Rodheim (Hungen)

Stadtteil von Hungen From Wikipedia, the free encyclopedia

Rodheim ist nach Einwohnerzahl der der zweitkleinste Stadtteil von Hungen im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Schnelle Fakten Stadt Hungen ...
Rodheim
Stadt Hungen
Koordinaten: 50° 27′ N,  57′ O
Höhe: 143 (141–154) m ü. NHN
Fläche: 4,12 km²[1]
Einwohner: 422 (31. Dez. 2022) HW+NW[2]
Bevölkerungsdichte: 102 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 35410
Vorwahl: 06402
Rodheim mit der Evangelischen Kirche auf einer Basaltkuppe
Rodheim mit der Evangelischen Kirche auf einer Basaltkuppe
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Geografische Lage

Rodheim liegt südöstlich von Hungen. Südlich und westlich am Ort vorbei verläuft die Bundesstraße 457. Am Ortsrand trifft die Landesstraße 3188 auf die B 457.

Geschichte

Schon zur Keltenzeit siedelten hier Menschen.

Ortsgeschichte

Der Ortsname leitet sich vermutlich von umfangreichen Rodungen in diesem Bereich ab. In der Namenforschung werden die Namen der benachbarten Orte Rodheim und das später ausgegangene +Feldheim als „Gegensatzbildung“ gesehen.[3] Die älteste schriftliche Erwähnung von Rodheim findet sich in einer Urkunde des Jahres 778. Darin schenkt der iroschottische Abt Beatus von Honau dem Kloster Honau acht Eigenkirchen in Mainz, Wieseck und sechs Orten der Wetterau. Dort heißt es „... sextem ecclesiam quae est in Rhodaheim et septimam quae est Hornufa“.[4] Übersetzt: Eine sechste Kirche in Rodheim und eine siebte, die ist Hornufa (heute Hof Grass). Trotz des inhaltlichen Gegensatzes zwischen iroschottische Mission und katholischer Kirche gibt es zur gleichen Zeit in Rodheim und seiner Mark Schenkungen an das Kloster Fulda.

Zwischen 780 und 817 wurde die Rodheimer Mark, Rodoheimeremarca, erstmals in einer Urkunde im Codex Eberhardi erwähnt. „Rutheri tradidit deo et sancto Bonifatio in Wetereiba in Rodoheimeremarca in villa Suabileheim predia et familiam cum substantia.“ (deutsch: Ruther schenkt Gott und dem heiligen Bonifatius in der Wetterau in der Rodheimer Mark und in Grund-Schwalheim Besitz und Familien mit allem Zubehör.)[5]

Der Tradent Ruther ist ebenso in Dauernheim nachweisbar.[6] Die Datierung erfolgt nach der Amtszeit der beiden Äbte Baugulf von Fulda (780–817) und Ratgar (802–817), des zweiten und dritten Abtes des Klosters Fulda.

1252 wird ein „Adolphus de Rodeheim“ (Adolf von Rodheim) erwähnt.[7]

1352 heißt es: „vz vnseme hobe zv Radeheim“ (aus unserem Hof zu Rodheim).[8]

Von etwa 1255 bis 1835 war Rodheim Gerichtsort.

Die Nachkommen des Balthasar von Schrautenbach hatten den Wald Glaubzahl als landgräfliches Lehen erhalten. Davon überließen sie nach dem Niddaer Salbuch von 1537 achtzig Morgen Land zum Roden den Rodheimer Einwohnern für vier Gulden jährlich. Darüber beschwerten sich wiederum die Einwohner von Borsdorf.[9]

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Rodheim:

„Rodheim (L. Bez. Nidda) evangel. Pfarrdorf; liegt an einem Nebenarm der Horloff 112 St. von Nidda, hat 61 Häuser und 333 Einwohner, die außer 1 Katholiken evangelisch sind, so wie eine Kirche, mehrere Höfe und Mühlen, Jährlich wird ein Markt gehalten. – Hier war im 14. Jahrhundert eine Pfarrkirche, zu welcher die Kapellen in Grassa (Grasser Hof), Langd, Steinheim und die mit einem Pleban versehene Kirche zu Heuchelheim gehörten.“[10]

Der Räuber Conrad Anschuh, eigentlich Unschick, stammte aus Rodheim. Er war ein Mitglied der Wetterauer Bande. Sein Vater war der übel beleumundete Viehhirte und Tagelöhner Conrad Unschick.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Am 31. Dezember 1971 erfolgte im Zuge der Gebietsreform in Hessen die freiwillige Eingliederung der bis dahin selbständige Gemeinde Rodheim in die nächstgelegene Kleinstadt Hungen.[11][12] Für Rodheim wurde, wie für alle Stadtteile, ein Ortsbezirk eingerichtet.[13]

Kirchengeschichte

Die Evangelische Kirche Rodheim steht auf einer Erhebung. In ihr befindet sich ein Taufstein aus dem 11. Jahrhundert.

Die Reformation erfolgte schon früh in Rodheim. Die ersten Pfarrer waren:

  • Johannes Ulichius bis 1542, der dann in Gießen Pfarrer wurde,
  • Sebastian Lesch um 1548,
  • Johannes Porsius (1592–1636)[14]

Während der Reformation wurde auch eine Schule eingeführt.

Schulgeschichte

Conrad Kornmesser wurde am 26. Februar 1669 in Ober-Widdersheim geboren und studierte in Gießen. 1689/1690 war er Schulmeister in Trebur, dann in Rodheim. 58 Jahre lebte er als Schulmeister in Berstadt. Diese Stelle teilte er sich 17 Jahre mit seinem zweitjüngsten Sohn Christian Moritz Kornmesser, der die Tochter des Begründers der Buderus-Werke, Johann Wilhelm Buderus, heiratete.[15]

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,[Anm. 1] denen Rodheim angehört(e):[1][16][17]

Bevölkerung

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Rodheim 393 Einwohner. Darunter waren 3 (0,7 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 51 Einwohner unter 18 Jahren, 174 zwischen 18 und 49, 81 zwischen 50 und 64 und 84 Einwohner waren älter.[27] Die Einwohner lebten in 183 Haushalten. Davon waren 63 Singlehaushalte, 45 Paare ohne Kinder und 54 Paare mit Kindern, sowie 21 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 36 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 117 Haushaltungen lebten keine Senioren.[27]

Einwohnerentwicklung

 1577:32 Hausgesesse[1]
 1630:6 zweispännige, 7 einspännige Ackerleite, 17 Einläuftige[1]
 1742:24 Untertanen, 10 Junge Mannschaften, keine Beisassen/Juden
 1791:232 Einwohner[21]
 1800:225 Einwohner[28]
 1806:243 Einwohner, 27 Häuser[23]
 1829:333 Einwohner, 61 Häuser[10]
 1867:329 Einwohner, 62 bewohnte Gebäude[29]
 1875:326 Einwohner, 62 bewohnte Gebäude[30]
Rodheim: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2020
Jahr  Einwohner
1791
 
232
1800
 
225
1806
 
243
1829
 
333
1834
 
326
1840
 
342
1846
 
357
1852
 
325
1858
 
331
1864
 
350
1871
 
337
1875
 
326
1885
 
340
1895
 
326
1905
 
330
1910
 
363
1925
 
375
1939
 
334
1946
 
506
1950
 
517
1956
 
437
1961
 
425
1967
 
412
1971
 
421
1987
 
368
1991
 
400
2000
 
403
2005
 
440
2011
 
393
2015
 
391
2020
 
431
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; nach 1970 Stadt Hungen[31]; Zensus 2011[27]

Historische Religionszugehörigkeit

 1829:332 evangelische, 1 römisch-katholischer Einwohner[10]
 1961:372 evangelische, 51 römisch-katholische Einwohner[1]

Historische Erwerbstätigkeit

 1961:Erwerbspersonen: 93 Land- und Forstwirtschaft, 104 Prod. Gewerbe, 13 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 24 Dienstleistung und Sonstiges.[1]

Politik

Für den Stadtteil Rodheim besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Rodheim) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung.[13] Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 54,68 %. Dabei wurden gewählt: Je ein Mitglied der SPD, der „Bürgerliste Pro Hungen“ (ProH) und der „Freien Wähler Hungen“ (FW), sowie zwei Mitglieder der CDU.[32] Der Ortsbeirat wählte Norbert Marsfelde (CDU) zum Ortsvorsteher.[33]

Vereine

  • Die Tischfußballabteilung des VfB Rodheim/Horloff spielt momentan in der 1. Deutschen Tischfußball-Liga (Senioren)
  • Freiwillige Feuerwehr Rodheim/Horloff
  • Landfrauenverein Rodheim/Steinheim/Rabertshausen

Persönlichkeiten

  • Karl Weber (1864–1929), hessischer Forstmeister und Abgeordneter der 2. Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen

Anmerkungen und Einzelnachweise

Literatur

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