Scherwiller

französische Gemeinde From Wikipedia, the free encyclopedia

Scherwiller (deutsch Scherweiler) ist eine französische Gemeinde mit 3099 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) im Département Bas-Rhin in der Region Grand Est (bis 2015 Elsass). Sie ist das Zentrum des Rieslinganbaus im Weinbaugebiet Elsass. 67 % der angebauten Reben in Scherwiller sind Riesling. Scherwiller gehört der Communauté de communes de Sélestat an.

Schnelle Fakten
Scherwiller
Scherwiller (Frankreich)
Scherwiller (Frankreich)
Staat Frankreich Frankreich
Region Grand Est
Département (Nr.) Bas-Rhin (67)
Arrondissement Sélestat-Erstein
Kanton Sélestat
Gemeindeverband Sélestat
Koordinaten 48° 17′ N,  25′ O
Höhe 168–532 m
Fläche 18,08 km²
Einwohner 3.099 (1. Januar 2023)
Bevölkerungsdichte 171 Einw./km²
Postleitzahl 67750
INSEE-Code
Website https://scherwiller.fr/
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Geschichte

In einer Urkunde der Abtei Ebersmünster erscheint Scherwiller erstmals 817 als Scerevilare. Im Dorf waren im Lauf der Geschichte verschiedene Klöster begütert (Andlau, Ebersmünster, Ottmarsheim, Hugshoffen, aber auch Hirsau und Gengenbach). Bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges gehörte der Ort zur habsburgischen Herrschaft Villé (Weiler). Im Westfälischen Frieden kam er 1648 mit dem ganzen habsburgischen Besitz im Elsass an die französische Krone. Scherwiller erlebte im Spätmittelalter mehrere Heimsuchungen: 1262 verwüsteten Söldner des Bischofs von Straßburg im Streit mit den Habsburgern das Dorf. 1370 wüteten die Truppen des Herzogs von Lothringen im Ort und im Dreißigjährigen Krieg litten die Einwohner 1632 unter den Schweden.

Im Bauernkrieg unterlagen bei Scherwiller die aufständischen Bauern im Mai 1525 den Truppen des Herzogs von Lothringen. In der Schlacht und beim anschließenden Massaker starben über 5 000 Bauern.

Scherwiller lag an der jahrhundertelang für die Versorgung des Elsass mit Salz wichtigen und schon zur Römerzeit begangenen Salzstraße (Voie des Saulniers), über die Salz aus Lothringen bezogen wurde. Der Pont de la Route du Sel (Salzstraßenbrücke) aus dem 18. Jahrhundert an der Straße Scherwiller – Thanvillé erinnert noch an den Salztransport. Die Route war aber immer auch eine Verbindung über die Vogesen hinweg für den Handel allgemein.

Im 19. Jahrhundert profitierte auch Sciherwiller vom Einzug der Industrie in die Vogesentäler. 1860 gab es in Scherwiller zwei Webereien, zwei Ziegeleien und eine Papier- und Kartonagenfabrik. Im August 1910 verursachte ein Dorfbrand schwere Schäden. 1936 übernahm Robert Kientz die Textilfabrik Hartmann. Auf ihn geht die Gründung von Kientzville im Jahr 1947 zurück, einer Arbeitersiedlung, damals mit Primarschule, Hotel-Restaurant, Fußballstadion, Kapelle und einem künstlichen See. Architekt war der damals beim Wiederaufbau elsässischer Dörfer viel beschäftigte Charles-Gustave Stoskopf. 1952 wurde Kientz Opfer der Textilkrise, Die Siedlung kam in der Folge an die Gemeinde Scherwiller.

Im Zweiten Weltkrieg erlebten die Einwohner nach dem Waffenstillstand die deutsche Besatzung. Die Synagoge von Scherwiller diente als Lager für polnische Zwangsarbeiter. Die im Ort verbliebenen jüdischen Einwohner wurden 1940 nach Südfrankreich deportiert. Laut Yad Vashem wurden dreizehn ehemalige Einwohner Opfer der Endlösung.[1] Am 1. Dezember 1944 wurde Scherwiller durch amerikanische Truppen von der Naziherrschaft befreit. Der folgende Kampf um Schlettstadt dauerte noch mehrere Wochen, da die Deutschen auf Führerbefehl den Brückenkopf Elsass noch immer hartnäckig verteidigten.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr19621968197519821990199920072017
Einwohner22692300236823822278261430093195

Sehenswürdigkeiten

Der Ort hat Fachwerkhäuser und Renaissance-Bauten. Von 1670 stammen der Wachturm mit Erker und der Zehnthof. 1525 fand hier ein Massaker der revoltierenden Bauern (Deutscher Bauernkrieg) statt. Überragt wird Scherwiller von den Burgruinen Ortenberg und Ramstein.

Die ehemalige Synagoge (Monument historique) wird heute als Feuerwehrhaus genutzt. Daneben befindet sich das ehemalige Rabbinerhaus (Monument historique).

Regelmäßige Veranstaltungen

Rieslingfest ist jedes Jahr Mitte August, wo alle Weinkeller geöffnet sind. Im Juli findet an mehreren Tagen das Waschweiberfest am Aubach im Dorfzentrum statt. Die Waschweiber waschen in ihren traditionellen Kostümen 'dreckige Wäsche' im doppelten Sinne: Mit viel Gesang und kurzen Geschichten wird das Geschehen im Dorf aufgezeigt. Für die Besucher gibt es Flammkuchen und den berühmten Riesling von Scherwiller.

Am ersten Wochenende im September findet jedes Jahr der traditionelle Sentier Gourmand statt, eine Wanderung vom Ortszentrum durch die Weinberge von Scherwiller bis zur besten Lage, dem Rittersberg. Alle Winzer von Scherwiller beteiligen sich an diesem gastronomischen Spaziergang. An acht Stationen entlang der Strecke gibt es jeweils eine kleine Mahlzeit und Weine einer Rebsorte aller Winzer zu verkosten. Der Sentier Gourmand endet am Rathaus mit einem gemütlichen Weinfest zum Ausklang des Tages. Jedes Jahr nehmen ca. 3000 Besucher aus ganz Europa an dieser Veranstaltung teil.

Verkehr

Scherwiller liegt an der Bahnstrecke Sélestat–Saverne und ist mit TER-Zügen an Strasbourg und Sélestat angebunden.

Literatur

  • Le Patrimoine des Communes du Bas-Rhin. Flohic Editions, Band 2, Charenton-le-Pont 1999, ISBN 2-84234-055-8, S. 1211–1214.
Commons: Scherwiller – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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