Polizeihubschrauberstaffel Rheinland-Pfalz

Luftunterstützungseinheit der Polizei Rheinland-Pfalz From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Polizeihubschrauberstaffel Rheinland-Pfalz (PHuSt) mit Sitz in Winningen bei Koblenz ist die Luftunterstützungseinheit der Polizei Rheinland-Pfalz. Sie ist dem Polizeipräsidium Einsatz, Logistik und Technik unterstellt und besteht im Jahr 2026 aus zwei Polizeihubschraubern des Typs H145 D-3.[1]

Gründungsjahr 1974
Anzahl 4
Typ 2× H145 D-3

2× EC135 P2

Schnelle Fakten Organisation, Standort ...
Polizeihubschrauberstaffel Rheinland-Pfalz
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DeutschlandDeutschland PHuSt Rheinland-Pfalz
Organisation
Standort Flugplatz Koblenz-Winningen
Gründungsjahr 1974
Flottenbestand
Anzahl 4
Typ 2× H145 D-3

2× EC135 P2

Konfigurationen EOS, Winde/Außenlast, Transporter
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Geschichte

Die Landesregierung in Mainz entschloss sich als derzeit letztes Bundesland zur Errichtung einer Polizeihubschrauberstaffel. Das Netz aus Bundesautobahnen (A6 Saarbrücken-Kaiserslautern-Ludwigshafen / A46 Trier-Montabaur / A60 Mainz-Bingen / A61 Speyer-Mainz-Köln / A63 Alzey-Mainz) erweiterte sich damals. Die Entwicklung des Landes im wirtschaftlichen Bereich, das Wachstum des Individualverkehrs und die geografische Lage als Transitland für Touristen nach Frankreich beförderten den Ausbau der Verkehrswege. Auch der Güterverkehr aus den Nachbarländern Belgien, Luxemburg und Frankreich, sowie die Belange der inneren Sicherheit machten eine Überwachung aus der Luft erforderlich.

1973 wurden nach der Beendigung der Vorplanungsarbeiten sieben Polizeivollzugsbeamte der Schutzpolizei zur Ausbildung als Hubschrauberführer, als Bordwart und Navigator zur Grenzschutzflieger-Gruppe des Bundegrenzschutzs nach Hangelar entsandt. Die Angehörigen der Polizei-Hubschrauberstaffel Rheinland-Pfalz kamen aus allen Bereichen des polizeilichen Dienstes.

Die Schwierigkeiten der Aufbauzeit erstreckten sich praktisch auf allen Gebieten der Infrastruktur, personelle- und materielle Planung, Standortgegebenheiten, Art und Umfang der Einsätze usw. Durch konzertierte Arbeitsleistung war es doch nach relativ kurzer Zeit möglich, die Staffel als eine Landespolizeidienststelle einzurichten, die alle Voraussetzungen zum geregelten flug- und Wartungsbetrieb hatte.[2]

Die Staffel wurde offiziell im April 1974 am Flugplatz Worms in einem Bürogebäude gegründet. Die zwei bestellten Hubschrauber des Typs MBB Bo 105 waren zum Zeitpunkt der Gründung noch in der Fertigung beim deutschen Hersteller Messerschmitt-Bölkow-Blohm in Ottobrunn in Oberbayern.[1]

MBB Bo 105 mit dem Kennzeichen D-HAYE

Alle Beteiligten, vom Dienststellenleiter bis zum technischen Mitarbeiten warteten auf den ersten eigenen Hubschrauber. Die Indienststellung der ersten Polizeihubschrauber des Landes Rheinland-Pfalz erfolgte nun am 6. Juni 1974 (Kennzeichen D-HAYA) und am 25. Februar 1975 (Kennzeichen D-HAYE). Die erste Unterkunft der „PHuSt Rheinland-Pfalz“ befand sich auf dem Verkehrslandeplatz der Stadt Worms. Nur in einem Holzhaus, aber eine eigene Dienststelle. Im Mai 1974 erfolgte die Verlegung der Staffel nach Winningen an der Mosel. Organisatorisch war die Polizei-Hubschrauberstaffel der Bezirksregierung Koblenz unterstellt und sachlich sowie örtlich im gesamten Bundesland Rheinland-Pfalz zuständig.

Der Entschluss zur Verlegung der Staffel auf den Verkehrslandeplatz Winningen basierte auf den speziellen Einrichtungen und Räumlichkeiten, die für einen Flugbetrieb mit Hubschraubern erforderlich waren. Dort waren diese Voraussetzungen am besten erfüllt. Nicht nur die technischen und räumlichen Voraussetzungen, sondern auch die geographische Lage. Der Verkehrslandeplatz Winningen liegt ca. 3 km südwestlich von Koblenz, eine der damals größten Bundeswehr-Garnisonsstädte der Bundesrepublik Deutschland und Verkehrsknotenpunkt am Rhein-Mosel-Lahn-Gebiet.

Von der zentralen Lage dieses Stützpunktes Winningen können die Einsatzpiloten mit den Hubschraubern an jeden Einsatzort des Landes Rheinland-Pfalz mit einer Flugzeit von ca. 45 Minuten gelangen. Der Hubschrauber-Besatzung bleibt so eine Einsatzzeit von ca. 3 Stunden, bis eine Betankung notwendig wird. Da Rheinland-Pfalz von einem Netz von kleineren Militärflugplätzen überzogen ist, bestanden noch weitere 13 Möglichkeiten die Polizei-Hubschrauber zu betanken.

Wappen der Polizeihubschrauberstaffel

Rheinland-Pfalz befand sich zudem in der angenehmen Lage von den jahrelangen Erfahrungen der bestehenden Polizei-Hubschrauberstaffeln anderen Bundesländern zu profitieren. Die Polizeihubschrauberstaffel Bayern unterstütze tatkräftig die ersten Versuche. Mit einer etwa siebenwöchigen Unterweisung machten bayerischen Kollegen und natürlich auch Fachleute von MBB die jungen Nachwuchs-Piloten und Bordwarte mit den neuen MBB Bo 105 vertraut.

Im Oktober 1975 übernahm ein weiterer Angestellter die Lagerverwaltung des luftfahrttechnischen Betriebs. Bereits Ende 1975 wurde bei einem Flottenbestand von zwei Hubschraubern durchschnittlicher Klarstand von 78,5 Prozent erreicht. Zwischen April 1976 und März 1977 kamen zwei neue Beamten in die Staffel, die in Baden-Oos bei der Firma Motorflug und beim Bundesgrenzschutz zu Hubschrauberpiloten ausgebildet wurden.

Die Staffel wagte sich auf das Gebiet der Flächenflugzeuge und testete für etwa zwei Wochen eine zweimotorige Partenavia P38 Observer (Kennzeichen D-GERD) für eventuelle Verwendung im Polizeiflugdienst. Die Maschine war bekannt für ihre verglaste Bugnase, die eine helikopterähnliche Sicht nach unten ermöglichte. Der Test verlief negativ.

Im November 1978 erhielt die Staffel die dritte Bo 105 (Kennzeichen D-HAYI). Bei dieser Maschine handelte es sich um die Version CBS mit etwas längerer Kabine.

Am 18. Juni 1981 wurden 10.000 Flugstunden in der Staffel erreicht. Einen Monat später sammelte die Bo 105 mit dem Kennzeichen D-HAYA die 5000ste Flugstunde.

1986 bestand die Staffel aus 5 Piloten, 4 Bordwarten und 5 Zivilangestellten. In den ersten zwölf Jahren der Staffel wurden etwa 5.500 Einsätze mit etwa 13.000 Flugstunden absolviert. Dabei wurden 2,3 Mio. Flugkilometer nahezu unfallfrei geflogen. Etwa ein Drittel der Flugstunden wurden als normale Luftstreife geflogen.

Zu den Hauptaufgabengebieten gehörte die Verkehrsüberwachung, der Umweltschutz und insbesondere der Gewässerschutz bei rund 598 Flusskilometern (Rhein-Mosel-Lahn). Bei Letzterem ist eine intensive Zusammenarbeit mit der Wasserschutzpolizei damals wie heute erforderlich.[2]

EC135 D-HRPB in Luxemburg Juli 2005

2002 wurde die erste Eurocopter EC 135 mit dem Luftfahrzeugkennzeichen D-HRPA in die Staffel aufgenommen. Damit wurde mit der Ablöse der Bo 105 begonnen. In der EC135 konnten neben zwei Personen Flugbesatzung bis zu fünf weitere Einsatzkräfte transportiert werden. Die Maschinen konnten auch nachts eingesetzt werden und verfügten über eine Reichweite von maximal 615 Kilometer. Die zweite EC 135 folgte 2004 mit dem Kennzeichen D-HRPB.

D-HRPB in blau statt grün lackiert

Als mitgeführte Ausrüstung konnte ein kreiselgestütztes Kamerasystem mit einer hochauflösenden Kamera und eine Wärmebildkamera des Typs FLIR (Forward Looking Infrared) am Kufenlandegestell der EC135 angebracht werden. Die Kamera ist nicht fest installiert und kann bei Bedarf in kurzer Zeit abgebaut werden. Ferner verfügt der Hubschrauber über eine Fotoausrüstung und 1.600 Watt starke Suchscheinwerfer vom Typ SX 16 Nightsun für den Einsatz in der Dunkelheit. Vornehmlich am Landegestell der Hubschrauber befestigt, können weitere Sonderausrüstungen mitgeführt werden, z. B. Transportlasten an speziellen Außenlasthaken oder Feuerlöschbehälter zum Aufnehmen und Abregnen von Wasser über Brandstellen.

Zur sicheren Durchführung eines Nachtfluges werden unter Einsatzbedingungen Bildverstärkerbrillen an den Helmen der Besatzung angebracht, die die Flugsicht in der Dunkelheit ermöglichen.

Polizeihubschrauber D-HRPA

Es gab 2016 Überlegungen und Planungen für eine Zusammenlegung mit der Polizeifliegerstaffel Hessen in Egelsbach. Nach monatelanger Abwägung wurden die Überlegungen verworfen. Es sprach mehr für den Verbleib des Stützpunktes mit 36 Bediensteten (davon 24 Polizeibeamte) in Winningen. Die gute Zusammenarbeit mit den Kollegen in Hessen, mit gegenseitigen Einsätzen, sollte dafür weiter ausgebaut werden. Zusammen standen fünf Hubschrauber (Zwei EC135 und drei EC145) und ein Flächenflugzeug (P68 Observer) zur Verfügung. Die hessischen und rheinland-pfälzischen Hubschrauber unterscheiden sich in Größe und Technik, mit ein Grund, dass die Zusammenlegung in Egelsbach scheiterte. Auch die Liegenschaften in Egelsbach, die einen Umbau und hohe Investitionen erforderlich machen würden, waren ein ausschlaggebender Grund. Der damalige Leiter der Hubschrauberstaffel Ralf Schmitz bezeichnete das Einsatzmanagement mit Hessen als optimal. Die Kooperation sollte vertieft werden. Die beiden Staffeln planten eine Bereitschaft an Sonn- und Feiertagen. Telefonisch stimmt sich die Winninger Staffel mit Hessen über Personal und Material ab, fünf Maschinen waren ein besseres Potenzial, um schneller und besser mehr Einsätze fliegen zu können. Dies war ein guter Grund für das Verbleiben der Polizeihubschrauberstaffel in Rheinland-Pfalz. Positiv für den Erhalt der Staffeln an ihren Standorten ist auch deren zentrale Lage, von wo aus die Einsätze in den jeweiligen Bundesländern optimal geflogen werden können.[3]

D-HRPA im Mai 2014

Bei der Flutkatastrophe im Ahrtal vom 14. bis 17. Juli 2021 konnten die beiden Polizeihubschrauber der Staffel nur bedingt helfen, da sie nicht mit einer Rettungswinde ausgestattet waren. Es mussten daher Hubschrauber mit Rettungswinde aus den benachbarten Bundesländern (u. a. Polizeifliegerstaffel Hessen), der Bundeswehr, der Bundespolizei oder von deutschen Organisationen zur Luftrettung angefordert werden. Diese konnten Personen von Dächern aus den überfluteten Ortschaften evakuieren.[4]

Im Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der Flutkatastrophe im Ahrtal berichteten viele Katastrophenschützer, dass die fehlende Fähigkeit zum Abbergen von Menschen von Hausdächern, Bäumen und Autos seit Jahren bekannt gewesen war. Zuletzt beim großen Ahr-Hochwasser 2016 sei das Fehlen von Rettungshubschraubern mit Seilwinde ein Problem gewesen. Geändert habe sich damals aber nichts. Erst im Juli 2022, ein Jahr nach der Flutkatastrophe im Ahrtal, bestellte das rheinland-pfälzische Innenministerium dann zwei neue Hubschrauber mit Rettungswinde.[5]

Im Juni 2023 gehörten zum fliegenden Personal 13 Piloten, 13 Techniker und 6 FLIR-Operatoren.[6]

H145 D3 mit Kennzeichen D-HRPC

Am 22. August 2024 stellten der neue Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) und Innenminister Michael Ebling (SPD) die beiden neuen Hubschrauber vom Typ H145 D3 von Airbus Helicopters am Rheinufer in Mainz vor. 32,9 Millionen Euro kosteten die beiden neuen Maschinen. Sie sind wesentlich größer und leistungsfähiger als die alten EC135 der Staffel. In die neuen Hubschrauber passen jeweils bis zu zehn Personen oder eine Zuladung von rund einer Tonne. Hubschrauber gehören zur sogenannten „Vier-Tonnen-Klasse“, was sich auf das maximale Abfluggewicht bezieht.[5]

An den neuen Hubschraubern können Löschwasser-Außenlastbehälter mit 800 Litern eingesetzt werden und damit etwa doppelt so viel Wasser wie die ihrer Vorgänger tragen. Zusammen mit dem in der Westpfalz stationierten Intensivtransporthubschrauber Christoph 66 verfügt das Land Rheinland-Pfalz damit über drei mit Winden ausgestattete Hubschrauber.[4]

Name

Die Fluggeräte verfügen über Rufzeichen (oder Funkrufnamen), mit denen sie sich in Flug- und Polizeifunk melden und angesprochen werden. Im Fall der Polizeihubschrauberstaffel Rheinland-Pfalz sind es Sperber (Accipiter nisus), eine Greifvogelart aus der Familie der Habichtartigen (Accipitridae).[7]

Aufgaben

Im Vordergrund der ursprünglichen Aufgaben standen zunächst – noch bedingt durch die in den 1970ern sehr aktive Terrorgruppe der Roten Armee Fraktion (RAF) – Fahndung und Observation sowie Verkehrs- und Gewässerüberwachung. Dies wandelte sich allmählich in Richtung von Sucheinsätzen nach vermissten Personen und Rettungseinsätzen sowie der Beweissicherung durch Luftaufnahmen. Zu den Aufgaben der Hubschrauberstaffel zählen heute:

  • Suche nach vermissten Personen und Fahndung nach Kriminellen,
  • allgemeine Kriminalitätsbekämpfung,
  • Personen- und Objektschutzmaßnahmen,
  • Umwelt- und Gewässerschutz,
  • Maßnahmen der Verkehrsüberwachung,
  • Beweissicherung und Dokumentation, z. B. mittels Bildübertragung,
  • Transport von Führungs- und Einsatzmitteln, z. B. Spezialeinsatzkommandos (SEK), und die
  • Unterstützung von Maßnahmen der Luftrettung und der Brandbekämpfung mit Feuerlöschbehälter

Zwischen der Polizeifliegerstaffel Hessen und Rheinland-Pfalz besteht eine Kooperation für eine 24-stündige Bereitschaft. Diese ermöglicht Einsätze der Staffel aus Rheinland-Pfalz von 7 bis 1 Uhr und aus Hessen von 1 bis 7 Uhr. Gestartet wird mit zwei Mann Besatzung, insgesamt fünf Einsatzkräfte sind möglich.[8]

Flotte

Weitere Informationen Rufzeichen, Kennzeichen ...
Rufzeichen Kennzeichen Typ Baujahr Seriennummer Verbleib
Sperber 4 D-HRPD H145 D3 2024 c/n: 21290 Im Dienst
Sperber 3 D-HRPC H145 D3 2024 c/n: 21275 Im Dienst
Sperber 2 D-HRPB EC135 P2i 2004 c/n: 0318 Reserve
Sperber 1 D-HRPA EC135 P2 2002 c/n: 0230 Reserve
- D-GERD Partenavia P38 Observer 1976 c/n: 15 Erprobung nach 2 Monaten beendet
- D-HAYI BO-105 CBS 1978 c/n: S-368 Außerdienststellung 2004
- D-HAYE BO-105 C 1975 c/n: S-140 Außerdienststellung 2004
- D-HAYA BO-105 C 1974 c/n: S-126 Außerdienststellung 2002
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Einzelnachweise

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