Bahnhof Feldkirch
Bahnhof in Vorarlberg, Österreich
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Der Bahnhof Feldkirch ist der Bahnhof der österreichischen Stadt Feldkirch in Vorarlberg. Er befindet sich im nördlich gelegenen Ortsteil Levis zwischen dem Ardetzenberg und dem Känzele, die Anschrift lautet Bahnhofstraße 40–42. Der Abzweigbahnhof wird von den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) betrieben, liegt an der Bahnstrecke Lindau–Bludenz und ist Ausgangspunkt der Bahnstrecke Feldkirch–Buchs. Untertags verkehren stündlich Railjetzüge von und nach Wien, die ab Feldkirch abwechselnd nach Zürich oder Bregenz weiterfahren beziehungsweise abwechselnd aus Zürich oder Bregenz kommen.
| Feldkirch | |
|---|---|
Blick auf den Bahnhof Feldkirch, am rechten Bildrand das Areal der früheren Wagenwerkstätte | |
| Daten | |
| Betriebsstellenart | Bahnhof |
| Lage im Netz | Trennungsbahnhof |
| Abkürzung | Fk |
| IBNR | 8100197 |
| Eröffnung | 1. Juli 1872 |
| Webadresse | bahnhof.oebb.at |
| Lage | |
| Stadt/Gemeinde | Feldkirch |
| Bundesland | Vorarlberg |
| Staat | Österreich |
| Koordinaten | 47° 14′ 29″ N, 9° 36′ 21″ O |
| Höhe (SO) | 457 m |
| Eisenbahnstrecken | |
| |
| Liste der Bahnhöfe in Österreich | |
Geschichte
Der Bahnhof wurde am 1. Juli 1872 von der privaten Vorarlberger Bahn, die in Feldkirch auch ihren Betriebssitz, ihre Heizhausleitung und ihre Werkstätten hatte, als Durchgangsbahnhof eröffnet und fungierte schließlich ab Eröffnung der Zweigstrecke nach Buchs am 24. Oktober gleichen Jahres als Trennungsbahnhof.[1] Trotz der Nähe Feldkirchs zu Liechtenstein und zur Schweiz einigten sich Österreich-Ungarn und die Eidgenossenschaft seinerzeit auf den Bahnhof Buchs als gemeinsamen Zoll- und Grenzbahnhof. Ursächlich hierfür war die, bis 1920 geltende, zoll- und währungspolitische Zugehörigkeit Liechtensteins zu Österreich.[2]

Das ursprüngliche Aufnahmsgebäude wurde ab 1884 von den mittlerweile zuständigen k.k. Staatsbahnen immer wieder erweitert, da Feldkirch infolge Eröffnung der Arlbergbahn an Bedeutung gewann. Zudem bestimmte die Staatsbahn Feldkirch, neben Wien, Linz, Salzburg, Steyr und Villach, zu einem ihrer sechs Oberbahnbetriebsämter.[3] Der Feldkircher Heizhausleitung unterstanden ferner die Nebenstellen in den Bahnhöfen Bregenz und Bludenz.[4]
Am 6. August 1926 wurde in Feldkirch der elektrische Betrieb aufgenommen, als die Oberleitung von Bludenz her kommend westwärts verlängert wurde. Abweichend von den übrigen Bahnhöfen der Region kam im Bahnhof Feldkirch statt einer Jochkonstruktion eine Querseilaufhängung mit geerdetem oberen und spannungsführendem unteren Richtseil zur Anwendung. Sowohl Nachspannung als auch Streckentrennung bildete man zweifeldrig mit zwei gegenüberstehenden Auslegermasten und Fahrdrahtnäherung aus, den Festpunkt mit gespreiztem Ausleger.[5]
Nach dem „Anschluss Österreichs“ an das nationalsozialistische Deutschland am 11./12./13. März 1938 fungierte Feldkirch bis 1945 vorübergehend als Grenzbahnhof zu Liechtenstein und zur Schweiz.[6][7] Das Zollamt im Bahnhof Feldkirch, zuvor lediglich ein Inlandszollamt, spielte dabei eine wichtige Rolle. Ab dem 12. März 1938 hatte es die Devisenkontrolle der Schnellzugreisenden nach Liechtenstein und in die Schweiz zu übernehmen.[8] Schon am 13. März 1938 kam es dabei seitens einheimischer Vorarlberger SS-Leute zu antisemitischen Ausschreitungen gegenüber angereisten Juden. Sie wurden mit „Saujud“ angeschrien, es wurden ihnen die Fingerringe abgezogen und den Frauen der Schmuck heruntergerissen.[9] Mit Einführung des Deutschen Zollgesetzes am 1. April 1939 wurde schließlich in Feldkirch die Eisenbahngrenzzollstelle für den gesamten Warenverkehr auf der Strecke Feldkirch–Buchs SG eingerichtet. Als im September 1939 der Krieg ausbrach, wurde das Zollamt in den „verstärkten Grenzaufsichtsdienst“ einbezogen. Es ging um eine „möglichst hundertprozentige Grenzsicherung“ des Waren- und Personenreiseverkehrs und um die Abwehr von Spionage, Sabotage, Propaganda und staatsfeindlicher Betätigung. Zu diesem Zweck wurden sämtliche Bahnreisenden am Bahnhof Feldkirch einer Leibesvisitation unterzogen. Die Bahnanlagen wurden außerdem durch Polizei abgeriegelt.[8]
Die Deutsche Reichsbahn nannte den Bahnhof zum 6. Oktober 1940 in Feldkirch (Vorarlberg) um,[10] um Verwechslungen mit der Station der elsässischen Gemeinde Feldkirch zu vermeiden. Zudem nahm sie im gleichen Jahr nördlich des Bahnhofs eine Verbindungskurve in Betrieb. Diese ermöglichte Fahrten aus Richtung Lindau in Richtung Buchs SG und umgekehrt, das heißt ohne Fahrtrichtungswechsel in Feldkirch. Sie wurde mit Kriegsende im Jahr 1945 allerdings wieder aufgelassen und später abgetragen, ebenso verlor der Bahnhof den Zusatz Vorarlberg nach dem Krieg wieder.
1951 ersuchte der Vorarlberger Landtag die Landesregierung, sich beim österreichischen Verkehrsministerium dafür einzusetzen, dass der gemeinsame Zollbahnhof von Buchs nach Feldkirch verlagert werde. Als Begründung wurde angegeben, „dies sei für Vorarlberg und vor allem für Feldkirch von großem wirtschaftlichen Nutzen im Zusammenhang mit den internationalen Transportgeschäften“. Letztlich blieb die Petition erfolglos; 1952 schlossen die ÖBB und die Schweizerischen Bundesbahnen einen weiteren Zehnjahresvertrag über den Beibehalt von Buchs als Grenzbahnhof ab.[2] Im Jänner 1952 schlossen Österreich und weitere europäische Staaten ein Abkommen zur Regelung des grenzüberschreitenden Eisenbahn-Reiseverkehrs. Österreich als Unterzeichnerstaat ratifizierte und setzte den Vertrag 1956 in Kraft (BGBl. Nr. 188/1956), 1959 ratifizierte auch die Schweiz (BGBl. Nr. 84/1959).[11]
In den 1960er Jahren wurde das alte Aufnahmsgebäude abgerissen, bevor Anfang 1969 das neue in Betrieb ging. Die Inbetriebnahme des neuen, zweigleisigen Schattenburgtunnels im Jahr 1991 erforderte den Umbau der Feldkircher Gleisanlagen. Die Zufahrt zum alten, eingleisigen Tunnel, dessen Südportal Anfang der 2000er Jahre im Zuge des Baues einer Straße zugeschüttet wurde,[12][13] dient seither nur noch als Ausziehgleis für Verschubfahrten. Dieses endet kurz vor dem inzwischen verschlossenen Nordportal. In den 1980er Jahren wurde zudem die Wagenwerkstätte, die früher auch für die schmalspurige Bregenzerwaldbahn zuständig war,[14] zum neuen Verschiebebahnhof nach Wolfurt verlegt.
Von 14. Juni 1999 bis 18. Dezember 2001 wurde die Bahnhofshalle modernisiert und es wurden Geschäfte und ein neues ÖBB-Reisezentrum errichtet. Für die „Auto im Reisezug“–Reisenden wurde bei der Verladestelle ein Warteraum erbaut.[15] Von Beginn 2004 bis Ende 2006 wurde der Bahnhof im Rahmen der ÖBB-Bahnhofsinitiative erneut renoviert und barrierefrei umgebaut. Dabei wurden die fünf jeweils 55 cm hohen Bahnsteige, darunter neben dem Hausbahnsteig zwei Mittelbahnsteige, und die Unterführung erneuert sowie die Bahnhofshalle von 1969 im Inneren umgestaltet.[16]
Im Rahmen der jährlichen Befragung des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) wurde der Bahnhof Feldkirch im Jahr 2010 von den befragten Fahrgästen hinter Dornbirn zum sechstschönsten Bahnhof Österreichs gewählt.[17] 2023 belegte Feldkirch bei den schönsten Bahnhöfen außerhalb von Hauptstädten den ersten Platz.[18] 2025 schnitt der Bahnhof in der Gesamtwertung mit Platz 7 ab und wurde zum zweitschönsten Bahnhof außerhalb der Landeshauptstädte gewählt.[19]
Bedienung
Im Schienenpersonenfernverkehr wird Feldkirch von Railjet-Zügen auf der Strecke Flughafen Wien / Budapest Keleti –Wien Hbf –Bludenz –Feldkirch –Zürich HB / Bregenz bedient, zusätzlich verkehren ein Eurocity- und drei Nightjet-Zugpaare. Regionalzüge fahren nach Lindau, Buchs SG und Schruns, weiterhin wird der Bahnhof von der Linie S1 der S-Bahn Vorarlberg angefahren. Der Bahnhof Feldkirch dient zudem als Verladebahnhof für die Autoreisezüge von/nach Bregenz und Zürich über Feldkirch nach/von Wien, Graz und Villach.
Stand: Dezember 2024
Ehemalige Wagenwerkstätte und Lehrwerkstätte
Im nordöstlichen Bereich des Bahnhofes, nahe dem Levner Weiher, befindet sich die ehemalige Wagenwerkstätte, heute ÖBB Technische Services GmbH. Im Jahr 2019 kaufte die Stadt Feldkirch den ÖBB das Grundstück der ebenfalls beim Weiher angesiedelten, in die Jahre gekommenen Lehrwerkstätte um 5,7 Millionen Euro ab. Der Lehrbetrieb lief dort zunächst noch weiter bis zur Inbetriebnahme der neuen Lehrwerkstätte im Bahnhof Bludenz am 1. September 2020.[20][21] Auf dem Areal am Levner Weiher befinden sich auch die Räumlichkeiten und Tennisplätze des Eisenbahnersportvereines.[22]
Literaten im Bahnhof Feldkirch
James Joyce
Seit dem Bloomsday 1994 ist in der Bahnhofshalle von Feldkirch ein James-Joyce-Zitat zu lesen, das die besondere Verbindung des irischen Schriftstellers mit der Montfort-Stadt betont. Dank einflussreicher Freunde konnte Joyce, der 1915 weltkriegsbedingt als „feindlicher Ausländer“ betrachtet wurde, mit seiner Lebensgefährtin Nora Barnacle und den beiden gemeinsamen Kindern aus Österreich ausreisen, während sein Bruder Stanislaus Joyce bereits Anfang 1915 in Triest als „feindlicher Ausländer“ verhaftet wurde und auf Weltkriegsdauer inhaftiert blieb. Bei der Grenzkontrolle in Feldkirch wurde Joyce um ein Haar verhaftet, weshalb sich nach seinen Worten am Bahnhof von Feldkirch das Schicksal seines Romanes Ulysses entschieden hat.[23] Ende 2001 haben die ÖBB die vom Kulturkreis Feldkirch über den Fahrkartenschaltern montierte Gedenktafel durch eine auffällige Präsentation des ins Deutsche übersetzten literarhistorischen Joyce-Zitates (Over there, on those tracks the fate of ‚Ulysses‘ was decided in 1915.) ersetzt, womit die ÖBB wesentlich zur Popularisierung und Verbreitung des jahrzehntelang verborgenen Sachverhaltes beitragen.
Stefan Zweig
Der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig behauptet in seinen Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers betitelten Memoiren, dass er 1919 am Bahnhof Feldkirch Augenzeuge gewesen sei, als Karl I. von der Republik Österreich ins Schweizer Exil abgeschoben wurde.[24][Anm. 1]
„Bei meiner Ankunft vor einem Jahre hatte ich an der schweizerischen Grenzstation in Buchs eine aufregende Minute erlebt. Jetzt bei der Rückkehr stand mir eine nicht minder unvergeßliche an der österreichischen in Feldkirch bevor. Schon beim Aussteigen hatte ich eine merkwürdige Unruhe bei den Grenzbeamten und Polizisten wahrgenommen. Sie achteten nicht besonders auf uns und erledigten höchst lässig die Revision: offenbar warteten sie auf etwas Wichtigeres. Endlich kam der Glockenschlag, der das Nahen eines Zuges von der österreichischen Seite ankündigte. Die Polizisten stellten sich auf, alle Beamten eilten aus ihren Verschlägen, ihre Frauen offenbar verständigt, drängten sich auf dem Perron zusammen; insbesondere fiel mir unter den Wartenden eine alte Dame in Schwarz mit ihren beiden Töchtern auf, nach ihrer Haltung und Kleidung vermutlich eine Aristokratin. Sie war sichtlich erregt und fuhr immer wieder mit dem Taschentuch an ihre Augen.
Langsam, ich möchte fast sagen, majestätisch rollte der Zug heran, ein Zug besonderer Art, nicht die abgenutzten, vom Regen verwaschenen gewöhnlichen Passagierwaggons, sondern schwarze, breite Wagen, ein Salonzug. Die Lokomotive hielt an. Eine fühlbare Bewegung ging durch die Reihen der Wartenden, ich wußte noch immer nicht warum. Da erkannte ich hinter der Spiegelscheibe des Waggons hoch aufgerichtet Kaiser Karl, den letzten Kaiser von Österreich und seine schwarzgekleidete Gemahlin, Kaiserin Zita. Ich schrak zusammen: der letzte Kaiser von Österreich, der Erbe der habsburgischen Dynastie, die siebenhundert Jahre das Land regiert, verließ sein Reich! […] ›Der Kaiser‹, dieses Wort war für uns der Inbegriff aller Macht, allen Reichtums gewesen, das Symbol von Österreichs Dauer, und man hatte von Kind an gelernt, diese zwei Silben mit Ehrfurcht auszusprechen. Und nun sah ich seinen Erben, den letzten Kaiser von Österreich, als Vertriebenen das Land verlassen. Die ruhmreiche Reihe der Habsburger, die von Jahrhundert zu Jahrhundert sich Reichsapfel und Krone von Hand zu Hand gereicht, sie war zu Ende in dieser Minute. Alle um uns spürten Geschichte, Weltgeschichte in dem tragischen Anblick. Die Gendarmen, die Polizisten, die Soldaten schienen verlegen und sahen leicht beschämt zur Seite, weil sie nicht wußten, ob sie die alte Ehrenbezeigung noch leisten dürften, die Frauen wagten nicht recht aufzublicken, niemand sprach, und so hörte man plötzlich das leise Schluchzen der alten Frau in Trauer, die von wer weiß wie weit gekommen war, noch einmal ›ihren‹ Kaiser zu sehen. Schließlich gab der Zugführer das Signal. Jeder schrak unwillkürlich auf, die unwiderrufliche Sekunde begann. Die Lokomotive zog mit einem starken Ruck an, als müßte auch sie sich Gewalt antun, langsam entfernte sich der Zug. Die Beamten sahen ihm respektvoll nach. Dann kehrten sie mit jener gewissen Verlegenheit, wie man sie bei Leichenbegräbnissen beobachtet, in ihre Amtslokale zurück. In diesem Augenblick war die fast tausendjährige Monarchie erst wirklich zu Ende. Ich wußte, es war ein anderes Österreich, eine andere Welt, in die ich zurückkehrte.“
Carl Zuckmayer

Unmittelbar nach dem „Anschluss Österreichs“ am 13. März 1938 flüchtete der deutsche Dichter Carl Zuckmayer (1896–1977) am 15. März 1938 mit dem Zug über den Bahnhof Feldkirch nach Zürich. Seit 1998 ist an der bahnsteigseitigen, südöstlichen Arkadenmauer des katholischen Stadtfriedhofs Feldkirch ein von Harald Gfader gestaltetes literarisches Denkmal angebracht mit einem Zitat aus Zuckmayers Erinnerungen Als wär’s ein Stück von mir:[26][27]
„Als der Zug langsam in Feldkirch einfuhr und man den grellen Kegel der Scheinwerfer sah, hatte ich wenig Hoffnung. (…)
Der Tag dämmerte bereits, mein Puls klopfte mit dem Ticken der Uhr. Wenn man nur schon raus wäre. Jede Sekunde kann irgend eine neue Wendung bringen. Jede Ablösung eines Grenzbeamten eine neue Verdächtigung, die ganze Komödie war umsonst.“
Personen
- Elmar Steurer (1924–2011), Bahnhofsvorstand und Abgeordneter des Vorarlberger Landtags sowie ab 1970 dessen zweiter Vizepräsident.[29]
Siehe auch
Literatur
- Lothar Beer: Die Geschichte der Bahnen in Vorarlberg. Band I. Hecht-Verlag, 1994.
- Lothar Beer: Die Geschichte der Bahnen in Vorarlberg. Band II. Hecht-Verlag, 1995; Bahnhof Feldkirch S. 142–148; Wagenwerkstätte Feldkirch. S. 279–283.
- Franz J. Fröwis: Drei Sonderzüge von historischer Bedeutung in Vorarlberg (1917, 1919 und 1921). In: Bludenzer Geschichtsblätter, Heft 40/41, 1981; S. 3–43: Der „Hofsonderzug“ vom 24. März 1919; S. 23–30: Über die Abschiebung der Habsburger via Feldkirch in die Schweiz.
- Ulrich Nachbaur: Als der Zug langsam in Feldkirch einfuhr. In: Rheticus. Vierteljahresschrift der Rheticus-Gesellschaft, 1998, Heft 3/4, S. 223–294 (ergänzte Fassung, 2002 (PDF; 333 KB) auf erinnern.at.).
