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Planetarium Bochum

Planetarium in Bochum, Nordrhein-Westfalen From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Planetarium Bochum gehört zu den meistbesuchten Sternentheatern in Europa. Es steht in der Nähe des Ruhrstadions am nordöstlichen Rand der Innenstadt von Bochum im Ruhrgebiet. Das Planetarium wurde im Jahr 1964 als erstes deutsches Großplanetarium der Nachkriegszeit erbaut.[1] Es steht seit 2005 unter Denkmalschutz.[2]

Planetarium Bochum

Veranstaltungen

Galerie des Planetarium, 2025

Das runde Gebäude beherbergt einen großen Vorführungssaal, in dem die Reihe nach hinten klappbarer Stühle um einen Hauptprojektor angeordnet sind. Die Decke ist die Projektionsfläche. Eine Art Galerie umrundet den Saal. In einem Nebengebäude befinden sich weitere Einrichtungen für den Betrieb des Planetariums.

Zum Programm des Planetariums gehören wissenschaftliche Vorträge, Präsentationen zu astronomischen und anderen Themen sowie Kindervorführungen. Weiterhin gibt es beliebte künstlerische Veranstaltungen mit Konzerten oder musikalischen Programmpunkten unter dem Sternenzelt. Es finden in jedem Jahr über 2400 Veranstaltungen statt. Öfter wurde die Marke von 300.000 Besuchern überschritten. Im Jahr 2024 wurde das Bochumer Planetarium von etwa 350.000 Menschen besucht.[3]

Geschichte

Historischer Projektor, Bild aus den 1980er Jahren

Die Initiative zum Bau eines Planetariums in Bochum geht auf den Gründer der Sternwarte Bochum, Heinz Kaminski, zurück. Zu den Erfolgen des Chemieingenieurs Kaminski als Sternwartenleiter sowie Weltraum- und Umweltforscher gehören etwa der Empfang der Signale des ersten Satelliten Sputnik außerhalb der Sowjetunion zu einem frühen Zeitpunkt und die Ausnutzung medialen Interesses sowie frühe Beiträge in der satellitengestützten Klimaforschung. Er fungierte häufig als Experte für Satelliten- und Weltraumforschung in den Medien.

Die Planungen zur Errichtung eines Großplanetariums in Bochum wurden auf Betreiben des auch in der Lokalpolitik aktiven Kaminskis Anfang der 1960er Jahre konkretisiert. In der Zeit wurden um den Bochumer Stadtpark öffentliche Kulturbauten geplant. Das Gebäude wurde nach einem Entwurf des städtischen Leiters des Bauamtes, Karl-Heinz Schwarz, in den Jahren 1962–1964 errichtet. Bauherr und noch heutiger Besitzer ist die Stadt Bochum. Die Eröffnung erfolgte am 6. November 1964.[4]

Das Planetarium war eine von drei Abteilungen der Sternwarte Bochum. Ab 1968 gab es das Institut für Weltraumforschung der Stadt Bochum mit den Abteilungen Planetarium, dem Institut für Weltraumforschung (Sternwarte) in Sundern und der Astronomischen Beobachtungsstation an der Schillerschule in Wiemelhausen. Kaminski fungierte als erster Leiter. Die Sternwarte wurde im Jahr 1982 ausgegliedert.[4]

Am 10. November 1976 konnte der 1.000.000. Besucher vom Planetariumsleiter Joachim Prölss begrüßt werden.

Das Planetarium wurde ab 1986 von Astrophysiker Johannes Feitzinger übernommen, der das Bochumer Planetarium bis 2004 leitete. In den Jahren 1986 und 1987 wurde die Kuppel, der Projektor generalüberholt und die Steuerung auf PC umgestellt. Außerdem wurden weitere Neuerungen installiert.[4]

1995 wurde der „Freundeskreis Planetarium e. V.“ zur ideellen und materiellen Unterstützung des Planetariums von Feitzinger gegründet. 1999/2000 wurde der bisherige Projektor Universarium IV gegen den bis heute modernsten Sternenprojektor der Welt, das technisch wesentlich fortschrittlichere Modell Universarium Starball IX, ausgetauscht.[4]

Seit 2004 leitet die Astrophysikerin Susanne Hüttemeister das Planetarium.

Das Planetarium wurde 2005 aufgrund seiner Bedeutung für die Entwicklung von Planetarien sowie als Dokument der städtebaulichen und architektonischen Aufbruchstimmung unter Denkmalschutz gestellt.[2] Im Europäischen Kulturerbejahr 2018 wurde es von der Baukultur Nordrhein-Westfalen als Big Beautiful Building, als bedeutendes Beispiel der Architektur der 1950er bis 1970er im Ruhrgebiet, ausgezeichnet.[5]

Im Jahr 2010 wurden maßgebliche technische Erneuerungen vorgenommen und eine digitale Ganzkuppelprojektionsanlage FullDome Powerdome von der Firma Zeiss installiert.[4]

In der jüngeren Geschichte des Hauses wurde das Programmangebot erheblich erweitert. Seit 2004 hat sich die jährliche Besucherzahl des Planetariums mehr als verdoppelt.

Technische Ausstattung

Projektor Universarium IX von Zeiss

Das Bochumer Planetarium verfügt über eine umfangreiche technische Ausstattung zur audiovisuellen Bespielung der mit 251 Sitzplätzen ausgestatteten Kuppel mit 20 Metern Durchmesser.

Der zentrale Sternprojektor Universarium IX wurde zuletzt 2018 technisch runderneuert und dessen zentrale Beleuchtungseinheit durch lichtstarke LED ersetzt. Mittels des Projektors wird der Sternenhimmel so naturgetreu abgebildet, dass das Bochumer Planetarium auch von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) im Rahmen des Astronautentrainings eingesetzt wurde.[6] Der Projektor zählt zu den modernsten Sterneprojektoren der Welt.[4]

Die digitale Ganzkuppelprojektion (sog. Fulldome) wird mittels elf Zeiss-Velvet-LED-Projektoren realisiert. Diese Projektoren zeichnen sich durch einen besonders hohen Kontrastraum aus, wodurch ein Zusammenspiel des analogen Sternprojektors und der digitalen Projektion ohne Beeinträchtigung der Sternprojektion ermöglicht wird.[7]

2017 wurde das Planetarium um ein Raumklang-System des Typs „Spatial Sound Wave“ des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie (IDMT) erweitert. Neben dem Einsatz in einem Teil der regulären Planetariumshows wird das System unter anderem auch zur Aufführung von aufwändig für dieses System produzierten Hörspielen genutzt.[8]

Um den Projektionssaal herum befindet sich ein umlaufender Gang, in dem Dauer- und Wechselausstellungen untergebracht werden.

Programmatik

Kuppelsaal des Planetariums mit einer Projektion

Das in der Anfangszeit vorwiegend auf den Sternenhimmel ausgerichtete Programmangebot des Planetariums hat im Laufe der Zeit zunächst eine Auffächerung hinsichtlich der im Planetarium behandelten wissenschaftlichen Themenfelder erfahren. Themen aus Astrophysik, Geowissenschaften und Biologie ergänzten das Programm. Veranstaltungen, die nicht vorwiegend der naturwissenschaftlichen Bildung dienten, wurden vergleichsweise selten durchgeführt.

Heute zeigt das Planetarium ein vielfältiges wissenschaftlich bildendes Programm, das nach wie vor das Universum, aber auch die Erde und die Umweltbildung in den Mittelpunkt stellt. Parallel dazu wird ein ebenso breitgefächertes kulturelles Programm angeboten, das neben Musikshows und Hörspielen auch regelmäßig Liveaufführungen wie Konzerte, Lesungen und Performances umfasst. Dies entspricht einer modernen Interpretation des Planetariums als Begegnungsort von Wissenschaft und Kunst.

Das Planetarium Bochum ist Koordinationsstelle im Bochumer MINT-Bildungscluster, einem Verbund, dessen Ziel es ist, (außer-)schulische Lernorte entlang der gesamten Bildungskette mit Partnern aus Hochschulen und Industrie zusammenzuführen. Ebenfalls ist das Planetarium Bochum Teil des ESERO Deutschland Konsortiums, einem von der Europäischen Weltraumbehörde (ESA) organisiertem Verbund aus mehreren Partnern wie dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), der Ruhr-Universität Bochum, der Universität Bonn u. a. in dem über geeignete Outreach-Maßnahmen junge Menschen für MINT-Studien und Karrieren gewonnen werden sollen.[9]

Das Planetarium ist als „Hotspot immersiver Livekultur“ Teil der strategischen Entwicklung der Stadt Bochum. In diesem Rahmen wird das Planetarium als immersiver Medienraum zur Durchführung von vorwiegend kulturellen Veranstaltungen unter den Gesichtspunkten künstlerischer medialer Immersion und gemeinschaftlich erlebbarer virtueller Realität genutzt.[10]

Zahlreiche namhafte Wissenschaftler und Künstler haben im Bochumer Planetarium vorgetragen beziehungsweise sind dort aufgetreten. Hierzu zählen: Jesco von Puttkamer, Harald Lesch, Samantha Cristoforetti, Frank Schätzing, ATB, Tangerine Dream und Dr. Motte.

Trivia

Der Kuppelsaal des Planetariums ist eines der Trauzimmer der Stadt Bochum. Hier kann man unter dem Sternenhimmel heiraten.[11]

Einzelnachweise

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