Pieter Wouwerman

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Pieter Wouwerman (* getauft am 13. September 1623 in Haarlem; † begraben am 9. Mai 1682 in Amsterdam) war ein niederländischer Maler und Zeichner des Goldenen Zeitalters. Er malte vorwiegend Stadt- und Landschaftsbilder mit Pferden und Reitern sowie Historiengemälde. Er war der Bruder der Maler Jan und Philips Wouwerman sowie der Halbbruder von Pieter Wouwerman I.[1]

Pieter Wouwerman: Landschaft mit Apfelschimmel. Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam

Leben

Pieter Wouwerman war der dritte Sohn des Haarlemer Malers Pauwels Joostenzoon (* zwischen 1580 und 1585; † 1642) und der Sohn von Susanna van den Bogaert, der vierten Ehefrau seines Vaters. Aus dieser Verbindung stammten seine Brüder Philips Wouwerman (getauft am 24. Mai 1619, begraben am 23. Mai 1668) und Jan Wouwerman (1629–1666). Ein älterer Halbbruder väterlicherseits war Pieter Wouwerman I. (geboren um 1617 in Beverwijk, gestorben am 29. März 1643 in Paris). Von ihm sind keine Werke bekannt.[1]

Pieter Wouwerman absolvierte seine Ausbildung wahrscheinlich beim Vater. Das RKD verzeichnet zudem seinen Bruder Philips und den Haarlemer Landschaftsmaler Roelant Roghman (1627–1692) als seine Lehrer. Am 6. November 1646 wurde er als Mitglied in die Lukasgilde zu Haarlem eingetragen. In den folgenden Jahren arbeitete er vermutlich in der Werkstatt seines damals außerordentlich erfolgreichen Bruders Philips. Urkundlich ist er 1650 an der Bakenessergracht und 1654 in der Zijlstraat in Haarlem wohnhaft. Am 23. August 1654 heiratete er Hendrickje Havermans in Velsen. Zwischen März 1657 und September 1659 verlegte er seinen Wohnsitz nach Amsterdam, wo er bis zu seinem Tod blieb.[1]

In seinen späteren Lebensjahren geriet Wouwerman in finanzielle Schwierigkeiten. Laut AKL versuchte er, von seinem angeheirateten Neffen Hendrik de Fromantiou Geld für ein Gemälde zu erhalten, das eine Reiterschlacht mit dem Kurfürsten von Brandenburg auf einem weißen Pferd darstellen sollte und bei ihm in Auftrag gegeben worden war. Fromantiou (um 1633/34–nach 1694) war als Hofmaler des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm tätig. Er hatte 1672 Ludowica (Ledewina) Wouwerman, eine Tochter des verstorbenen Bruders Philips, geheiratet. Pieter Wouwerman wurde auf dem Leidse Kerkhof in Amsterdam beigesetzt.[1]

Werk

Pieter Wouwerman nach Philips Wouwerman (1619–1668): Der Zusammenstoss, 1680. Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Das überlieferte Œuvre Pieter Wouwermans umfasst eine vergleichsweise geringe Zahl von Gemälden. Der Dulwich-Katalog[2] konstruierte auf der Grundlage stilistischer Zuschreibungen ein Œuvre von etwa zwanzig Werken. Kein Gemälde wurde ihm ohne Vorbehalt definitiv zugewiesen, da die Zuschreibungen auf Werken beruhen, die dem Stil seines Bruders Philips nahestehen, aber nicht von diesem stammen. Laut AKL signierte Wouwerman mit dem Monogramm P. W.[1]

Thematisch und stilistisch steht sein Werk in engem Verhältnis zur Produktion seines Bruders Philips: Vorherrschend sind Stadt- und Landschaftsbilder, in denen Szenen mit Pferden und Reitern als Staffage auftreten. Charakteristisch für seine Kompositionen ist eine besonders dichte Figurenfüllung. Laut AKL gelten das Gemälde Ruhende Jäger (London), der Pferdemarkt in Valkenburg (Berlin, Schloss Charlottenburg) und die Landschaft mit einem Reitertrupp (Rom, Palazzo Corsini) als überzeugend zugeschrieben. Unter den datierten Werken ist das Gemälde Pferdemarkt in Delft von 1665 (Museum Het Prinsenhof, Delft) zu nennen. Zu den historischen Ereignisdarstellungen zählen Frederik Hendrik bei der Übergabe von Maastricht im Jahr 1632 und Die Erstürmung von Coevorden im Jahr 1672 (beide im Rijksmuseum in Amsterdam). Das Gemälde Festliches Treiben außerhalb der Stadtmauern befindet sich im Frans Hals Museum in Haarlem.[2]

Die Malweise Pieter Wouwermans wird in der Forschung als lockerer beschrieben als die seines Bruders Philips, bei dem eine verfeinerte, deckende Pinselführung vorherrschend ist. Neben Gemälden ist eine Zeichnung mit dem Monogramm P. W. überliefert. Sie befindet sich im Liber Amicorum des Russlandreisenden und Kaufmanns Isaac Massa in der Königlichen Bibliothek in Den Haag.[1]

Literatur

  • Arnold Houbraken, De groote schouburgh der Nederlantsche konstschilders en schilderessen, Bd. 2, Amsterdam, 1719.
  • Birgit Schumacher, Philips Wouwerman (1619–1668). The Horse Painter of the Golden Age, Davaco, Doornspijk, 2006.
  • Bob Haak, Hollandse schilderkunst in de Gouden Eeuw, Meulenhoff/Landshoff, Amsterdam, 1984.
  • C. J. Gonnet, [Beitrag zu Wouwerman], in: F. D. O. Obreen (Hrsg.): Archief voor Nederlandsche kunstgeschiedenis, Bd. 7, Rotterdam, 1888–1890, S. 118–126.
  • Irene van Thiel-Stroman, Paintings in Haarlem 1500–1850. The Collection of the Frans Hals Museum, Ludion, Gent, 2006, S. 361–363.
  • Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. Herausgegeben von De Gruyter, Verlag De Gruyter, 2009
  • Saskia L. Levert, Étrangers, mais habitués en cette ville de Paris. Les artistes néerlandais à Paris (1550–1700), une prosopographie, Dissertation, Universiteit Utrecht, Utrecht, 2017.

Einzelnachweise

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