Ostdeutsche Allgemeine Zeitung
deutsche Tageszeitung
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Die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung (kurz OAZ) ist eine Tageszeitung des Verlegers Holger Friedrich, die seit Februar 2026 werktäglich online sowie als gedruckte Wochenendausgabe freitags im Dresdner Ostdeutschen Verlag erscheint. Die OAZ weist eine große Ähnlichkeit mit der Berliner Zeitung auf.
| Ostdeutsche Allgemeine Zeitung (OAZ) | |
|---|---|
| Beschreibung | Zeitung |
| Sprache | Deutsch |
| Verlag | Ostdeutscher Verlag GmbH (Deutschland) |
| Hauptsitz | Dresden |
| Erstausgabe | 20. Februar 2026 |
| Gründer | Holger Friedrich |
| Erscheinungsweise | werktäglich digital (Online/E-Paper), Printausgabe freitags |
| Verkaufte Auflage | 40.000 Exemplare |
| ([1]) | |
| Chefredakteur | N.N.[2] |
| Herausgeber | Holger Friedrich |
| Geschäftsführer | Holger Friedrich Dirk Jehmlich Christoph Stiller[3] |
| Weblink | ostdeutscheallgemeine.com |
Zielsetzungen und Inhaltliches Profil
Laut Herausgeber Friedrich und Chefredaktion soll die Zeitung ein überregionales Angebot „aus ostdeutscher Perspektive“ schaffen und ein Debattenforum sein. In diesem Zusammenhang wird das Ziel formuliert, ein „Leitmedium“ für Ostdeutschland zu werden.[4][5] Zugleich behauptete der Verlag, er wolle sich von Ost-West-Zuschreibungen, „Ostalgie“ und Opfernarrativen abgrenzen.[5]
In einem „Mission Statement“ der Erstausgabe wurde die OAZ als Beitrag zu einer „Vollendung der Wiedervereinigung“ beschrieben. Darin heißt es außerdem, die Zeitung solle die ostdeutsche Perspektive „selbstbewusst“ in den deutschen und europäischen Diskurs einbringen. Als Gründungsimpuls werden in der Darstellung des Verlages „Anregungen“ ostdeutscher Bürger genannt; Presseförderung werde nicht in Anspruch genommen. In den publizistischen Leitlinien wird das Ziel formuliert, den Diskurs um eine „vierte Himmelsrichtung“ zu erweitern und „Perspektivenvielfalt statt Scheinsicherheit“ zu fördern.[6] Im Januar 2026 stellte Friedrich das Projekt zudem bei einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung im Berliner Theater vor und bekräftigte dort den Anspruch, die Online-Zeitung solle ein „Leitmedium für den Osten“ werden.[6]
Eigentümerstruktur
Die OAZ erscheint in dem im November 2025 für diesen Zweck gegründeten Ostdeutschen Verlag, der – wie der Berliner Verlag – zur Ostdeutschen Medienholding GmbH von Holger Friedrich gehört. Er sitzt in Dresden;[7] Geschäftsführer ist der ehemalige Betreiber einer Strategieagentur Dirk Jehmlich.[4] Einzige Gesellschafterin der OMH Ostdeutsche Medienholding GmbH ist die CCG-Commercial Coordination Germany GmbH mit Sitz in Berlin. Deren einziger Gesellschafter wiederum ist Holger Friedrich.[8] Gedruckt wird die OAZ bei der zur Verlagsgesellschaft Madsack gehörenden DDV-Gruppe in Dresden, dem Druckhaus der Sächsischen Zeitung.[1]
Redaktion
Die OAZ hat Ressorts für Politik, oft mit Fokus auf die politische Stimmung in Ostdeutschland; Wirtschaft & Börse; Kultur & Feuilleton; Meinung sowie Ostdeutschland und Berichterstattung aus den Regionen. Hierbei wurden die Sitze der Fachredaktionen dezentral eingerichtet: Das Wirtschaftsressort sitzt in Dresden, das Kulturressort in Weimar, die Leitung des Politikressorts in Magdeburg.[9]
Mitglieder der Redaktion sind oder waren u. a.:
- Dorian Baganz, schied als Chefredakteur drei Wochen nach Gründung aus[10], zuvor für die Wochenzeitung der Freitag tätig
- Philippe Debionne, Chefredakteur der Berliner Zeitung, Vorsitzender der gemeinsamen Chefredaktion[11], zuvor u. a. Nordkurier und Schweriner Volkszeitung
- Nora Domschke, Standortleiterin der sächsischen Redaktion, zuvor u. a. für die Sächsische Zeitung tätig[4]
- Adrian Schintlmeister (Redakteur), zuvor bei TAG24[4]
- Florian Warweg, Parlamentsberichterstatter, zuvor tätig für NachDenkSeiten und RT Deutsch[12]
- Thomas Fasbender, Debatte/Meinung, zuvor u. a. RT Deutsch[13]
Im Juni 2026 berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung, dass auf der Website der OAZ unter „Redaktion“ 315 Autoren gelistet waren, von denen einige nie für die OAZ tätig gewesen seien. Die Anzahl der gelisteten Autoren wurde daraufhin auf 30 Personen reduziert.[14]
Erscheinungsweise
Seit ihrem Start erscheint die OAZ werktäglich als E-Paper sowie als gedruckte Wochenendausgabe. Die erste Online-Ausgabe der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung wurde am 19. Februar 2026 freigeschaltet; die Printausgabe startete am 20. Februar in Sachsen. Branchenberichte nennen eine Druckauflage von rund 43.000 Exemplaren im Rheinischen Format mit 56 Seiten. Zur Erstausgabe wurden die gedruckten Exemplare an etwa 7000 Verkaufsstellen ausgeliefert.[6] Die Printausgabe wurde zu einem Verkaufspreis von 3,90 Euro abgegeben.[6] Verlagsangaben zufolge erscheint die Zeitung unter anderem in 6000 Zeitungsverkaufsstellen in Ostdeutschland.[5][15][12] Ein kleiner Teil der Auflage wird zudem in Westdeutschland vertrieben.[16]
Entwicklung des Blattes
Planungsphase
Im September 2025 stellte Friedrich unter dem Namen „Projekt Halle“ Pläne vor, Regionalausgaben für alle fünf ostdeutschen Landeshauptstädte anzubieten – die Dresdner Zeitung, Erfurter Zeitung, Magdeburger Zeitung, Potsdamer Zeitung und Schweriner Zeitung.[5][17] Perspektivisch sollten Ableger in allen 14 ehemaligen DDR-Bezirkshauptstädten von Suhl bis Rostock folgen.[18] Von den ursprünglich geplanten Regionalausgaben wurde vor dem Start abgesehen. Ebenso war zum Start der Zeitung Anfang 2026 von den Regionalausgaben in den ehemaligen DDR-Bezirkshauptstädten keine Rede mehr. Gründungs-Chefredakteur Dorian Baganz erklärte, das Defizit am Markt sei nicht die Lokalpresse, sondern es fehlten überregionale Themen aus ostdeutscher Perspektive. Stattdessen wurde angekündigt, dass die Zeitung lediglich in einer Ausgabe zum Wochenende erscheinen soll; weiterhin auch das angekündigte werktägliche E-Paper.
Markteinführung
Die erste Ausgabe war redaktionell vor allem im Dresdner Büro entstanden, und die OAZ suchte die Aufmerksamkeit unter anderem mit intensiver Eigenwerbung in sozialen Medien.[6] Zum Start war die OAZ in einzelnen Verkaufsstellen – etwa in einer Dresdner Bahnhofsbuchhandlung – bereits am Erscheinungstag zeitweise ausverkauft.[6][19] Bereits am zweiten Tag war sie in ganz Deutschland vollständig vergriffen.[6]
Entwicklung seit Erscheinen
Gründungschefredakteur war Dorian Baganz. Er kündigte am 12. März 2026, drei Wochen nach der Erstveröffentlichung. Die Position ist seitdem vakant. Als Gründe für sein Ausscheiden hätten „unterschiedliche Vorstellungen über die inhaltliche Ausrichtung“ wie auch „Fragen der persönlichen Zusammenarbeit“ eine Rolle gespielt, teilte er mit.[10] Der Berliner Verlag verwies darauf, dass er auf eigenen Wunsch hin gegangen sei.[10] Nach Baganz' Weggang wurde die Chefredaktion der OAZ an die der Berliner Zeitung angegliedert. Vorsitzender der gemeinsamen Chefredaktion ist der Chefredakteur der Berliner Zeitung Philippe Debionne.[20] Der OAZ-Geschäftsführer Dirk Jehmlich erklärte, aus der Leserschaft komme vielfach der Wunsch nach einem Chefredakteur mit „ostdeutscher Biografie“. Jehmlich sagte, dieses Feedback nehme man sehr ernst – Baganz wuchs in Duisburg auf.[10]
Die Suche nach geeigneten Autoren für die OAZ verlief nicht ohne Probleme und Herausgeber Friedrich erhielt nicht wenige Absagen.[21] Stattdessen setzt die OAZ in ihrer Rubrik „Open Source“ verstärkt auf eine freie Mitarbeit von Bürgern als einer Form des partizipativen Journalismus.[22][23] Die OAZ verwendet außerdem Künstliche Intelligenz bei der Erstellung von Artikeln, ohne dies zu kennzeichnen.[24][25]
Seit Mai 2026 verfasst die CDU-Bundestagsabgeordnete Saskia Ludwig eine Kolumne in der Zeitung unter dem Titel „Im Visier“.[26]
Rezeption
Verhältnis zu anderen Medien
Das Verhältnis zu anderen Medien darf als gespannt gelten. So griff zu Beginn des Jahres die Social-Media-Redaktion der künftigen Online-Zeitung die Mitbewerber auf dem Ostdeutschen Zeitungsmarkt an: „Was passiert, wenn eine sozialdemokratische Partei größter Anteilseigner vieler ostdeutscher Zeitungen ist? Die AfD gewinnt.“[27] Bezogen war dies auf ein Besitzverhältnis bei der Hannoveraner Madsack Mediengruppe, bei der die SPD einen Anteil von knapp einem Viertel hält. Madsack ist an den wichtigen Zeitungen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen beteiligt.
Der Feuilletonchef der angesprochenen Sächsischen Zeitung, Oliver Reinhard, antwortete hierauf: „Der AfD-Erfolg, einfach erklärt von Ideologen für Dummies.“ Und stellte die Gegenfrage: „Was passiert, wenn die Ostidentitäre Allgemeine eine derart miese und verunglimpfende Kampagne startet? Sie startet nicht als Konkurrenz. Sie startet als verlogene Dreckschleuder.“[27]
Bewertung des Blattes durch andere Autoren
Zum Start der Zeitung führte zu Kritik, dass der für die bundespolitische Berichterstattung verantwortliche Redakteur Florian Warweg ein ehemaliger Mitarbeiter des russischen Propagandasenders RT DE ist und mit Autor Thomas Fasbender ein weiterer Ex-RT-Mitarbeiter verpflichtet wurde.[28][29][30]
Die taz beurteilte die Erstausgabe als stärker auf ostdeutsche Befindlichkeiten als auf Informationsvermittlung ausgerichtet und stellte die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Projekts infrage.[6] Kritisch hervorgehoben wurden unter anderem das als weitgehend unkritisch beschriebene Interview mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer zur Russlandpolitik sowie ein als wohlwollend charakterisiertes Porträt des AfD-Vorsitzenden Tino Chrupalla.[6] Der Journalistikprofessor Volker Lilienthal bezeichnete bei T-Online das Porträt von Chrupalla als „politische Sympathiewerbung“ und bemängelte ebenfalls die fehlende kritische Distanz der Zeitung.[31]
Matthias Meisner untersuchte diese erste Print-Ausgabe der OAZ vom 20. Februar 2026 auf ihre inhaltliche Ausrichtung und stellte diese in seinem Beitrag für die Blätter für deutsche und internationale Politik vom April 2026 dar. Meisner machte die Rolle des Gründers, Finanziers und Herausgeber der OAZ Holger Friedrich deutlich, der eine von diesem beschriebene Lücke in der Medienlandschaft schließen wolle. Bei seiner Vorstellung des Projektes sei es aber viel „um ‚ostdeutschen‘ Trotz, den Trotz des Holger Friedrich.“[13] gegangen. Wie in der Berliner Zeitung seit der Übernahme Friedrichs sei die OAZ offen nach ganz rechts und trage zur Verharmlosung der AfD bei. Er konstatiert: „Mit der Expansion in Ostdeutschland treibt Friedrich voran, was sich nach dem personellen und inhaltlichen Umbau der ‚Berliner Zeitung‘ seit Jahren abzeichnet.“[13]. Er verweist unter anderem auf ein OAZ-Interview mit dem Autor Uwe Tellkamp, „der schon seit Jahren alle Türen nach rechts aufreißt und nun verkündet, dass ihm das Etikett ‚konservativ‘ nicht mehr passe.“[13] Zu den von Christian Baron im Feuilleton unter der Überschrift „Warum ich kein Wessi mehr sein will“ gemachten Aussagen, dass er als Arbeiterkind die Bundesrepublik „als sozial kalt“ und „die DDR in zentralen Fragen als sozial gerechter“ erlebt habe, hält Meisner fest, dass Baron beim Mauerfall vier Jahre alt gewesen ist.[13]
In einem Beitrag auf der Seite Volksverpetzer zieht Meisner Parallelen zwischen der Ostdeutschen Allgemeinen und dem rechtspopulistischen Portal Nius. Er schreibt, beide betrieben die gleiche Propaganda und hätten zum Beispiel eine große Übereinstimmung bei der Auswahl ihrer Autoren und Interviewpartner, welche dem rechten Rand des politischen Spektrums zuzuordnen seien, namentlich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, der Autor Uwe Tellkamp sowie die Politikerinnen Kristina Schröder, Antje Hermenau und Sahra Wagenknecht.[32]
Der Journalist und Autor Ralf Heimann beschrieb in einer Kolumne für den MDR das Konzept der Zeitung damit, Sprachrohr einer „Ostidentitären Bewegung“ zu sein und das Prinzip „Zweifel am System“ zu bedienen. Er stellte aber auch fest, dass die OAZ im Gegensatz zu Nius mehr sei als ein reines Propagandamedium. Sie biete Spiele, Sport, Service – und das alles auf einem optisch ansprechenden und technisch hohen Niveau.[33]
Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk bezeichnete das Blatt hingegen als eine „Mogelpackung“, die sich zwar meinungspluralistisch gebe, jedoch geschickt verpackt „Kreml-Narrative“ bediene und so zur „Destruktion der Gesellschaft“ beitrage. Nichtsdestotrotz stellte er die von der Berliner Zeitung übernommene Verwendung von sogenannten Open-Source-Artikeln, welche von Bürgern verfasst und eingereicht werden können, als ein von Holger Friedrich vorangetriebenes Merkmal heraus.[34]
Literatur
- Matthias Meisner: Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert. In: Blätter für deutsche und internationale Politik. Nr. 4/2026, S. 117–124 (blaetter.de).
- Roland Pimpl: Profilsuche gegen „West-Medien“. OAZ: Die Medienmarke startet, in Digital und Print. Wie die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung zum Leitmedium in (und aus) Ostdeutschland werden soll. In: Horizont. Nr. 7/8, 12. Februar 2026, S. 14–15.
Weblinks
- Literatur von und über Ostdeutsche Allgemeine Zeitung im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Ostdeutscher Verlag (Projekt Halle)
- Ralf Heimann: Das Prinzip Zweifel. Das Altpapier, Kolumne im MDR vom 20. Februar 2026, eingesehen am 11. März 2026
- Marc Bartl: „Neue Stimme des Ostens?“ – Das sagt die Branche zu Holger Friedrichs OAZ. In: kress.de. 23. Februar 2026.
- Philip Kreißel, Thomas Laschyk: Wir haben die „Ostdeutsche Allgemeine“ gefaktencheckt, damit du es nicht tun musst. In: Volksverpetzer. 3. März 2026.