Portugiesen in der Schweiz
Volksgruppe
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Die Portugiesen in der Schweiz immigrierten vor allem in die Romandie. Portugiesen sind die drittgrösste Einwanderergruppe in der Schweiz, nur von Italienern und Deutschen in der Schweiz übertroffen. Ende Dezember 2015 lebten 268'067 Portugiesen in der Schweiz.[1] Viele Nachkommen portugiesischer Einwanderer haben auch die schweizerische Staatsangehörigkeit angenommen und gehören damit zur Gruppe der sogenannten Secondos.
Geschichte
Unter den wenigen Portugiesen, die in den 1960er und 1970er Jahren noch in der Zeit des diktatorischen Estado Novo in die Schweiz kamen, befanden sich politische Exilierte und Pflegepersonal, mit einem Anteil von 4,6 % Akademikern.[2] Es gab keinen bilateralen Vertrag zwischen den beiden Staaten, der die Arbeitsmigration geregelt hätte.[3] Ein Ereignis, das die Einwanderung beeinflusste, war die Nelkenrevolution 1974, die der Diktatur ein Ende bereitete.[4] Mit der Dekolonisierung kamen zugleich rund 1,5 Millionen sogenannte Retornados[2] mehrheitlich aus Mosambik und Angola nach Portugal, was den Auswanderungsdruck erhöhte. Der Ölpreisschock der 1970er Jahre schwächte die Aufnahmefähigkeit des französischen Arbeitsmarktes.[2]
In der Schweiz fiel ins Gewicht, dass viele Italiener und Spanier mit Saisonnier-Status oder B-Bewilligung, die das Land in der Wirtschaftskrise der 1970er Jahre hatten verlassen müssen, nach dem Wiederanstieg der Konjunktur nicht mehr bereit waren in die Schweiz zurückzukommen. Deshalb warb die Wirtschaft in Jugoslawen und Portugal Mitarbeiter an. Mit dem EG-Beitritt Portugals 1986 wuchs die Zahl der Auswanderer in die Schweiz stark. Der Personenfreizügigkeitsvertrag mit der Europäischen Union brachte Anfang der 2000er Jahre einen neuen Zuwachs der Einwanderung aus Portugal.
Weil der faschistische Estado Novo nur drei Jahre Schulpflicht für Mädchen und vier Jahre für Jungen vorsah, die erst 1964 in Teilen des Landes (ab 1979 in ganz Portugal) auf sechs Jahre erhöht wurden, besassen die meisten nur eine Primarschulausbildung.[2] Bei den Portugiesen ist heute anders als bei Italienern und Spaniern kein Aufstieg in sozial höher bewertete Berufe zu beobachten, so verbleiben viele weiterhin in den Reinigungs- und Bauberufen, während der Aufstieg ins Büro kaum feststellbar ist. Der Soziologe Claudio Bolzman begründet dies damit, dass die Portugiesen in einer Zeit in die Schweiz gekommen sind, als die Arbeit von zunehmender Prekarisierung betroffen war, was ihnen den beruflichen Aufstieg erschwert hat. Mit dem Anstieg der Auswanderung in der Wirtschaftskrise in Portugal 2008 kamen jedoch vermehrt auch qualifizierte Personen zum Arbeiten in die Schweiz.[3]
Beispielsweise lebten im Jahr 2000 im Westschweizer Kanton Neuenburg 9134[5] Portugiesen. Die Zahl stieg am Beispiel des Kantons Neuenburg bis Ende 2013 auf 13'511[5] Personen. Es gibt portugiesische Läden und Lokale, die sich durch ihr diskretes Erscheinungsbild nur an Portugiesen richten. Die Aktivitäten der insgesamt über 250 portugiesischen Vereine in der Schweiz werden kaum öffentlich sichtbar, was vor allem in der Westschweiz verbreitet dazu führt, dass die Portugiesen als abgeschottete Gemeinschaft wahrgenommen werden, die sich kulturell und politisch wenig einbringt. Der Soziologe Claudio Bolzman begründet dies damit, dass viele Portugiesen anstrengende Arbeit mit unregelmässigen Arbeitszeiten haben und häufig müde seien.[3]
Viele Portugiesen in der Schweiz kehren inzwischen jedoch nach Portugal zurück.[6] Die verbesserten Zukunftsaussichten in Portugal und die steigenden Lebenshaltungskosten in der Schweiz, die kaum noch Ersparnisse übrig lassen, gelten als Gründe dafür. Zudem fördert Portugal die Rückkehr von ausgebildeten Portugiesen seit 2019 mit dem Programm Regressar.[2]
La Chaux-de-Fonds zeigte 2017 den Portugiesen mit der Benennung des Jardin de la Saudade ihre Dankbarkeit.[7] Stadt und Kanton Genf lancierten 2026 das Projekt «Notre História», das die Geschichte der Portugiesen in Genf anhand einer Ausstellung und einer Forschungsarbeit thematisiert.[8]
Vereinigungen
Neben den beiden nationalen Vereinigungen Federação das Associações Portuguesas na Suíça (Faps) und Federação Portuguesa de Folclore e Etnografia na Suiça (Fpfes) existiert eine regionale Vereinigung im Wallis, die União das Associações Portuguesas do Valais, sowie viele politische und kommerzielle Organisationen, Kultur- und Freizeitorganisationen, folkloristische Kulturorganisationen, religiöse und soziale Organisationen, Jugendorganisationen und bildungsorientierte Organisationen und Sportorganisationen.[9]
Portugiesische Medien in der Schweiz sind:
- die Zeitungen Gazeta Lusófona (Luzern), Luso Helvético (Bussigny), das Jornal «O Portucalense» (Bôle);
- die Zeitschriften Luso Anuário (Thônex), der Guia Info Shop Portugal (Engelberg), das Pessoas Magazine (Genf), Selectiva (Genf);
- die Radiosender Hora Lusitana (Radio Cité) (Genf), Rádio Arremesso (Carouge), Nozes e Vozes (Radio Zones) (Genf) und Radio Camoes (Luins).
Siehe auch
Literatur
- Rosita Fibbi (Projektleiterin) et al.: Die portugiesische Bevölkerung in der Schweiz. Eine vom Schweizerischen Forum für Migrations- und Bevölkerungsstudien (SFM), vom LaboDémo der Universität Genf und von der Haute école de travail social in Genf im Auftrag des Bundesamts für Migration durchgeführte Studie. Bern 2010.