Philanthropin

Schule mit dem Erziehungsziel Menschenliebe From Wikipedia, the free encyclopedia

Ein Philanthropin oder Philanthropinum ist eine Schule, die nach den Grundsätzen des Philanthropismus unterrichtet, mit den Erziehungsmaximen Menschenliebe (Philanthropie), Vernunft, Gleichheit, Natürlichkeit und Glück.

Johann Bernhard Basedow, Kupferstich von Daniel Chodowiecki
Schulszene im Philanthropin Reichenau, rechts stehend der spätere „Bürgerkönig“ Louis-Philippe als Erzieher.

Geschichte

Die erste Erziehungs- und Unterrichtsanstalt nach den Idealen der Philanthropie gründete der Theologe, Reformpädagoge und Philanthrop Johann Bernhard Basedow (1724–1790) im Jahr 1774 in Dessau. Das Philanthropinum Dessau wurde zum Vorbild einer Vielzahl ähnlicher Schulen, von denen einige erst nach der Schließung des Dessauer Instituts im Jahr 1793 gegründet wurden.

Zur größten und am längsten bestehenden Einrichtung dieser Art entwickelte sich das Philanthropin in Frankfurt am Main, das zeitweise bis zu 1000 Schüler unterrichtete. Als Schule der israelitischen Gemeinde wurde sie 1942 durch die Nationalsozialisten geschlossen. Im Jahr 1966 wurde sie erneut eingerichtet.

Bekannte Philanthropinen

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Weitere Informationen Gründung, Name ...
Bedeutende Schulen nach den Grundsätzen des Philanthropismus
GründungNameLageGründungsleiterAuflösungBemerkung
1773Militärschule in ColmarColmar,
Elsass, Frankreich
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Gottlieb Konrad Pfeffel
(1736–1809)
1792Die Militärschule orientierte sich stark am Vorbild der ein Jahr später gegründeten Dessauer Schule und wurde gelegentlich auch als „Philanthropin Colmar“ bezeichnet.[1]
1774Philanthropinum DessauDessau,
Sachsen-Anhalt
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Johann Bernhard Basedow
(1724–1790)
1793Das Dessauer ‚Mutterinstitut‘ wurde zum Vorbild einer Vielzahl ähnlicher Schulen. Auch das heutige „Gymnasium Philanthropinum“ in Dessau stellt sein Leitziel unter das Motto: Schule der Menschenfreundschaft.
1775Philanthropinum Schloss MarschlinsGemeinde Landquart,
Kanton Graubünden, Schweiz
()
Karl Friedrich Bahrdt
(1740–1792)
1777Das Philanthropin entwickelte sich aus dem von Johann Peter Nesemann geleiteten Seminars in Haldenstein und scheiterte bereits im Februar 1777 an Unterfinanzierung.
1777Philanthropin HeidesheimColgenstein-Heidesheim,
Rheinland-Pfalz
()
Karl Friedrich Bahrdt1779Die Schule wurde geschlossen, als der Weihbischof des Bistums Worms, Franz Xaver Anton von Scheben, beim Reichshofrat eine Verurteilung Bahrdts wegen Ketzerei erreichte.[2]
1780Société Philanthropique de ParisParisCharles-Pierre-Paul Savalette de LangesAnfänglich unter dem Namen Maison Philanthropique; erste der Armenfürsorge dienende Vereinigung der Neuzeit
1780Philanthropin FrankenthalFrankenthal,
Kurpfalz
()
Louise L’Écuyer
(† 1781)
Mädchenschule
Das heutige „Karolinen-Gymnasium“ in Frankenthal versteht sich als Nachfolger des Philanthropins.
1782„Mannheimer Philanthropin“Mannheim,
Kurpfalz
Johann Jakob Winterwerber
(1753–1805)
Nichtkonfessionelle Knabenschule
(Unter der unmittelbaren Oberaufsicht der kurpfälzischen hohen Landesregierung stehendes, öffentliches Erziehungsinstitut)[3]
1784Philanthropin SchnepfenthalSchnepfenthal,
Thüringen
()
Christian Gotthilf Salzmann
(1744–1811)
Die heutige „Salzmannschule“ in Schnepfenthal, ein Stadtteil von Waltershausen, sieht sich als letztes noch erhaltenes Philanthropin in Deutschland.[4]
1788Philanthropic SocietyLondonDer Bekämpfung der Jugendkriminalität gewidmet
1792Philanthropin ReichenauReichenau,
Gemeinde Tamins,
Kanton Graubünden, Schweiz
()
Johann Peter Nesemann
(1724–1802)
1798Ab 1796 führte Johann Peter Nesemann das Institut gemeinsam mit Heinrich Zschokke (1771–1848).
Von November 1793 bis Juni 1794 wirkte der spätere „Bürgerkönig“ Louis-Philippe unter dem Namen „Monsieur Chabod“ als Erzieher an dieser Schule.
1804
Neugründung 1966
Philanthropin Frankfurt am MainFrankfurt am Main,
Hessen
()
Michael Hess
(1782–1860)
1942Die Schule der israelitischen Gemeinde wurde 1942 durch die Nationalsozialisten geschlossen. Die im Jahr 1966 neugegründete Schule der Jüdischen Gemeinde trägt heute den Namen „I. E. Lichtigfeld Schule im Philanthropin“.
1804Philanthropin VecheldeVechelde,
Niedersachsen
()
Johann Peter Hundeiker (1751–1836)1819Die Schließung der Schule erfolgte, als die Regierung des Herzogtums Braunschweig das Schulgebäude Schloss Vechelde zurückforderte.
1828Société de Bienfaisance UrbaineBrüsselSpäter unter dem Namen Société Royale de Philanthropie
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Literatur

  • Karl Friedrich Bahrdt: Philanthropinischer Erziehungsplan. Eichenberg, Frankfurt am Main 1776.
  • Bernd Feige: Philanthropische Reformpraxis in Niedersachsen: Johann Peter Hundeikers pädagogisches Wirken um 1800. Böhlau, Köln Weimar Wien 1997, ISBN 3-412-07596-5.
  • Leonhard Friedrich (Hrsg.): Pädagogische Welt – Salzmanns Schnepfenthal. IKA, Jena 2008. ISBN 978-3-938203-49-1.
  • André Griemert: Bürgerliche Bildung für Frankfurter Juden? Das frühe Philanthropin in der Kontroverse um die jüdische Emanzipation. Tectum, Marburg 2010, ISBN 978-3-8288-2400-3.
  • Simone Hornung: Johann Bernhard Basedow und sein Philanthropin in Dessau. Grin Verlag, 2007, ISBN 978-3-638-79515-9.
  • Daniel Schmidt: Der pädagogische Staat: die Geburt der staatlichen Schule aus dem Geist der Aufklärung. Nomos, Baden-Baden 2000, ISBN 3-7890-6774-1.
  • Karl Wassmannsdorff: Die Turnübungen in den Philanthropinen zu Dessau, Marschlins, Heidesheim und Schnepfenthal. Karl Groos, Heidelberg 1870.

Einzelnachweise

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