Ruchen (Jura)
Berg in der Schweiz
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Der Ruchen ist ein Berg im Schweizer Jura. Er liegt in der Landschaftsschutzzone Belchen-Passwang-Gebiet. Über seinen Gipfel mit der Höhe von 1123 m ü. M. verläuft die Grenze zwischen den Kantonen Basel-Landschaft und Solothurn. Während der selten begangene Gipfelgrat des Ruchens wegen des geschlossenen Waldes kaum einen attraktiven Aussichtspunkt bietet, ist die freistehende Belchenflue als der östliche Nebengipfel für eine spektakuläre Fernsicht bekannt und wird oft als eigenständiger Berg aufgefasst.
| Ruchen | ||
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| Ruchen (links) von der Belchenflue aus gesehen | ||
| Höhe | 1123 m ü. M. | |
| Lage | zwischen dem Oberen und dem Unteren Hauensteinpass | |
| Gebirge | Schweizer Jura | |
| Dominanz | 5,36 km → Bilsteinberg | |
| Schartenhöhe | 393 m ↓ Oberer Hauenstein | |
| Koordinaten | 627818 / 245796 | |
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| Gestein | Kalkstein | |
| Besonderheiten | Geschichte: Angelpunkt der Fortifikation Hauenstein im Ersten Weltkrieg | |
Geographie
Der Ruchen ist der dominierende Berg im Gebirgsmassiv des Juras zwischen den Einschnitten und Passübergängen des Oberen Hauensteins im Westen und des Unteren Hauensteins im Osten. Er ist der am weitesten östlich gelegene Berg des Juras mit einer Höhe von über 1100 m ü. M. Mit seiner markanten Kuppe überragt er auch die Berglandschaft gegen Westen im Umkreis von mehr als fünf Kilometern, und zwar noch über das Tal mit dem Oberen Hauenstein hinaus, bis zum Bilsteinberg (bzw. Helfenberg), der mit 1126 m ü. M. knapp höher ist.
Die 24 Meter weniger hohe Belchenflue ist 250 Meter vom Gipfel des Ruchens entfernt und mit einer Schartenhöhe von 44 Metern von diesem abgesetzt.
Über den Ruchen (und auch die Belchenflue) verläuft die Wasserscheide zwischen dem Flussgebiet der Aare im Süden und im Westen und dem Einzugsgebiet der Ergolz im Norden. Die Kantonsgrenze fällt auf dem Gipfelgrat mit dieser Scheidelinie zusammen. Südlich des Ruchens entspringen der Rickenbach und der Dürstelbach und westlich davon der Schöntalbach, die alle über die Dünnern zur Aare fliessen; der Nordhang im Gebiet von Eptingen wird vom Leisibach und vom Ussermattbach entwässert, die zu den Quellbächen des Diegterbachs, eines Nebenbachs der Ergolz, gehören.
Die Felskämme und die steilen oberen Berghänge sind bewaldet. Eine 64 Hektaren grosse Waldfläche am Dürstelberg (Langenbruck), der den Westgrat des Ruchens fortsetzt, ist als kantonales Naturwaldreservat geschützt.[1] Auf den weniger steilen Berghängen sind weite Flächen gerodet und werden als Wiesland genutzt. Auf der Bergweide «Gwidem» am Südhang des Ruchens (Hägendorf) bildete sich wegen der Lage auf dem trockenen Felsboden eine artenreiche Vegetation aus, die durch das Bundesinventar der Trockenwiesen und ‑weiden von nationaler Bedeutung geschützt ist.[2]
Das durch Einschnitte und Täler stark gegliederte umliegende Berggebiet weist zahlreiche markante Erhebungen auf, von denen einige zum Bergstock des Ruchens gezählt werden können und andere eigenständige Berge darstellen. Davon sind das Spitzenflüeli, der Ankenballen, der Rehhag, der Dürstelberg und die Gwidemflue mehr als 1000 m ü. M. hoch, ebenso wie östlich des Unteren Hauensteins auch noch der Wisenberg (1002 m ü. M.). Der Ifleterberg, der Homberg, der Steinenberg, die Chräiegg über dem Oberen Hauenstein, der Erzenberg, das Schwängiflüeli und andere Gipfel ragen über 900 m ü. M. hinauf. Die ganze Gebirgsgruppe gehört zum Faltenjura und bildet den östlichen Ast der Passwang-Antiklinale.
Nebenstrassen führen nördlich des Berggipfels über den Chilchzimmersattel und 2,5 Kilometer im Osten über die Challhöchi, während die Bergsättel auf der Südseite keine Strassen aufweisen. Die Autobahn A2 durchquert den Berg, 1,3 Kilometer östlich des Gipfels und 500 Meter tiefer als dieser, im Belchentunnel. Auf allen Seiten passieren Wanderwege die Bergflanken des Ruchens, an der Südostseite ist es der Jura-Höhenweg. Ein gut ausgebauter Zugang erschliesst den Felskopf der Belchenflue, aber auf den Gipfel des Ruchens führt kein markierter Weg.[3]
Geologie
Der Bergkamm Ruchen-Belchenflue ist aus Schichten des etwa 170 Millionen Jahre alten Hauptrogensteins aufgebaut; an seinen Flanken liegen grosse Halden von Hangschutt über älteren Kalkgesteinen der Wildegg-Formation und Dolomit- und Mergelschichten der rund 200 Millionen Jahre alten Klettgau-Formation.[4] Der innere Aufbau der Bergkette ist besonders auch dank den Beobachtungen beim Bau des Autobahntunnels gut bekannt. Am Chilchzimmersattel wurde das Typprofil der Schicht «Belchen-Member» dokumentiert.[5]
Während der maximalen Eisausdehnung der Möhlin-Eiszeit im Mittleren Pleistozän überströmte die Zunge des Rhonegletschers vor rund 500'000 Jahren die Bergsättel des östlichen Juras. Der Ruchen zählte zu den Bergen, die auch damals eisfrei blieben und über die Gletscherfläche hinausragten.[6]
Geschichte
Dem von weitem erkennbaren Berg mit der runden Hauptkuppe und dem Felskopf der Belchenflue auf seiner Seite wird eine Position im viel diskutierten, hypothetischen prähistorischen «Belchen-Dreieck» zugeschrieben.
Mehr noch als der Ruchen, der höchste Punkt der Landschaft, hatte die zwar weniger hohe, aber als markanter Felskopf erscheinende Belchenflue in der jüngsten Geschichte eine Funktion als topographische Stelle. Der Ruchen erscheint von dort aus vielmehr als Hindernis für die Aussicht gegen Westen.[7]
Auf dem kleinen Felsplateau der Belchenflue befindet sich seit den Anfängen der Landesvermessung der Schweiz ein Fixpunkt zweiter Ordnung für die topographische Triangulation.[8]
Im Ersten Weltkrieg diente der Felskopf der Belchenflue als Beobachtungsposten der Fortifikation Hauenstein. Eine Feldbefestigung mit neuartigen gedeckten Unterständen umzog die Flanken des Ruchens, und in dessen Felsen lag eine Kaverne. In den Wäldern sind die Ruinen zahlreicher militärischer Anlagen erhalten geblieben. Über den Sattel zwischen dem Ruchengipfel und der Belchenflue verläuft eine im Ersten Weltkrieg von den Truppen der Fortifikation Hauenstein gebaute Forststrasse.
Literatur
- Hans-Rudolf Bläsi (u. a.): Geologischer Atlas der Schweiz 1:25'000 Blatt 1988 Hauenstein. Erläuterungen. Bern 2018.
Weblinks
- Ruchen 1123 m auf hikr.org
