San Basso
religiöses Gebäude in Venedig
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San Basso ist eine profanierte, aus dem 11. Jahrhundert stammende Kirche im Sestiere San Marco unmittelbar an der Nordseite des Markusplatzes in Venedig. Sie liegt gegenüber dem Seiteneingang des Markusdoms zwischen der Calle di San Basso im Westen, der Piazzetta dei Leoncini im Süden und in einem Häusergeviert, das im Osten von der Calle della Razza und im Norden von der Calle Larga di San Marco begrenzt wird. Das heutige Gebäude stammt aus dem 17. Jahrhundert. Im Gebäude befindet sich seit der Nachkriegszeit das Ateneo di San Basso.


Geschichte
Nach Flaminio Corner wurde die Kirche im Jahr 1079 errichtet, wahrscheinlich ist sie jedoch bereits zu Anfang des 11. Jahrhunderts durch die Familie Elia entstanden. Namenspatron ist der heilige Bassus von Nizza. Er soll erster Bischof der Stadt im Süden Galliens gewesen und unter Kaiser Decius hingerichtet worden sein.[1] Der Heilige erscheint in Venedig zudem in der Namensform S. Basso e Leone Confessore als Nonnenkloster bei Malamocco (Metamaucum), nachdem durch eine Naturkatastrophe nach 1100 die dortige Kirche zerstört worden war, und die Nonnen nach San Servolo umziehen mussten.
1105 und 1665 von Feuer zerstört, entstand das heutige Gebäude wohl durch Giuseppe Benoni (1618–1684),[2] die Fassade entwarf hingegen Baldassare Longhena. Allerdings wurde der obere Teil der Fassade nie fertiggestellt. Von Februar 1642 (1643 more veneto) bis etwa 1750 unterhielten die „Furlani“, womit alle Männer, die schwere körperliche Arbeit verrichteten und vom venezianischen Festland stammten (also nicht nur Leute aus dem eigentliche Friaul) eine eigene Scuola in der Kirche.[3] Der Maler Sebastiano Ricci erhielt einen Auftrag für Bildnisse.[4]
1681 verließ allerdings eine der kleineren Scuole, die Scuola del Santissimo Sacramento das Gebäude.[5] 1788 erhielt San Basso eine neue Orgel von Francesco Merlini.
Die Kirche wurde 1806 auf Befehl Napoleons ebenso aufgehoben, wie zahlreiche andere Institute. Das Gebäude wurde an einen Privateigentümer verkauft, bis es Jacopo Monico erwarb, der es am 28. Dezember 1847 der Markuskirche überließ. Diese nutzte das das Bauwerk zunächst als Lagerraum, etwa für Skulpturen.
Erst 1951 wurde die einstige Kirche renoviert, diente als Antiquitätenladen, Ausstellungsraum, Konzertsaal. Das Aussehen vor der Auflösung der Republik Venedig im Jahr 1797 zeigt am besten ein Gemälde von Michele Marieschi von 1736 oder 1737. Der dort noch sichtbare kleine Glockenturm wurde zur Kirche Santissimo Nome di Gesù versetzt. Am 25. März 1953 wurde der längst als Konferenzraum umgenutzte Saal von dem Patriarchen Angelo Giuseppe Roncalli, dem späteren Papst Johannes XXIII., eingeweiht.
Literatur
- Jeff Cotton: San Basso. Giuseppe Benoni/Baldassare Longhena 1665-1675, Churches of Venice
- Herbert Rosendorfer: Kirchenführer Venedig. Edition Leipzig, 2008, S. 92.
- Alvise Zorzi: Venezia scomparsa, Electa, 1972, S. 490 f.
- Rodolfo Gallo: La loggia e la facciata della chiesa di San Basso e Baldassare Longhena, in: Atti dell'Istituto Veneto di Scienze, Lettere ed Arti, CXVI (1958–1959) 179–202.
Weblinks
- Ateneo di San Basso, Music in Venice