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Schloss Ravel

Schloss in Frankreich From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Schloss Ravel (französisch Château de Ravel) steht in der Gemeinde Ravel, im auvergnatischen Département Puy-de-Dôme. Es geht auf eine mittelalterliche Burg aus dem 12. Jahrhundert zurück. Im 18. Jahrhundert wurde es erweitert, ohne den gotischen Kern zu zerstören. Zusätzlich wurde es durch eine Gartenanlage von André Le Nôtre ergänzt. Es diente als Kulisse für den Film Die Kinder des Monsieur Mathieu.

Schloss Ravel und sein Garten

Geschichte

Der Bau des Schlosses wurde im Jahr 1171 von Bernard de Revel begonnen. Im Jahr 1283 verkaufte Chatard de Ravel die Anlage an König Philipp III. von Frankreich. Die Burg wurde im Jahr 1294 von Philipp dem Schönen an Pierre Flote, den Kanzler von Frankreich, als Lohn für seine Dienste weitergereicht. Pierre Flote spielte eine Schlüsselrolle in den schweren Konflikten der Krone mit Papst Bonifatius VIII. Er war maßgeblich an der Ausarbeitung der Anklageschrift gegen Bernard Saisset, den Bischof von Pamiers, beteiligt und verfasste eine scharfe Erwiderung auf die päpstliche Bulle Ausculta fili. Der Papst reagierte mit heftigen Schmähungen gegen den einäugigen Kanzler und nannte ihn blind an Geist und Körper. Flote fiel am 11. Juli 1302 in der Sporenschlacht bei Kortrijk. Sein Sohn Guillaume Flote übernahm ebenfalls das Amt des Kanzlers von Frankreich unter König Philipp VI. und zeichnete sich durch eine kompromisslose Justiz aus.[1]

Da Guillaume Flote in dritter Generation keine männlichen Nachkommen hinterließ, ging Ravel nach dem Tod seines Enkelsohns im Jahr 1431 durch die Heirat von Jeanne Flote mit Jean de Bueil an die Familie de Bueil über, ehe es 1460 durch eine Allianz an Antoine d’Amboise gelangte. Nach heirats- und erbschaftsbedingten Wechseln in den Besitzverhältnissen gelangte das Schloss im Jahr 1647 in den Besitz von Jean IV. d’Estaing, Erbe einer alten Adelslinie aus dem Rouergue, die bereits seit dem 10. Jahrhundert in der Auvergne Fuß gefasst hatte. Ein berühmter Ahnherr, Diédat (genannt Tristan), Baron d’Estaing, hatte 1214 in der Schlacht von Bouvines König Philipp II. August das Leben gerettet, indem er ihm im Kampf sein eigenes Pferd überließ. Zum Dank erlaubte der König der Familie, die Lilienwappen Frankreichs in ihr eigenes heraldisches Wappen aufzunehmen, wobei sie jedoch ihr altes Schildhaupt beibehielten.

Admiral Charles Henri d’Estaing

Vom 17. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde die mittelalterliche Festung unter den d’Estaing schrittweise in eine repräsentative Adelsresidenz umgewandelt. Große Fenster wurden in die Mauern gebrochen, und die Hoffassade wurde mit einer eleganten Arkadengalerie versehen. Zu den bedeutendsten Bewohnern gehörte Gaspard II. d’Estaing, dessen Ehefrau Françoise de Voisin im Schloss residierte. Das Schloss wurde unter Admiral Jean-Baptiste Charles Henri Hector Comte d'Estaing in ein Landschloss umgebaut. Nach Ausbruch der Französischen Revolution wurde er Kommandeur der Nationalgarde in Versailles. Während des Zuges der Poissarden nach Versailles vom 5. und 6. Oktober 1789 verhielt er sich vorerst passiv, überführte aber dann mit der Nationalgarde das Königspaar von Versailles in das Palais des Tuileries nach Paris. Im Prozess gegen Marie-Antoinette wurde er im Oktober 1793 als Zeuge gegen die Königin aufgerufen, konnte oder wollte aber nichts wirklich Belastendes vorbringen. Im März 1794 – nun selbst der Verschwörung angeklagt – wurde er zum Tod durch die Guillotine verurteilt. Mit den Worten Sendet meinen Kopf den Engländern – man wird gut dafür zahlen! nahm er das Urteil entgegen und wurde am 28. April 1794 hingerichtet. Mit seinem Tod endete die Linie der Grafen d’Estaing.

Im Jahr 1806 wurde es an Charles de Riberolles de Beaucène verkauft und befindet sich immer noch im Besitz von dessen Nachfahren. Es wurde auf Antrag von André de Riberolles am 20. Mai 1958[2] in die Liste der Monument historiques des französischen Kulturministeriums aufgenommen.

Beschreibung

Die ausgedehnte Anlage bildet ein unregelmäßiges Viereck, das den Charakter einer mächtigen Festung des 13. Jahrhunderts bewahrt hat. Der Bau wird von fünf wehrhaften Rundtürmen flankiert, unter denen ein mächtiger, achteckiger Donjon hervorsticht. Dem Schloss ist im Süden eine weitläufige Terrasse vorgelagert, die von einer steinernen Balustrade gesäumt wird. Diese Gartenanlagen im französischen Stil (*parterres à la française*) wurden im 17. Jahrhundert nach Entwürfen des berühmten königlichen Landschaftsarchitekten André Le Nôtre angelegt.[1]

Innenräume

Über einige Stufen, die von einer steinernen Balustrade flankiert werden, gelangt man in die Eingangshalle, die mit einem massiven Kreuzgratgewölbe ausgestattet ist. Eine breite, gerade Steintreppe mit Absätzen führt von dort direkt in das Vestibül im ersten Obergeschoss, das den Zugang zu den herrschaftlichen Appartements bildet. Die Räume weisen antike Terrakottaböden auf, die durch die Jahrhunderte eine charakteristische Patina erhalten haben.

  • Ständesaal (Salle des États): Dieser große, gotische Saal stammt aus der Zeit von Pierre Flote um 1300. Er ist schlicht möbliert, unter anderem mit einer großen Louis-XV-Kommode und hohen Sesseln aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert.[1] An den Wänden befindet sich ein monumentaler, kunsthistorisch einzigartiger Fries aus 49 heraldischen Wappen der auvergnatischen Adelsfamilien der Epoche. Zudem ist der Saal mit einer großen Tapisserie des 17. Jahrhunderts geschmückt, die Herkules im Kampf mit dem Nemeischen Löwen darstellt.
  • Große Galerie: Die langgestreckte Galerie besitzt eine fein gearbeitete Stuckdecke aus dem 18. Jahrhundert und wird von zahlreichen großen Fenstern belichtet. An den Wänden hängen monumentale Gemälde des Marinemalers Jean-Baptiste Le Paon, welche die verschiedenen Seeschlachten und Feldzüge des Admirals d'Estaing aus den Jahren 1779 und 1780 detailgetreu darstellen.[1] Zudem wird in der Galerie ein charmantes historisches Kinderporträt aufbewahrt, das den späteren Admiral d'Estaing in einer Verkleidung als Diana die Jägerin zeigt. Ein weiteres Porträt zeigt Admiral de Château-Renault, den Schwiegervater des Admirals d'Estaing.
  • Das Goldene Zimmer (Chambre dorée): Das Schlafgemach, in dem der Admiral d'Estaing während seiner Aufenthalte in Ravel wohnte, hat sein prachtvolles barockes Dekor aus der Mitte das 18. Jahrhunderts vollständig bewahrt. Das Zentrum des Raums bildet eine große Alkove, die von monumentalen Pilastern, geschnitzten Balken und vergoldeten Friesen gerahmt wird. In der Nische befindet sich ein Bett mit kostbaren alten Seidendamast-Behängen. Der Raum enthält zudem feine Tapisserien aus Aubusson sowie mehrere bedeutende Gemälde, darunter ein Werk von Jean-Baptiste Santerre, das ein junges Mädchen darstellt, sowie ein Porträt des Marquis de Saillans.
Commons: Schloss Ravel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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