Royal Navy während der Koalitionskriege

Aspekt britischer Geschichte From Wikipedia, the free encyclopedia

Während der Koalitionskriege entwickelte sich die Royal Navy zur weltweit dominierenden Seemacht. Im Kampf gegen die französische Republik und das Kaiserreich Frankreich bestand ihre Aufgabe darin, Blockaden französischer Häfen aufrechtzuerhalten, Feldzüge zu unterstützen und britische Interessen weltweit zu verteidigen. Sie unterstand der Obersten Marinebehörde der Admiralität, die von Whitehall aus die Rekrutierung, Logistik und Strategie koordinierte. Seeleute lebten und arbeiteten unter schwierigen Bedingungen, mit beengten Quartieren, strenger Disziplin und sich wiederholenden Tagesabläufen. Die Verpflegung war einfach und oft von schlechter Qualität. Zu den Bemühungen um eine Verbesserung der Gesundheit gehörten der regelmäßige Verzehr von Zitronensaft zur Bekämpfung von Skorbut und später die Einführung von Konserven. Die medizinische Versorgung an Bord war rudimentär und beschränkte sich in der Regel auf einen Schiffsarzt und dessen Assistenten. Durch systematische Bemühungen zur Bekämpfung von Krankheiten konnte die Sterblichkeit auf den Schiffen reduziert werden. Die Rekrutierung einer ausreichenden Anzahl erfahrener Seeleute war ein ständiges Problem für die Royal Navy. Schwere Verluste durch Gefechte, Krankheit und Desertion führten dazu, dass die Schiffe oft unterbesetzt waren. Um diese Verluste auszugleichen, verließen sich die Kapitäne auf eine Kombination aus Freiwilligen, die durch Prämien angelockt wurden, der Zwangsrekrutierung durch Presskommandos und den den Küstenbezirken auferlegten Quoten.

Schnelle Fakten Führung, Militärische Stärke ...
Royal Navy
Führung
Oberbefehlshaber
de jure:
George III.
Georg IV.
Oberbefehlshaber de facto:John Pitt
John Jervis
Henry Dundas
Charles Middleton
Verteidigungsminister:Henry Dundas
Robert Hobart
John Pratt
Robert Stewart
Robert Jenkinson
Militärischer Befehlshaber:First Lord of the Admiralty
Sitz des Hauptquartiers:Admiralty, London
Teilstreitkräfte:Royal Marines
Militärische Stärke
Aktive Soldaten:
Wehrpflicht:
Wehrtauglichkeitsalter:
Geschichte
Höchste Mannstärke:138.000 1813
Höchster Etat:21.212.012 1813
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Die Praxis der Zwangsrekrutierung führte häufig zu Spannungen und war sowohl bei Seeleuten als auch in der breiten Öffentlichkeit unbeliebt. Viele der eingezogenen Männer hatten keine Erfahrung und ihre Eingliederung in die Mannschaft erfahrener Seeleute stellte eine ständige Herausforderung dar. Trotz dieser Schwierigkeiten errang die Royal Navy bedeutende Siege, wie bei Trafalgar und Abukir. Überlegene Seemannschaft, und Organisation, trugen maßgeblich dazu bei, die französische und die verbündeten Seestreitkräfte zu schwächen. Durch die Sicherung der Seeherrschaft verhinderte die Royal Navy eine Invasion Napoleons in Großbritannien und ermöglichte es dem britischen Handel, während der gesamten Kriegszeit weiterzulaufen.

Hintergrund

Als Preußen und Österreich im April 1792 gegen Frankreich in den Krieg zogen, schlossen sich die Briten ihnen zunächst nicht an. Erst der Einmarsch in die österreichischen Niederlande und die Kriegserklärung der Franzosen im Februar 1793 veranlassten die Briten, sich der Koalition anzuschließen. Die britische Strategie versuchte, die widersprüchlichen Forderungen nach ständiger militärischer Präsenz mit der globalen Strategie der Seeherrschaft in Einklang zu bringen. Der effektive Einsatz der Marinestreitkräfte wurde jedoch durch die schiere Größe der französischen Vorkriegsflotte erschwert. Die Grundlage für die Beherrschung der See bestand aus einer Blockade der französischen Marine in ihren Marinestützpunkten. Die Blockade würde die Franzosen an einem effektiven Schutz ihrer Kolonien und ihrer Handelsflotte hindern und damit ihre Wirtschaft schwächen.[1.1]

Geschichte

Erster Koalitionskrieg

Als die französische Flotte 1793 aktiviert wurde, gab es nur wenige Offiziere, die Schiffe waren baufällig, die Werften leer und die Männer waren kurz davor zu meutern. Der Kampf um lokale politische Interessen gegen die zentralistischen Jakobiner führte zur Übergabe von Toulon und damit der französischen Mittelmeerflotte an die Briten. 1793 waren die Franzosen zunächst untätig, was den Briten genügend Zeit gab, die Grand Fleet unter Richard Howe in Spithead zusammenzustellen.[1.1]

Glorious First of June

Das erste größere Gefecht zwischen der französischen und der Royal Navy fand am 1. Juni 1794 einige hundert Seemeilen westlich von Ouessant statt. Dort trafen 25 britische Schiffe unter Richard Howe auf 26 französische Schiffe unter Louis de Joyeuse. Die französische Flotte begleitete einen Konvoi von Getreideschiffen aus den Vereinigten Staaten, während die Briten versuchten, die französischen Seeoperationen zu stören und die Lieferung von Nachschub zu verhindern. Die Schlacht begann mit einer Reihe intensiver Schiff-zu-Schiff-Gefechte, bei denen die Briten versuchten, die französische Linie zu durchbrechen, um sie von beiden Seiten anzugreifen. Obwohl nur wenige Schiffe dazu in der Lage waren, konnten die Briten einzelne französische Schiffe in einem Melee isolieren und schwere Schäden verursachen. Den ganzen Tag über tobte die Schlacht, und es kam zu mehreren einzelnen Schiff-zu-Schiff-Duellen. Schließlich wurde die französische Flotte überwältigt, und viele ihrer Schiffe wurden gekapert oder zur Kapitulation gezwungen. Die Briten errangen einen entscheidenden Sieg, indem sie sieben französische Linienschiffe und eine Fregatte erbeuteten und dem Feind erhebliche Verluste zufügten.[2.1]

Mittelmeer und Nordsee

Am 5. Februar setzte eine britische Flotte unter John Jervis 6.100 Mann unter Charles Grey auf Martinique ab, das am 15. März erobert wurde. Am 2. April fielen St. Lucia und zehn Tage später Guadeloupe in die Hände der Briten. Im Juni und Juli 1795 kam es im Golf von Biskaya und im Mittelmeer zu weiteren Gefechten, die die Briten für sich entscheiden konnten. Die Verluste auf britischer Seite lagen bei 42 Toten und 152 Verwundeten. Schließlich konnte im August Korsika erobert werden.[3.1]

Mit dem Anschluss der Niederlande und Spaniens an Frankreich 1795 bzw. 1796 wurde die strategische Situation für die Royal Navy noch schwieriger. Im Mittelmeer war die Royal Navy schlichtweg überfordert. Neben der Aufrechterhaltung der Blockade von Toulon musste sie den britischen Handel schützen, Korsika und Livorno verteidigen und die Österreicher in Italien und in der Adria unterstützen. Nachdem die Franzosen Livorno, Korsika und Elba erobert hatten, blieben für die Briten nur wenige Häfen offen, so dass die Royal Navy im Dezember gezwungen war, sich aus dem Mittelmeer nach Gibraltar zurückzuziehen.[4.1][5.1] Trotz dieses Rückschlags konnte die Royal Navy die Spanier bei St. Vincent und die Niederländer bei Camperduin schlagen. Auch wenn diese Siege einen gewaltigen moralischen Schub für die Royal Navy darstellten, konnte nur verhindert werden, dass sich die Situation bis zum Kriegsende im Oktober nicht weiter verschlechterte.[6.1]

Zweiter Koalitionskrieg

Bevor die zweite Koalition gebildet wurde, herrschte bereits Krieg zwischen Frankreich und Großbritannien. Zusammen mit einer Reihe verschiedener Gründe konnte Napoleon das Direktorium davon überzeugen, eine Invasion in Ägypten zu starten, um die britischen Handelsrouten von und nach Indien zu bedrohen und damit die britische Wirtschaft schwächen. Die Briten erfuhren bald von einer großen Flotte in Toulon, aber da die Royal Navy noch immer aus dem Mittelmeer ausgeschlossen war, gestaltete sich das Sammeln weiterer Informationen über Ziel und Umfang sehr schwierig. Vizeadmiral John Jervis wurde, von der Admiralität mit der Aufklärung der Lage beauftragt. Jervis wiederum entsandte Horatio Nelson Anfang Mai ins Mittelmeer. Dort erfuhr schließlich vom Aufbruch der französischen Flotte nach Ägypten.[4.2]

Seeschlacht bei Abukir

Abukir am 1. August 1798

Am 1. August erreichte Nelsons Flotte die ägyptische Küste. Dort konnte er nur feststellen, dass die Franzosen schon an Land gegangen waren. Die Briten suchten die Küste nach der Französischen Flotte ab und sichteten sie schließlich in der Bucht von Abukir.[7.1] Obwohl nur noch wenige Stunden bis zum Einbruch der Dunkelheit verblieben und die Schiffe der Franzosen in einer starken Verteidigungsposition ankerten, gab Nelson den Befehl zum sofortigen Angriff. Mehrere britische Kriegsschiffe konnten durch eine Lücke an der Spitze der französischen Schlachtlinie hinter deren Position gelangen. Dadurch konnten die Briten die französischen Schiffe von zwei Seiten aus angreifen. Es kam zu heftigen Kämpfen, bei denen beide Flotten schwere Schäden erlitten. Der Höhepunkt war gegen 22.00 Uhr erreicht, als das 120-Kanonen-Schiff L'Orient, mit dem größten Teil der Besatzung, in die Luft flog. Die Kämpfe setzten sich für den Rest der Nacht fort. Von den 15 Französischen Schiffen entgingen nur zwei Linienschiffe und zwei Fregatten der Zerstörung oder der Gefangennahme durch die Briten.[3.2]

Europa

Nachdem Frankreich Russland und Österreich den Krieg erklärt hatte, suchte Großbritannien nach einem wirksamen Beitrag. In London erkannte die Britische Regierung, dass sich die öffentliche Meinung in den Niederlanden gegen Frankreich gewandt hatte. Daher bereitete die Regierung im Frühsommer eine Expedition unter dem Oberbefehl des Herzogs von York zur Wiedereinsetzung des früheren Statthalters Wilhelm V. von Oranien vor. Für die Expedition wurden Truppen in einer Stärke von etwa 27.000 Mann zusammengestellt. Russland stellte weitere 17.593 Mann sowie Transporte und Geleitschutz für bereit. Die gesamte Flotte wurde dem Befehl von Vizeadmiral Andrew Mitchell unterstellt.
Am 15. August übernahm Lord Duncan das Kommando. Aufgrund des schlechten Wetters kam die Expedition erst am Abend des 21. August in die Nähe von Texel und ankerte vor Kuikduin. Am nächsten Morgen stachen die Schiffe erneut in See und gingen eine halbe Seemeile vom Ufer entfernt wieder vor Anker. Unter der Parlamentärflagge wurde eine Nachricht an Vizeadmiral Samuel Storij gesandt. Storij weigerte sich, seine Schiffe auszuliefern und erklärte, dass er sie im Falle eines Angriffs verteidigen würde. Unter dem Beschuss des Geschwaders erfolgte daher am 27. August eine Landung auf dem Festland in der Nähe von Den Helder, das bald darauf eingenommen wurde. Gleichzeitig wurden die in Nieuwe Diep vor Anker liegenden holländischen Schiffe ohne Widerstand erobert.
Am frühen Morgen des 30. August ankerte Mitchells Geschwader vor der Einfahrt zum Vlieter, wo die Schiffe von Storijs Kommando lagen. Noch auf dem Weg dorthin schickte Mitchell ein weiteres Schiff, um Storij zur Übergabe aufzufordern. Zwei holländische Kapitäne trafen sich unter der Parlamentärflagge, und es wurde vereinbart, dass Storij eine Stunde Bedenkzeit erhalten sollte. Nach weniger als einer Stunde teilten die Holländer mit, dass beschlossen worden war, die Schiffe seines Geschwaders aufzugeben.[3.3] Nachdem Russland im Oktober die Koalition verlassen hatte, sah sich die Royal Navy einem Bündnis zwischen Russland, Dänemark und Schweden ausgesetzt. Eine ihrer ersten Handlungen war die Beschlagnahme der britischen Handelsschiffe in russischen Häfen. Wieder einmal stand Großbritannien Frankreich allein gegenüber. Eine große Flotte unter Hyde Parker wurde in die Ostsee entsandt, um das Problem zu lösen. Am 2. April griffen die Briten unter Nelson die schwimmenden Verteidigungsanlagen von Kopenhagen an. Nach mehrstündigen Kämpfen ergaben sich die Dänen schließlich und wurden gezwungen, die Bewaffnete Neutralität zu verlassen.[1.1] Am 6. Juli wurde eine Flotte unter James Saumarez in der Bucht von Gibraltar von den Franzosen besiegt. Neun Tage später traf Saumarez erneut auf die Franzosen konnte sie aber diesmal besiegen.[3.4] Mit der Unterzeichnung des Friedensvertrags von Amiens durch Charles Cornwallis am 25. März 1802 endete der Zweite Koalitionskrieg.[4.3]

Dritter Koalitionskrieg

Als Großbritannien im Mai Frankreich den Krieg erklärte, gab es zwei Punkte, an denen es sowohl möglich als auch notwendig war, Napoleons Expansionsbestrebungen zu blockieren. Der Ärmelkanal und die zentralen Engstellen im Mittelmeer. Um den Vormarsch Frankreichs in die Levante zu verhindern, musste die Royal Navy Malta halten und eine Flotte im westlichen Mittelmeerraum stationieren. Da Malta jedoch zu weit von Toulon entfernt war, um als Blockadebasis zu dienen, mussten die Briten ihre Aufmerksamkeit sowohl auf Sizilien als auch auf Nordafrika lenken. Während Horatio Nelson die Franzosen im Mittelmeer in Schach hielt, begannen die Briten mit einer Reihe von Militäroperationen auf den Westindischen Inseln. St. Lucia wurde am 22. Juni 1803 und Tobago neun Tage später eingenommen. Im September und November folgten Demerara, Essequibo und Berbice. Zur gleichen Zeit wurde Saint-Domingue blockiert, was schließlich zur Niederlage der französischen Garnison und zur Unabhängigkeit Haitis führte. 1804 konnte schließlich noch Suriname erobert werden.[8.1][6.2] In Europa hatte Napoleon mit dem Aufbau einer Invasionsflotte begonnen. Mit dieser Bedrohung war es von großer Bedeutung, die Blockade von Brest aufrechtzuerhalten. Darüber hinaus war es fast unmöglich den Kanal zu überqueren ohne auf die Schiffe der englischen Kanalflotte zu treffen. Im Dezember 1804 hatte sich mit dem Kriegseintritt Spaniens auf französischer Seite die strategische Situation für die Royal Navy dramatisch verschlechtert. Den 83 einsatzbereiten britischen Schiffen standen nun 102 der Französisch-Spanischen Flotte gegenüber.[6.3][5.2] Am 22. Juli konnte in der Schlacht bei Kap Finisterre der Versuch einer Landung in Großbritannien abgewehrt werden. Die Französisch-Spanische Flotte war jedoch nicht besiegt und so kam es am 21. Oktober 1805 erneut zur Schlacht.

John Christian Schetky die Schlacht von Trafalgar 1841 in Öl

Trafalgar

Als die Briten am Morgen des 21. Oktober gesichtet wurden, befahl der französische Admiral Villeneuve seiner Flotte, eine einzige Schlachtreihe zu formieren. Nelson befahl seiner Flotte, zwei Kolonnen zu bilden und von Westen her im rechten Winkel anzugreifen. Bis zum Mittag hatte die Lee-Kolonne unter Admiral Cuthbert Collingwood den hinteren Teil der französisch-spanischen Linie angegriffen, während Nelson den vorderen Teil und die Mitte der Linie von Villeneuve attackierte. Der größte Teil von Nelsons Kolonne konnte die Linie der feindlichen Flotte durchbrechen und in einem Melee erobern oder vernichten. Während des Gefechts wurde Nelson an Bord der Victory von einer Musketenkugel getroffen und schwer verwundet. Er wurde unter Deck gebracht, wo er später seinen Verletzungen erlag. Ein versuchter Gegenangriff von Admiral Pierre Dumanoir wurde zurückgeschlagen. Collingwood vollendete die Zerstörung der Nachhut, und die Schlacht endete gegen 17:00 Uhr.[1.2] Mit der anschließenden Schlacht bei Cariño wurde die Invasionsbedrohung ausgeschaltet.[8.2]

Vierter Koalitionskrieg und Fünfter Koalitionskrieg

Obwohl der dritte Koalitionskrieg mit dem Frieden von Pressburg endete, setzte Großbritannien den Kampf bis zu Beginn der Vierten Koalition gegen Napoleon fort. Im Februar 1806 konnte ein französisches Geschwader in der Schlacht von San Domingo besiegt werden. Dem Rest des Jahres folgten weitere Gefechte: vor Nordafrika, in der Karibik, im Indischen Ozean, und im Südpazifik.[8.3] Auch nach dem Frieden von Tilsit 1807 hielt der Krieg zwischen Frankreich und Großbritannien an. Im April 1808 kam es bei Cadiz und im November des gleichen Jahres in der Biskaya zu Gefechten. Im April 1809 kam es schließlich zur Schlacht an der Baskischen Reede. Nach dem Ende des Krieges auf dem Kontinent richtete Napoleon seine Aufmerksamkeit auf Großbritannien und dessen Marine. Er unternahm sofort Schritte, um sich die immer noch starke dänische und portugiesische Flotte zu sichern. Die Briten kamen ihm jedoch zuvor, indem sie ein starkes Flottengeschwader nach Kopenhagen schickten, das die Stadt bombardierte und die dänische Flotte im September in seine Gewalt brachte. Zwei Monate später wurde ein weiteres Geschwader nach Portugal entsandt, um die portugiesische Königsfamilie und die Flotte davon zu überzeugen, unter britischem Schutz nach Brasilien zu fliehen, anstatt sich Frankreich zu unterwerfen. Die Entschlossenheit und die schnelle Reaktion der Royal Navy überraschten Napoleon und machten seinen Plan zunichte, Großbritannien die maritime Initiative zu entreißen.[4.4] Bis zum Ende des Jahres folgten weitere Einsätze vor Java und in der Karribik, wobei Dänisch-Westindien erobert werden konnte.[8.4]

Napoleon an Bord der Bellerophon Ölgemälde von William Quiller Orchardson 1880

Sechster Koalitionskrieg und Herrschaft der Hundert Tage

Während des Sechsten Koalitionskrieges kam die Royal Navy nur zu kleineren Einsätzen. Sie hielt an ihrer Hauptaufgabe fest, die französischen Häfen zu blockieren und ihre Handelswege zu schützen. Der erste Vertrag von Paris, dessen Bedingungen nach der Rückkehr Napoleons 1815 im Allgemeinen bestätigt wurden, gab Großbritannien zahlreiche Überseestützpunkte für seine Marine. Es behielt Malta und Helgoland. Es blieb am Kap der Guten Hoffnung, auf Mauritius und in Sri Lanka und erweiterte seine Kolonien in der Karibik um Tobago und St. Lucia. Mit der Aufgabe, Napoleon nach St. Helena zu eskortieren, endete der Krieg für die Royal Navy.[9.1]

Nachwirkungen

Bald nach Kriegsende wurden bei der Marine massive Kürzungen vorgenommen. Die meisten Schiffe wurden ausgemustert oder in Reserve gestellt. Die Zahl der Seeleute sank um fast die Hälfte, und 1817 waren fast 90 Prozent der Marineoffiziere arbeitslos. Obwohl die Marine einen wichtigen Beitrag zum Sieg über Napoleon leistete und den Weg für die Pax Britannica ebnete, war ihr Ansehen bei Kriegsende eher gering. Die langen Kriege mit Frankreich hatten der Royal Navy schließlich eine so dominante Stellung verschafft, dass sie in den folgenden Jahrzehnten eher darunter litt, als dass sie davon profitierte.[4.5]

Führung Kontrolle und Organisation

Das Oberkommando über die Navy lag in den Händen des Königs, der seine Befehle, die Beschlüsse des Kabinetts, über den Secretary of State and War an die Admiralität weiterleitete.[10.1] Die beiden wichtigsten Stellen, die gemeinsam die Navy verwalteten, waren die Admiralität und das Navy Office. Die Admiralität, zu der auch das Sick and hurt- und das Transport- und das Victualling board gehörten, wurde vom Board of Admiralty unter der Leitung des First Lord of the Admiralty kontrolliert.[4.6] Die Aufgaben der Admiralität umfassten die strategische und operative Leitung der Navy. Obwohl dem Board of Admiralty ein bis drei Hauptleute angehörten, gab es keine Position, die dem heutigen Ersten Seelord entsprach, der als oberster Militär der Navy fungiert.[6.4]

Das Navy Office war für die laufende Verwaltung zuständig, einschließlich der Leitung der Werften, der Konstruktion, des Baus und der Reparatur von Schiffen sowie der Beschaffung von Schiffsausrüstung wie Holz, Eisen oder Segeltuch. Das Navy Office war zudem für die Finanzen und die Bezahlung der Offiziere und Mannschaften verantwortlich. Das Office wurde vom Navy Board beaufsichtigt, dessen leitende Beamte der Comptroller of the Navy (stets ein ehemaliger Seeoffizier), der Surveyor of the Navy (stets ein ehemaliger Schiffbauer), der Clerk of the Acts (in der Regel ein ehemaliger Angestellter des Navy Office) sowie die zivilen Controllers of Accounts waren, die die finanziellen Angelegenheiten des Board verwalteten.[6.5]

Einheiten

Während der Koalitionskriege existierten acht Flotten und Stützpunkte auf verschiedenen globalen Standorten. Die wichtigsten Flotten bzw. Stützpunkte waren die Mittelmeerflotte, die Kanalflotte und die Nordseeflotte. Kleinere Stützpunkte befanden sich in Jamaika, Indien, der Karibik, und in Nordamerika.[6.6][11.1] Es gab keinen strikten Größenunterschied zwischen Flotten und Geschwadern. 1797 verfügte die Mittelmeerflotte über bis zu zweiundsechzig Schiffe, während das Geschwader der Leeward-Inseln, im selben Jahr vierundvierzig Schiffe umfasste. Im Allgemeinen bestanden die größten Flotten aus dreißig bis über neunzig Schiffen, während Geschwader von wenigen Schiffen bis zu mehr als vierzig Schiffen reichen konnten. Eine Flotte wurde in der Regel von einem Flottenadmiral, einem Vizeadmiral oder einem Konteradmiral befehligt. Ein Geschwader wurde ebenfalls von einem Flaggoffizier oder einem Kommodore befehligt.[A 1] In einigen Fällen operierten Schiffe und Geschwader direkt unter dem Befehl der Admiralität, wobei ein Kapitän das Kommando führte.[12.1]

Rekrutierung und Ausbildung

Mannschaften

Mit der Erweiterung der britischen Flotte von 283 Schiffen 1795 auf 335 1810 stieg der Bedarf an Personal stark an. Um diesen Nachfrage zu decken, wurde in diesem Zeitraum, die Anzahl der Männer einschließlich Offizieren und Marinesoldaten, von 96.000 auf 138.000. erhöht[10] Die Kapitäne waren für die Rekrutierung ihrer eigenen Besatzungen verantwortlich. Sie bevorzugten erfahrene Freiwillige, oft ehemalige Seeleute der Handelsmarine oder Männer, die von anderen Schiffen wechselten. Freiwillige erhielten eine Prämie, die sich nach ihrer Erfahrung richtete, sowie zwei Monatsgehälter im Voraus, wodurch sie Kleidung und Ausrüstung erwerben konnten.[A 2][13.1] Presskommandos waren Teil des Rekrutierungssystems, insbesondere in Kriegszeiten. Presskommandos operierten von Gasthäusern aus und durchsuchten die Straßen und Kneipen nach geeigneten Rekruten. Anzeichen von körperlicher Arbeit auf See, wie zum Beispiel teerbefleckte Händen waren ein Hauptkriterium zur Zwanksrekrutierung. Widerstand und Versuche von Freunden oder Verwandten die Rekrutierung zu verhindern führte, häufig zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Oft überschritten die Presskommandos ihre Befugnisse und nahmen Ausländer oder Männer mit offiziellen Schutzpapieren mit.[13.1][14.1]

George Morland „The Press-Gang“ Öl auf Holztafel, 1790

Die zwangsrekrutierten Männer wurden zu einem Sammelpunkt und von dort auf ein vor Anker liegendes Schiff gebracht, das als provisorisches Gefängnis diente. Die Bedingungen auf diesen Schiffen waren hart: überfüllte und unhygienische Laderäume sowie ständige Überwachung. Die Wartezeit auf die Verlegung auf ein Kriegsschiff konnte von einer einzigen Nacht bis zu mehreren Wochen reichen. Zu den Anreizen eines Presskommandos gehörten ein Kopfgeld für jeden Rekruten und Bestechung. Im Jahr 1795 arbeiteten rund 1.000 Mann in 85 Kommandos in den englischen Küstenstädten.[13.2]

Auch auf See fand Zwangsrekrutierung statt: Kapitäne der Royal Navy konnten Handelsschiffe aufbringen und Besatzungsmitglieder einziehen. Einige Handelsschiffe bauten versteckte Räume, um Besatzungsmitglieder während einer Inspektion zu verbergen. Ausnahmen von der Zwangsrekrutierung galten für Lotsen, Fischer, Handelsoffiziere und Ausländer, die durch leicht zu fälschende oder ausgeliehene Schutzpapiere dokumentiert wurden. Trotz des Verbots Ausländer zu rekrutieren, wurden häufig Amerikaner und andere zwangsverpflichtet, was oft zu diplomatischen Zwischenfällen führte.[13.3] Die Quotengesetze von 1795 und 1796 sollten dem Personalmangel entgegenwirken, indem sie jedes County dazu verpflichteten, eine festgelegte Anzahl von Männern zu stellen. Die Quoten richteten sich nach der Einwohnerzahl und der Anzahl der Häfen.[6.7]

Anreize und hohe Prämien motivierten arme Männer und Kleinkriminelle, sich freiwillig zu melden. In einigen Fällen konnten Strafgefangene als Alternative zur Verbüßung ihrer Strafe, darunter Kriegsgefangene. Das System der Quotengesetze führte zu einer erhöhten Aufnahme von unerfahrenen Männern, wodurch Leistung und Fähigkeit der Navy nachließ.[14.2] Obwohl diese kombinierten Rekrutierungsmethoden unpopulär und bisweilen chaotisch waren, ermöglichten sie es der Royal Navy, die für ihre Schiffe benötigte Mannstärke zu erreichen, auch wenn die Erfahrung und das Ausbildungsniveau der neuen Rekruten stark variierten.[13.3] Mit Ausnahme der Kanoniere gab es keine offizielle Ausbildung für Seeleute, da die meisten von ihnen ihre Erfahrung hauptsächlich in der Handelsmarine gesammelt hatten.[14.3]

Unter der Anleitung des Kanoniers und seines Stellvertreters fanden täglich Schießübungen statt.[13.4] Anstelle schriftlicher Anweisungen nutzten die Besatzungen eine festgelegte Abfolge von Befehlen und Schritten, die sich von Schiff zu Schiff geringfügig unterscheiden konnte. Jede Übung umfasste mehrere Phasen. Zunächst wurde die Kanone mit Hilfe der Einholtaljen (train tackle) und des Brooktau gesichert.[15.1] Anschließend wurde der Lauf gereinigt. Eine Kartusche, die üblicherweise in einem Papierbehälter aufbewahrt wurde, wurde mit einem Ansetzer in den Lauf gestopft. Danach wurde eine Kanonenkugel aus einem nahegelegenen Gestell entnommen und ebenfalls in den Lauf eingeführt. Ein aus Lumpen geformtes Polster wurde eingesetzt, um die Kugel in Position zu halten.[16.1] Anschließend wurde die Kanone mit Hilfe der Seitentaljen (gun tackle) in Schussposition gebracht. Der Geschützkapitän steckte eine mit Pulver gefüllte Feder in das Zündloch, um die Kartusche zu durchstechen, überprüfte die Ausrichtung auf das Ziel und feuerte die Kanone ab. Nach dem Rückschlag wurde die Kanone mit Hilfe der Seitentaljen zurück in Position gebracht. Der Geschützkapitan verschloss daraufhin die Zündöffnung, um den Verschleiß durch die freigesetzten Gase zu verringern.[A 3] Dieser Vorgang wurde bei jedem weiteren Schuss wiederholt. Eine 32-Pfünder-Kanone, die etwa drei Tonnen wog, war mit einem Abstand von etwa 3,35 Metern von Kanonenmitte zu Kanonenmitte aufgestellt. Da jede Lafette etwa 1,52 Meter breit war, betrug der Abstand zwischen benachbarten Kanonen etwa 1,83 Meter. Die Geschützmanschaften der beiden benachbarten Kanonen führten alle notwendigen Aufgaben in diesem beengten Raum aus. Jedem Matrosen standen nur etwa 60 cm Breite zum Manövrieren zur Verfügung. Diese Einschränkung bedeutete, dass ein kleiner Fehltritt nach vorne oder hinten die Gefahr einer Verletzung oder ein Zusammenstoß mit einem der benachbarten Geschützmannschaften barg.[16.2]

Royal Marines

An Land waren die Royal Marines in vier Divisionen gegliedert, die üblicherweise nach ihren Kasernen in Chatham, Portsmouth, Plymouth und Woolwich benannt wurden. Die Rekrutierung und Ausbildung folgte einem ähnlichen Muster wie bei der Heer. Jede Division wurde von einem Generalmajor oder einem Oberst befehligt. Die Divisionen waren in Kompanien unterteilt, nicht in Regimenter. Eine Kompanie, angeführt von einem Hauptmann, umfasste vier Offiziere, sechzehn Unteroffiziere, fünf Trommler und 130 Marineinfanteristen. Alle Kriegsschiffe mit mindestens zwölf Kanonen hatten eine Abteilnung Royal Marines an Bord. Diese Abteilungen folgten nicht der Kompaniestruktur; stattdessen wurden Offiziere und Mannschaften nach Bedarf eingesetzt.[13.5] Marineinfanteristen unterstützten Seeleute bei grundlegenden Aufgaben an Bord, wie dem Bedienen von Pumpen, dem Betätigen der Ankerwinde zum Einholen von Ankern und dem Verladen von Ballast oder Fässern im Laderaum. Arbeiten in der Takelage gehörte nicht zu ihrem Aufgabenbereich. Außerhalb des Wachdienstes, nahmen die Marineinfanteristen an täglichem Musketen- und Geschützdrill teil. 1804 wurde die Royal Marine Artillery gegründet, um die Aufgaben der Royal-Artillery-Abteilungen zu übernehmen, die zuvor Mörser auf Bombarden bedient hatten. Jede Marine-Division umfasste fortan eine Artilleriekompanie, bestehend aus 95 Mann.[13.6]

Offiziere

Offiziere und Deckoffiziere (Warrant Officer) wurden über getrennte Systeme rekrutiert und befördert. Offiziere erhielten ihre Ernennungen direkt von der Admiralität, während Deckoffiziere vom Navy Board ernannt wurden, das als untergeordnete Behörde fungierte. Zu den Offizieren, die manchmal auch als Seeoffiziere bezeichnet wurden, gehörten die Dienstgrade vom Leutnant bis zum Admiral. Diese befehligten die Schiffe, führten Geschwader an und beaufsichtigten Marineoperationen. In ihrer Funktion als fachübergreifend tätige Offiziere oblag ihnen die Koordination sämtlicher operativer Abläufe. Sie waren Generalisten, die für Führungsaufgaben und die Leitung verantwortlich waren. Deckoffiziere hingegen waren auf technische Bereiche spezialisiert. Zu ihren Dienstgraden gehörten der Schiffmeister, der Schiffsarzt, der Zahlmeister, der Bootsmann, der Kanonier und der Schiffszimmermann. Während sich ihre Führungsaufgaben im Allgemeinen auf ihre jeweiligen Fachgebiete beschränkten, genossen einige wenige, wie der Schiffsmeister oder der Zahlmeister, einen ausreichend hohen Status, um gemeinsam mit den Offizieren in der Offiziersmesse zu speisen. Die meisten Deckoffiziere waren viele Jahre lang auf demselben Schiff stationiert, wodurch ihre Aufstiegschancen weitaus begrenzter waren als die der Offiziere.[13.7]

Die Mehrheit der Offiziere stammte aus Familien der Mittel- oder oberen Bürgerschicht und nicht aus dem Adel.[17.1] Viele traten in die Fußstapfen ihrer Väter oder Verwandten, die in der Navy gedient hatten. Anders als in der Armee, wo Offiziersposten gekauft werden konnten, erforderte der Weg zum Offizier jahrelange praktische Ausbildung auf See, gefolgt von einer strengen Prüfung, bevor man zum Leutnant ernannt wurde. Nach bestandener Prüfung war ein Offizier in der Regel gezwungen mit halbem Sold (half pay) zu warten bis eine Stelle frei wurde. Die Beförderung hing eher von Fähigkeiten, sozialen Verbindungen und dem Zufall ab als vom Wohlstand. So stammten beispielsweise bei Trafalgar 80 Prozent der 172 Leutnants aus der Mittelschicht.[13.8]

Offizierspatente der Royal Navy wurden nicht wie in der Armee direkt vom Monarchen, sondern durch die Lords Commissioners of the Admiralty ausgestellt. Der Wortlaut des Ernennungsdokuments war direkter und weniger feierlich als das entsprechende Dokument der Armee und endete mit der Warnung, dass Ungehorsam auf eigene Gefahr erfolge. Es gab mehrere Wege, um eine Ernennung zu erlangen. Der häufigste Weg begann bereits in der Jugend als Gehilfe eines Kapitäns oder in einer anderen informellen Position, gefolgt von mindestens sechs Jahren auf See, darunter zwei Jahre als Fähnrich (Midshipman) oder Steuermannsmaat (Master’s mate). Danach konnte der Kandidat die für den Rang eines Leutnants erforderliche mündliche Prüfung ablegen. Viele, die diesen Weg einschlugen, hatten familiäre Verbindungen zu Offizieren, was ihnen half, einen Platz an Bord eines Schiffes zu sichern.[13.9]

Auch ein Leichtmatrose (ordinary seaman) oder ein Schiffsjunge konnte sich durch Verdienste hocharbeiten und verschiedene Unteroffiziersposten durchlaufen, bevor er zum Fähnrich oder Steuermannsmaat ernannt wurde. Nach zwei Jahren auf diesen Posten war er berechtigt, die Prüfung zum Leutnant abzulegen. Diejenigen, die diesen Weg einschlugen, waren in der Regel älter, wenn sie schließlich in den Offizierskorps aufgenommen wurden. Einige Offiziere wechselten aus der Handelsmarine, insbesondere wenn sie den Rang eines Maats oder höher erreicht hatten und nach weiteren Aufstiegsmöglichkeiten suchten. Diese Männer konnten zum Steuermannsmaat aufsteigen und ihre Erfahrung auf See nutzen, um ihre Karriere in der Navy voranzutreiben.[13.10]

Die Ausbildung am Royal Naval College in Portsmouth bot einen weiteren Weg. Das College bot Jungen im Alter von dreizehn bis sechzehn Jahren eine dreijährige Ausbildung in Navigation, Mathematik und anderen Fächern an.[13.10][6.8] Trotz der schulischen Ausbildung war dieser Weg nicht besonders beliebt; praktische Erfahrung auf See, persönliche Beziehungen und der Ruf spielten für eine Beförderung eine größere Rolle. Die Volunteer Class 1 bot einen weiteren Einstieg, indem sie Jungen, als Freiwillige aufnahm, die dann als Fähnrich oder Steuermannsmaat dienten, bevor sie die Prüfung zum Leutnant ablegten. Während die Söhne von Offizieren bereits im Alter von elf Jahren beitreten konnten, mussten andere bis zum Alter von dreizehn Jahren warten. Das System zur Auswahl dieser Freiwilligen beruhte in der Regel auf persönlicher Bekanntschaft oder familiären Verbindungen zum Schiffskapitän und nicht auf einer formellen Auswahl durch die Admiralität.[13.10]

Bezahlung

Während des größten Teils des 18. Jahrhunderts blieb die Besoldung der Royal Navy auf dem im Jahr 1700 festgelegten Niveau, mit nur geringfügigen Änderungen. Als die Offiziere 1794 das Recht verloren, persönliche Bedienstete mit an Bord zu nehmen, wurde ihre Besoldung um 11 Pfund 8 Shilling pro Jahr für jeden Bediensteten erhöht, auf den sie nun verzichten mussten. 1797 stieg die Besoldung für Leutnante auf einen einheitlichen Betrag von 7 Pfund pro Monat für alle Schiffstypen. Im gleichen Jahr gab es Erhöhungen für Unteroffiziere und Mannschaften: Unteroffiziere und Vollmatrosen erhielten 5 Shilling und 6 Pence mehr pro Monat; Leichtmatrosen 4 Shilling und 6 Pence; alle anderen eine Erhöhung von 3 Shilling und 6 Pence. 1807 wurde eine neue und umfassendere Besoldungstabelle eingeführt.[6.9]

Die Besoldung der Offiziere richtete sich sowohl nach dem Dienstgrad als auch nach dem Posten, d. h. nach der Position und der Einstufung des Schiffes. So verdiente beispielsweise der Kapitän eines großen Schiffes deutlich mehr als der Kapitän eines kleinen Schiffes, und der Unterschied zwischen einem Kapitän und einem Leutnant konnte geringer sein als der zwischen zwei Kapitänen verschiedener Schiffe. 1793 betrug der Unterschied zwischen Kapitänen von Schiffen ersten und sechsten Ranges etwa 20 Pfund pro Monat, während die Differenz zwischen dem Sold eines Kapitäns auf einem Schiff sechsten Ranges und dem eines Leutnants auf einem Schiff ersten Ranges lediglich 1 Pfund 8 Shilling betrug. Bei Flaggoffizieren war dieses System noch ausgeprägter. 1793 erhielt ein Admiral 140 £ pro Mondmonat oder 1.820 £ pro Jahr, während die niedrigsten Ränge wie Schiffsjungen kein Gehalt erhielten. Unter Berücksichtigung aller Einkommensquellen lagen die Einkommen der Stabsoffiziere weit über denen der Hauptleute (junior officer).[18.1]

Weitere Informationen Sold pro Tag ...
Flaggoffiziere
Sold pro Tag
Flottenadmiral 5£ 0s 0d
Admiral 3£ 10s 0d
VizeAdmiral 2£ 10s 0d
Konter-Admiral 1£ 15s 0d
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Weitere Informationen Sold pro Monate, 1st rate ...
Offiziere, Deckoffiziere und Mannschaftsdienstgrade 1807
Sold pro Monate 1st rate 2nd rate 3rd rate 4th rate 5th rate 6th rate
Kapitän 32£ 4s 0d 26£ 12s 0d 23£ 12s 0d 18£ 4s 0d 15£ 8s 0d 16£ 16s 0d
Leutnant 8£ 8s 0d (£9 2s 0d auf Flaggschiffen)
Steuermannsmaat 12£ 12s 0d 11£ 11s 0d 10£ 10s 0d 9£ 9s 0d 8£ 8s 0 d 7£ 7s 0d
Schiffsarzt 15£ 8s 0d to 25£ 4s 0d gemäß Dienstalter
Zimmermann 5£ 16s 0d 5£ 6s 0d 4£ 16s 0s 3£ 6s 0d 3£ 6s 0d 3£ 1s 0d
Bootsmann 4£ 16s 0d 4£ 6s 0d 3£ 16s 0d 3£ 6s 0d 3£ 6s 0d 3£ 1s 0d
Geschützmeister 4£ 16s 0d 4£ 6s 0d 3£ 16s 0d 3£ 6s 0d 3£ 6s 0d 3£ 1s 0d
Fähnrich 2£ 15s 6d 2£ 10s 6d 2£ 8s 0d 2£ 4s 3d 2£ 0s 6d 2£ 0s 6d
Waffenmeister 2£ 15s 6d 2£ 10s 6d 2£ 8s 0d 2£ 4s 3d 2£ 0s 6d 2£ 0s 6d
Profoss 2£ 15s 6d 2£ 10s 6d 2£ 8s 0d 2£ 4s 3d 2£ 0s 6d 2£ 0s 6d
Quartiermeister 2£ 5s 6d 2£ 5s 6d 2£ 2s 6d 2£ 0s 6d 1£ 18s 6d 1£ 18s 6d
Steuermann 2£ 2s 6d 2£ 0s 6d 1£ 18s 6d 1£ 16s 6d 1£ 16s 6d 1£ 16s 6d
Steward 1£ 15s 6d 1£ 15s 6d 1£ 15s 6d 1£ 13s 10d 1£ 10s 2d 1£ 9s 6d
Koch 1£ 15s 6d 1£ 15s 6d 1£ 15s 6d 1£ 15s 6d 1£ 15s 6d 1£ 14s 6d
Kaplan 0£ 19s 0d
Vollmatrose 1£ 13s 6d
Leichtmatrose 1£ 5s 6d
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Zulagen wurden hauptsächlich an Stabsoffiziere und einige höhere Deckoffiziere gezahlt. Die einfache Besatzung und die unteren Dienstgrade erhielten in diesem Bereich kaum oder gar keine Zulagen. Die wichtigste Zulage war die Compensation, die ab 1794 den Sold für Bedienstete ersetzte. In der Regel erhielten Offiziere, die vor 1794 Anspruch auf Bedienstete hatten, nun 19 Shilling pro Monat (berechnet als Kalendermonat). Als dieser Betrag für Seeleute 1797 angehoben wurde, stieg die Entschädigung für Offiziere nicht an. Das bedeutete, dass ein Leichtmatrose zwar 12 Pfund 7 Shilling pro Jahr erhalten konnte, die Entschädigung eines Offiziers pro Bediensteten jedoch bei 11 Pfund 8 Shilling blieb. Der Anspruch eines Kapitäns auf Entschädigung hing von der Größe seiner Besatzung ab. Ein Kapitän eines Schiffes sechsten Ranges mit etwa 200 Besatzungsmitgliedern erhielt eine Entschädigung für acht Bedienstete in Höhe von insgesamt 91 Pfund 4 Schilling pro Jahr.[18.2]

Der Kapitän eines Schiffes ersten Ranges konnte eine Entschädigung für zweiunddreißig Bedienstete geltend machen, wodurch sich sein Einkommen um 364 Pfund 16 Shilling pro Jahr erhöhte. Die Anzahl der Bediensteten für Admirale richtete sich nicht nach Besatzungsstärke. In der Regel verfügte ein Flagoffizier über eine Entourage aus Bediensteten, Schützlingen und persönlichem Gefolge. Ebenfalls konnte ein Admiral seinem Grundgehalt Entschädigungen und Tischgeld (1 £ pro Tag) hinzufügen, wodurch sich das jährliche Gesamteinkommen auf fast 2.857 £ belief. Konteradmirale und andere Flaggoffiziere erhielten weniger, wobei ihr zusätzliches Einkommen ebenfalls an Zulagen und Entschädigungen gebunden war.[18.3]

Abzüge waren üblich. Alle Angehörigen der Navy zahlten monatlich sechs Pence an das Royal Hospital in Greenwich. Deckoffiziere zahlten monatlich einen zusätzlichen Schilling für den Greenwich Chest, der kranken und verletzten Seeleuten zugutekam. Offiziere leisteten zudem jährlich drei Pence pro Pfund an den Officers' Widows' Fund. Einigen Offizieren wurde in Friedenszeiten oder zwischen zwei Dienstposten nur halber Sold (half pay) gezahlt. Dieser richtete sich nach dem Dienstalter, nicht nach dem Rang auf dem Schiff. Deckoffiziere erhielten in dieser Zeit gar keinen Sold hatten aber Anspruch auf eine Rente.[18.4]

Prisengeld

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts waren die Gesetze zum Prisen-Geld weitgehend festgelegt. Ursprünglich erhielten die Krone und der Lord High Admiral Anteile an allen Prisen. Mit dem Cruizers Act von 1708 ging der größte Teil der Prisen an die Schiffsbesatzungen. Prisen mussten vor der Verteilung der Beute durch Gerichte bestätigt werden. Der Prozess begann mit einer Bekanntgabe der Feindseligkeiten, wobei jedes gekaperte Schiff einer rechtlichen Verurteilung durch den High Court of Admiralty bedurfte. Das Gesetz legte strenge Regeln fest, um eine unbefugte Entnahme der Ladung vor diesem Schritt zu verhindern.[18.5]

Die Verteilung der Prisengelder folgte festgesetzten Anteilen. Vor Juni 1808 erhielten die Kapitäne drei Achtel, wobei die Flaggoffiziere einen Teil davon beanspruchten, sofern sie ein Geschwader befehligten. Die Subalternoffiziere der Marineinfanterie, die Leutnante, der Schiffsmeister und weitere Stabsoffiziere teilten sich ein Achtel. Andere Offiziere, die Deckoffiziere, Fähnriche und Sergeanten der Marineinfanterie erhielten ein Achtel. Der Restbetrag – zwei Achtel – entfiel auf die übrige Schiffsbesatzung. Im Jahr 1808 fassten neue Regelungen die Anteile für die Subalternoffiziere und die Besatzung zusammen, wodurch deren gemeinsamer Anteil auf die Hälfte der Prise stieg, während der Anteil des Kapitäns reduziert wurde.[18.6]

Flaggoffiziere erhielten Anteile von allen Prisengeldern, die von Schiffen unter ihrem Kommando aufgebracht wurden. Diese Regelung konnte einen Admiral sehr vermögend machen, selbst bei geringer Beteiligung an der jeweiligen Kaperung (Bis 200.000 Pfund im Laufe ihrer Dienstzeit). Die Zuteilung von Anteilen unterlag für Kapitäne erheblichen Schwankungen, da sie von der Einsatzlage und dem Zufall abhängig war. Während einzelne Erfolge zu Beträgen von bis zu 65.000 Pfund führen konnten, blieben andere Offiziere ohne nennenswerte Zusatzeinnahmen. Die Verteilung nach Dienstgraden führte bei den unteren Rängen zu deutlich geringeren Erlösen. Zwar erhielten Leutnante, Deckoffiziere und Fähnriche bei bedeutenden Kaperungen gelegentlich substanzielle Summen. Obwohl der Anteil eines Matrosen bei wertvollen Prisen theoretisch mehreren Jahreslöhnen entsprechen konnte, stellten solche Ereignisse die Ausnahme dar. In der Regel fielen die Beträge geringer aus und wurden zudem durch Gerichts- und Verwaltungsgebühren gemindert.[18.7]

Die Prisengerichte, welche für die rechtliche Prüfung und Verteilung zuständig waren, erhoben oft hohe Gebühren. Diese konnten einen Großteil des Prisenwertes verschlingen, was zu Beschwerden seitens der Offiziere und Mannschaften führte. In einigen ungewöhnlichen Fällen überstiegen die Gebühren sogar den Wert der Prise selbst. Streitigkeiten über die Anteile waren an der Tagesordnung und führten zu Prozessen und Unmut über alle Dienstgrade hinweg. Die Reformen von 1808 verringerten die Unterschiede zwischen höheren und niedrigeren Dienstgraden, erweiterten den Kreis derjenigen, die am Anteil der Besatzung beteiligt waren, und passten die Anteile der Offiziere an.[18.8]

Prisengelder boten einfachen Seeleuten einen seltenen finanziellen Glücksfall. Manchmal nutzten Männer ihren Anteil, um sich aus der Navy freizukaufen oder ihre Lebensumstände zu verbessern. Viele gaben ihre Gewinne jedoch rasch wieder aus – ein Umstand, der von zeitgenössischen Beobachtern oft vermerkt wurde. Kaperfahrer (privateers) operierten nach eigenen Regeln und segelten mit offizieller Genehmigung, um den feindlichen Handel anzugreifen. Ihr Schicksal variierte stark. Sie durften alle Erlöse aus gekaperten Schiffen behalten, sofern sie die rechtlichen Vorgaben einhielten. Die Aktivitäten der Kaperfahrer blieben verbreitet, wurden jedoch von der regulären Marine mit Misstrauen betrachtet. Die Aussicht auf Prisengelder beeinflusste die Moral und prägte das Leben in der Royal Navy. Während sie die Chance auf unerwartetes Vermögen bot, blieb sie für die meisten ein Lotteriespiel mit ungewissem Ausgang. Das System belohnte das Risiko, brachte jedoch auch Verzögerungen, Bürokratie und Streitigkeiten mit sich, die den Nutzen mitunter überschatteten.[18.9]

Beförderung

Die Beförderung in der Royal Navy im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert war eine Mischung aus persönlichem Verdienst, Erfahrung, Empfehlungen und Verbindungen oder Gönnerschaft,(Interest). Zukünftige Offiziere traten in der Regel unter der Patronage erfahrener Offiziere den Dienst an. Der Kapitän war befugt, einen Anwärter zum Fähnrich, Steuermannsmaat oder zum kommissarischen Leutnant ernennen. Für eine offizielle Ernennung zum Leutnant musste der Kapitän den Kandidaten empfehlen. Die endgültige Genehmigung sowie die Erteilung eines offiziellen Patents lagen in der Verantwortung des Admirals, dem der Kapitän unterstellt war. Der Admiral bestätigte die Ernennung durch den Kapitän, informierte die Admiralität über den neuen Kandidaten und kümmerte sich häufig um die Förderung von Offizieren, die auf dem Flaggschiff versammelt waren, und auf eine Beförderung warteten. Trotz des Einflusses auf lokaler Ebene lag die oberste Entscheidungsgewalt bei der Admiralität, insbesondere in den Händen des Ersten Lord der Admiralität, von dessen Entscheidungen alle dauerhaften Beförderungen abhingen.[18.10]

Freie Stellen zur Beförderung ergaben sich oft aus Ereignissen wie Todesfällen oder Kriegsgerichtsverfahren. Die Oberbefehlshaber der Auslandsstationen konnten Offizierspatente zur Besetzung von Kommandoposten ohne feste Stelle vergeben, die später von der Admiralität bestätigt wurden.[6.10] Für die meisten Anwärter bestanden die erforderlichen Schritte darin, Dienst als Fähnrich zu leisten, die Prüfung zum Leutnant zu bestehen, ein Offizierspatent zu erwerben und dann auf weitere Beförderungen zu hoffen. Die Verweildauer in jedem Rang variierte stark, abhängig sowohl von den sich bietenden Gelegenheiten als auch von der Unterstützung durch Gönner. Einige Glückliche wurden rasch befördert und konnten innerhalb von sechs Jahren vom Fähnrich zum Leutnant befördert werden. Manche erreichten dieses Zeile nach schneller, wenn sie von einflussreichen Förderern unterstützt wurden. Andere hingegen mussten lange Zeit auf eine Beförderung warten; so gab es beispielsweise Offiziere, die über fünfzehn Jahre als Leutnant dienten, bevor sie befördert wurden.[18.11]

Die Zahl der Kapitäne überstieg regelmäßig die Zahl der Schiffe, die für sie verfügbar waren. Bis 1810 hatte weniger als die Hälfte der registrierten Kapitäne tatsächlich das Kommando über ein Schiff. Mit der Einführung des Ranges eines Kommandanten 1794 wurde die direkte Beförderung vom Leutnant zum Kapitän abgeschafft, und der Umweg über den Rang eines Kommandanten wurde zur Regel. Eine Anstellung als Kommandant war jedoch schwierig, da es zu wenige geeignete Schiffe gab. Eine Beförderung zum Kommandanten oder Kapitän konnte eine Zeit der Arbeitslosigkeit bedeuten, sodass einige eine Beförderung ablehnten, wenn dies bedeutete, ohne Schiff auf halben Sold gesetzt zu werden.[6.11] Eine Beförderung erfolgte oft als Belohnung für Taten im Kampf – Heldenbeförderungen – oder für den Dienst in Schlüsselpositionen, wie zum Beispiel als Erster Leutnant nach einem Sieg. Diese konnten eine Beförderung mit oder ohne anschließende Verleihung eines Kommandos beinhalten.[18.12]

Im weiteren Kriegsverlauf entwickelten sich Beförderungen ohne gleichzeitige Zuweisung einer neuen Kommandostelle zur gängigen Praxis. Ursächlich hierfür war ein personelles Ungleichgewicht: Das Kontingent an beförderungsfähigen Offizieren überstieg die Anzahl der verfügbaren freien Stellen in den entsprechenden Dienstgraden deutlich. Für Subalternoffiziere stellte die Beförderung die einzige Möglichkeit dar, sich auszuzeichnen, da Orden oder Auszeichnungen selten vergeben wurden, oder das Tragen auf der Uniform verboten war. Tapferkeit im Einsatz bildete die wichtigste Ausnahme von der üblichen Beförderung. Gegen Ende des Krieges wurden jedoch immer mehr Beförderungen ohne Berücksichtigung von Verdiensten im Kampf ausgesprochen.[6.12] Politische Änderungen und Experimente wie die Beförderungen nach Dienstalter oder die Schaffung von Beförderungs-Zonen wurden erprobt, konnten sich in dieser Zeit jedoch nicht durchsetzen. Die Beförderung in die höchsten Ränge folgte einer strengen Reihenfolge, wobei jeweils nur ein oder höchstens zwei Offiziere gleichzeitig den Rang eines Flottenadmirals erhielten. Der Aufstieg auf dieser Ebene war sowohl vom Erhalt des Postens als auch von finanziellen Zuwendungen oder persönlichem Interesse abhängig.[18.13]

Lebensbedingungen

Die Lebensbedingungen in der Royal Navy variierten je nach Rang und Größe des Schiffes. Stabsoffiziere wie Kapitäne bewohnten eigene Kabinen am Heck oder Bug, die mit an Balken aufgehängten Holzbetten ausgestattet waren und ein gewisses Maß an Privatsphäre boten.[19.1] Die Kapitänskajüte war am geräumigsten und verfügte über separate Räume für Mahlzeiten und Besprechungen. Die Offiziere trafen sich in der Offiziersmesse zu den Mahlzeiten und zur Erholung,[18.14] während Deckoffiziere und Fähnriche sich kleinere Unterkünfte teilten.[19.2]

Der Großteil der Besatzung, die Mannschaftsdienstgrade, schliefen und aßen auf den Kanonendecks. Ihre Quartiere waren beengt; die Standardbreite für eine Hängemattenplatz betrug etwa 35 Zentimeter pro Mann. Unteroffiziere und Fähnriche hatten etwas mehr Platz, bis 51 bis 72 Zentimeter; ihre Plätze befanden sich in der Regel nahe den Schiffsseiten. Jeder erhielt zwei Hängematten aus Segeltuch mit einer dünnen Matratze und einer Decke. Die Hängematten waren eindeutig nach Nummern geordnet und wurden tagsüber aufgerollt und verstaut, um Platz in dem beengten Raum zu schaffen. Die Schlafplätze wurden nach Rang und Dienst zugewiesen. Da die meisten Kriegsschiffe im Zwei-Wachen-System operierten, konnten die Männer in Freiwache den Platz auf beiden Seiten manchmal als zusätzlichen Raum nutzen.[19.3]

Die Männer bildeten sogenannte Backschaften bestehend aus 4 bis 8 Mann[20.1] aßen aus einem gemeinsamen Topf und nutzten provisorische Tische, die zwischen den Kanonen oder, wenn möglich, an Deck aufgestellt wurden.[21.1] Schlechtes Wetter zwang häufig dazu, die Decksluken tagelang zu verschließen, was die Bedingungen unter Deck weiter verschlechterte. Die Besatzungsmitglieder mussten Eimer als Toiletten benutzen, die erst bei besserem Wetter geleert werden konnten; bei rauer See kam, verstärkte Seekrankheit hinzu.[19.4] Im Inneren der Schiffe war es je nach Wetter kalt und feucht oder heiß und schwül, mit nur begrenzter Luftzirkulation. Trotz des Einsatzes von Windsegeln und weiteren Belüftungsvorrichtungen blieb die Luftzirkulation auf den unteren Decks unzureichend.[10.2] Die dortige Atmosphäre war durch ein Gemisch aus Ausdünstungen von Teer, Meer- und Bilgenwasser, Schweiß sowie verrottendem Holz geprägt.[21.2][19.5]

Hygiene

Regelmäßige Ausräuchern und der Einsatz von Essig sollten Gerüche mindern und die Hygiene gewährleisten.[21.2] Sauberkeit galt als unverzichtbar für die Gesundheit, daher wurden sowohl die Schiffe als auch die Kleidung der Männer regelmäßig gewaschen, während die Körperpflege aufgrund des begrenzten Süßwasservorrats und der teuren Seife nur selten stattfand. Die Besatzung verwendete oft eine Mischung aus Urin und Asche als Reinigungsmittel für die Kleidung.[10.3][19.6] Das Galion diente als Abtritt für die Mannschaftsdienstgrade und Unteroffiziere. Offiziere genossen mehr Privatsphäre für ihre Notdurft, die sie an den Seitengallerien verrichteten.[22.1] Offiziere hatten Bedienstete, die sich um die Wäsche kümmerten, während Seeleute ihre Wäsche manchmal an Land bezahlen ließen.[19.7]

Trotz der Forderung nach regelmäßiger Körperpflege fand diese nur unregelmäßig statt. Den meisten Schiffen fehlten nötige Waschgelegenheiten. Die damals verwendete Seife war von grober Beschaffenheit und behielt oft einen unangenehmen Eigengeruch, selbst wenn versucht wurde, sie durch Parfümierung aufzuwerten. Auf See war spezielle Salzwasser-Seife sehr gefragt, da herkömmliche Produkte in Verbindung mit Salz- oder hartem Wasser kaum schäumten. Bei stürmischer See verschlechterten sich die Lebensumstände erheblich. Aufgrund der Notwendigkeit, die Luken zum Schutz vor eindringenden Wassermassen über einen längeren Zeitraum hinweg verriegelt zu halten, kam es zu einer Ansammlung von verbrauchter Luft unter Deck. Die eingeschränkte Bewegungsfreiheit der Besatzung, zunehmende Seekrankheit und die Tatsache, dass die als Toiletten genutzten Eimer aufgrund des fehlenden Zugangs zum Oberdeck nicht geleert werden konnten, führten zu einer schnellen Überlastung der sanitären Verhältnisse. Aufgrund des extrem begrenzten Platzangebots war die Unterbringung der Mannschaft streng reglementiert. Die Anordnung der Hängematten folgte einem festen Plan, um den verfügbaren Raum optimal auszunutzen. Jeder Seemann war persönlich für sein Bettzeug verantwortlich; bei Verlust oder Beschädigung drohten Abzüge vom Sold. Um den Liegekomfort in den engen Quartieren zu verbessern, wurden die Hängematten von der Besatzung im Laufe der Zeit oft eigenhändig gekürzt. Die Verteilung der Schlafplätze, der Essenszeiten und der Aufbewahrung persönlicher Gegenstände war streng geregelt, wobei jeder Schlafplatz und jeder Stauraum sorgfältig festgelegt wurde, um den begrenzten Platz optimal zu nutzen.[19.8]

Die Royal Navy erkannte zwar generell einen Zusammenhang zwischen Schmutz und Krankheiten, doch die genauen Ursachen waren unbekannt. Aus diesem Grund unternahm die Navy erhebliche Anstrengungen, um ihre Schiffe sauber zu halten. In der Regel wurde das Oberdeck jeden Morgen geschrubbt und zweimal pro Woche mit einem Klotz aus Sandstein gereinigt. Die Unterdecks wurden einmal pro Woche gereinigt und mit Scheuerstein behandelt.[11.2] Auch die Messing- und Holzoberflächen wurden gereinigt. Vorzugsweise wurde Seife verwendet, meist kam jedoch eine Mischung aus Asche, Essig und Wasser zum Einsatz.[13.11] Auch wenn sich die schmutzigsten Stellen durch Schrubben entfernen ließen, empfanden die meisten Kapitäne ihre Decks selten als so sauber, wie sie es sich wünschten.[11.2]

Ernährung

Mannschaften

Die Verpflegung der Matrosen waren auf Zweckmäßigkeit, Haltbarkeit und die Gegebenheiten eines langen Aufenthalts fernab vom Hafen ausgerichtet. Die Standardration basierte auf Brot oder Schiffszwieback. Brot, wurde hauptsächlich dann bereitgestellt, wenn sich die Schiffe im Hafen befanden. Auf See wurde Zwieback ausgegeben. Dieser Zwieback wurde einfach aus Mehl, Wasser und Salz hergestellt. Aufgrund seiner Härte musste er oft vor dem Verzehr eingeweicht oder zerkleinert werden. Feuchtigkeit beeinträchtigte die Haltbarkeit des Schiffszwiebacks, machte ihn ungenießbar und begünstigte den Befall durch Schädlinge. In England unterlag die Brotherstellung gesetzlichen Vorschriften und wurde nach Mehlqualität klassifiziert – aus feinem Weißmehl entstand ein Laib mit der Kennzeichnung W, Vollkornbrot wurde mit SW gekennzeichnet, die niedrigste Qualität bildete das Hausbackenbrot mit der Kennzeichnung H. Wirtschaftlicher Druck zwang Bäcker oder die Navy manchmal dazu, Weizen mit Mehl aus Gerste, Roggen oder Erbsen zu strecken, doch diese Mischungen ergaben oft schwere, weniger schmackhafte Brote. Das Victualling Board untersuchte Mischverhältnisse unter Verwendung von Kartoffeln, Melasse und Buchweizen. Diese Versuchsreihen zeigten unterschiedliche Resultate; bei einzelnen Mischungen war die Haltbarkeit im Vergleich zu reinem Weizenbrot reduziert.[20.2]

Reis wurde nach Gewicht ausgegeben und fungierte als Substitut in Fällen, in denen Zwieback oder Brot nicht verfügbar waren. In den Stützpunkten in Asien gehörte Reis zum gewohnten Frühstück und wurde oft als Brei zubereitet. Die offizielle Fleischration wechselte zwischen gesalzenem Rind- und Schweinefleisch, die beide in Salzlake konserviert wurden, um auf See haltbar zu bleiben. Schweinefleisch wurde in der Regel in Stücken von zwei Pfund ausgegeben, Rindfleisch in Stücken von vier Pfund. Neben Rind- und Schweinefleisch diente gelegentlich auch Hammelfleisch als Ersatz, meist in Form von älteren Schafen, die zur Versorgung von Kranken gehalten wurden. Zu den Milchprodukten gehörten Hartkäse und gesalzene Butter, die größtenteils in England und Irland hergestellt wurden. Bei dem Käse handelte es sich oft um die minderwertige, sehr harte Sorte, die aus Magermilch hergestellt wurde.[20.3]

Butter und Käse wurden üblicherweise an Tagen ohne Fleischration ausgegeben und konnten zusammen mit dem täglich ausgegebenen Zwieback verzehrt oder zu Haferbrei oder Erbsen hinzugefügt werden. Gemüse und frisches Obst wurden nicht systematisch bereitgestellt, sondern gekauft, wann immer Schiffe Zugang zu Häfen oder lokalen Märkten hatten. Die am häufigsten gekauften Gemüsesorten waren Kohl, Zwiebeln, Lauch, Karotten, Rüben, Kürbisse und verschiedene Blattgemüse. Zitrusfrüchte, wurden wann immer möglich erworben, um Skorbut vorzubeugen. Fisch, Schildkröten und Meeresfrüchte wurden ebenfalls verzert. Dazu wurde hauptsächlich Dünnbier getrunken.[20.4]

Ging der Biervorrat zur Neige, war Wein die nächste Wahl, der aus Mittelmeerhäfen oder von anderen verfügbaren Quellen bezogen wurde. Wo weder Bier noch Wein erhältlich waren, wurden Spirituosen wie Rum, Brandy oder Arrak serviert, jedoch stets mit Wasser verdünnt. Die Rationierung und Verdünnung von Spirituosen, (Grog) ergab sich aus der Notwendigkeit, sowohl die Trunkenheit einzudämmen als auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sicherzustellen. Manchmal wurde dem Grog Zitronen- oder Limettensaft als Mittel gegen Skorbut beigemischt. Tee und Kakao wurden offiziell nur als Ersatz für Käse ausgegeben, wobei Kakao besonders wegen seiner wohltuenden Eigenschaften geschätzt wurde. Bei dem Tee handelte es sich um schwarzen Tee aus China, während der Kakao in festen Blöcken aus der Karibik geliefert wurde. Wasser war stets verfügbar, sein Verbrauch unterlag strengen Vorschriften, insbesondere wenn Mangel herrschte.[20.5]

Offiziere

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts erhielten Marineoffiziere dieselbe offizielle Verpflegung wie der Rest der Besatzung. Sie mussten sich zusätzliche Speisen und Getränke selbst beschaffen und die Kosten dafür selbst tragen. Kapitäne erhielten traditionell ein Fass Rinderzungen, wenn ein Schiff in Dienst gestellt wurde. Flaggoffiziere erhielten Tischgeld, um die Kosten für Bewirtungen zu decken. Von Offizieren wurde erwartet, dass sie aufwendiger und zu anderen Zeiten speisten als die Besatzung. Das Frühstück für alle fand zwar zur gleichen Zeit statt, doch aßen die Offiziere in der Regel später zu Mittag und zu Abend. In manchen Fällen gab es sogar unterschiedliche Essenszeiten zwischen dem Kapitän und den anderen Offizieren. Diese Regelung erleichterte die Wachdienstverteilung, da einige Offiziere das Schiff beaufsichtigen konnten, während andere aßen.[20.6]

Die Offiziere bildeten ebenfalls Backschaften, um sich die Kosten für Speisen und Getränke zu teilen, insbesondere für Wein und Dinge, die über ihre zugeteilten Rationen hinausgingen. Diese Backschaften finanzierten sich selbst, wobei jedes Mitglied regelmäßig einen Beitrag leistete. Der finanzielle Druck zur Teilnahme war groß, selbst wenn sich ein Offizier die Extras nicht leisten konnte. Die Offiziere wählten aus ihren Reihen einen Verpflegungsbeauftragten, der die Finanzen verwaltete und die Einkäufe im Hafen organisierte. Ein Linienschiff verfügte über zwei Offiziersmessen: die Offiziersmesse für Stabsoffiziere und die Kadettenmesse für Hauptleute. Decksoffiziere und Unteroffiziere, bildeten ebenfalls eine eigene Backschaften aßen aber oft getrennt.[20.7]

Das Essen für Kapitäne und Flaggoffiziere wurde von eignen Köchen zubereitet, die auf eine breite Auswahl an Lebensmitteln zugreifen konnten. Zusätzlich wurden Nutztiere wie Hühner Schafe, Schweine Ziegen und Rinder gehalten. Die Speisenauswahl wurde durch Konserven oder importierte Waren wie Trockenfrüchte, Gewürze, Chutneys, Schokolade, Kaffee und hochwertigeren Tee ergänzt. Offiziere und ihre Gäste genossen eine Vielzahl von Getränken, von Wein und Punsch bis hin zu Spirituosen, Apfelwein und Ale. Eine typische Mahlzeit konnte Fleisch, Pasteten, Suppen, Gemüse, Pudding und Obstkonserven umfassen. Brot und Gebäck wurden an Bord gebacken, soweit es die Einrichtungen zuließen. Der Kapitän und der Admiral speisten getrennt und hielten entsprechend ihrem Rang und ihren Mitteln höhere Standards ein, luden jedoch manchmal andere aus Höflichkeit oder zu Ausbildungszwecken ein, sich ihnen anzuschließen.[20.8]

Bestrafung

The Point of Honour Karikatur von George Cruikshank Der Druck illustrierte ursprünglich die gleichnamige Erzählung in „Greenwich Hospital, a series of Naval Sketches“ von „The Old Sailor“ [Matthew Henry Barker], die erstmals 1826 in Fortsetzungen und als Sammelband erschien.

Die Disziplin wurde durch einen Parlamentsbeschluss geregelt, der die entsprechenden Vorschriften in 36 Kriegsartikel zusammenfasste. Diese Artikel, die der Besatzung jeden Monat vorgelesen wurden, umfassten eine lange Liste von Verstößen, die von Pflichtverletzung bis hin zu Kapitalverbrechen reichten. Zu den strafbaren Verhaltensweisen zählten unter anderem Trunkenheit, Gotteslästerung, Desertion, Meuterei, Feigheit vor dem Feind, Streitigkeiten, Schlafen während der Wache, Unterschlagung von Vorräten, Mord, Sodomie, und Diebstahl. Einige Artikel befassten sich auch mit der ordnungsgemäßen Einhaltung des Gottesdienstes, dem Führen illegaler Korrespondenz mit dem Feind, der Unterlassung der Meldung verräterischer Handlungen sowie repressivem oder betrügerischem Verhalten von Offizieren.[23.1]

Offiziere, Marinesoldaten, Unteroffiziere und Matrosen konnten für eine Vielzahl von Regelverstößen bis hin zu schwerwiegenderen Vergehen zur Verantwortung gezogen werden. Bei geringfügigen Verfehlungen, insbesondere bei erstmaligen Regelverstößen, orientierten sich Kapitäne bei der Strafzumessung in der Regel am Charakter des betreffenden Matrosen und beließen es mitunter bei einer strengen Ermahnung. Für geringfügige Vergehen, wie etwa mangelhafte Arbeitsleistung oder Trunkenheit, wurde der Entzug der Grog-Ration als nicht-körperliche Strafe verhängt. Vollmatrosen oder Unteroffiziere sahen sich mit einer Herabstufung im Rang sowie einer Kürzung des Soldes konfrontiert. Körperliche Strafen wurden am häufigsten in Form von Auspeitschungen verhängt und kamen bei unterschiedlichsten Verstößen zur Anwendung. Gemäß britischem Seerecht war die Zahl der zulässigen Peitschenhiebe auf zwölf begrenzt. Allerdings wurde diese Vorgabe in der Praxis häufig ignoriert. Die Regularien sahen vor, dass eine Sanktion nur bei Vorliegen eines triftigen Grundes und nur mit angemessenem Maß verhängt werden sollte. Dies wurde jedoch vor 1811 nur in unzureichendem Maße berücksichtigt. Im darauffolgenden Jahr oblag es den Kapitänen, in regelmäßigen Abständen Berichte über verhängte Strafen an das Admiralty Board zu übermitteln, mit dem Ziel, eine verstärkte Kontrolle und Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten.[19.9]

Nicht jedes Urteil, das eine Auspeitschung zur Folge hatte, wurde auch tatsächlich vollstreckt. In einigen Fällen setzten sich Offiziere für Männer ein, die sich durch besondere Verdienste oder einen vorbildlichen Leumund ausgezeichnet hatten, und sorgten für einen Straferlass, außer in schwerwiegenden Fällen. Eine Vielzahl erfahrener Matrosen erreichte die Vermeidung drastischer Strafen durch den Einsatz ihrer Fertigkeiten und ihres Ansehens. Des Weiteren wurden inoffizielle Strafen verhängt, deren Art jedoch häufig vom Führungsstil des Kapitäns und der vorherrschenden Atmosphäre an Bord abhängig war. Dazu gehörten Schläge mit einem Seilende oder einem Stock, die zumeist der Ermutigung von Matrosen zu größerer Anstrengung dienten, jedoch leicht in Schikane durch Unteroffiziere ausarten konnten. Die Unzufriedenheit mit diesem System wuchs derart an, dass diese Praxis bis 1809 weitgehend aufgegeben wurde.[19.10]

Eine Methode, die für besonders unkameradschaftliche Vergehen wie Diebstahl vorbehalten war, war der Spießrutenlauf (running the gauntlet) Dabei musste der Täter zwischen zwei Reihen von Kameraden hindurchgehen, die ihn mit Seilen oder Stöcken schlugen. Diese Strafe sollte verdeutlichen, dass das Vergehen nicht nur die Vorschriften brach, sondern das Miteinander der Besatzung direkt schädigte.[14.4] Fähnriche erhielten in der Regel keine körperliche Züchtigung. Stattdessen wurden sie dazu verpflichtet, im Masttopp Strafdienst zu leisten, oder für eine gewisse Zeit an den Wanten festgebunden zu werden. Hierbei handelte es sich in erster Linie um eine Form der öffentlichen Demütigung, die jedoch nicht mit körperlicher Gewalt einherging.[13.12] Für schwerwiegendere Vergehen konnte ein Kriegsgericht verhängt werden, das unter anderem ein "Peitschen durch die Flotte" anordnen konnte. Der Verurteilte wurde dabei von Schiff zu Schiff gerudert und erhielt auf jedem Schiff Peitschenhiebe. In einigen Fällen belief sich die Anzahl der Schläge auf mehrere Hundert oder sogar über Tausend. Diese Strafen führten zu langanhaltenden körperlichen und psychischen Schäden. Obwohl ein Schiffsarzt anwesend war, um den Vorgang abzubrechen, falls Lebensgefahr bestand, wurde die Strafe am nächsten Tag fortgesetzt, falls erforderlich.[19.11]

Bei den schwersten Verbrechen, darunter Mord, Meuterei oder Sodomie, war die Hinrichtung durch den Strang vorgesehen.[23.2] Eine gelbe Flagge signalisierte, dass eine Hinrichtung stattfinden würde. Vor der Ausführung wurden Tat und Strafmaß der versammelten Mannschaft vorgelesen, anschließend wurde ein Schuss abgefeuert und der Verurteilte an der Fockrah erhängt. Mitunter regelten Besatzungsmitglieder kleinere Konflikte oder ahndeten Fehlverhalten selbst, doch konnten solche informellen Maßnahmen, falls sie bekannt wurden, wiederum durch den Kapitän bestraft werden. Meutereien resultierten häufig durch als willkürlich und ungerecht empfundene Strafen.[19.12]

Medizinische Versorgung

Vollständiger Satz von Trepanationsinstrumenten aus dem Werk „The naval surgeon; Comprising the Entire Duties of Professional Men at Sea“ von William Turnbull, 1806

Während der Koalitionskriege waren Krankheiten für etwa die Hälfte der Verluste der Royal Navy verantwortlich. Zu den häufigsten Erkrankungen zählten Typhus, Geschwüre, Rheuma, Ruhr, Blasensteine, Geschlechtskrankheiten sowie psychische Erkrankungen. Auch zahlreiche Unfälle führten zu Todesfällen und Verletzungen.[12.2] Skorbut, der einst eine ernsthafte Bedrohung darstellte, war dank verbesserter Ernährung nahezu verschwunden.[13.13] Schiffsärzte, die auf Kriegsschiffen dienten, waren in der Lage, Eingriffe wie Trepanation, Lithotomie und die Entfernung von Musketenkugeln durchzuführen.[24.1] Im Verlauf des 18. Jahrhunderts wurde eine signifikante Verbesserung der medizinischen Versorgung erreicht. Diese Entwicklung war auf eine Reihe von Faktoren zurückzuführen, darunter der Zugang zu fortschrittlichen Instrumenten, Verbandszeug und eigenen Krankenstationen an Bord von Schiffen sowie zu Marinekrankenhäusern an Land.[18.15] Schiffe verfügten in der Regel über einen Schiffsarzt und, je nach Größe, bis zu drei Assistenten (Loblolly Boys). Somit kam auf 200 Besatzungsmitglieder ein Arzt.[12.3]

Die Royal Navy sah sich wiederholt mit Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Schiffsärzten konfrontiert, da der Beruf ein geringes Ansehen besaß und eine unzureichende Vergütung aufwies. Durch durch eine Anhebung des Solds sowie eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen konnte der Mangel an Schiffsärzten verringert werden. Schiffsärzte (Surgeon) hatten im Vergleich zu Ärzten an Land (Physician) einen geringeren gesellschaftlichen Status. Das Fehlen von Betäubungsmitteln ließ lediglich einfachste chirurgische Eingriffe zu. Ärzte an Land, die über ein hohes Prestige verfügten, waren in der Regel in Marinelazaretten tätig oder übernahmen leitende Funktionen auf Flottenebene. In der Regel besuchte der Schiffsarzt zweimal täglich seine Patienten, dokumentierte detailliert die Erkrankungen und medizinischen Eingriffe und reichte dem Kapitän täglich eine Liste der Kranken ein. Zudem erfolgte gemeinsam mit den Assistenten eine Untersuchung aller neuen Matrosen auf Krankheiten oder Gebrechen, durch die sie dienstuntauglich werden konnten.[12.4]

Vor 1790 befanden sich Krankenstationen (Sickbay) oft in überfüllten und schlecht belüfteten Bereichen in den unteren Decks. Gegen Ende der 1790er-Jahre wurde nach einem Entwurf von Kapitän Markham die Krankenstation in abgetrennte Bereiche des Oberdecks unter dem Vorschiff verlegt, was für bessere Luft, mehr Licht und Zugang zu Latrinen sorgte. Dieses Modell setzte sich weitgehend durch, allerdings nicht auf allen Schiffen. Die Krankenstationen verfügten über eine Apotheke und Tragen für Verletzte. Die meisten Patienten schliefen in Hängematten. Die Kabine des Schiffsarztes, die Gemeinschaftsquartiere der Gehilfen und die medizinischen Vorratsräume lagen meist unter Deck. Während Gefechten diente das Orlopdeck als Verbandsplatz (Cockpit); es bot gewissen Schutz, erforderte aber, dass Verwundete über Leitern hinabgetragen wurden. Die Behandlung von Wunden richtete sich nach dem Zeitpunkt des Eintreffens, ohne Rücksicht auf den Dienstgrad.[12.5]

Das Royal Hospital in Greenwich war die bekannteste Krankenhauseinrichtung und diente als Heim für alte oder behinderte Seeleute sowie Offiziere. Weitere Einrichtungen wurden in Haslar, Plymouth, Deal und in Übersee eröffnet. Regelmäßige Inspektionen durch Marineoffiziere sollten die Standards auf einem hohen Niveau halten.[18.16] An Orten ohne feste Marinekrankenhäuser wurden alte Schiffe gelegentlich als schwimmende Lazarette eingesetzt. Die Versorgung war besser als die, die zu dieser Zeit außerhalb der Marine üblich war, auch wenn die Pflegestandards und die Hygiene nicht den heutigen Erwartungen entsprachen.

Tagesablauf

Der Tagesablauf an Bord des Schiffes basierte auf einem 24-Stunden-Wachsystem, wobei jede Wache vier bzw. zwei Stunden dauerte. Die Besatzung war dabei in Backbordwache und Steuerbordwache aufgeteilt, wobei die Wachen eines Matrosen nach 24 Stunden wechselten, um eine gleichmäßige Verteilung der Dienstzeiten sicherzustellen. Jede Wache war in Gruppen mit gleicher Mannstärke unterteilt. Der Tag begann mit der Mittelwache (Middle Watch),[A 4] die von Mitternacht bis 04:00 Uhr morgens dauerte. Kurz vor 04:00 Uhr morgens weckte der diensthabende Quartiermeister den Leutnant, die Maate und die Fähnriche der nächsten Wache. Als Nächstes folgte die Morgenwache (Morning Watch) von 04:00 bis 08:00 Uhr. Dies war die Zeit zum Schlafen für diejenigen, die ihre 24-Stunden-Schicht beendet hatten.[13.14]

Gegen 04:30 Uhr kamen der Bootsmann und der Schiffszimmermann an Deck, um mit den Reparaturarbeiten zu beginnen. Der Koch begann mit den Vorbereitungen für das Frühstück. Um 05: 00 Uhr wurden die Decks gewaschen. Das Frühstück wurde um 08:00 Uhr ausgegeben. Nachdem diese Arbeit um 07:00 Uhr beendet war, wurden die Fässer mit Lebensmitteln und Getränken aus dem Laderaum für den Tagesbedarf zur Ausgabe in die Steward-Kammer gebracht. Kurz vor 08:00 Uhr wurden die Hängematten festgezurrt und verstaut. Mit dem Frühstück um 08:00 Uhr begann die Vormittagswache (Forenoon Watch) die bis 12:00 Uhr dauerte.[13.14] Nach dem Frühstück wurden die Decks gefegt und das Essgeschirr verstaut. Um 09:30 Uhr trat die Besatzung zur täglichen Musterung (Divisions) an, bei der auch anstehende Strafen vollstreckt wurden. Danach folgten Übungen an den Geschützen sowie Instandhaltungsarbeiten, wobei ab 10:00 Uhr auch der Dienst für die Freiwächter (Idlers) einsetzte.[11.3]

Um 11:30 Uhr erfolgte das Signal zur Grogausgabe (Up spirits),[A 5] gefolgt vom Mittagessen um 12:00 Uhr.[11.3] Die Nachmittagswache (Afternoon Watch) dauerte von Mittag bis 16:00 Uhr und bot der dienstfreien Wache Zeit zur Erholung. Es schloss sich der erste Plattfuß (First Dog Watch) von 16:00 Uhr bis 18:00 Uhr an, in dessen Verlauf nach dem Abendessen um 17:00 Uhr erneut Grog ausgegeben wurde. Die letzten Aufgaben des Tages bestanden im Aufschießen der Taue und dem Reinigen der Decks. Der zweite Plattfuß (Second Dog Watch) von 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr diente wiederum als Freizeit. Die Abendwache (First Watch) führte von 20:00 Uhr bis Mitternacht, wobei zu Beginn die Hängematten für die diejenigen heruntergelassen wurden die nun ihre 24-Stunden-Schicht beendet hatten.[13.15] An Sonntagen und Donnerstagen galt eine geänderte Tagesordnung, die Zeit für die Körperpflege und das Wechseln der Wäsche vorsah. Der Samstagnachmittag war der Instandsetzung der Bekleidung vorbehalten. Am Sonntagmorgen folgten erweiterte Musterungen sowie ein Gottesdienst auf dem Achterdeck, zu dem die Offiziere und Seesoldaten Ausgehuniform trugen.[25.1]

Uniformen und Ränge

Offiziere

Porträt von John Jervis, Earl of St Vincent (1752–1820), in Admiral-Galauniform, 1795–1812, mit dem Band und dem Stern des Order of the Bath.

Die Uniform der Flaggoffiziere, Kapitäne und Kommandanten der Royal Navy entsprach den am 1. Juni 1795 eingeführten Vorschriften und blieb bis 1812 unverändert. Die Jacken bestanden aus marineblauem Stoff mit blauen Besätzen und einem stehenden blauen Kragen, der mit Goldspitze eingefasst war. Die blauen, umgeschlagenen Revers waren ebenfalls mit Goldspitze verziert, ebenso wie die neun Knopflöcher mit gleichem Goldmuster. Die runden Aufschläge waren bei Admiralen mit drei Reihen Goldspitze versehen, mit drei vertikalen vergoldeten Knöpfen am oberen Rand und weiterer Goldspitze an Schlitzen und Patten. Die Taschen wiesen drei Knöpfe unter den Patten auf, die durch drei blinde Knopflöcher ergänzt wurden. Die im Jahr 1795 offiziell eingeführten Epauletten verfügten über einen goldbetressten Steg sowie eine Reihe von zwanzig Goldkantillen, während silbergestickte Sterne zur Rangunterscheidung dienten: drei Sterne für Admirale, zwei für Vizeadmirale und einer für Konteradmirale. Jede Epaulette wurde zudem durch einen vergoldeten Messingknopf fixiert. Das 1787 eingeführte Knopfmuster zeigte einen gekreuzten Anker in einem perlenbesetzten Kreis, umgeben von einem Lorbeerkranz, wobei dieses Design über Jahrzehnte beibehalten wurde.[25.2]

Ein Dreiviertelporträt von Sir George Ralph Collier mit Interimsuniform mit drei Jahren Dienstzeit 1812–1825.

Die Offiziere kombinierten dies mit einer weißen Weste, weißen Kniebundhosen, Strümpfen und schwarzen Schuhen mit Messingschnallen. Ihre ab 1795 getragenen Hüte waren goldbetresst und wandelten sich vom Dreispitz zum Zweispitz mit höherer Rückseite, geraderer Vorderseite und Goldfransen für Admirale sowie einer verzierten Klappe mit Goldtresse besetzter Schultersteg und Knopf. Die Dienstuniform ähnelte der Galauniform, verzichtete jedoch auf Verzierungen an Revers, Kragen und Taschenpatten, behielt aber Hut und Epauletten bei. Nach den Änderungen von 1795 fielen bei Kapitänsuniformen die traditionellen weißen Revers und Aufschläge weg und wurden durch blaue ersetzt. Goldborten säumten alle Hauptteile des Rocks, einschließlich der Schöße und Revers. Kapitäne mit weniger als drei Dienstjahren in diesem Rang trugen eine Epaulette, dienstältere Kapitäne trugen zwei. Offiziere trugen ihre Zweispitzhüte oft in Längsschiff-Ausrichtung, verziert mit Goldquasten, obgleich die Kleidungsvorschriften nicht immer strikt befolgt wurden.[25.3] Der Interimsrock für Kapitäne mit mehr als drei Dienstjahren bestand aus schlichtem marineblauem Tuch mit einem Stehumfallkragen. Er wies keine Tressenverzierung auf, und die mit acht Messingknöpfen besetzten Revers konnten wie beim Gala-Waffenrock geschlossen oder offen getragen werden. Der Rock besaß keine geschlitzten Aufschläge, sondern stattdessen blinde Rundaufschläge mit drei Messingknöpfen. Die Taschen waren schlicht gehalten, zeigten jedoch analog zur Galauniform eine Verzierung mit drei Knöpfen. Epauletten waren optional und wurden mit Stegen befestigt, die durch Tressen auf der Schulter geführt wurden.[25.4]

Leutnants trugen marineblaue Röcke mit blauen Stehkragen und weißen Revers, die mit neun Messingknöpfen im Design des unklaren Ankers geschlossen wurden, verzichteten jedoch auf Epauletten. Ihre Hüte bestanden aus schwarzem Filz ohne Goldbesatz, verfügten aber über Goldquasten. In der Interimsuniform nutzten Leutnants einfachere marineblaue Röcke mit weiß paspelierten Kragen und Aufschlägen, wobei Epauletten weiterhin optional blieben. Fähnriche waren in einreihige marineblaue Röcke mit Stehkragen gekleidet, die durch markante weiße Kragenspiegel auf jeder Seite und Messingknöpfe gekennzeichnet waren. Drei Knöpfe an den blauen Aufschlägen dienten der Legende nach dazu, sie daran zu hindern, sich die Nase am Ärmel abzuwischen. Vorschriftsmäßig trugen sie weiße Westen und Kniebundhosen, in manchen Fällen grau für den Alltag. Ihre Filzzweispitze wurden im Querschiff-Format getragen.[25.5]

Deckoffiziere

Die Deckoffiziere, darunter Segelmeister, Zahlmeister, Konstabler, Hochbootsmänner und Zimmerleute, erhielten 1787 Uniformen, die bis 1807 weitgehend unverändert blieben. Ihre Röcke waren marineblau mit einem einfachen Umlegekragen und blauen Revers, die mit Messingknöpfen des früheren Kapitänsmusters geschlossen wurden. Aufschläge und Rückentaschen waren mit drei Messingknöpfen besetzt. Das Futter war weiß und wurde mit einer passenden Weste und Kniebundhosen getragen. Der schlichte Zweispitz unterschied diese Ränge von den prunkvolleren Offizieren. Die Uniformen der Maate waren ähnlich, konnten jedoch eingefasst sein und besaßen blaue Rundaufschläge mit drei Knöpfen.[25.6]

Royal Marines

Die Uniformen der Marinesoldaten orientierten sich an Armeestandards, hinkten diesen jedoch oft einige Jahre hinterher und wurden vom Navy Board reguliert. Ab 1802, mit der Verleihung des Titels „Royal“, trugen sie rote Röcke mit blauen Abzeichenschlägen, weiße Westen und Kniebundhosen sowie Hüte nach festgesetzten Mustern. Das markanteste Merkmal war der Hut aus lackiertem Leder mit weiß eingefasster Krempe, seitlichen Kordeln und einem kurzen rot-weißen Federstutz an der linken Kokarde. Offiziere behielten Zweispitzhüte bei, die im frühen 19. Jahrhundert vom Dreispitz zum Zweispitz wechselten. Die Röcke waren einreihig mit zehn paarweise angeordneten Knöpfen, mit Borten eingefassten Knopflöchern, einem blauen, ebenfalls mit Borte eingefassten Kragen und blauen Schulterstücken mit weißen Fransen. Die Aufschläge wiesen vier Knöpfe und Borten nach Regimentsmuster auf.[12.6]

Marines trugen zur Galauniform weiße Kniebundhosen mit Gamaschen, während zu anderen Anlässen schwarze Gamaschen und Leinenhosen Verwendung fanden. Die Röcke der Mannschaften stammten von älteren Entwürfen ab, waren jedoch im frühen 19. Jahrhundert geschlossen und kürzer geschnitten. Die Abzeichenfarbe zeigte sich an Revers, Kragen und Aufschlägen; nach 1802 war diese Blau. Mäntel für kaltes oder nasses Wetter waren königsblau mit roten Kragen. Zur Ausrüstung gehörten weiße Lederkoppel, die eine schwarze Munitionstasche und eine Bajonett-Scheide hielten. Mit Ausnahme der Grenadiere, die Pelzmützen mit einem Regimentsabzeichen an der Vorderseite trugen, nutzten die Seesoldaten ursprünglich den Hut der leichten Infanterie, der mit einem riesigen Federbusch an der Oberseite versehen war. Dies änderte sich bis zum frühen 19. Jahrhundert zu einem federlosen Hut, der an beiden Seiten durch zwei Tressen aufgesteckt war. Der Hut verjüngte sich nach oben hin leicht und bestand aus lackiertem Leder. Die Offiziere trugen Röcke, die denen der Mannschaften ähnelten, jedoch waren diese scharlachrot statt rot und von höherer Qualität.[12.7]

Ausrüstung

Schiffe

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es drei Arten von Kriegsschiffen: das Linienschiff, die Fregatte und kleinere Schiffe wie die Sloop. Die Kriegsschiffe der Royal Navy wurden nach der Anzahl ihrer Kanonen eingeteilt. Es gab sechs Klassen, von denen die ersten drei Linienschiffe waren. Die letzten drei Klassen waren Fregatten. Alle anderen Schiffe wie Sloops oder Bombarden blieben ohne Einstufung.[13.16]

  • 100 oder mehr Kanonen: Erster Rang
  • 90 bis 98 Kanonen: zweiter Rang
  • 64 bis 80 Kanonen: dritter Rang
  • 50 bis 60 Kanonen: vierter Rang
  • 32 bis 44 Kanonen: fünfter Rang
  • 28 Kanonen: sechster Rang

Artillerie

Die Artillerie für die Schiffe wurde unter der Aufsicht des Ordnance Board in Eisenwerken in Schottland und Nordengland hergestellt. Die Geschütze wurden in Woolwich mit schweren Ladungen getestet und vor ihrer Zulassung auf Mängel geprüft. Nach bestandener Prüfung wurden sie an Marinedepots weitergeleitet und nach Bedarf verteilt. Es handelte sich um Vorderlader in einfacher Gusseisenbauweise, die in der Regel entweder als lang oder kurz eingestuft wurden. Lange Kanonen waren auf eine Entfernung von bis zu 400 Meter präziser und konnten waagerecht abgefeuert werden, während kurze Kanonen einen erhöhten Winkel benötigten, um die gleiche Entfernung zu erreichen. Die meisten Kanonen bestanden aus Eisen, da Messing oder Bronze zu kostspielig waren. Jede Kanone bestand aus mehreren unterschiedlichen Teilen, darunter Stoß, Traube, Verstärkungsabschnitte, Langenfeld und Mündung, und die Seele die über die gesamte Länge des Rohrs erstreckte.[13.17]

Schematische Darstellung einer Karronade aus dem späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert.

Seitliche Schildzapfen fixierten das Rohr auf der Schiffslafette und waren zur Identifizierung gekennzeichnet.[A 6] Es gab zwei Arten von Geschützen: Karronaden und Kanonen. Alle Geschütze wurden nach dem Gewicht ihrer Geschosse benannt, das von 68 bis 6 Pfund reichte. Karronaden – kürzere und leichtere Geschütze, die von der Carron Company entwickelt wurden – benötigten weniger Pulver und konnten dank ihrer speziellen, Konstruktion schnell über einen weiten Winkel auf ein Ziel ausgerichtet werden. Karronaden wurden aufgrund ihrer geringen Reichweite hauptsächlich auf kurze Distanz eingesetzt.[13.18]

Die Wirksamkeit eines Geschosses wurde maßgeblich durch die Reichweite, die Pulverladung und die Mündungsgeschwindigkeit bestimmt. Während Treffer auf kurze Distanz durch massiven Splitterflug schwere Verletzungen unter der Besatzung hervorriefen, konzentrierte sich die Wirkung auf große Entfernung primär auf die Beschädigung der Takelage und Segel. Die Kernschussweite betrug bei schweren Kanonen bis zu 366 Meter. Das Laden doppelter Geschosse verringerte die Reichweite und die kinetische Energie pro Projektil erheblich, weshalb einfache Eisenkugeln für Angriffe auf den Rumpf genutzt wurden. Zur Spezialmunition zählten: Stangen- und Kettengeschosse zur Zerstörung der Takelage und Masten, Kartätschen (Canister) und Traubenhagel (Grapeshot) gegen Personen. Die Reichweite lag hierbei zwischen 320 und 550 Metern.[13.19] Es gab eine Vielzahl von Waffen, die für den Kampf auf See und beim Entern eingesetzt werden konnten. Die wichtigste Feuerwaffe der Infanterie war eine verkürzte Version der Britischen Standardmuskete der Brown Bess. Es wurden zwei Typen verwendet: die Sea-service Muskete mit poliertem Messing, die in der Regel bei Musterungen und im Wachdienst eingesetzt wurde, und eine schwarze Sea-service Muskete, die für den Kampf bestimmt war. Der geschwärzte Lauf sollte reflektierendes Sonnenlicht verhindern, um die Position des Schützen nicht preiszugeben. Marinesoldaten und Seeleute feuerten ihre Musketen in der Regel vom Deck oder aus der Takelage ihres eigenen Schiffes ab, um feindliche Verteidiger zurückzudrängen, insbesondere bevor das Schiff geentert wurde.[13.20]

Kriegsführung

Taktiken

Die Seekriegstaktiken der Royal Navy konzentrierten sich darauf, einen Positionsvorteil zu erlangen, um wirksames Geschützfeuer zu entfalten und gleichzeitig die Fähigkeit des Feindes zur Gegenwehr zu minimieren. Die Flottenkommandanten strebten danach, an einem entscheidenden Punkt mehr Schiffe und Feuerkraft zum Einsatz zu bringen, in dem sie die Bewegungen und Positionen der einzelnen Schiffe oder Geschwader geschickt koordinierten. Der Erfolg im Gefecht hing somit sowohl von der Fähigkeit zu manövrieren als auch von der Artillerie ab. Aufgrund fehlender effektiver Entfernungsmessmethoden fanden die Schlachten aus nächster Nähe statt, typischerweise innerhalb von 180 Meter, um den Gegner durch schweres und präzises Feuer zu neutralisieren.[26.1][13.21]

Die Breitseite war am wirkungsvollsten, wenn sie im rechten Winkel zum Schiffsrumpf erfolgte. Kapitäne manövrierten, um den Einsatz ihrer Breitseiten zu maximieren und die eigene Angriffsfläche für feindliches Feuer zu minimieren. Die meisten Linienschiffe verfügten über nur wenige Kanonen an Bug und Heck, sodass das Schießen direkt nach vorne oder hinten nur begrenzt möglich war. Im Laufe der Zeit gelang des der Royal Navy auf ihren Schiffen die Streuwirkung der Breitseiten zu verbessern, indem sie die Anordnung der Ringbolzen für die Seitentaljen änderten. Dadurch war es möglich den Schusswinkel der Kanonen um 45 Grad quer zur Schiffsrichtung zu ändern. Das Abfeuern der Kanonen bei einer Verfolgung setzte eine Wende voraus, wodurch jedoch Geschwindigkeit eingebüßt wurde. Dies machte es schwierig zu einem Gegner mit gleichwertigen Segeleigenschaften aufzuschließen. Um die Geschwindigkeit des Gegners zu verringern wurden Jagdgeschütze mit Stangen oder Kettengeschossen auf die Masten oder Takelage abgefeuert.[13.22]

Das Erreichen und Halten vorteilhafter Positionen, etwa am Bug oder Heck des Gegners, war ein zentraler Bestandteil der Taktik. Sowohl Bug als auch Heck waren die schwächsten Stellen eines Schiffes; insbesondere das Heck war weniger geschützt und anfällig für zerstörerisches Feuer. Das Längsfeuer (raking fire) – das Abfeuern von Salven entlang der Längsachse des Gegners vom Bug oder Heck aus – konnte dem Schiff und der Besatzung schwere Verluste und Schäden zufügen. In der Regel war nur eine einzige Breitseite möglich, bevor sich die taktische Situation änderte.[13.23] Es gab jedoch auch kritische Stimmen. Konteradmiral Philip Broke, Kapitän der HMS Shannon erkannte die "zerstörerische Wirkung" an, argumentierte aber, das dessen Wirksamkeit oft überschätzt werde, da nur eine Breitseite abgefeuert werden könne, während sich die dem Feind nähernden Schiffe ebenfalls schweren Schaden erlitten. Der Rauch der ersten Salve verdeckte oft die Sicht der nachfolgenden Salven, wodurch Längsfeuer auf den meisten Entfernungen unwirksam blieb.[26.2]

Die Kapitäne schätzten die Stärke und Entfernung des Feindes ein, indem sie die Silhouetten der Schiffe und die Bewegungen der Besatzung mit Fernrohren beobachteten und anhand ihrer Erfahrung Größe und Reichweite beurteilten. Für eine ausreichende Sichtweite war klares Wetter unerlässlich, während kurze Distanzen durch die Bestimmung von Einzelheiten an Deck des Gegners ausgemacht wurden. Erst wenn Details wie die Kleidung oder die Frisuren der feindlichen Besatzung klar erkennbar waren, galt die Distanz als effektiv genug für eine Breitseite.[13.23] Ein Kapitän der Royal Navy war stets bemüht den Windvorteil oder Luvstellung zu erreichen. Dadurch hatten britischen Schiffe mehr Kontrolle darüber, ob, wann und wie sie angreifen wollten.[27.1]

Der Windvorteil erleichterte zudem das Doppeln der feindlichen Linie, der Angriff von zwei Seiten, und bot eine bessere Sicht, da der Pulverdampf vom eigenen Schiff weggetragen wurde. Schiffe, die sich in Luvposition befanden, konnten jedoch bei einer Beschädigung Schwierigkeiten haben, sich zurückzuziehen, da sie vom Wind in Richtung des Feindes getrieben wurden. Bei einem Angriff näherten sich gegnerische Flotten in der Regel in Kiellinienformation mit einem Abstand von 200 bis 400 Meter zwischen den einzelnen Schiffen. Fregatten dienten der Aufklärung und dem Flankenschutz und gaben bei Bedarf Signale weiter. Für offensivere Annäherungsmanöver sowie für die Verfolgung flüchtender Gegner formierten sich Schiffe in Peillinienformation. Sie ermöglichte es Flotten, unter Beibehaltung freier Sicht auf den Feind zuzusteuern und durch ein Wendemanöver eine geschlossene Gefechtslinie zu bilden. Kursänderungen konnten nacheinander angeordnet werden, wobei das erste Schiff der Schlachtlinie an einem festen Punkt wendete und alle anderen Schiffe diesem Muster folgten oder gemeinsam, bei dem alle Schiffe auf ein Signal hin gleichzeitig wendeten.[13.24]

Gefechte begannen oft damit, dass sich die Flotten frontal oder schräg aufeinander zubewegten. Dabei kam es in der Regel zu einem Passier-Gefecht bei dem beide Flotten mit parallelen oder entgegengesetzten Kursen aneinander vorbei segelten und Breitseiten austauschten, oft ohne eindeutiges Ergebnis. Zu den entscheidenderen Taktiken gehörte das Durchbrechen der feindlichen Linie an einer Stelle, was es ermöglichte, durch Flankenfeuer und Konzentration der Feuerkraft Teile der feindlichen Flotte abzuschneiden und zu überwältigen. Crossing the T war ein taktisches Manöver, bei dem eine Flotte im rechten Winkel vor der Spitze der feindlichen Schlachtlinie passierte. Das Ziel dieser Positionierung war es, die gesamte Breitseite der eigenen Schiffe gegen die führenden Schiffe des Gegners zu richten. Da die Schiffe in der gegnerischen Linie zu diesem Zeitpunkt lediglich ihre wenigen Jagdkanonen im Bug nutzen konnten, waren sie einem konzentrierten Längsfeuer ausgesetzt, ohne effektiv antworten zu können. In der Praxis waren die Vorteile dieser Taktik aufgrund der geringen Reichweite und der langsamen Ladezeiten der damaligen Kanonen jedoch nur begrenzt. Trotzdem blieben sie die effektivste Methode, um Feuerkraft auf einen Teil der feindlichen Formation zu konzentrieren.[13.25]

War die Schlachtline durchbrochen begann der direkte Kampf. Kapitäne agierten ab diesem Zeitpunkt eigenständig und versuchten, ihre Kanonen auf den nächstgelegenen Feind zu richten. Erfolg in diesem Melee beruhte auf Seemannschaft und dem Urteilsvermögen jedes einzelnen Kapitäns. Entermanöver entwickelten sich wenn zwei oder mehr Schiffe durch Kollision – absichtlich oder unabsichtlich – verbunden waren. Der Ausgang hing von einer erfolgreichen Säuberung des Decks mit Musketen, Granaten und Kanonenfeuer ab. Die optimale Voraussetzung für einen Angriff auf das gegnerische Schiff bestand dann, wenn der Angreifer den Bugspriet des Feindes in dessen eigene Takelage rammen konnte. Dieses Manöver führte zur Bildung einer Brücke und ermöglichte Längsfeuer. Das Entern eines feindlichen Schiffes fand regelmäßigen Eingang in Übungen auf See.[27.2][13.26]

Kommunikation

Das Signalsystem der Royal Navy wurde erstmals in den 1780er Jahren von Admiral Richard Kempenfelt auf wissenschaftlicher Grundlage entwickelt. Er schuf ein Verfahren, bei dem zwölf Flaggen verwendet wurden, um die Zahlen 0 bis 9 darzustellen. Dieses wurde durch eine erste und eine zweite Flagge zur Wiederholung ergänzt. Das System arbeitete mit einer Zehnermatrix, bei der jede Flaggenposition einer Zahl von 1 bis 100 zugeordnet war. Jede Zahl entsprach dabei einer bestimmten Anweisung oder einem Begriff. 1803 erweiterte Admiral Home Popham das System, indem er ein Signalbuch mit nahezu 3.000 Zahlencodes für Wörter, Ausdrücke und Sätze hinzufügte. Mithilfe von drei- und vierteiligen Flaggenkombinationen konnten so etwa 30.000 Begriffe dargestellt werden.[28.1][A 7]

Bei Tageslicht erfolgte die Signalgebung durch das Hissen von Kombinationen farbiger Flaggen (blau, schwarz, rot, gelb) an speziellen Flaggleinen. Dabei stellte jede Flagge bzw. Flaggenkombination Zahlen, Buchstaben oder Befehle dar. Die Signale blieben so lange gehisst, bis sie bestätigt wurden, entweder durch Wiederholung des Signals oder durch das Setzen einer Flagge zur Antwort. Wenn Unsicherheit darüber bestand, ob das Signal gesehen wurde, konnten Schiffe einen Schuss abgeben, um auf sich aufmerksam zu machen. Untergeordnete Flaggschiffe waren verpflichtet, die Signale des Oberbefehlshabers zu wiederholen.[13.27] Die wichtigsten Signale wurden in der Regel gegeben, solange die Flotte vor Beginn der Schlacht noch dicht beieinander lag, da Verwirrung und Rauch die Signalgebung erschweren konnten, sobald die Kämpfe begannen. Handelte es sich bei dem Signal lediglich um eine Zahl, wurde ein blau-gelb karierter Wimpel verwendet; bei zwei oder drei Flaggen bezeichneten die oberen Flaggen die Zehner- oder Hunderterreihe. Zur Angabe der Tausenderreihe wurden Kreise verwendet. Einige einzelne Flaggen hatten festgelegte Bedeutungen, wie, dass Befehle erst befolgt werden sollten, wenn das Signal eingeholt wurde.[29.1]

Nachts wurden die Flaggen durch Laternen, Raketen und Schüsse ersetzt. Mit Laternen konnten die Zahlen eins bis vier dargestellt werden, eine Rakete entsprach der Zahl fünf, ein Kanonenschuss stand für die Zahl zehn und zwei Kanonenschüsse für die Zahl zwanzig. Auf diese Weise konnten Zahlen von eins bis neunundsiebzig übermittelt werden. Im Gefecht kennzeichneten unterschiedlich geformte Laternen Vielfache von zehn.[28.2] Die Verwendung von Lichtzeichen barg die Gefahr, die Position des Schiffes für Feinde sichtbar zu machen. Daher blieben die Laternen abgedeckt und wurden nur bei Bedarf an Stellen mit optimaler Sichtbarkeit platziert. Bei Nebel waren optische Signale nicht möglich. Stattdessen griff man auf Schall zurück, etwa durch Kanonen, Musketen, Glocken oder Trommeln. Dieses System war jedoch auf grundlegende Kommandos beschränkt.[13.28]

Siehe auch

Commons: History of the Royal Navy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Solche Geschwader umfassten maximal 10 Schiffe. vgl. Adkin: 2005, S. 123.
  2. Freiwillige meldeten sich oft um einer drohenden Zwangsrekrutierung sowie dem Stigma, eingezogen worden zu sein zu entgehen.
  3. Durch die physikalische Einwirkung heißer Gase und Partikel vergrößerte sich die Zündöffnung bei jedem Abfeuern, was zu einer zunehmenden Materialermüdung des Metalls führte. Ein dadurch vergrößerter Querschnitt reduzierte den Gasdruck hinter dem Projektil und verminderte so die Reichweite sowie die Durchschlagskraft.
  4. Traditionell begann der Tag um die Mittagszeit, da zu dieser Zeit der Stand der Sonne überprüft wurde.
  5. Der Grog konnte auch nach dem Mittagessen ausgegeben werden.
  6. Kanonen wurden als great guns bezeichnet, um sie von Handfeuerwaffen wie Musketen und Pistolen zu unterscheiden.
  7. as Grundprinzip bestand in der Verwendung von Zahlen zur Darstellung verschlüsselter Anweisungen, die in geheimen Dokumenten an die Schiffskapitäne weitergegeben wurden. Bei drohender Gefangennahme waren die Codes zu vernichten.

Einzelnachweise

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