Roelant Roghman

niederländischer Zeichner, Radierer, Maler und Verleger From Wikipedia, the free encyclopedia

Roelant Roghman (auch Rochman, Rogman oder Roeland Roghman; getauft am 15. März 1627 in Amsterdam, begraben am 3. Januar 1692 ebenda) war ein niederländischer Zeichner, Radierer, Maler und Verleger des 17. Jahrhunderts.[2]

Jan Stolker (1724–1785) nach Gerbrand van den Eeckhout (1621–1674), Porträt des Künstlers Roelant Roghman, Zeichnung, um 1770. Universität Leiden, Leiden[1]

Leben

Roeland Roghman entstammte einem kunstsinnigen Amsterdamer Milieu. Sein Vater war der Kupferstecher Hendrick Lambertsz. Seine Mutter war eine Tochter des Malers Jacob Savery I., und der Maler Roelant Savery war ein Großonkel der Geschwister. Er wuchs mit fünf Geschwistern auf, darunter seine Schwestern Geertruydt Roghman (getauft am 19. Oktober 1625 in Amsterdam, gestorben im Dezember 1657 ebenda) und Magdalena Roghman (getauft am 30. Januar 1632, gestorben nach 1669), die beide als Kupferstecherinnen tätig waren. In den Jahren 1646 und 1647 bereiste er die Provinzen Nord- und Südholland, Utrecht und Gelderland und fertigte dabei insgesamt 250 großformatige Zeichnungen von Burgen, Schlössern und Herrenhäusern an. Als möglicher Auftraggeber gilt der Ratspensionär und Sammler Adriaan Pauw, Grundherr von Heemstede. Das in drei Bänden gebundene Konvolut befand sich später im Besitz des Sammlers Cornelis Ploos van Amstel, der es um 1800 veräußerte. Daraufhin wurden die Zeichnungen verstreut. Dem Konvolut war eine Porträtzeichnung von Jan Stolker vorangestellt, die Roghman mit einer Zeichnung in der Hand neben seinen drei Kunstbänden vor einer Architekturkulisse zeigt. Laut einer Notiz auf der Rückseite geht dieses Bildnis (entstanden um 1770, heute in Leiden) auf ein gemaltes Porträt von Roghmans Freund Gerbrand van den Eeckhout zurück. Dieses gilt heute als verloren.[2]

Spätestens im Jahr 1654 unternahm Roeland Roghman eine Reise über die Alpen nach Italien. Eine signierte und datierte Alpenlandschaft aus dem Jahr 1654, die sich in Rotterdam befindet, belegt diesen Aufenthalt. In Venedig zeichnete er die Kirche San Giacomo di Rialto und in der Nähe von Lyon in Frankreich eine Brücke in Francheville. Am 9. und 30. August 1657 entstanden in Augsburg eine Dorflandschaft und eine Stadtansicht. Im selben Jahr publizierte der Augsburger Verleger Jeremias Wolff acht Stiche Roghmans mit Berglandschaften. Laut Arnold Houbraken (1718) konnte Roghman nur auf einem Auge sehen. Er war mit Rembrandt befreundet und Lehrer von Jan Griffier dem Älteren sowie Pieter Wouwerman. Zu seinen engen Freunden zählte auch Gerbrand van den Eeckhout, ein Schüler Rembrandts, der wie Roeland Roghman Junggeselle blieb.[2]

Werk

Geertruyt Roghman und Roelant Roghman: Landschaft am Zuidersee, Radierung. Statens Museum for Kunst, Kopenhagen

Roeland Roghman ist vor allem als topographischer Zeichner bekannt. Seine systematische Aufnahme der Wohnsitze des niederländischen Adels in den Provinzen besitzt einen außerordentlich hohen dokumentarischen Wert in der niederländischen Kunst- und Kulturgeschichte, da viele der dargestellten Bauwerke heute nicht mehr existieren oder nicht mehr in ihrem ursprünglichen Zustand sind. Von den 250 Zeichnungen aus den Jahren 1646 und 1647 sind noch 222 erhalten. Der Großteil davon befindet sich heute in Amsterdam und Haarlem. Roeland Roghman zeichnete auch die unmittelbare Umgebung Amsterdams, darunter Mühlen, sowie eine vogelperspektivische Ansicht von Brügge vom Belfried, die sich heute in Rotterdam befindet.[2][3]

Zwischen 1645 und 1650 schuf Roeland Roghman gemeinsam mit seiner Schwester Geertruydt eine Folge von 14 Radierungen mit Dorflandschaften aus der Umgebung von Amsterdam. Die Werke wurden unter dem Titel Plaisante Lantschappen von Claes Jansz Visscher herausgegeben. Darüber hinaus stach und radierte er den Dammbruch bei Amsterdam (1651) sowie Dorf- und Stadtansichten in Nord- und Südholland. Neben topographischen Zeichnungen widmete er sich auch nicht-topographischen Wald- und Berglandschaften, die vermutlich durch seine Italienreise angeregt wurden. Die Gemälde, von denen keines datiert ist und deren Chronologie daher schwierig zu bestimmen ist, umfassen insgesamt etwa 35 überlieferte Werke. Ein frühes Werk scheint die im Stil von Jan van Goyen gehaltene Holländische Dünenlandschaft mit Wagen (Öl auf Leinwand, signiert, Leipzig, Museum der bildenden Künste) zu sein. Nach seiner Rückkehr aus Augsburg entstanden baumbestandene, kontrastreich beleuchtete Landschaftsgemälde mit Bergen, Tälern und Wasserfällen, die mit lockerem Pinselstrich und blauen sowie orangeroten Farbnuancen ausgeführt sind. Laut älterer Forschung leitet sich sein malerischer Stil von Hercules Segers und Jan de Momper ab. Eine enge Verbindung zum Maler Gerbrand van den Eeckhout ist auch stilgeschichtlich fassbar. So malte van den Eeckhout im Jahr 1663 eine Berglandschaft im Stil Roghmans.[2]

Geertruydt Roghman, die ältere der beiden Schwestern, wurde neben ihrer Mitarbeit an der Plaisante-Lantschappen-Folge vor allem durch eine eigenständige Folge bekannt.[1] Diese stellt häusliche Tätigkeiten von Frauen dar und wird in der Literatur unter Titeln wie Frauen im Interieur oder Weibliche Aufgaben geführt. Die Folge wurde bis weit ins 18. Jahrhundert hinein mehrfach neu aufgelegt (fünf Radierungen bzw. Kupferstiche). Die weiblichen Figuren sind von häuslichen Attributen umgeben und mit Tätigkeiten wie Nähen, Kochen, Spinnen und Putzen beschäftigt. Insgesamt sind 23 Stiche von ihrer Hand überliefert, darunter der Kindermord in Bethlehem für eine großformatige Bibel von Claes Jansz Visscher. Dieser basiert auf einem Stich von Aegidius Sadeler nach einem Gemälde von Jacopo Tintoretto. Ein weiterer Stich ist ein Porträt von Roelant Savery, das auf einem Gemälde von Paulus Moreelse aus dem Jahr 1647 basiert. Von der jüngeren Schwester Magdalena Roghman sind lediglich zwei Stiche aus dem Jahr 1650 bekannt: die Titelseite und das Frontispiz zu Jan Baras’ Theaterstück Herstelde Vorst.[2]

Werke (Auswahl)

Literatur

  • Alfred von Wurzbach: Niederländisches Künstlerlexikon. Halm und Goldmann, Wien/Leipzig, 1910.
  • Arnold Houbraken: De groote Schouburgh der Nederlantsche konstschilders en schilderessen. Amsterdam, 1718.
  • F. W. H. Hollstein: Hollstein’s Dutch and Flemish Etchings, Engravings and Woodcuts 1450–1700. Roosendaal, 1978.
  • Horst Gerson: Ausbreitung und Nachwirkung der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. Amsterdam, 1942 (2. Auflage 1983).
  • H. Dattenberg: Niederrheinansichten holländischer Künstler des 17. Jahrhunderts. Essen, 1967.
  • H. W. M. van der Wyck, J. W. Niemeyer, De kastelen van Roeland Roghman. Alphen aan den Rijn, 1989.
  • Jane Turner (Hrsg.): The Dictionary of Art. Grove, London, 1996.
  • Michiel C. Plomp: The Dutch Drawings in the Teyler Museum. Davaco, Doornspijk, 1997.
  • P. Beelaerts van Blokland: Roeland Roghman, dessinateur de châteaux en Hollande. Den Haag, 1940.
  • T. Laurentius u. a.: Cornelis Ploos van Amstel. Van Gorcum, Assen, 1980.
  • Roghman, Roelant. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 28: Ramsden–Rosa. E. A. Seemann, Leipzig 1934.
  • Werner Sumowski: Drawings of the Rembrandt School. Abaris Books, New York, 1983 und 1992.
  • W. T. Kloek, J. W. Niemeyer: De kastelen van Roeland Roghman. Canaletto, Alphen aan den Rijn, 1990.
  • Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 11: Pinchon – Rouck. Paris, 2006.
  • Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. De Gruyter, 2009.

Einzelnachweise

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