Sarah Reddish

englisch-britische Gewerkschafterin und Suffragette From Wikipedia, the free encyclopedia

Sarah Reddish (* 3. Oktober 1849 in Westleigh, Greater Manchester; † 19. Februar 1928 in Farnworth, Lancashire) war eine englisch-britische Gewerkschafterin und Suffragette, die in der Genossenschaftsbewegung aktiv war.[1]

Als Befürworterin der Kandidatur von Frauen bei Kommunalwahlen als Sprungbrett für das Erreichen des nationalen Wahlrechts kandidierte sie für den Bolton School Board und war bei ihrem zweiten Versuch im Jahr 1899 erfolgreich. Sie kandidierte außerdem als Armenpflegerin (Poor Law Guardian) und wurde gewählt, scheiterte jedoch bei dem Versuch, Mitglied des Stadtrats zu werden. Als Textilarbeiterin kannte Reddish die Arbeitsbedingungen und Löhne von Frauen aus eigener Erfahrung und trat Gewerkschaften bei, wobei sie als bezahlte Organisatorin tätig war, um Frauen bei der Verbesserung ihrer Situation zu unterstützen. Sie war sowohl Sozialistin als auch radikale Feministin und setzte sich für die Gleichberechtigung von Frauen im öffentlichen Leben ein.

Leben

Sarah Reddish wurde in eine Arbeiterfamilie geboren. Sie war die Tochter von Thomas Reddish oder Redish (1827–1885), ein Seidenweber und später Lagerarbeiter bei der Eisenbahn, und seiner Ehefrau Ann, geborene Makinson (1829/30–1894), eine Handwebstuhlarbeiterin.[1] Ihr Vater war ein prominentes Mitglied der Bolton Co-operative Society und fungierte als ehrenamtlicher Bibliothekar und Sekretär der Bolton-Niederlassung der Gesellschaft.[2] Nachdem sie im Alter von elf Jahren die Schule verlassen hatte, begann Reddish zu Hause zu arbeiten und wickelte Seide für die Webarbeiten ihrer Mutter und der Nachbarn.[1]

In den 1860er Jahren begann Reddish in einer Baumwollspinnerei als Aufwicklerin und Spulerin zu arbeiten.[3][4] Zusätzlich zu ihrer Arbeit musste sie Verletzten helfen, die sich durch die Maschinen verletzt hatten.[1] Schließlich wurde sie Vorarbeiterin in einer Strumpfwarenfabrik.[5]

1879 trat Reddish ebenfalls der Bolton Co-operative Society bei und erwarb sich sowohl in lokalen als auch in nationalen Organisationen einen Ruf.[6] Bis 1886 war sie Präsidentin der Bolton Women's Co-operative Guild und bekleidete dieses Amt bis 1906.[1] Zwischen 1889 und 1891 sowie erneut zwischen 1895 und 1898 wurde Reddish in das Zentralkomitee der Guild gewählt.[4] In den Jahren dazwischen, von 1893 bis 1895, wurde sie zur ersten bezahlten, regionalen Organisatorin der Women’s Co-operative Guild für Nordengland ernannt. 1897 war sie nationale Präsidentin der Guild. Reddish brachte Rednerinnen für das Frauenwahlrecht in die Organisationssitzungen und setzte sich für Lohnverbesserungen für weibliche Beschäftigte ein.[1]

Als Befürworterin der Übernahme lokaler Ämter durch Frauen, in der Überzeugung, dass dies den Anspruch auf das allgemeine Wahlrecht stärken würde, kandidierte sie 1897 für den Bolton School Board, wurde jedoch nicht gewählt. Als 1899 ein Mitglied des Boards zurücktrat, erwartete sie, gemäß der üblichen Praxis, als vorherige Kandidatin mit den meisten Stimmen den Sitz zu erhalten. Obwohl das Board ihre Ernennung verweigerte, weil sie eine Frau war, kandidierte Reddish später im selben Jahr erneut erfolgreich für das Amt.[1] Sie blieb mindestens bis 1907 im Amt.[7]

1896 trat Reddish der Independent Labour Party bei und nahm an der ersten von der sozialistischen Zeitschrift The Clarion Wohnwagentour teil.[4][8] Diese Tour, auf der sozialistische Ideen durch Frauen verbreitet werden sollten, ermöglichten es Reddish, ihre Redekunst bei öffentlichen Versammlungen einzusetzen.[1] Zwei Jahre später, als die Independent Labour Party mit der Social Democratic Federation fusionierte, drängte Reddish die Mitglieder, der Socialist Party beizutreten.[9] Wie in ihrer Politik glaubte Reddish an Gleichberechtigung für Frauen in allen Bereichen des öffentlichen Lebens. In ihren Gewerkschaftsberichten forderte sie Männer auf, sich stärker an häuslichen Aufgaben zu beteiligen, und Frauen, ihre bürgerlichen Rollen auszubauen. Sie gehörte zu jener Gruppe radikaler Feministinnen, die für vollständige Gleichstellung kämpften und das eigene Geschlecht als gesellschaftliche Behinderung betrachteten.[10]

1899 führte ihre Sorge um die Unterstützung von Arbeiterinnen dazu, dass sie Organisatorin der Women’s Trade Union League wurde.[1] Ihr Schwerpunkt lag auf der Verbesserung von Löhnen und Arbeitsbedingungen für Frauen.[11] Zwischen 1900 und 1901 half Reddish bei der Verbreitung von Petitionen für das Frauenwahlrecht unter Fabrikarbeiterinnen und wurde ausgewählt, die endgültige Petition mit fast 30.000 Unterschriften dem Parlament zu übergeben.[1][3] Die Kampagne inspirierte Wollarbeiterinnen in Yorkshire sowie Baumwoll- und Seidenarbeiterinnen aus Nord-Cheshire zu ähnlichen Aktionen. Reddish drängte die Guild, das Frauenwahlrecht zu unterstützen, und 1904 stimmte die Women’s Co-operative Guild auf ihrer Jahreskonferenz für die Unterstützung des anstehenden Wahlrechtsgesetzes. Reddish arbeitete zwischen 1903 und 1905 als Organisatorin für die North of England Society for Women's Suffrage und gelegentlich als bezahlte Organisatorin für die National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS) in London.[1]

1903 wurde Reddish Gründungsmitglied des Lancashire and Cheshire Women Textile and Other Workers Representation Committee,[1] zusammen mit Selina Cooper, Sarah Dickenson, Eva Gore-Booth und Esther Roper.[5] Die Gruppe, für die sie später als Schatzmeisterin tätig war, wurde gegründet, um Parlamentskandidaten zu bewerten und diejenigen auszuwählen, die für das Wahlrecht von Arbeiterinnen eintreten würden.[4] Sie verfasste Artikel, darunter Women and County Borough Councils: a Claim for Eligibility (1903)[1] und Women and the Franchise: A Claim for Its Extension (1904),[12] in denen sie ihre Ansichten darlegte und die in lokalen Zeitungen veröffentlicht wurden. 1905 kandidierte Reddish für das Amt einer Poor Law Guardian nach den Armengesetzen, nachdem sie seit 1897 im Komitee der Bolton Association for the Return of Women as Poor Law Guardians tätig gewesen war. Sie gewann die Wahl und blieb bis 1921 im Amt.[1] 1907 kandidierte sie für den Stadtrat im Halliwell Ward in Bolton,[7] blieb jedoch erfolglos.[13] Im selben Jahr reiste sie nach Gent und Brüssel, um Initiativen zur Kinderbetreuung in Belgien zu studieren, und gründete nach ihrer Rückkehr die School for Mothers in Bolton.[4] 1911 wurde sie Präsidentin der Manchester and Salford Women's Trade Society.[1] Sie war Delegierte bei der Konferenz der Women’s International League for Peace and Freedom 1915 in Den Haag[5] und organisierte 1919 die Bolton Women's Citizens Association.[1]

In den 1920er Jahren zwang sie eine Krankheit, ihre Aktivitäten einzuschränken. Reddish starb am 19. Februar 1928 im Townleys Hospital in Farnworth, Lancashire,[1] und wurde auf dem Heaton Cemetery an der Bolton Wood Road beigesetzt.[8]

Ihr Name und ihr Bild befinden sich auf dem Sockel der Millicent-Fawcett-Statue auf dem Parliament Square in London.

Einzelnachweise

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