San Provolo
nicht erhaltenes Kirchengebäude in Venedig, Italien
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San Provolo, auch San Procolo, war eine der Legende nach im frühen 9. Jahrhundert errichtete Kirche im Süden des venezianischen Sestiere Castello, westlich von San Zaccaria und östlich des Dogenpalasts, am heutigen Campo San Provolo. Die Pfarrkirche des Nonnenklosters San Zaccaria (spätestens seit 1107) trägt den Namen des hl. Prokulus von Verona. Sie wurde ab 1818 sukzessive abgerissen und in Wohnhäuser umgewandelt.

Geschichte

Die Kirche soll der Legende nach auf den Dogen Agnello Particiaco zurückgehen und damit im frühen 9. Jahrhundert entstanden sein, wobei die Jahre 809 für die Kirche und die Zeit um 814 für das Kloster genannt werden (letzteres in der Chronik des Andrea Dandolo). Dies geschah gemeinsam mit dem bedeutenden und überaus gut ausgestatteten Nonnenkloster San Zaccaria. Damit wurde ein Zusammenhang mit der Verlegung der Residenz der Dogen von Metamaucum (häufig fälschlich mit Malamocco gleichgesetzt) in das heutige historische Zentrum Venedigs hergestellt.
Für die meist adligen Nonnen soll San Provolo bereits im Jahr 850 zur Pfarrkirche erhoben worden sein, obwohl erst ab 1107 der Besitz der Pfarrrechte nachweisbar ist. Durch den verheerenden Brand von 1105, dem 24 Kirchen zum Opfer fielen, war das ursprüngliche Gebäude zerstört worden.
Die monastische Frauengemeinschaft bestimmte und finanzierte zwei Kapläne, die für die seelsorgerische Betreuung und die Verwaltung der Sakramente zuständig waren. 1389 wurde das Bauwerk renoviert – Corner nimmt an, dass es bereits in Ruinen stand – und mit Statuen und Marmorsäulen ausgestattet. Unter der Herrschaft der Äbtissin von San Zaccaria, Lucia Donà, Äbtissin von 1477 bis 1504, wurde die Kirche erneut renoviert („rincozatto la giexia de san proulo“[1]).
Um 1600 entstanden eine neue Hauptkapelle und ein Altar. 1646 wurde die Kirche mit fünf Altären unter der Herrschaft der Äbtissin Angelica Foscarini praktisch neu errichtet. Dabei wurde es mit Gemälden von Palma dem Jüngeren, Sante Peranda, Antonio Vassilacchi († 1629), Pietro Liberi und Gregorio Lazzarini ausgestattet. Noch 1752 kam es durch Laien der Pfarrgemeinde zur Ausstattung mit einem neuen Marmorfußboden für die Hauptkapelle, ebenso wurden Tabernakel und Reliquienschreine verschönert; der bescheidene hölzerne Altar wurde durch einen aus Marmor ersetzt. Diesem Vorhaben hatten die Nonnen von San Zaccaria vorbehaltlos zugestimmt.
Unter Napoleon, der 1807 zahlreiche Gemeinden auflösen und zusammenlegen ließ, wurde San Provolo zunächst der Pfarrei Sant’Antonin angegliedert und ab 1810 der neu gegründeten Pfarrei San Zaccaria. Doch wurde San Provolo bereits 1818 teilweise abgerissen und der Rest in Privathäuser umgewandelt. Von der Kirche ist nur noch die verborgene Umfassungsmauer innerhalb einer Schule erhalten, ebenso wie die Decke mit dem Fresko der Mariä Aufnahme aus dem 18. Jahrhundert.[2] Im Hof der Privathäuser wurde aus der bis 1825 dort bestehenden Kapelle zur Erinnerung an San Provolo der Altar entfernt und nach San Zaccaria verbracht.
Literatur
- Alessandro Gaggiato: Le chiese distrutte a Venezia e nelle isole della Laguna, Supernova, Venedig 2019.
- Emmanuele Antonio Cicogna: Delle Inscrizioni Veneziane, Bd. 3, Picotti, Venedig 1830, S. 111–116 (7 Inschriften, unzutreffende Kopfzeile „San Severo“ auf S. 116). (digitalisiert beim Münchener Digitalisierungszentrum)
- Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 38–41. (Digitalisat, S. 41 f.)
Weblinks
- Parrocchia di San Procolo, Venezia, SIUSA, archive.org, 5. März 2016