über die Einnahme der Stadt und sprach davon, dass die 60. Mechanisierte Brigade vollständige Kontrolle über Swjatohirsk habe. Ebenfalls meinte er, dass es sich bei der Stadt um das ukrainische Hinterland handeln würde, also dass sie weit hinter der eigentlichen Frontlinie liege.[7][5]
Zwischen dem 9. und 11. September wurde der russische Keil nach Analyse des Institute for the Study of War (ISW) durchtrennt.[5][8]
Am 15. September wurde Operation Vivaldi in einer weiteren Videoansprache Bilezkyjs offiziell bekannt gegeben. Darin erklärte er, ukrainische Truppen hätten die Ortschaften Serednje, Nowoseliwka, Jarowa, Oleksandriwka und Teile von Korowij Jar befreit. Laut ISW sollen ukrainische Truppen bis zu 85 Quadratkilometer zurückgewonnen haben.[9][10][5]
Die ukrainischen Verbände erzielten diese Geländegewinne durch Vorstöße mit kleinen, hochmobilen Trupps unter Deckung von Drohnen statt mit großangelegten, mechanisierten Angriffen. Die Trupps nahmen nach und nach isolierte russische Stellungen in Wäldern und Dörfern durch Gefechte auf kurzer Entfernung ein. Unterstützt wurden die Verbände des 3. Korps dabei durch das 8. Sondereinsatzregiment der Sondereinsatzkräfte und der Einheit Artan des Militärnachrichtendienstes HUR.[5]

Ein weiteres Element waren Mittelstrecken-Schläge ukrainischer Drohnen auf die russische Logistik. Erst 50 km, dann bis zu 120 km hinter der Frontlinie griffen ukrainische Truppen Lager und Fahrzeuge an. Diese Schläge zwangen die Verbände der russischen 144. Motorisierten Schützendivision (20. Gardearmee), ihre Versorgungslager hinter die russische Staatsgrenze zu verlegen, was die Versorgungslage an der Kampflinie erschwert und die Reaktionsfähigkeit hemmt.[10][5]
Zweiter Akt
Am 20. September, fünf Tage nach offizieller Verkündung der Operation, gab Brigadegeneral Bilezkyj bekannt, dass die zweite Phase bereits begonnen hatte. Laut seinen Angaben hatte das 3. Korps seit Anfang dieser Phase zwei weitere Dörfer vollständig befreit und ein weiteres unter Kontrolle gebracht. Dabei handle es sich um Schandryholowe, Derylowe und Drobyschewe. Demnach wurden somit weitere 40 Quadratkilometer zurückgewonnen, womit die Gesamtzahl nach offiziellen ukrainischen Angaben 125 Quadratkilometer beträgt.[11][12]
Dritter Akt
Während der dritten Phase soll das 3. Korps die Ortschaften Nowe, Ridkodub und Kateryniwka, Karpiwka und Nowomychajliwka von russischen Truppen "geräumt" haben. Bei den Sturmangriffen erhielt es Unterstützung von der Pomsta-Brigade und der Einheit Dosor, des DPSU.[13] In einem Vorfall sollen sich um die 250 russische Soldaten ergeben haben. Das wäre unter anderem durch das Absetzen von unbemannten Bodenfahrzeugen hinter russischen Linien mittels unbemannten Luftfahrzeugen erreicht worden.[14][15] Der ukrainische Präsident, Wolodymyr Selenskyj, sprach von der vollständigen Befreiung von insgesamt 140 Quadratkilometern bis zum Ende der dritten Phase. Er erwähnte auch, dass man die Operation schon über ein Jahr vorher geplant hatte, man aber nicht bereit für die Durchführung gewesen sei.[16] Laut Angaben des ISW hätten russische Streitkräfte im September um die 300 Quadratkilometer in der gesamten Ukraine verloren. 147 davon an der Lyman-Front.[17] Nach Andrij Bilezkyjs neusten Angaben, hätten die Einheiten unter seinem Kommando insgesamt 176 Quadratkilometer zurückgewonnen.[18]
Vierter Akt
In einer weiteren Ansprache am 14. Oktober 2026 erklärte Andrij Bilezkyj die vierte Phase, und damit die gesamte Operation, für beendet. In dieser letzten Phase hätten ukrainische Kräfte den russischen Truppen weitere 3.000 Verluste zugefügt und die Orte Selena Dolyna, Lypowe und Kolodjasi befreit.[19][20]
Ausgang und Nachwirkung
Insgesamt sei über alle vier Phasen hinweg 277 Quadratkilometer ukrainisches Gebiet befreit worden. Erkenntnisse von OSINT-Analysten und Reviewer der Kyiv Post decken sich mit den Angaben des 3. Korps. Laut ISW wären bis zum 1. Oktober bereits 300 Quadratkilometer erkämpft worden. Zu den ukrainischen Verlusten gab es weder von russischer noch von ukrainischer Seite aus konkrete angaben.[19][20] Jedoch sprach der ukrainische Veteran und Analyst, Jewhen Dykyj, von einem Verlusteverhältnis von 1 zu 10 zugunsten der Ukraine.[21]
Das russische Verteidigungsministerium hingegen sprach während der ganzen dauer der Operation davon, dass russische Kräfte ihre Stellungen halten würden, und dazu an einigen Frontabschnitten Fortschritte machen würden. Dementgegen warnten pro-russische Milblogger wochenlang offen vor den ukrainischen den Drohnen- und Infanterieangriffen bei Lyman.[20]
Ein weiteres strategischen Ziel der Operation Vivaldi war es, den Druck auf den „Festungsgürtel“ zu reduzieren. Dazu merkte Brigadegeneral Bilezkyj an, wie sein Verband im Rahmen der Operation die Schnellstraße Charkiw-Slowjansk verteidigte. Damit sei die logisitsche Versorgung der Gruppierung ukrainischer Truppen im Donbas gesichert worden. An anderer Stelle hätten die russischen Streitkräfte die 1. Gardepanzerarmee verlegen müssen, womit man Kupjansk-Wuslowyj entlastete.[22]
Letztlich deutete Bilezkyj mit den Worten „Zumindest gibt es noch Wagner und Bach“ an, dass es weitere Gegenoffensiven geben könnte.[19][20]