San Servolo
Insel in der Lagune von Venedig
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San Servolo, selten San Servilio, ist eine Insel in der Lagune von Venedig südöstlich von San Giorgio Maggiore. Die flache Insel ist 380 m lang und bis zu 155 m breit, bei einer Fläche von fünf ha, genauer 48.442 m².[1]
| Isola di San Servolo | ||
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| Gewässer | Lagune von Venedig | |
| Geographische Lage | 45° 25′ 7,2″ N, 12° 21′ 26,9″ O | |
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| Fläche | 4,84 ha | |
| Höchste Erhebung | 1 m | |
Geschichte
Spätestens ab dem 8. Jahrhundert bewohnten Benediktinermönche dieses Eiland, ihnen folgten die Nonnen vom Kloster der Santissimi Leone e Basso von der ehemaligen Hauptstadt der Lagune Metamaucum (fälschlich: Malamocco), die von einer Sturmflut zerstört worden war.
Für die Überlieferung zur Dogenfamilie der Particiaco (früher auch Partecipazio genannt) spielte San Servolo zunächst als Zufluchtsort eines Dogensohnes eine wichtige Rolle. Als nämlich der Doge Agnellus um 814 seinen Sohn Iustinianus an den Hof des byzantinischen Kaisers Leo entsandte, erhob er seinen jüngeren Sohn Iohannes zum Mitherrscher. Gegen diese Zurücksetzung wehrte sich der ältere Sohn Iustinianus. Er weigerte sich, im Dogenpalast zu residieren und ließ sich stattdessen auf San Servolo nieder, bis der Vater nachgab. Während nun Iohannes ins Exil nach Zadar geschickt wurde, wurden Iustinianus (und sein Sohn Agnellus) zu Dogen erhoben. Von dem Kloster auf San Servolo ging wohl 819 auch die Initiative aus, das Kloster Santi Ilario e Benedetto zu gründen. Von 820 bis 825 war ein Abt des Klosters als Johannes V. Patriarch von Grado. Sein Vorgänger Fortunatus II. hatte sich an einer Verschwörung zum Sturz des neuen Dogen Agnello Particiaco beteiligt und war daraufhin verbannt worden.
Der Doge Pietro II. Orseolo traf sich im Jahr 1001, gemeinsam mit Johannes Diaconus, dem Chronisten, der diese Ereignisse detailreich schildert, ohne dies öffentlich zu machen, auf der Insel.
Abt Petrus (Piero oder Pietro) verkaufte die Insel San Servolo an die Benediktinerinnen aus Chioggia. Das Nonnenkloster S. Basso e Leone Confessore, in der durch ein Naturereignis zerstörten Stadt Metamaucum, zog um 1108 auf die Insel San Servolo um. Drei Nonnen des Klosters Santa Croce della Giudecca übernahmen 1434 bei der vom Papst geforderten Reform des Klosters auf San Servolo eine zentrale Rolle. Eine der drei Nonnen wurde dort Äbtissin. Während ihrer Amtszeit erholte sich das nur noch von vier Frauen gehütete Kloster und wuchs wieder auf 80 Nonnen an.[2]
Nach ihrem Weggang Anfang des 15. Jahrhunderts wurde die Lücke erst durch 142 Nonnen geschlossen,[3] die 1648 von den Türken von der venezianischen Insel Kreta vertrieben worden waren. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts waren jedoch nur mehr wenige von ihnen auf San Servolo zu finden.
1715 wurde die Insel für den Bau eines Hospitals vorgesehen. Die dazugehörige Kirche wurde von Tommaso Temanza entworfen. Aufgenommen wurden geistig Behinderte. 1834 wurden die weiblichen Insassen von der Insel nach San Clemente verbracht.

Durch die Verlegung der Krankenhäuser in die Stadt Venedig in der Mitte des 20. Jahrhunderts war eine geänderte Widmung des Hauses notwendig geworden. Es wurde eine geschlossene psychiatrische Anstalt eingerichtet. Am 11. Oktober 1944 wurden sechs Patienten in die Vernichtungslager des nationalsozialistischen Regimes deportiert und dort ermordet. Am 20. Mai 2006 wurde das Museo del Manicomio di San Servolo – La follia reclusa eröffnet, das den Fokus auf die Segregation und Stigmatisierung der Insassen in der damaligen Psychiatrie legt.[4]
Zu Beginn der 1970er Jahre entschied die Regionalregierung die Verlegung der Psychiatrie auf das Festland, da man die Insel anderen Zwecken zuführen wollte. Am 24. Oktober 1979 wurde von der Regierung die Fondazione San Servolo gegründet, die ihrerseits das Istituto per le Ricerche e gli Studi sull’Emarginazione Sociale e Culturale (Institut zur Erforschung sozialer und kultureller Ausgrenzungen) mit Sitz auf der Insel gründete. 1995 entstand auf San Servolo die Venice International University, eine Gemeinschaftseinrichtung der Universitäten Venedig, Barcelona, München und Durham.
Weiterhin wurde 1977 dort das „Europäische Zentrum Venedig für die Berufe in der Denkmalpflege“ (Centro Europeo di Venezia per i Mestieri della Conservazione del Patrimonio Architettonico) eingerichtet, als ausführendes Organ einer Stiftung, die vom Europarat, der Europäischen Gemeinschaft, dem Europäischen Parlament, der UNESCO und nationalen Verbänden und Ministerien gegründet wurde. Ziel des Zentrums ist es, Ausbildungskurse für Handwerker im Kunsthandwerk, welche in der Denkmalpflege tätig sind oder werden wollen, zu organisieren. Im Laufe der Jahre hat sich die Ausbildungsaktivität des Zentrums immer stärker zwei zusätzlichen Zielen gewidmet: der Spezialisierung in den traditionellen Restaurierungstechniken, aber auch modernen Bautechniken sowie der Anwendung von traditionellen und innovativen Techniken für eine regelmäßige Instandhaltung und eine nachhaltige Konservierung. Aus diesem Grund richteten sich die Kurse nicht ausschließlich an Handwerker, sondern auch an Architekten, Techniker und Unternehmer. Das Zentrum befindet sich seit 2007 nicht mehr auf der Insel San Servolo, sondern ist seither in Thiene (Venetien) ansässig.
2025 wurde das ozeanologische Zentrum SEA beyond Literacy Center eröffnet.
Bemerkenswert ist auch die reichhaltige Flora der Insel mit ihrem verhältnismäßig weitläufigen Park.
Literatur
- Nelli-Elena Vanzan Marchini: San Servolo e Venezia. Un'isola e la sua storia, Provincia di Venezia, Venedig 2004.
- Pompeo Molmenti, Dino Mantovani: Le isole della laguna veneta, Bergamo 1904, S. 28 (Digitalisat).
- Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 488–492. (Digitalisat)


