S-Bahn Bodensee
S-Bahn der Vierländerregion Bodensee
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Die S-Bahn Bodensee ist das seit Dezember 2021 bestehende S-Bahn-System der Vierländerregion Bodensee. Sie überlappt sich mit den benachbarten S-Bahn-Netzen St. Gallen, Schaffhausen, Zürich und Vorarlberg.[1][2][3]
| Staat | Deutschland, Österreich, Liechtenstein, Schweiz |
| Verkehrs- / Tarifverbund |
Bodenseeticket, Ostwind, VVV, bodo, VHB |
| Linien | 41 |
| Fahrzeuge | diverse |
| Betreiber | SBB GmbH, SOB, Thurbo, ÖBB-PV, BOB, DB Regio BW, DB Regio Bayern, SWEG, Appenzeller Bahnen, Arverio Bayern |
| Stromsystem | 15 kV, 16,7 Hz ~ 1,5 kV = 1,2 kV = teilweise nicht elektrifiziert |

Vorbilder sind die grenzüberschreitenden Verkehrsnetze im Tessin, in Genf und in Basel.[4]
Liniennetz
S-Bahnen
Einige Linien führen dabei zum Teil weit über das Verkehrsgebiet der S-Bahn Bodensee hinaus. Die Linien der Appenzeller Bahnen (AB) sind teilweise schmalspurig und teilweise Zahnradbahnen.
Schneller Regionalverkehr im Verkehrsbereich der S-Bahn Bodensee
| Linie | Laufweg | Betreiberin |
|---|---|---|
| RE 1 | Herisau – St. Gallen – Romanshorn – Kreuzlingen Hafen – Konstanz | Thurbo |
| REX 1 | Lindau-Insel – Bregenz – Bludenz | ÖBB-PV |
| RE 2 | Karlsruhe – Engen – Singen – Konstanz | DB Regio BW |
| RE 3 | Basel Bad. Bhf. – Schaffhausen – Singen – Radolfzell – Friedrichshafen-Hafen | DB Regio BW |
| RE 3 | Ulm – Aulendorf – Friedrichshafen – Lindau-Reutin | DB Regio BW |
| RE 5 | Stuttgart – Ulm – Aulendorf – Friedrichshafen | DB Regio BW |
| RE 6a | Stuttgart – Sigmaringen – Aulendorf | DB Regio BW |
| RE 7 | Lindau-Reutin – Oberstaufen – Augsburg | DB Regio Bayern |
| RE 70 | Lindau-Reutin – Oberstaufen – München | DB Regio Bayern |
| RE 96 | Lindau-Reutin – Memmingen – München | Arverio Bayern |
Quelle:[2]
Organisation
Die S-Bahn Bodensee wird seit 1. Januar 2026 von der 4 Länder Mobil GmbH (ehemals: Geschäftsstelle ÖV-Bodenseeraum) betreut. Diese hat ihren Sitz in Kreuzlingen und ist auch für das Bodensee-Ticket zuständig. Zu ihren Aufgaben zählen zudem, wo nötig Verbesserungen in grenzüberschreitenden Angelegenheiten wie Fahrplan und Tarif zu erwirken. Die Verkehrsdienstleistungen werden jedoch nicht von ihr ausgeschrieben. Hierfür sind die Aufgabenträger der vier beteiligten Staaten zuständig.[5]
Gesellschafter der 4 Länder Mobil GmbH sind:
- Land Baden-Württemberg (25 %)
- Freistaat Bayern (15 %)
- Kanton Appenzell Ausserrhoden (5 %)
- Kanton Appenzell Innerrhoden (5 %)
- Kanton Schaffhausen (10 %)
- Kanton St. Gallen (10 %)
- Kanton Thurgau (10 %)
- Verkehrsverbund Vorarlberg GmbH – für das Bundesland Vorarlberg (10 %)
- Fürstentum Liechtenstein (10 %)
Die Gesellschaft hat ein Stammkapital von 80.000 CHF. Weitere Beteiligte sind diverse Verkehrsunternehmen, Körperschaften und Verkehrsverbünde.
Tarifverbünde
Neben den bundesweiten Tarifen der beteiligten Staaten gelten im Verkehrsgebiet der S-Bahn Bodensee verschiedene Verbundtarife. Diese überlappen sich zum Teil, zudem existieren teilweise Kombitarife und Stadt-/Ortstarife.
| Verbund/Tarif | Sortiment | Region |
|---|---|---|
| Ostwind (+Verbundüberlappung zu ZVV und VHB)[6] | Zonenbasierende Abos und Billette | Kantone Schaffhausen, Thurgau, St. Gallen, Appenzell Inner- und Ausserrhoden |
| VVV[7] | Zonenbasierende Abos und Billette | Bundesland Vorarlberg |
| VHB (+Verbundüberlappung zu Ostwind und bodo)[8] | Zonenbasierende Abos und Tickets | Landkreis Konstanz |
| LIEmobil[9] | Zonenbasierende Abos und Billette | Fürstentum Liechtenstein |
| bodo[10] | Zonenbasierende Abos und Tickets | Landkreise Ravensburg und Lindau und Bodenseekreis |
| Bodensee Ticket[11] | Zonenbasierende Tageskarten | Vierländerregion Bodensee ohne Landkreis Sigmaringen und ohne Teile der Kantone Schaffhausen, Zürich, St. Gallen und ohne Teile des Bundeslandes Vorarlberg |
| bwtarif[12] | Kilometerbasierende Abos und Tickets | Land Baden-Württemberg und weitere Bahnlinien in der Schweiz und Bayern |
| Z-Pass[13] | Zonenbasierende Abos und Billette | Wirtschaftsraum Zürich (unter anderem Kantone Schaffhausen, Thurgau, St. Gallen) |
Geschichte
2004–2010

Am 11. Dezember 2004 wurde in Lindau die Plattform „Zu(g)kunft Euregio Bodensee“ gegründet. Für einen besseren grenzüberschreitenden Schienenverkehr in der Euregio Bodensee engagierten sich im Rahmen der Initiative Bodensee-S-Bahn die folgenden Organisationen:
- Pro Bahn Österreich, Land Vorarlberg
- Pro Bahn, Regionalverband Schwaben (Pro Bahn LV Bayern)
- Pro Bahn Schweiz Sektion Ostschweiz
- VCD, Kreisverband Ravensburg (VCD LV Baden-Württemberg)
- Verkehrs-Club der Schweiz (VCS), Sektion Thurgau
Das Konzept der Bodensee-S-Bahn sah vor, den Bahnverkehr rund um den Bodensee zu modernisieren und mit einer guten Vernetzung die Reisezeiten zu verkürzen. Die „Initiative Bodensee-S-Bahn“ schlug hierfür eine S-Bahn vor, an der alle drei Bodenseeanrainer beteiligt gewesen wären. Das Einzugsgebiet sollte Schaffhausen (CH), Radolfzell (D), Konstanz (D), Friedrichshafen (D), Lindau (D), Bregenz (A) und St. Gallen (CH) umfassen. Teile dieses Gebiets waren damals bereits durch die S-Bahn St. Gallen und die S-Bahn Vorarlberg abgedeckt.
Im Juni 2010 erklärte die damalige Verkehrsministerin des Landes Baden-Württemberg Tanja Gönner, dass für die Realisierung einer Bodensee-S-Bahn auf absehbare Zeit keine finanziellen Mittel vorhanden sind.[14]
Verlängerung der St. Galler S-Bahn nach Lindau

Ursprünglich war geplant, die S3 der S-Bahn St. Gallen stündlich bis nach Bregenz zu verlängern. Somit wäre erstmals eine durchgehende S-Bahn-Verbindung zwischen St. Gallen und der Vorarlberger Landeshauptstadt entstanden.[15] Praktisch konnte mit dem Fahrplan 2014 aber nur ein schlanker Anschluss in St. Margrethen ermöglicht werden. Die tatsächliche Durchbindung sollte 2018 eingeführt werden,[16] scheiterte jedoch an der fehlenden Zulassung der Thurbo-Züge in Österreich.[17]
2019 signalisierte der Freistaat Bayern, die Kosten der Verlängerung der S-Bahn-Linie S7 Weinfelden–Rorschach über Bregenz nach Lindau zu übernehmen.[18] Seit dem Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2021 werden an Wochenenden acht Zugpaare der Linie S7 im Zweistundentakt über St. Margrethen und Bregenz bis Lindau-Reutin durchgebunden und verkehren dabei im Wechsel mit dem Eurocity Zürich–München. Die Planungen sehen vor, ab Dezember 2023[veraltet] dieses Angebot auf einen täglichen Betrieb auszuweiten.[19][20][21][22][23][24]
Ab dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2023 fuhren erstmals Züge der S7 auch außerhalb des Wochenendes bis Lindau. Insgesamt sind das montags bis donnerstags sechs und freitags neun Fahrtmöglichkeiten pro Tag. Linienendpunkt ist vorerst weiterhin der Bahnhof Lindau-Reutin. Längerfristig wird eine Verlängerung aller angebotenen Zugfahrten der S7 zum Lindauer Inselbahnhof angestrebt.[25]
S-Bahn Bodensee ab 2020
Aus dem Bodensee-Ticket entwickelte sich das Gemeinschaftsprojekt S-Bahn Bodensee, dessen Förderung durch die Interreg Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein 2020 für den Zeitraum vom 1. Juli 2020 bis zum 30. Juni 2023 in Höhe von knapp 181.000 Euro gewährt wurde.[4][26] Leadpartner ist das Eisenbahnverkehrsunternehmen Thurbo, die weiteren Projektpartner sind die Eisenbahnverkehrsunternehmen DB Regio Baden-Württemberg, ÖBB-Personenverkehr, SBB GmbH und die Verbünde Verkehrsverbund Vorarlberg, Tarifverbund Ostwind, Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund, Verkehrsunternehmen Hegau-Bodensee Verbund und Bodensee Ticket.[26] Zu Initianten der S-Bahn Bodensee gehörten außerdem die Mitglieder der Internationalen Bodensee-Konferenz.[27] Das Projekt kommuniziert das bestehende Angebot des Öffentlichen Verkehrs aus Bahn, Bus und den seeüberquerenden Fähren in einem zentralen und grenzüberschreitenden Auftritt und bietet einen Überblick über die verschiedenen Tarife der vier an den See angrenzenden Verkehrsverbünde.[28]
Nachdem 2021 eine Website und ein Liniennetzplan erstellt und zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2021 veröffentlicht wurden,[4] zählten seit dem Fahrplanjahr 2022 die Linien S1, S2, S4, S5, S7, S10, S14 und RE Konstanz–Herisau der S-Bahn St. Gallen, die Linien S1, S2, S3 und S5 der S-Bahn Vorarlberg, die Linien RB 29 (Seehas), RB 31, RB 32, RB 91, RB 92 und RB 93 des Schienenpersonennahverkehrs in Baden-Württemberg und in Bayern sowie die Linie Singen–Schaffhausen (RB 33), die zur S-Bahn Schaffhausen[29][30] gehört, zur S-Bahn Bodensee.[31]
Zum Fahrplanjahr 2023 wurde die Linienbezeichnung des Seehas, der außer der S-Bahn Bodensee keinem weiteren S-Bahn-Netz angehört, in S6[32][33] sowie die Linie S5 der S-Bahn Vorarlberg, deren Bezeichnung sich mit der gleichnamigen Linie der S-Bahn St. Gallen doppelte, in R5 umbenannt. Außerdem kam die neu eingeführte Linie S44 der S-Bahn St. Gallen dazu.[30]
Zum Fahrplanjahr 2024 wurde die dieselbetriebene Linie Radolfzell – Stockach auf einen Halbstundentakt verdichtet und in S61 umbenannt. Die bisher lediglich als „S“ geführten Linien der S-Bahn Schaffhausen wurde in S62 umbenannt. Der RE wurde in RE1 umbenannt. Zudem wurde der Gültigkeitsbereich des Bodensee Tickets und damit der S-Bahn auf den ganzen Landkreis Ravensburg, den ganzen Kanton Thurgau, den Bregenzerwald und um Wil und Umgebung erweitert.[34]
Zum Fahrplanjahr 2026 wurde der Gültigkeitsbereich des Bodensee Tickets und damit der S-Bahn auf Liechtenstein und Buchs erweitert.[34]
Im Interreg-II-Projekt „Bodan-Rail 2020“ wurde eine schrittweise Umsetzung durch die beteiligten Körperschaften in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Liechtenstein beschlossen.[35] Da das erste Projekt seit 2010 auf Eis liegt,[14] wurde ein neues Konzept „Bodanrail 2040“ entwickelt,[36] das mit dem Interreg V ABH gefördert werden soll.[37]
Das Projekt S-Bahn Liechtenstein auf der Bahnstrecke Feldkirch–Buchs bezieht den Kleinstaat direkt mit ein, beschränkt sich jedoch weitgehend auf die bestehenden Netze der S-Bahnen St. Gallen und Vorarlberg ohne Einbeziehung der Nordseite des Bodensees.[38] Am 30. August 2020 verweigerte jedoch die Liechtensteiner Bevölkerung in einer Volksabstimmung den Kredit für das Projekt,[39] sodass das Projekt nicht mehr weiterverfolgt wird.[40]
Geplante Ausbauten
Ab Dezember 2026 sollen die S5 und die S3 zur S3 vereinigt werden. Den Betrieb übernimmt Thurbo. Damit entstehen mehr grenzüberschreitende Direktverbindungen.[41]
Bis 2030 soll das mittelfristige Angebotskonzept der S-Bahn Konstanz-Kreuzlingen umgesetzt werden. Es beinhaltet unter anderem die Durchbindung des Seehas Engen–Konstanz nach Kreuzlingen Hafen.[42]
Gemäß dem Zielnetz 2040 ÖBB für das Rheintal sollen in Vorarlberg einige Bahnstrecken ausgebaut werden. Dies ermöglicht Angebotsausbauten in Richtung Schweiz und nach Lindau. Die S3 soll dann bis Lindau fahren und noch zu bauende Haltepunkte in Lindau bedienen.[43]
Der Abschnitt Radolfzell–Stockach der Bahnstrecke Radolfzell–Mengen sowie die Bahnstrecke Stahringen–Friedrichshafen sollen elektrifiziert und ausgebaut werden. Nach Abschluss der Maßnahmen soll in diesem Abschnitt ein Halbstundentakt angeboten werden.[44]
Das Land Baden-Württemberg plant die Korridore Radolfzell – Friedrichshafen sowie Lindau – Friedrichshafen – Aulendorf – Kißlegg – Memmingen/Wangen in das Nummernsystem der S-Bahn Bodensee zu integrieren.[45]
Weblinks
- Internetpräsenz der S-Bahn Bodensee
- Internetpräsenz der Initiative Bodensee-S-Bahn
- Bodan-Rail 2020-Gutachten bei der Bodensee-Konferenz
- Verkehrskonzept Vorarlberg 2006 ( vom 21. Januar 2017 im Internet Archive) (PDF-Datei; 864 kB)