Pierre Guinand

französischer Ingenieur und hoher Beamter des Eisenbahnwesens From Wikipedia, the free encyclopedia

Pierre Marie Guinand (* 4. Februar 1876 in Lyon; † 15. August 1944 in Villeneuve-Saint-Georges) war Jurist, ein französischer Ingenieur, Angehöriger der Militärverwaltung und hoher Beamter des Eisenbahnwesens. Er wurde 1938 erster Präsident der neu gegründeten SNCF.

1936: Namensnennung als Präsident des Rechnungshofes

Familie

Pierre Guinand entstammt einer Familie von Händlern und Arbeitern. Der Beruf seines Vaters, Jean-François Guinand (1840–1885), wird mit Apprêteur angegeben, der seiner Großväter Pierre Guinand (1815–1886) als Négociant und Jean Chevallier (1802–1852) als Holzhändler. Er hatte einen Bruder, Jean Marie Guinand, von Beruf Schneider, dessen Lebensdaten nicht bekannt sind.

Pierre heiratete am 17. Oktober 1905 in Paris Marie Antoinette Geneviève Bénard (1880–1953), aus einer Akademikerfamilie. Geehrte Vorfahren ihrer Familie waren beispielsweise Paul Auguste Théodore Bénard, Doktor der Medizin, Charles Bénard, Professor für Logik und später für Philosophie am Lycée Charlemagne, der Rechtsanwalt Pierre Son Dumarais, Pierre Son-Dumarais, ein hoher Beamter der Registrierungsbehörde, Antoine Marie Demante, Doktor der Rechte, Rechtsanwalt, Professor für Zivilrecht an der Pariser Rechtsfakultät, Abgeordneter der Nationalversammlung und Ritter der Ehrenlegion, Amans Régis Panassié, Industrieller und Gabriel Demante, Archivar und Paläograph, Professor für römisches Recht an der Pariser Rechtsfakultät, Ritter der Ehrenlegion.[1] Das Paar hatte einen Sohn (1906–1924) und anschließend vier Töchter,[2] die zwischen 1908 und 1919 geboren wurden.[3] Als Wohnadresse ist die 5 Rue Saint-Jacques im 5. Arrondissment in Paris angegeben. 1936 hat die Familie nicht mehr in Paris gewohnt.[4] Pierre Guinands Adresse zu seinem Todeszeitpunkt ist die einer Pflegeeinrichtung, heute Teil des Centre Hospitalier Intercommunal Lucie & Raymond Aubrac.

Leben und Beruf

Nach seinem erfolgreichen Studium der Rechtswissenschaften besuchte er ab 1896 die École polytechnique. Ab 1. Oktober 1898 wurde er als Leutnant bei der Artillerie eingestellt und erhielt seine tournusmäßigen Beförderungen. 1912 wurde er stellvertretender Leiter des Heeresverwaltungskorps, 1915 Assistent des Leiters der Kontrollabteilung im Kriegsministerium, 1924 selbst dessen Leiter, aber noch im gleichen Jahr Generalsekretär des Kriegsministeriums. Zum 1. September 1936 wurde Guinand zum Präsidenten des Rechnungshofs ernannt, wo er bis zum 31. August 1937 blieb.[1]

Anschließend arbeitete er als Vorsitzender des Verwaltungsrats des SNCF und erarbeitete das Abkommen zwischen Staat und SNCF, beaufsichtigte die Zusammenlegung der Netze der fünf ehemaligen Bahngesellschaften (PLM, PO-Midi, État, Nord und Est) und verhandelte den Tarifvertrag für die Mitarbeiter.[1] Am 31. August 1937 unterzeichnete die Regierung unter Camille Chautemps das Dekret über die Gründung der Société nationale des chemins de fer français (SNCF). Noch am selben Tag wurde Guinand per Dekret zum Präsidenten des Verwaltungsrats der neuen Gesellschaft ernannt. Sein Wirken fiel in eine Zeit wirtschaftlicher und politischer Instabilität, die den Aufbau der SNCF erschwerte.[5]

Im März 1940 musste er seine Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen unterbrechen, wurde am 11. September 1940 von seinen Aufgaben entbunden und am 2. Oktober 1940 zum Ehrenvorsitzenden der SNCF ernannt. Am 8. April 1941 wurde er Ehrenpräsident des Rechnungshofs. Neben seinen gesundheitlichen Problemen machten ihm auch die politischen Umstände zu schaffen: Guinands Amtszeit endete 1940 nach der Niederlage Frankreichs im Westfeldzug. Der Waffenstillstand vom 22. Juni 1940 brachte das Unternehmen unter die Kontrolle der Besatzer, und im September 1940 entließ die Vichy-Regierung Pierre Guinand aus seinem Amt und der Verwaltungsrat der SNCF wurde mit Pierre-Eugène Fournier (1892–1972), einem Bankier, der intensiv an der Gründung der SNCF beteiligt war, neu besetzt.[6]

Pierre Guinand starb zehn Tage vor der Befreiung von Paris am 25. August 1944 und zwei Tage vor der Befreiung seines Wohnortes Villeneuve-Saint-Georges.[7]

Einzelnachweise

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