Rudolf Weißer
Deutscher Architekt und Autor, tätig in Chemnitz
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Rudolf Weißer (* 10. Oktober 1910 in Chemnitz; † 2. September 1981 in Karl-Marx-Stadt) war ein deutscher Architekt.
Leben und Werk
Weißers Vater war Tischler. Weißer absolvierte in Chemnitz eine Lehre als Maurer und machte von 1927 bis 1931 ein Fachschulstudium an der Staatlichen Akademie für Technik in Chemnitz. Danach studierte er an der Technischen Hochschule Hannover und von 1933 bis 1935 an der TH Dresden, wo er als Diplom-Ingenieur abschloss. Von 1936 bis 1939 war er Regierungsbaureferendar in verschiedenen Bereichen der Sächsischen Hochbauverwaltung und ab 1939 in Chemnitz Regierungsbaumeister in der Landesplanungsgemeinschaft Sachsen. Das Adressbuch verzeichnete ihn 1940 in der Grenadierstraße (heute Rosa-Luxemburg-Straße)1. 1941/1942 war er in das Reichsbauamt Litzmannstadt (Łódź) dienstverpflichtet, in dessen Zuständigkeitsbereich sich auch das Ghetto Litzmannstadt befand.
Weißer nahm dann als Soldat der Wehrmacht am Zweiten Weltkrieg teil. Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft kam er zurück nach Chemnitz. Dort war er Fachgruppenleiter Entwurf im VEB Projektierung Chemnitz und dann bis 1976 Chefarchitekt im VEB Hochbauprojektierung, dem späteren VEB Wohnungsbaukombinat „Wilhelm Pieck“ Karl-Marx-Stadt. 1954 entwarf Weißer auch den Musikpavillon auf der Chemnitzer Schlossteich-Insel[1], der heute unter Denkmalschutz steht. Er gewann mehrere wichtige Wettbewerbe, so für zentrale Plätze in Chemnitz (1951) bzw. Karl-Marx-Stadt (1953) und in Halberstadt (1962).
Weißer „prägte mit seinen Bauten das neu entstehende Zentrum von Karl-Marx-Stadt entscheidend mit“.[2] Seine wohl wichtigste Leistung war der Entwurf des von 1969 bis 1974 erbauten Komplexes der Stadthalle Chemnitz mit dem Hochhaus des Interhotels „Kongreß“[3] und einer dazu gehörenden Parkanlage mit Wasserspielen und einem über eine Hochstraße erreichbaren Parkdeck. Hotel und Stadthalle gehören zu den bedeutenden Zeugnissen der DDR-Moderne und stehen unter Ensembleschutz. Weitere wichtige Projekte des von Weißer geleiteten Architekten-Kollektivs waren in Chemnitz u. a. das Wohngebiet „Hans Beimler“ (insbesondere mit Nikolaus Griebel), das damalige Haus der Industrieverwaltung (1956–1960), das 15-geschossige Wohnhochhaus am Rosenhof (1963–1966), der Omnibusbahnhof, die 1960 fertiggestellte damalige Juri-Gagarin-Oberschule in der Lutherstraße[4] sowie Grundschulen in Johanngeorgenstadt, Auerhammer und Oelsnitz.
Nach seinem Ausscheiden als Chefarchitekt arbeitete Weißer bis 1980 weiter im Wohnungsbaukombinat. Dabei war er u. a. von 1977 bis 1980 mit K. Reimann am Wiederaufbau des Schauspielhauses[5] beteiligt.
Weißer war von 1960 bis 1966 Dozent an der TU Dresden. Er war u. a. Mitglied der SED und des Bunds der Architekten der DDR (BDA) und wurde u. a. mit der Karl-Friedrich-Schinkel-Medaille des BDA, der Johannes-R.-Becher-Medaille, dem Architekturpreis des Bezirks Karl-Marx-Stadt und dem Nationalpreis für Kunst und Literatur II. Klasse geehrt.
Beispiel einer Fachpublikation Weißers
- Stadthalle und Interhotel „Kongreß“ in Karl-Marx-Stadt. In: Architektur der DDR, Berlin, 4/1975, S. 226–239
Literatur
- Klaus-Dieter Schulz: Rudolf Weißer. In: Dietrich Fürst: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Dokumentation eines IRS-Sammlungsbestandes biographischer Daten. IRS, Erkner, 2000. ISBN 978-3-934669-00-0; S. 247/248
- Annette Menting: Schauspielhaus Chemnitz. Zwischen Zeiten und Räumen. Verlag Theater der Zeit, Berlin, 2024; ISBN 978-3-95749-522-8