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Philipp-Anders Rau

deutscher Politiker (AfD) From Wikipedia, the free encyclopedia

Philipp-Anders Rau (* 1983) ist ein rechtsextremer deutscher Politiker (AfD).[1] Er sitzt seit 2019 für die AfD im Kreistag des Landkreises Jerichower Land und im Stadtrat der Stadt Gommern. Zudem wurde er bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026 als Direktkandidat für den Wahlkreis 23 (Zerbst) in den Landtag von Sachsen-Anhalt gewählt.[2]

Leben

Herkunft, Ausreise aus der DDR und Jugend

Phillipp-Anders Rau wurde 1983 geboren und wuchs als Sohn des Hotelmanagers Eckhard Rau (1954–1998) und dessen Ehefrau Sybille (* ca. 1955) gemeinsam mit einem älteren Bruder in Gommern auf. Laut Presseberichten unternahmen die Eltern bereits 1982 einen erfolglosen Fluchtversuch im Kofferraum eines Pkw über Bulgarien in die Bundesrepublik Deutschland, woraufhin die Familie über mehrere Jahre hinweg Ausreiseanträge stellte.

Im Mai 1989 erhielt der Vater anlässlich eines runden Geburtstags eines Verwandten ein Reisevisum für die Bundesrepublik und beschloss, seine Frau mit den 6 und 14 Jahre alten Söhnen in der DDR zurückzulassen und in Hamburg zu bleiben, wo er eine Anstellung im Hotel Prem antrat. Die DDR-Behörden verweigerten der Ehefrau und den beiden Kindern zunächst die Ausreise. Im August 1989 besetzte Sybille Rau gemeinsam mit den beiden Söhnen die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Prag, um die Familienzusammenführung zu erzwingen, verließ das Gelände jedoch nach 22 Tagen erfolglos.

Ende September 1989 griff die Illustrierte Neue Revue das Schicksal der geteilten Familie unter der Schlagzeile „Laßt uns wieder eine Familie sein!“ auf, was zu überregionaler medialer Aufmerksamkeit führte. Nachdem der Rat des Kreises Burg ein Ausreiseersuchen noch am 18. Oktober 1989, dem Tag des Rücktritts von Erich Honecker, abgelehnt hatte, lenkten die DDR-Behörden tags darauf ein. Am 20. Oktober 1989 reiste die Familie im D-Zug 444 von Magdeburg über den Grenzübergang Helmstedt/Marienborn nach Westdeutschland aus und ließ sich in Hamburg nieder.

Zu Weihnachten 1998 starb Raus Vater überraschend, woraufhin die Familie nach eigenen Angaben durch hinterlassene Schulden des Vaters in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten geriet. Später kehrte die Familie nach Gommern zurück.[3]

Juristische Verfahren und Kontroversen

Diebstahl, Einbruch und Bewährungsstrafen

Am 31. August 2011 wurde Rau vom Landgericht München I in zweiter Instanz wegen gemeinschaftlichen Diebstahls in drei Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt. Die Vollstreckung wurde jedoch zur Bewährung ausgesetzt. Das Urteil ist seit dem 8. September 2012 rechtskräftig. In erster Instanz war Rau noch durch ein Urteil des Amtsgericht München vom 29. November 2010 zu einer Vollzugsstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Dem Verfahren lag ein Vorfall aus dem Oktober 2009 zugrunde, bei dem Rau gemeinsam mit einer Mittäterin aus einem Münchner Hotel unter anderem größere Mengen an Handtüchern (100), Bettlaken (80), Seifenspendern (21) und Aktenordnern mit Dokumenten und Rechnungen (5) im Wert von über 1500 Euro sowie den Außenspiegel eines in der Tiefgarage geparkten Fahrzeugs entwendete. Zur Tatzeit stand Rau bereits wegen einer früheren Verurteilung durch das Landgericht Hamburg aus dem Jahr 2007 (sieben Monate Freiheitsstrafe) unter laufender Bewährung. Presseanfragen zu dieser Verurteilung ließ Rau über seinen Anwalt unbeantwortet.[4][5]

Urkundenfälschung, Erschleichen eines Studienplatzes und Kokainsucht

Im Jahr 2012 erschlich sich Rau mit einem gefälschten Abiturzeugnis einen Studienplatz im Studiengang Journalistik/Medienmanagement an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Rau gab an, eine Abiturnote von 1,0 erzielt zu haben, obwohl sein tatsächlicher Notendurchschnitt lediglich 3,5 betrug. Der Betrug wurde 2015 aufgedeckt, woraufhin ihm der Studienplatz entzogen und er aufgrund „arglistiger Täuschung“ von der Hochschule exmatrikuliert wurde. Rau klagte gegen den Beschluss mit der Argumentation, dass nicht er, sondern seine damalige Lebensgefährtin die von ihm gefälschten Unterlagen abgeschickt hätte und er aufgrund einer Kokainsucht zu dieser Zeit kein zurechenbares Bewusstsein gehabt hätte. Die Klage wurde jedoch abgelehnt. Die Hochschule zeigte den Vorfall an und Rau wurde am 28. Februar 2017 vom Amtsgericht Magdeburg wegen Urkundenfälschung zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.[6][7][8][9]

Kurz darauf erhielt Rau eine Anstellung im Büro des AfD Bundestagsabgeordneten Frank Pasemann.[10]

Pornovideos, Privatinsolvenz und Verstoß gegen Meldegesetz

Beim Landesparteitag der AfD in Magdeburg wurden im Oktober 2024 Gerüchte laut, dass es Porno-Videos mit Beteiligung von Philipp-Anders Rau geben soll, was Rau zunächst dementierte. Kurz darauf tauchten jedoch mehrere Porno-Videos auf einschlägigen Plattformen auf, die den Verdacht weiter erhärteten. In einer Stellungnahme bestritt Rau, jemals professionelle Videos gedreht zu haben, von denen er finanziell profitiert hätte.[11][12][13]

Rau befand sich zudem in einem Privatinsolvenzverfahren, das im Dezember 2021 am Amtsgericht Stendal eröffnet wurde und am 27. Dezember 2024 endete. Eine Restschuldbefreiung wurde beantragt. Die Hintergründe der Insolvenz blieben unklar.[14]

Rau steht zudem unter Verdacht, gegen das Bundesmeldegesetz zu verstoßen und nicht an seiner angegebenen Meldeadresse zu wohnen. Dies würde gegen das Wahlgesetz verstoßen. Das Gesetz verlangt, dass Kandidaten ihren Hauptwohnsitz an dem Ort haben, an dem sie kandidieren. Trotz dieser möglichen Verstöße legte die Stadt Gommern keinen Einspruch gegen Raus Kandidatur ein.[15][16]

Politik

Eintritt in die AfD und Ämter

Rau trat 2013 der AfD bei.

Er kandidierte bei den Hochschulwahlen der Hochschule Magdeburg-Stendal als Kandidat der AfD-nahen Hochschulgruppe „Campus Alternative“ für den Senat und den Studienrat.

Rau sitzt seit 2019 im Kreistag des Jerichower Landes sowie im Stadtrat der Gemeinde Gommern.[17] In Gommern ist er Mitglied des Bau- und Umweltausschusses, im Kreistag des Jerichower Landes ist er Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses sowie im Ausschuss für Bau, Wirtschaft und Verkehr.[18] Er sitzt zudem im Aufsichtsrat der AJL mbH und der NJL mbH.

Rau wird ab der ersten Sitzung am 6. Oktober 2026 die AfD in Landtag von Sachsen-Anhalt vertreten.[19][20]

Kreis- und Gemeindewahlen im Jerichower Land 2024

Bei den Kreis- und Gemeindewahlen im Jerichower Land am 9. Juni 2024 wurde Rau erneut in den Stadtrat der Gemeinde Gommern sowie in den Kreistag des Landkreises Jerichower Land gewählt.[21][22]

Im Rahmen der konstituierenden Sitzung des Kreistags des Jerichower Landes im Sommer 2024 trug Rau als Mitglied der AfD-Fraktion eine parlamentarische Zusammenarbeit mit der CDU mit. So wurde der CDU-Politiker und Landtagsabgeordnete Markus Kurze durch die Unterstützung der AfD-Fraktion zum Kreistagsvorsitzenden gewählt, während der AfD-Abgeordnete Jan Scharfenort im Gegenzug mit Stimmen der CDU zum ersten Stellvertreter bestimmt wurde. Darüber hinaus setzten beide Fraktionen gemeinsam eine deutliche Erhöhung der monatlichen Aufwandsentschädigungen für Kreistagsmitglieder von 150 auf 260 Euro sowie eine Aufstockung der Fraktionsmittel durch.[23] Rau stimmte für diese Erhöhungen und unterstützte zudem einen gescheiterten Vorstoß seiner Fraktion, der vorsah, die Anfahrtskosten zu den Kreistagssitzungen künftig ortsunabhängig aus Kreismitteln erstatten zu lassen. Das gemeinsame Abstimmungsverhalten von AfD und CDU stieß bei Vertretern von SPD, FDP, Linken, Grünen und lokalen Wählergemeinschaften auf scharfe Kritik und wurde von Kritikern als Bruch der sogenannten „Brandmauer“ bezeichnet.[24][25][26]

Bundestagswahl 2025

Beim Landesparteitag der AfD Sachsen-Anhalt in Magdeburg im Oktober 2024 konnte sich Rau gegen den Bundestagsabgeordneten Kay-Uwe Ziegler im Kampf um den aussichtsreichen Listenplatz 3 für die anstehende Bundestagswahl durchsetzen.

Der AfD Abgeordnete Daniel Roi äußerte auch Bedenken an der Kandidatur von Rau, er sagte, dass er den "Kandidaten für ungeeignet halten" aufgrund von Vorstrafen und Privatinsolvenz. Kurz darauf wurde Roi wie er vermutet auf Grund dieser Aussagen aus der AfD-Fraktion im Landtag ausgeschlossen.[27]

Rau wurde dennoch später aufgrund weiterer parteiinterner Bedenken kurz vor der Wahl wieder von der Landes-Liste für die Bundestagswahl gestrichen.[28]

Bürgermeisterwahl Gommern 2026

Bei der Bürgermeisterwahl in der Stadt Gommern am 22. März 2026 trat Rau als AfD Kandidat für das Amt des Bürgermeisters an. Er unterlag mit 12,9 Prozent der Stimmen deutlich dem parteilosen Amtsinhaber Jens Hünerbein, der mit 87,1 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt wurde. Die Wahlbeteiligung lag bei 63,5 Prozent.[29][30]

Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2026

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 trat Rau als Direktkandidat der AfD im Wahlkreis 23 (Zerbst) an, der unter anderem Gommern, Zerbst, Aken und das Osternienburger Land umfasst. Er gewann das Direktmandat mit 48,1 Prozent der Erststimmen (14.138 Stimmen) deutlich vor dem zweitplatzierten CDU-Kandidaten Jonas Döhring (26,3 Prozent) und nahm der CDU damit das Mandat in diesem Wahlkreis ab.[31][32][33][34]

US-Wahlkampf

Während des US-Wahlkampfs 2024 reiste Rau gemeinsam mit den AfD-Bundestagsabgeordneten Jan-Wenzel Schmidt und Kay Gottschalk nach Florida um die amerikanischen Republikaner beim Wahlkampf zu unterstützen. Zum Dank für die Hilfe beim Wahlkampf wurden die Politiker nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA in dessen Luxus-Golfresort Mar-a-Lago eingeladen. Hier posierte Rau gemeinsam mit Trump, dem als "Ketzer der Neuzeit" bekannten rechtsextremen Influencer Leonard Jäger, Fabrice Ambrosini (CDU) und Beat Ulrich Zirpel für ein gemeinsames Foto. Zuvor bezeichnete Trump die Gruppe als "meine deutschen Freunde".[35][36][37][38] Die britische Zeitung "The Guardian" bezeichnete Rau im Nachgang als "purported semi-professional, one-time porn actor, self-confessed former cocaine user, convicted thief and hard-right candidate for the German parliament".[39]

AfD-Vetternwirtschaftsaffäre

Im Rahmen der AfD-Vetternwirtschaftsaffäre, die ab Ende 2025 bundesweite mediale Aufmerksamkeit erlangte, wurde Rau als Teil eines informellen Netzwerks innerhalb der AfD Sachsen-Anhalt genannt, das intern als „Pokerrunde“ bezeichnet wird. Parteiinterne Kritiker, darunter der Bundestagsabgeordnete Jan-Wenzel Schmidt, warfen Mitgliedern dieser Gruppierung unter anderem Vetternwirtschaft, die gegenseitige Versorgung von Familienangehörigen mit Posten auf Staatskosten (sogenannte Überkreuzbeschäftigungen) sowie die missbräuchliche Abrechnung von Privatreisen vor. Medienberichten zufolge löste Raus Zugehörigkeit zu diesem Zirkel – insbesondere vor dem Hintergrund seiner juristischen Vorgeschichte – parteiintern Sorgen vor weiteren rufschädigenden Enthüllungen aus.[40][41][42][43]

Einzelnachweise

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