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Südtirol Festival Meran

Klassisches Musikfestival in Meran From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Südtirol Festival Meran (Eigenschreibweise südtirol festival meran), früher Meraner Musikwochen oder südtirol classic festival, ist ein Musikfestival verschiedenster Genres wie Klassik, Barockmusik, Gesang und Jazz in Meran. Die Konzerte von Orchester, Kammermusik, Streich- und Vokalensembles und Solokünstlern finden jährlich im Kurhaus, im Stadttheater und verschiedenen Schlössern in und um Meran statt.

Skulptur des Festivallogos Klangspirale vor dem Meraner Kurhaus
Das Kurhaus in Meran mit dem Kursaal und dem Pavillon des Fleurs ist der zentrale Veranstaltungsort des Festivals

Geschichte

Einer der Vorläufer des Südtirol Festival Meran war das Meraner Musikfest, welches 1922 und 1923 im Stadttheater stattfand. Dieses war vom Kurarzt Adolf Wilhelm Schmidt ins Leben gerufen worden, um den Fremdenverkehr nach dem Ersten Weltkrieg wieder anzukurbeln. Auch Richard Strauss war unter den Besuchern.[1]

Die Meraner Musikwochen (italienisch settimane musicali meranesi und international südtirol classic festival genannt) wurden 1986 auf Initiative der lokalen Kurverwaltung anlässlich des 150. Jubiläumsjahres von Meran als Kurstadt gegründet und vom Trio Aurèle Nicolet im Meraner Stadttheater als Kammermusikreihe mit zehn Konzerten eröffnet.[2][3] Mit einem Musikfestival wollte man die Stadt für internationales Kulturpublikum attraktiv machen. 1987 wurde der Meraner Musikwochenverein als unabhängige Trägerorganisation gegründet. Aus der Kammermusikreihe wurde vor allem seit der Wiedereröffnung des zuvor renovierten Kursaals mit 1080 Sitzplätzen und mit Unterstützung durch die beiden Co-Intendanten Heinrich Schiff (1990 und 1991) und Neville Marriner (1992) ein sinfonisches Festival mit 10.000 Besuchenden pro Jahr[4][5] 2018 wurde das Festival in südtirol festival merano . meran umbenannt.[6] 2026 wurde der seit der Gründung vor 40 Jahren amtierende Präsident Hermann Schnitzer vom aus Dorf Tirol stammenden Unternehmer Hannes Gamper abgelöst.[7] Seit der Gründung hat das Festival an jedem darauffolgenden Jahr stattgefunden und ist im Jahre 2026 damit nun in 41. Auflage.[8]

Organisation

Das Festival findet seit seiner Gründung im August und September statt. Der Präsident des Festivals ist seit 2026 Hannes Gamper, der Intendant seit der Gründung Andreas Capello.[7]

Das Südtirol Festival Meran ist Mitglied der European Festivals Association (EFA) und der Vereinigung Italiafestival.[9]

Konzerte und Veranstaltungsorte

Heute gibt es sieben programmatisch voneinander abgegrenzte Konzertreihen: Classic mit Orchesterkonzerten und Recitals (mit Musik von der Wiener Klassik bis zur Gegenwart), Colours of music mit Weltmusik und Cross-Over-Projekten, Matinée classique mit Kammermusik (vor allem aus dem 19. und 20. Jahrhundert), Vox humana mit geistlicher und weltlicher Vokalmusik vom späten Mittelalter bis zur Gegenwart, Barocco mit Barockmusik, Mystica mit meditativer und spiritueller Musik aus Gegenwart und Vergangenheit sowie das Young Artists Portrait mit jungen Streichensembles.

Die Konzerte des Festivals finden in Meran und näherer Umgebung statt. Große Orchesterkonzerte sowie Recitals und einige Konzerte der Reihe Colours finden im Kursaal Meran statt. Dieser bietet je nach Bestuhlung eine Kapazität von bis zu 1200 Sitzplätzen sowie Stehplätzen.[10] Die übrigen Konzertreihen finden im Pavillon des Fleurs, im Stadttheater sowie in umliegenden Schlössern wie Schloss Schenna oder Schloss Baslan statt. Es treten Orchester und Künstler aus aller Welt auf.

Classic

Die Reihe Classic ist das Herzstück des Festivals. Die Konzerte im Kursaal eröffnete im August 1989 das Sinfonia Varsovia Orchestra unter der Leitung von Leopold Hager. 1995 gab das von Carlo Maria Giulini dirigierte Orchestra Giovanile Italiana dort das 100. Konzert des Festivals. 2015 stand Valery Gergiev dort zum ersten Mal am Pult und kehrte bis 2021 mit dem Mariinsky Orchester St. Petersburg für drei weitere Gastspiele in die Kurstadt zurück. Die Liaison mit den in London ansässigen Orchestern begann bereits 1989 mit einem Gastspiel der Academy of St Martin in the Fields. Danach reisten Orchester aus der britischen Hauptstadt nach Meran– vom London Philharmonia Orchestra über das Royal Philharmonic Orchestra bis zum London Symphony Orchestra, das 2019 unter der Leitung von Sir Simon Rattle das 500. Konzert des Festivals spielte. 2010 lud das Südtirol Festival Meran den Pianisten Fazıl Say[11] als Artist in Residence zu mehreren Konzerten ein. Der Violinist Daniel Hope stand 2012 zum ersten Mal auf der Bühne des Kursaals und wurde dabei vom NDR-Sinfonieorchester Hamburg unter der Leitung von Thomas Hengelbrock begleitet. Ein Jahr später betreute Daniel Hope – ebenfalls als Artist in Residence – sechs Konzerte und stand dabei an vier Tagen auf der Bühne. Die Violinistin Anne-Sophie Mutter[12] gastierte in Meran ebenso wie der Cellist Mischa Maisky, die Violinistinnen Julia Fischer und Patricia Kopatchinskaja, die Pianistinnen Maria João Pires[13] und Yuja Wang, Teodor Currentzis mit dem Ensemble MusicAeterna, die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli und Il Giardino Armonico oder das Sydney Symphony Orchestra. Das Musikmagazin Gramophone setzte die Konzerte dieses australischen Klangkörpers in Meran und anderen italienischen Städten im September 2008 auf die Liste der best events worldwide.[14] Aus den USA reisten das Cleveland Orchestra mit Franz Welser-Möst und das Pittsburgh Symphony Orchestra mit Manfred Honeck nach Meran.

Zur Reihe Classic gehören auch Uraufführungen von Werken, die das Festival in Auftrag gegeben hat: 2001 erhielt der Komponist Arnaldo de Felice gemeinsam mit Edward Rushton den ersten Preis bei einem von der Bayerischen Staatsoper und dem Opernhaus Zürich ausgerichteten Kurzopernwettbewerb. 2002 spielte das St. Petersburger Symphonieorchester „Eremitage“ die Uraufführung seines Stücks Angoli d’ombra – einem Auftragswerk des Südtirol Festival Meran – im Kursaal. 2005 stellte das Festival drei Werke des ladinischen Komponisten Eduard Demetz vor: Auf „Rondo da Banda“ – ein Präludium vor der Festivaleröffnung mit der Philharmonia Prag – folgt die Premiere des Auftragswerks „Im Klang Verwandlung Coppia“ mit dem Bruckner Orchester Linz unter der Leitung von Dennis Russell Davies. Das dritte Stück – Batadùm – erklang dann im Après Festival. Zur 40. Ausgabe des Festivals wurde die britische Komponistin Rachel Portman mit der Komposition eines Werks beauftragt. Dieses wurde 2025 im Kursaal von der Gruppe LGT Young Soloists uraufgeführt.[15]

Colours of music

2002 startete die Reihe Colours of music im Meraner Stadttheater. Auf der Bühne des Jugendstilgebäudes mit rund 300 Sitzplätzen standen in den vergangenen Jahren der indische Perkussionist Trilok Gurtu, der US-amerikanische Pianist Uri Caine, der Perkussionist Martin Grubinger, das Modern String Quartet und der australische Gitarrist Tommy Emmanuel, der kubanische Klaviervirtuose Omar Sosa. die südafrikanische Jazzlegende Abdullah Ibrahim oder der Pianist Michael Wollny mit seinem Trio.[3]

Matinée classique

Die Reihe Matinée classique findet entweder im Pavillon des Fleurs (300 Plätze) oder ebenfalls im Meraner Stadttheater statt.[3] Zu diesem Konzertformat gehören literarisch-musikalische Veranstaltungen wie etwa mit Bruno Ganz, Klaus Maria Brandauer (mit Sebastian Knauer und Daniel Hope) oder Peter Simonischek (mit den Österreichischen Salonisten). 2021 – 100 Jahre nach Franz Kafkas Aufenthalt in Meran – las Krista Posch aus dessen in der Kurstadt verfassten Briefen an Milena Jesenská.

Vox humana

Die Konzerte der A-Cappella-Reihe Vox humana finden in den Kirchen und Schlössern des Meraner Umlands statt.

Barocco

Barocco präsentiert an wechselnden Standorten Werke aus dem 17. und 18. Jahrhundert. In den vergangenen Jahren gastierten Concerto Köln, die Blockflötistin Dorothee Oberlinger, der Countertenor Philippe Jaroussky[16] und die Sopranistin Emőke Baráth, The English Consort unter der Leitung von Trevor Pinnock mit dem Countertenor Jakub Józef Orliński, und der Violoncellist Mario Brunello in Meran und Umgebung.

Mystica

Die Reihe Mystica existiert seit 2019 und findet vor allem an sakralen Orten wie die Meraner Stadtpfarrkirche oder Kirchen in Marling, St. Leonhard und Partschins statt.

Young Artists Portrait

Mit dem Young Artists Portrait präsentiert das Festival Streichquartette, die an mehreren Veranstaltungsorten mit unterschiedlichen Programmen auftreten und nach den Konzerten für Gespräche mit dem Publikum zur Verfügung stehen. Seit 2018 traten das Aris Quartett, das Schumann String Quartet, das Novus String Quartet, das Vision String Quartet, das Barbican Quartet und das Quatuor Arod auf.

Rezeption

Das Festival ist eines, das in der Region kräftig Akzente setzt, schreibt Michael Kube in der Glosse „Reihe 9“ in der Neuen Musikzeitung. Nicht nur die eingeladenen Starensembles machten das Festival interessant, sondern auch die gelungene und keineswegs bloß beliebige Mischung aus allen Gattungen und Epochen. Zudem richte sich das Festival nicht exklusiv an die zahlungskräftigen Gäste der Kurstadt. Mit seinen Konzerten komme es darüber hinaus zu den Menschen vor Ort, so in den umliegenden Pfarrkirchen und Schlössern von Partschins, Marling, Lana und Schenna[17].

Meran genieße bei Klassikstars einen ausgezeichneten Ruf schreibt Guido Fischer in Rondo. Die Kur-Atmosphäre die subtropische Vegetation und das Kurhaus bildeten ein Komplettpaket, mit dem das 1986 gegründete Klassikfestival sofort in die Belle Etage der europäischen Festival-Szene aufsteigen sollte.[18]

Das Südtirol Festival Meran sei eine etwas weniger bekannte, dennoch angenehme Bereicherung zu den großen Festspielen in Salzburg, Luzern oder Aix-en-Provence schreibt Alexandra Richter in ihrer Rezension des Konzerts des Pittsburgh Symphony Orchestra auf bachtrack.com.[19][20]

Anlässlich des 500. Konzerts stellte Federica Fanizza im italienischen Kulturmagazin Sipario fest, dass Meran inzwischen ein begehrter Zwischenstopp für große internationale Orchester auf ihren internationalen Tourneen sei.[21]

Einzelnachweise

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