Pieter Rysbraeck
flämischer Landschaftsmaler
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Pieter Rysbraeck (* getauft am 25. April 1655 in Antwerpen; † 1729 in Brüssel), auch Rijsbrack, Rijsbraeck oder Rysbrack, war ein flämischer Landschaftsmaler und Radierer.[1]

Leben
Pieter Rysbraeck erhielt seine künstlerische Ausbildung bei dem Landschaftsmaler Philips Augustyn Immenraet, als dessen Lehrling er 1672/73 in der Antwerpener Lukasgilde registriert ist. In den Jahren 1675 bis 1678 war er in England tätig. Nach seiner Rückkehr wurde er als Meister in der Lukasgilde in Antwerpen geführt, begab sich jedoch bald darauf nach Paris, wo er sich etwa zehn Jahre lang aufhielt. Dort heiratete er Genoveva Compagnon, die Witwe des 1688 verstorbenen Antwerpener Bildhauers Philippe de Buyster. Aus dieser Ehe gingen drei Söhne hervor, die ebenfalls Künstler wurden: Pieter Andreas, John Michael und Gerard Rysbraeck. Die ersten beiden machten sich in England einen Namen. Um 1692 kehrte Rysbraeck aus Paris nach Antwerpen zurück, wurde Mitglied der Lukasgilde und 1713 Direktor der Akademie. Zu seinen Schülern zählte ab 1695 u. a. Karel Breydel. Nach dem Tod seiner Frau, die am 9. Oktober 1719 in Antwerpen begraben wurde, verlegte er 1720 seinen Wohnsitz nach Brüssel, wo er 1729 starb.[1]
Werk

Pieter Rysbraecks frühes Schaffen steht in der Tradition flämischer Landschaftsmaler wie Lodewyk de Vadder oder Jacques d'Arthois. Ein Beispiel hierfür ist eine frühe Landschaft mit wild wüchsigen Bäumen am Ufer eines Baches vor einem felsigen Bergmassiv, die sich ursprünglich in den Räumen der Antwerpener Lukasgilde befand. Seine reifen, italianisierenden Landschaften, die häufig mythologische oder biblische Szenen zeigen und im Hintergrund Motive der Antike wie Brunnen oder römische Stadtanlagen aufweisen, sind deutlich von der französischen Malerei, insbesondere von Jean François Millet II und Gaspard Dughet, beeinflusst. Eine Arkadische Landschaft mit Tempel befindet sich in Aschaffenburg.[1]
Gelegentlich arbeitete Rysbraeck mit anderen Künstlern zusammen, so mit den Stilllebenmalern Pieter Ykens und Jan Pauwel Gillemans dem Jüngeren. Überliefert ist zudem eine sechsteilige Stichfolge mit idealisierten Landschaften. Gemeinsam mit Norbert van Bloemen entwarf er eine Jagdserie mit Bären-, Hirsch-, Hasen-, Wildschwein-, Fuchs- und Wolfsjagd, die von verschiedenen Teppichknüpfereien in großformatige Wandbehänge umgesetzt wurde. Als Radierer schuf er sechs Landschaften mit Figurenstaffage. Viele Werke Rysbraecks befinden sich im Kunsthandel. Oft kommt es zu Verwechslungen mit seinem Sohn Pieter Andreas Rysbraeck, mit Gaspar de Witte oder mit Jean-François Millet.[1]
Literatur
- Rysbraeck, Pieter. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 29: Rosa–Scheffauer. E. A. Seemann, Leipzig 1935.
- Friedrich von Hollstein: Dutch and Flemish Etchings, Engravings and Woodcuts. Bd. 20, Rijksprentenkabinet, Amsterdam 1978.
- Walther Bernt: Die niederländischen Maler und Zeichner des 17. Jahrhunderts. Bd. 3, Bruckmann, München 1980.
- Paul Piron (Hrsg.): Dictionnaire des peintres belges. La Renaissance du Livre, Brüssel 1995.
- Jane Turner (Hrsg.): The Dictionary of Art. Bd. 27, Grove, London 1996.
- Arnout van der Willigen, Fred G. Meijer: A Dictionary of Dutch and Flemish Still-Life Painters Working in Oils 1525–1725. Primavera Press, Leiden 2003.
- Emmanuel Bénézit: Dictionnaire critique et documentaire des peintres, sculpteurs, dessinateurs et graveurs. Bd. 12, nouvelle édition, Gründ, Paris 2006.
- Pieter Groenendijk: Beknopt biografisch lexicon van Zuid- en Noord-Nederlandse schilders, graveurs, glasschilders, tapijtwevers et cetera van ca. 1350 tot ca. 1720. Primavera Press, Leiden 2008.
- Hans F. Schweers: Gemälde in deutschen Museen. Bd. 2, Saur, München 2008.
- Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 11: Pinchon – Rouck. Paris, 2006.
- Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. De Gruyter, 2009.