Rudolph Mentzel
1799 bis 1856 Geburtsort Waldenburg Beruf/Funktion Geologe ; Mineraloge ; Hüttenbeamter Konfession evangelische Familie Namensvarianten Mentzel, Rudolph
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Rudolph Mentzel (* 24. Dezember 1799 in Waldenburg, Landkreis Waldenburg i. Schles.; † 2. Februar 1856 in Königshütte) war ein preußischer Hüttenbeamter, Geologe und Mineraloge. Er zählt zu den Bahnbrechern im schlesischen Hüttenwesen.
Familie
Rudolph Mentzel war der Sohn des Medizinalrats und Brunnenarztes in Altwasser Gottlieb Mentzel (1771–1802) und Enkel des Ratsadvokaten und Notars der Stadt Breslau Benjamin Gottlieb Mentzel (1734–1771). Seine Brüder waren der Tierzüchter Oswald Mentzel und der Literaturhistoriker und Schriftsteller Wolfgang Menzel. Die Familie war evangelisch.[1]
Mentzel wurde als Dreijähriger Halbwaise. Seine Mutter zog 1810 mit ihren vier Kindern auf das von ihr erworbene Gut Ober-Arnsdorf im Kreis Schweidnitz. Sie heiratete den Hauslehrer ihrer Kinder, mit dem sich Mentzel nicht verstand. Er kehrte nach Waldenburg zurück und lebte dort bei der Großmutter väterlicherseits. In zweiter Ehe hatte diese 1772 den Kaufmann Carl Abraham Treutler geheiratet, der ein bedeutendes Handelshaus für Webwaren leitete.[1]
Mentzel heiratete 1834 Aurelie (1813–1859), Tochter des Sulencicer Rittergutsbesitzers Jan Räschke und der Charlotte Julie Schlesien. Sie wurden Eltern von drei Söhnen und drei Töchtern.[1]
Leben und Werk
Mentzel arbeitete auf der Fuchsgrube, die zu den größten Steinkohlengruben des Waldenburger Reviers gehörte. Er wandte sich dem Hüttenfach zu und war 1816 als Hütteneleve in Breslau tätig. Sein fachwissenschaftliches Studium an der Universität Breslau wurde durch praktische hüttenmännische Arbeit in Oberschlesien unterbrochen. Im Wintersemester 1818/1819 besuchte Mentzel Vorlesungen des Philosophen und Naturforschers Henrich Steffens über Experimentalphysik. Von 1817 bis 1821 arbeitete er als Hütteneleve in Malapane und ging von dort nach Gleiwitz, um sich mit dem Eisengießen vertraut zu machen. Ein Examen legte er an der Bergakademie Freiberg in Sachsen ab.[1]
Seine Ausbildung setzte Mentzel auf Hüttenwerken im Unterharz sowie im Mansfelder Kupferbergbau in Hettstedt fort. Neben einer Anstellung beim Bergamt in Tarnowitz wurde er 1824 zum Obermeister sowie zum Departementsbeamten für alle unter „landesherrlicher Administration“ stehenden privaten Zinkhütten in Oberschlesien bestellt. Mentzel opferte das väterliche Erbe und musste sich obendrein verschulden, da die verfügbaren Mittel dem erheblichen finanziellen Aufwand dieser Tätigkeit nicht entsprachen. Sechs jahre später übernahm er für 14 Jahre die Leitung der staatlichen Blei- und Silberhütte „Friedenshütte“ bei Tarnowitz. Gleichzeitig war er auch um die Förderung der Eisenindustrie bemüht. Mentzel inspizierte 1842 die unter Alexander I. errichteten Hüttenwerke in Russisch-Polen und machte Vorschläge zur Verbesserung der Betriebsabläufe.[1]
Im Jahr 1844 übernahm Mentzel die Leitung der Königshütte und wurde damit auch Oberhütteninspektor und Dirigent des Hüttenamtes. Die Königshütte war seinerzeit das bedeutendste staatliche Hüttenwerk in Preußen. Seine Aufgabe, es zu einem leistungsfähigen, selbständigen Hochofen- und Walzwerk zu entwickeln, erfüllte er „mustergültig“. In der neuerbauten Alvenshütte konnten im September 1846 die ersten Eisenbahnschienen ausgewalzt werden. Mentzel erwarb bedeutende Eisenerzlager bei Tarnowitz, in Noclo und in Klimsawiese. Zudem war er für die Errichtung von Arbeiterwohnungen verantwortlich. Oberberghauptmann Graf Beust bezeichnete Mentzel als „den geschicktesten und redlichsten unter allen meinen Beamten, in seinem Fach der verständigste, den der König in seinem Staate hat“.[1]
Mentzel galt zudem als „ausgezeichneter“ Theoretiker, dessen hüttenkundliche Untersuchungen große Beachtung fanden. Aus dem Zinkerz Galmei gelang ihm die Herstellung von metallischem Cadmium und er entdeckte die Eignung von Cadmiumsulfid als Malerfarbe. Er entwickelte Verfahren zur Herstellung von Bleiweiß sowie Zinkweiß und gewann Gold aus Reichensteiner Arsenikschlacken. Hochofenschlacke ließ er zu Schmucksteinen verarbeiten, die Malachit ähnelten. Seine Erfindungen fanden jedoch keine gewinnbringenden Anwendungen. Bekannt wurde Mentzel auch als Geologe, seine Gesteinssammlung erhielt in Fachkreisen hohe Wertschätzung, ist aber verschollen. Er fand 1842 eine Versteinerung, die wissenschaftlich nach ihm „Rhynochella Mentzelii“ benannt wurde.[1]
Schriften
- Beschreibung der Kadmium-Bereitung auf der Zinkhütte Lydognia in Oberschlesien. 1829.
- Über die Benutzung der rohen Steinkohlen bei allen Bleihüttenpressen in Schachtöfen. 1835.
- Über die auf der Friedenshütte bei Tarnowitz angestellten Versuche, die Glätte unmittelbar vor dem Teilofen zu reducieren. 1836.
- Einleitung zu der von Hermann von Meyer gelieferten Übersicht der im Muschelkalke Oberschlesiens vorhandenen Tiere. 1847.
- Über eine bei den Zinkdestillationsöfen auf der Lydogniahütte in Oberschlesien eingeführte Vorrichtung zur vollständigen Benutzung des Brennmaterials. 1848.
- Über die auf der Lydogniahütte eingeführte Verfahren zur Benutzung des Gas-Flammofens beim Zinkdestillationsprozeß. 1850.
- Zusammenstellung der in Oberschlesien vorkommenden Eisenerze und Eisensteine. 1855 (ungedruckt).
Literatur
- Konrad Fuchs: Mentzel, Rudolph. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 17. Duncker & Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-00198-2, S. 91–92 (deutsche-biographie.de).
- Miroslaw Syniawa: Mentzel, Carl Rudolph (mit Porträt). In: Zbigniew Kapala (Hrsg.): Chorzowki Słownik Biograficzny. Edycja Nowa. Band 1. Chorzów 2007, ISBN 978-83-926587-0-2. S. 260–262.
- Rudolf von Carnall: Bergmännischer Kalender. Band 2 (1845), Band 3 (1846).
- M. Kleinwächter: Rudolph Mentzel, ein Bahnbrecher im schlesischen Hüttenwesen. In: Schlesischer Bergland-Kalender 1940. S. 64–67.
- Alfons Perlick (Hrsg.): Landeskunde des oberschlesischen Industriegebietes. 1943. S. 388–389.
- Alfons Perlick: Oberschlesische Berg- und Hüttenleute. 1953. S. 127–128.