Pötzen
Ortsteil der Stadt Hessisch Oldendorf im Landkreis Hameln-Pyrmont in Niedersachsen
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Pötzen ist ein Ortsteil der Stadt Hessisch Oldendorf (die aus 24 Stadtteilen besteht) im Weserbergland im Landkreis Hameln-Pyrmont. Zusammen mit den Ortsteilen Bensen, Haddessen und Höfingen bildet es die Ortschaft Süntel.
Pötzen Stadt Hessisch Oldendorf | ||
|---|---|---|
| Koordinaten: | 52° 10′ N, 9° 21′ O | |
| Höhe: | 140 m | |
| Einwohner: | 471 (30. Juni 2022)[1] | |
| Eingemeindung: | 1. Januar 1973 | |
| Eingemeindet nach: | Fischbeck | |
| Postleitzahl: | 31840 | |
| Vorwahl: | 05151 | |
Lage von Pötzen in Niedersachsen | ||
Geografie

Der Ort liegt im Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln am Fuß des südöstlichen Teils des Süntelgebirges auf 140 m ü. NHN, 8,57 km östlich der Kernstadt von Hessisch-Oldendorf und ca. 9 km nordnordwestlich der Kreisstadt Hameln.
Östlich von Pötzen, zwischen Süntel und Landesstraße L 432, erstreckt sich das 26,69 Hektar große Naturschutzgebiet Ehemaliger Standortübungsplatz Pötzen.
Geschichte
Wie die Funde von drei verschiedenartigen Schabern bei Welliehausen zeigen, wurde das Gebiet bei Pötzen bereits in der Mittelsteinzeit (8000–5600 v. Chr.) von Menschen aufgesucht.[2]
Mittelalter und Neuere Geschichte
Nach der Siedlungsforschung wurden Orte mit den Endungen „-hausen“ und „-husen“ (abgeschliffen zu „-sen“), wie „Pedessen“ (Pötzen), in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends am Süntel in zweitrangiger Siedlungslage angelegt.[3] Das Gründungsjahr des Ortes ist nicht bekannt; Pötzen wurde in der gleichen Zeitstellung wie z. B. das Nachbardorf Welliehausen urkundlich erstmals 1237 als „Pedessen“ erwähnt.[4] Das mittelalterliche Pötzen lag zwischen dem heutigen Ortsteil Pötzen und dem Ortsteil Pötzer Landwehr; die mittelalterlichen Hofstellen wurden nach einem Überschwemmungsereignis aufgegeben und in den heutigen Ortslagen von Pötzen und Pötzer Landwehr neu aufgebaut.
Die Region um Pötzen und Fischbeck war ein früh besiedelter Teil des Schaumburger Landes. Das Stift Fischbeck und der Nachbarort Haddessen wurden 955 gegründet. Pötzen lag seit dem Frühmittelalter im altsächsisch-engernschen Tilithigau und gehörte wohl zum Gerichts- und Verwaltungsbezirk der „Fischbecker Goe“ des Tilithigaus. Das Gogericht (die „Malstatt“) der Fischbecker Goe befand sich in der Ortslage von Fischbeck und wurde ab dem Spätmittelalter von der dort ansässigen Adelsfamilie von Post geschützt, welche über mehrere Jahrhunderte regionalen Einfluss besaß. Pötzen gehörte während des Mittelalters und der Frühen Neuzeit zur Vogtei Lachem sowie kirchenrechtlich zum Archidiakonat Ohsen der Diözese Minden (das historische Bistum Minden wurde 1803 aufgelöst).[5]
Die aus altsächsischem Uradel stammenden Grafen von Schaumburg hatten als weltliche Grundherren die Landeshoheit und vergaben in den Sünteldörfern Rechte und Meierhöfe als Lehen, so auch in Pötzen.[6] Das 955 gegründete Stift Fischbeck besaß als geistlicher Grundherr seit dem Hochmittelalter erhebliche Ländereien, Höfe und Zehntrechte in Pötzen.[7] Das Kloster Möllenbeck/das Augustiner-Chorherrenstift Möllenbeck bei Rinteln hatte zu seiner wirtschaftlichen Absicherung im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit bis in das 17. Jahrhundert ebenfalls Höfe und Zehntrechte in Pötzen. Zum Ende des Spätmittelalters und zu Beginn der Neueren Geschichte erwarben wohlhabende Patrizier und Bürgerfamilien aus der Stadt Hameln Grundbesitz in den Sünteldörfern. Beispiele für Pötzen waren der Hamelner Bürger Cord von Pötzen und seine Ehefrau Adelheid, die urkundlich als Käufer und Verpfänder von Höfen und Renten auftauchen und Heinrich Welligehusen, der in Pötzen ansässig und begütert und Angehöriger der Hamelner (und ursprünglich Welliehäuser) Patrizier-Familie von Walthausen war.[8]
Vom 14. Jahrhundert (Spätmittelalter) bis in das Jahr 1640 (Frühe Neuzeit) bildete eine geschlossene Landwehr in Form von Buschwerk, der sogenannte Schaumburger Knick, der rund um die gesamte Grafschaft Schaumburg angelegt wurde, am östlichen Rand der Gemarkung Pötzen (daher der Name „Pötzer Landwehr“) die militärisch abgesicherte Grenze zunächst zu kleineren benachbarten Grafschaften und ab Anfang des 15. Jahrhunderts zum welfischen (Teil-)Fürstentum Calenberg.[9][10] Der am Östlichsten liegende Teilabschnitt des Schaumburger Knicks zog sich als Grenze der beiden Hoheitsgebiete Grafschaft Schaumburg und (Teil-)Fürstentum Calenberg konkret von der „Hohen Egge“ auf dem Süntelkamm hinunter zum östlichen Rand der Gemarkung von Pötzen, entlang der Pötzer Landwehr, über den Lengeberg zur östlichen Grenze des Stiftswaldes von Fischbeck, weiter zur östlichen Grenze der Gemarkung Fischbeck, in die Weser und südlich der Weser weiter an Helpensen und Halvestorf vorbei immer entlang der Schaumburger Grafschaftsgrenze. Seit 1409/1432 gehörten einige Bauernhöfe der Pötzer Landwehr, die östlich des Schaumburger Knicks lagen, nicht zur Grafschaft Schaumburg, sondern zum welfischen (Teil-)Fürstentum Calenberg. In der Zeitstellung der Neuesten Geschichte gehörte dieser östliche Ortsteil der Pötzer Landwehr noch vor der Umgliederung der Region um Hessisch Olderndorf aus dem Kreis Grafschaft Schaumburg in den Landkreis Hameln-Pyrmont zu Letzterem.
Der Dreißigjährige Krieg war für Pötzen die verheerendste Epoche. Am 8. Juli 1633 fand die Schlacht bei Hessisch Oldendorf statt. Das Umland wurde von kaiserlichen und schwedischen Truppen rücksichtslos requiriert. Häuser wurden in Pötzen geplündert, das Vieh geraubt und die Ernten vernichtet.
Im Vorfeld der Schlacht bei Hastenbeck am 26. Juli 1757 im Siebenjährigen Krieg rückten zehntausende Soldaten in das Gebiet vor. Die Pötzer Bauern wurden gezwungen, französische und alliierte Soldaten einzuquartieren und zu verpflegen. Missernten gingen dem Jahr 1757 voraus, und der Siebenjährige Krieg führte auch in der Region um Fischbeck zu Hungersnöten.
19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert, möglicherweise auch schon im 17. Jahrhundert und nochmals nach dem Zweiten Weltkrieg wurde nordöstlich des Pötzer Steinbruchs im Süntelwald, in der Nähe des Schaumburger Knicks in einem Flurstück mit Namen „Stollen“, unter Tage Steinkohle gefördert. Nördlich von Haddessen und Pötzen soll es im Süntel noch ein zweites Steinkohlebergwerk gegeben haben. Die Kohleförderung geschah aber auch an anderen Stellen im östlichen Süntelwald, u. a. bei Welliehausen, Münder und Klein Süntel. Allerdings entstanden in beiden Zeitstellungen in den Bergwerken technische Probleme mit dem einfließenden Grubenwasser, und die Kohleförderung war nicht mehr wirtschaftlich, so dass sie im April 1952 endgültig eingestellt wurde. Die Pötzer Steinkohle war zwar nicht von guter Qualität, half aber maßgeblich dabei, im Winter 1947 die Haushalte der Flüchtlinge und die Schulen mit Heizmaterial zu versorgen. Zuletzt wurden täglich bis zu 35 t Steinkohle gefördert und verkauft.[11][12]
Dem Hannoverschen Gebirgsverein wurde von der Süntelwaldgenossenschaft im Jahr 1897 die Erlaubnis erteilt, einen steinernen Aussichtsturm auf der „Hohen Egge“ im Süntel zu errichten, den Süntelturm, der seither fast durchgehend als Ausflugslokal bewirtschaftet wurde und wird.
20. und 21. Jahrhundert
In Pötzen wurde in den Jahren 1912/1913 eine Stromversorgung geschaffen. Der Ort wurde an das Netz der regionalen Überlandzentrale angeschlossen, des am 27. Juni 1912 gegründeten Elektrizitätswerks Wesertal in Hameln-Afferde. Am 1. Oktober 2003 kam das Elektrizitätswerk Wesertal im Zuge einer Fusion zur neuen E.ON Westfalen Weser AG.
Im Ersten Weltkrieg wurden fast alle wehrfähigen Männer eingezogen. Den Höfen fehlten Arbeitskräfte, und es herrschte akuter Mangel an Nahrungsmitteln. Der Landrat in Rinteln befahl im November 1918 zur Stärkung der Ordnung die Wahl eines lokalen Arbeiter- und Soldatenrats, in Pötzen blieb es aber ruhig.
In der Regionalbus-Geschichte gab es ab 1929 eine Buslinie Pötzen-Welliehausen-Holtensen, die zweimal täglich betrieben wurde.[13] Später gab es nur eine Buslinie nach Hessisch Oldendorf. Noch später gab es zwei Buslinien, die drei- bis viermal täglich an Werktagen betrieben wurden. Seit Februar 2020 gibt es stattdessen einen Rufbus.
Der noch vor dem Zweiten Weltkrieg gegründete Kalksteinbruch am „Hoher Nacken“ (374 m ü. NN, umgangssprachlich auch „Hohenacken“ genannt) im Süntel nördlich von Pötzen wurde Mitte der 1970er Jahre stillgelegt. Bis zur Stilllegung in den 1970er Jahren wurden zwischen 300.000 und 400.000 Tonnen Gestein des harten fossilführenden Korallenooliths[14] abgefahren, das im Straßenbau verwendet wurde.[15][16] Die Gesteinsschichten stammen erdgeschichtlich aus dem Unteren Kimmeridgium des Oberen Jura.
Pötzen musste, wie alle anderen Gemeinden im Lande, im Jahr 1945 eine hohe Zahl von Evakuierten vor allem aus zerbombten Städten im Ruhrgebiet und Heimatvertriebene aus den Ostgebieten aufnehmen. Dies führte im Dorf zu einer akuten Wohnungs- und Versorgungsnot. Nach der Währungsreform am 20. Juni 1948 und der Aufhebung der Lebensmittelmarken besserten sich die Lebensumstände der Einwohner.
Pötzen wurde im Jahr 1964 im Zuge des Aufbaus der zentralen Wasserversorgung für die Sünteldörfer über den „Wasserbeschaffungsverband (WBV) Süntelwald“ an das Trinkwassernetz angeschlossen.[17] Im Rahmen der flächendeckenden Erschließung der Ortsteile von Hessisch-Oldendorf wurde Pötzen in den 1990er Jahren an die zentrale Abwasserentsorgung angeschlossen.[18]
Im Ort gibt es neben anderen mittelständischen Unternehmen ein großes Möbelgeschäft.
Jagdrecht, Waldwirtschaft und Naturschutz
Im Mittelalter gehörten die Waldgebiete um Pötzen zum historischen Süntelwald. Die Bauern in Pötzen konnten vom Frühmittelalter bis in das 19. Jahrhundert die Holz- und Weiderechte in den Waldgebieten der Fischbecker Mark (dem östlichen Teil der Schaumburger Mark im Süntel nördlich des Ortes und im Großen Finnenberg südlich des Ortes) gemeinschaftlich nutzen.[19] Die Urgenossen in der Fischbecker Mark besaßen nach altem, mündlich überlieferten germanischen Gewohnheitsrecht die sog. „Erbaxt“ bzw. den freien Holzhieb.[20] Im Frühmittelalter gab es noch keine rechtlich abgegrenzten Forstgebiete, die exklusiv zu einer der frühen Germanensiedlungen gehörten. Ab dem Hochmittelalter wurden erste genossenschaftliche Organisationsformen der Waldwirtschaft geschaffen, die aber ebenfalls noch für die Gemeinschaft mehrerer Dörfer und nicht exklusiv nur für Pötzen galten. Die Pötzer Bauern konnten ihr Vieh, vor allem ihre Schweine und Rinder, zur Waldweide (Waldmast) in die Eichen- und Buchenwälder des Süntels, die Allmende treiben und festgesetzte Mengen von Brenn- und Bauholz für ihren Eigenbedarf schlagen. Erst mit den großen Teilungen und Verkoppelungen ab den 1830er Jahren wurden die mittelalterlichen Gemeinschaftswälder real aufgeteilt, und Forstgenossenschaften wurden als Realverbände gegründet. Die „Finnenbergs-Wald-Genossenschaft Pötzen“ erhielt erst 1904 als Realgemeinde eine feste Satzung und existiert bis heute. Das übergeordnete „Forstamt Oldendorf“ in Hessisch Oldendorf (Niedersächsische Landesforsten) betreut, pflegt und bewirtschaftet seit dem 1. Januar 2005 die forstlichen Flächen in und um Pötzen.
Bis zum Frühmittelalter durften die freien germanischen Siedler das Wild frei jagen. Das Jagdrecht (speziell die sog. hohe Jagd) ging jedoch im Mittelalter auf den Landesherrn über. Die Grafen von Schaumburg beanspruchten Hoheitsrechte im Süntel, und das Stift Fischbeck sowie das Augustiner-Chorherrenstift in Hameln besaßen durch Schenkungen und Tauschgeschäfte Pachteinnahmen, Zehntrechte und Holzrechte in und um Pötzen. Das Jagdrecht, speziell die sog. Hohe Jagd (auf Rothirsche,[Anm 1] Wildschweine, Wölfe[Anm 2] Steinadler, Fischadler[Anm 3] und Auerhähne[Anm 4]), ging jedoch im Hochmittelalter auf den Landesherrn über; die Grafen von Schaumburg beanspruchten Hoheitsrechte im Süntel. Die Bauern durften nur das sog. Niederwild wie z. B. Rehe, Marder, Iltisse, Dachse usw. jagen. Mit der Revolution von 1848 wurde das adlige Jagdregal aufgehoben und das Jagdrecht an den Grundbesitz gekoppelt. In der Zeitstellung von 1848 bis 1934 konnten Jagdgenossenschaften das Jagdrecht pachten. Seit 1934 (Reichsjagdgesetz, dessen System bis heute im Bundesjagdgesetz fortbesteht) ist die Jagdpacht auf natürliche Personen beschränkt und wird in Jagdgenossenschaften als Körperschaften öffentlichen Rechts, hier: in der „Jagdgenossenschaft Pötzen“ verwaltet.
Der ehemalige, im Frühjahr 1946 beschlagnahmte Standortübungsplatz Pötzen der Britischen Rheinarmee, der teils in der Gemarkung Pötzen/Pötzer Landwehr und teils in der Gemarkung Welliehausen lag, wurde im Zuge des Abzugs der britischen Partnerstreitkräfte aufgegeben. Er wurde ab 2012/2013 in das nationale Naturerbe übertragen und vom Landkreis Hameln-Pyrmont nach Erwerb aus Privatbesitz mit Verordnung vom 27. September 2017 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Der Lurch des Jahres 2014, die Gelbbauchunke[21] hat dort ein ökologisch wertvolles Habitat als Rückzugsgebiet. Die streng zu schützende Art,[22] die sonst nur in Süddeutschland und im mittleren und südlichen Europa anzutreffen ist, hat im Weser-Leinebergland ihre nördliche Verbreitungsgrenze.
Schule
Bis zum Jahr 1804 gehörte Pötzen zum gemeinsamen Schulverband mit den Nachbarorten Haddessen, Höfingen und Bensen. Im Jahr 1804 wurde eine einklassige Dorfschule im Ort gegründet. Im Jahr 1904 schrieb der Lehrer Hermann Peter eine Schul- und Dorfchronik von Pötzen.[23] Im Schuljahr 1949/50 wurde die Schule vorübergehend zu einer achtklassigen Volksschule, die in der Dorfstraße 46 in Pötzen von 90 Schülern besucht wurde. In den späten 1960er Jahren wurden die kleinen Schulen am Süntel erneut zu einem gemeinsamen Schulverband mit rollierenden Klassen zusammengeschlossen, wobei die Schule in Pötzen das 2. Schuljahr bediente. Heute existiert die Schule in Pötzen nicht mehr.
Es gibt heute Kinderkrippen und Kindergärten in Fischbeck, Haddessen und Zersen. Die Schüler aus Pötzen für die Primarstufe gehen in die Verlässliche Grundschule im Nachbarort Fischbeck. Fischbeck war und ist der Kirchen- und Schulort für Pötzen. Ältere Schüler aus Pötzen gehen auf weiterführende Schulen in der Stadt Hameln oder in der Kernstadt von Hessisch Oldendorf.
Ortsfeuerwehr und Vereine
Bereits Mitte des 20. Jahrhunderts traten Freizeitbedürfnisse in den Vordergrund, wofür es verschiedene Möglichkeiten gab. Man konnte in die beiden Gaststätten des Ortes einkehren, sich dem Männergesangverein und dem Frauenchor anschließen, Dienst in der 1923 gegründeten Freiwilligen Feuerwehr oder im 1950 gegründeten Musikzug leisten und Handball oder Fußball im historischen Turn- und Sportverein (TuS) Süntel spielen. Seit 1953, nachdem die britische Besatzungsmacht das seit Kriegsende geltende Waffenverbot aufgehoben hatte, war Luftgewehr- und Kleinkaliberschießen im Schützenverein möglich. 1974 initiierte der Fanfarenzug des Schützenvereins Pötzen erstmals ein Erntedankfest. Durch eine Spende der Stadt Hessisch Oldendorf konnte im Jahr 1975 das erste gemeinsame Erntefest der Dörfer Pötzen und Haddessen veranstaltet werden. Das Fest ist noch heute ein fester Bestandteil des Zusammenlebens beider Dörfer.
Heute gibt es im Ort die Freiwillige Feuerwehr Pötzen mit der Kinder- und Jugendfeuerwehr, die zur Stadtfeuerwehr Hessisch-Oldendorf gehört. In Pötzen gibt es heute den 1928 gegründeten „Schützenverein Pötzen e. V.“, die „Jagdgenossenschaft Pötzen“ und den Verein „Dorfgemeinschaft Pötzen e. V.“
Darüber hinaus sind die Einwohner von Pötzen oft in übergeordneten Vereinen und Einrichtungen der Stadt Hessisch-Oldendorf oder der Stadt Hameln engagiert, so z. B. im Sportverein „Grün-Weiss-Süntel e. V.“ 1982 wurde im Verein eine Jugendsportgemeinschaft gegründet. Folgende Sparten gibt es im Verein: Badminton, Bodystyling, Bogensport, Eltern-Kind-Turnen, Fußball, Gymnastik, Kinderturnen, Jedermann-Sport, Seniorensport, Tanzen, Tischtennis, Volleyball und Wandern.[24]
In Pötzen gibt es einen Kinderspielplatz. Zwischen Pötzen und Haddessen gibt es das 1939 in Betrieb genommene und nach einer Schließung in den 1960er Jahren im Jahr 1968 wiedereröffnete und von der (am 19. Juli 1968 in Pötzen gegründeten) DLRG Haddessen[25][26] betreute Freibad „Süntelbad“.
Einwohnerentwicklung
Im Oktober 1948 registrierte der Volksschullehrer Martin Beer 616 Einwohner in Pötzen, von denen 305 Einheimische und 311 Flüchtlinge und Evakuierte waren. Diese wohnten in 64 Häusern. Im Jahr 2022 lebten 471 Einwohner in Pötzen.
Pötzen gehörte schon immer zum Kirchspiel Fischbeck und hatte nie eine eigene Kirche. Die Kirchenbucheinträge der ev.-luth. Kirchengemeinde Fischbeck zu Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Begräbnissen für Pötzen sind ab 1833 bei Archion digital verfügbar.[29]
Politische Zugehörigkeiten
Pötzen gehörte im Mittelalter wohl zur „Fischbecker Goe“ im altsächsischen Tilithigau sowie zur Vogtei Lachem in der Grafschaft Schaumburg. Nach dem Aussterben der Grafen von Schaumburg in der männlichen Linie fiel Pötzen 1640/1647 an den hessischen Teil der Grafschaft, der zur Landgrafschaft Hessen gehörte und später an das Kurfürstentum Hessen-Kassel. Von 1807 bis 1813 gehörte Pötzen zum Kanton Oldendorf des napoleonischen Satellitenstaats Königreich Westphalen mit der Hauptstadt Kassel. 1814 fiel Pötzen wieder an Hessen-Kassel zurück. Von 1866 bis 1932 gehörte der Ort zunächst zur preußischen Provinz Hessen-Nassau und zum Kreis Rinteln und ab 1905 zum Kreis Grafschaft Schaumburg der preußischen Provinz Hessen-Nassau. 1932 wurde der Kreis in die preußische Provinz Hannover umgegliedert. 1945 gehörte Pötzen zur Britischen Besatzungszone, ab 1946 zum Land Hannover und in demselben Jahr zum Regierungsbezirk Hannover im Land Niedersachsen. 1977 wurde die Region um Hessisch-Oldendorf und Fischbeck in den Landkreis Hameln-Pyrmont umgegliedert.[30]
Im Rahmen der Gebietsreform in Niedersachsen wurde Pötzen am 1. Januar 1973 Teil der Gemeinde Fischbeck, die ihrerseits am 29. Januar 1973 in die Stadt Hessisch Oldendorf eingemeindet wurde.[31] Am 31. Dezember 2004 wurden die Regierungsbezirke aufgelöst.[32]
Politik
Pötzen gehört als Ortsteil der Ortschaft Süntel zur Stadt Hessisch-Oldendorf.
Bürgermeister der Stadt Hessisch-Oldendorf ist Tarik Oenelcin. Ortsbürgermeisterin der Ortschaft Süntel ist Kirsten Mitosinka.
Der Ortsrat Süntel besteht nach der Wahl von 2021 aus Vertretern von SPD, CDU und Grünen.
Die Stadt Hessisch Oldendorf hatte einen Dorfentwicklungsplan in Auftrag gegeben, der im Juni 2020 mit einer Perspektive für die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre vorgelegt wurde.[33] Er hat keine rechtliche Verbindlichkeit, dient aber nach dem Beschluss durch den Orts- und Stadtrat als selbstbindender kommunaler Handlungsrahmen für die künftige Entwicklung. Im Jahr 2026 befasst sich der Ortsrat Süntel mit lokalen Infrastrukturprojekten wie z. B. der Reparatur und dem Neubau von Straßen.
Baudenkmale
In der Liste der Baudenkmale in Hessisch Oldendorf sind für Pötzen 15 Baudenkmale aufgeführt.
An der Alten Berliner Heerstraße in Pötzen steht mitten auf dem Friedhof ein Gefallenendenkmal für die 18 gefallenen (von 59 eingezogenen) Pötzer Einwohner des Ersten Weltkriegs und die 63 gefallenen und vermissten Pötzer Einwohner des Zweiten Weltkriegs.[34]
Literatur
- Helge Böger: Pötzen - Dorf- und Schulchronik eines Sünteldorfes. Scius, Meier, Jan Niklas, 2019, ISBN 978-3-946331-13-1.
- Gerhard Bruns: 750 Jahre Pötzen. In: Heimatbund Hessisch-Oldendorf (Hrsg.): Heimatblätter Hessisch-Oldendorf, Heft Nr. 3, 1988, S. 58 f.
- Erik Hoffmann: Süntelkohle aus Pötzen - Ein Uhrmacher aus Essen lindert die Nachkriegsnot. In. Heimatbund Hessisch-Oldendorf (Hrsg.): Heimatblätter Hessisch-Oldendorf, Heft Nr. 23, 2020, S. 6–15.
- Herta-Margrit Hoyer: Kriegsende in Pötzen. In: Heimatbund Hessisch-Oldendorf (Hrsg.): Heimatblätter Hessisch Oldendorf, Heft Nr. 16, 2000, S. 52.
- Helga Knoke: Wald und Siedlung im Süntel. Eine siedlungsgeschichtliche Untersuchung, Rinteln, 1968.
- Fritz J. Krüger: Geologie und Paläontologie: Niedersachsen zwischen Harz und Heide. Kosmos Franck Verlag, 1983.
- Kurfürstentum Hessen: Kurhessisches Staats- und Adresshandbuch auf das Jahr 1830, Verlag des Waisenhauses, Kassel, 1830.
- Kurfürstentum Hessen: Kurfürstlich Hessisches Hof- und Staatshandbuchauf das Jahr 1851, Verlag des reformierten Waisenhauses, Kassel, 1851.
- Hermann Peter: Schul- und Dorfchronik von Pötzen, 1904, archiviert im Niedersächsischen Staatsarchiv Hannover, NLA BU, Dep. 59.
- Michael Rademacher: Schaumburg, Online-Material zur Dissertation, Osnabrück, 2006, in: https://www.eirenicon.com/rademacher/www.verwaltungsgeschichte.de/schaumburg.html, abgerufen am 14. Juni 2026.
- N. N.: Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung. 10. Die Gemeinden der Provinz Hessen-Nassau und ihre Bevölkerung, in: https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb11157798?page=72 (Volkszählung 1871), abgerufen am 14. Juni 2026.
- N. N.: Gemeindelexikon für das Königreich Preussen, 11., Provinz Hessen-Nassau, in: https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb11480940?q=Eichmühle&page=90,91 (Volkszählung 1895), abgerufen am 14. Juni 2026.
- N. N.: Regionales Gemeindeverzeichnis-Informationssystem GV-ISys (mit historischen Bevölkerungszahlen), in: https://www.destatis.de/DE/Themen/Laender-Regionen/Regionales/Gemeindeverzeichnis/_inhalt.html#, abgerufen am 14. Juni 2026.
- Stadt Hessisch-Oldendorf (Hrsg.): Dorfentwicklungsplan der Süntel- und Hohensteindörfer Barksen - Bensen - Haddessen - Höfingen - Krückeberg - Langenfeld - Pötzen - Wickbolsen - Zersen, Juni 2020, PDF, online, abgerufen am 13. Juni 2026.
- Ekkehard Wassermann: Landwehren in Schaumburg, Verlag für Regionalgeschichte ein Imprint von Aschendorff Verlag GmbH & Co KG, 2016, ISBN 978-3-7395-1001-9.
Historische Kartenwerke mit Pötzen
- Karte Schaumburg um 1650, in: Sta BU S1 C93
- Karte von 1733, in: Sta BU S1 C01002
- Kurfürstentum Hessen 1840–1861, 129. Pötzen, in: https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/hkw/id/197
