Schloss Sedaiges

Burg in Marmanhac, Département Cantal, Auvergne-Rhône-Alpes, Frankreich From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Schloss Sédaiges (französisch Château de Sédaiges, ausgesprochen Sédage) ist eine bedeutende, im Kern mittelalterliche und im 19. Jahrhundert im Troubadour-Stil (Neugotik) umgestaltete Schlossanlage in der französischen Gemeinde Marmanhac im Département Cantal der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Seit dem 24. September 1987 steht das Bauwerk als Monument historique unter Denkmalschutz.[1] Das Schloss befindet sich seit dem Jahr 1442 ununterbrochen im Besitz derselben Familie (bzw. deren direkter Nachfahren), weshalb es eine außergewöhnlich vollständige Ausstattung mit originalen Möbeln, historischen Kostümen und Alltagsgegenständen aus verschiedenen Jahrhunderten bewahrt hat.

Schlosses Sédaiges

Geschichte

Burgen & Schlösser im Cantal
(Heeresaufgebot 1533)

💥 Caissac-Allianz (Rot/Orange)

_ Sédaiges (Stammsitz ab 1442)
_ Messac (Erwerb 1535)
_ Trémolière (Heirat Jouvenroux 1517)
_ Pesteils (Heirat Pestels 1664)
_ Anjony (Mutter aus Haus Pestels)

🔵 Weitere Sitze (Blau/Grün)

_ Caillac (Herr von La Salle)
_ Conros (Barone v. Aurillac)
_ Cropières (Familie Fontanges)
_ Comblat (Sitz im Carladès)

Ursprünge und die Familie de Caissac

Seit dem 13. Jahrhundert ist in Marmanhac eine gleichnamige Adelsfamilie *de Sedaiges* urkundlich belegt. Nach den Zerstörungen des Hundertjährigen Krieges sah sich der Ritter Pierre de Sedaiges im Jahr 1442 gezwungen, das Anwesen an Jean Calsac (auch *de Caissac*) zu verkaufen, einen wohlhabenden Bürger aus Aurillac.[2]

Dessen Sohn, Raymond de Caissac, erwirkte im Jahr 1452 von den übrigen Grundherren in Marmanhac die Erlaubnis zur Errichtung einer wehrhaften Residenz mit Türmen und Wehrerkern (Mâchicoulis), die nach 1461 fertiggestellt wurde.[3] Über zehn Generationen hinweg verblieb das Schloss fortan im Mannesstamm der Familie de Caissac, die durch strategische Heiraten ihren regionalen Einfluss beständig ausbaute.

Frühe Neuzeit (16. bis 18. Jahrhundert)

Nicolas de Caissac vermählte sich 1517 mit Marguerite de Jouvenroux, einer Tochter des Herrn von Schloss La Tremoliere. Dessen Nachkommen aus der Familie de Caissac bewohnten und bewirtschafteten das Schloss über mehrere Generationen im Mannesstamm und erwarben 1590 die vollständigen Rechte über die Herrschaft Marmanhac.[2]

Das Heeresaufgebot von 1533

Im Jahr 1533 wird das Schloss im offiziellen Register des Heeresaufgebots (**Ban et arrière-ban**) des *Haut pays d'Auvergne* als wehrhafter Sitz aufgeführt. Bei der feierlichen Musterung und Inspektion der Truppen, die am 15. Mai 1533 auf dem Platz *du Gravier* in Aurillac in Anwesenheit des Kronanwalts Pierre Clavière stattfand, war das Gut der Prévôté d’Aurillac zugeordnet. Die Familie de Caissac war gesetzlich dazu verpflichtet, für den Verteidigungsdienst des Königs einen voll gerüsteten Krieger in einer Brigantine (einem flexiblen Schuppenpanzerrock) bereitzustellen.[4] Zwei Jahre nach dieser Heerschau, im Jahr 1535, weitete die Familie ihren Einfluss aus, als Nicolas de Caissac auch das benachbarte Schloss Messac pfandweise erwarb.

Familiäre Vernetzung im Carladès

Wie eng die Besitzer von Sédaiges mit den Adelsgeschlechtern der umliegenden Schlösser im Cantal verflochten waren, verdeutlicht die Ehe von Alexandres Sohn, **Edme de Caissac** (Herr von Messac, Sédaiges und Mitherr von Tournemire). Er vermählte sich im Jahr 1664 mit Marguerite de Pestels. Diese war eine Tochter von Claude de Pestels, dem Herrn von Schloss Pesteils, und dessen Gemahlin Claude d'Anjony aus dem Hause der nahegelegenen Burg Anjony. Aus dieser Ehe gingen mindestens drei Kinder hervor, was die tiefe dynastische Verwurzelung des Schlosses im regionalen Adelsnetzwerk des Carladès belegt.[2]

Unter den nachfolgenden Schlossherren ragt François de Caissac (1545–1618) heraus. Er diente als Kammerherr des Königs (*Gentilhomme de la Chambre du roi*) und wurde 1602 als Ritter in den prestigeträchtigen Ordre de Saint-Michel aufgenommen, was den endgültigen Übertritt der Familie in den hohen Adel besiegelte.[2] Sein Sohn Alexandre de Caissac heiratete 1614 Sybille de Glandières, eine Tochter des humanistischen Dichters Louis de Glandières (bekannt als *Louis de Balsac*). Mit dem kinderlosen Tod von Jean IV. de Caissac im Jahr 1746 erlosch die Familie im Mannesstamm; das Erbe fiel an dessen Schwester Madeleine, die durch ihre Heirat mit Pierre Béral die Linie *Béral de Massebeau* begründete.[2]

Moderne und Gegenwart

Während der Französischen Revolution entging das Schloss im Gegensatz zu vielen Nachbarresidenzen einer Zerstörung oder Zerstückelung. Im 19. Jahrhundert brachte die Erbtochter Mathilde de Béral de Sedaiges das Anwesen durch Heirat in die bis heute besitzende Familie *de Riverieux de Varax* ein, die das Schloss im Sommer für Besichtigungen öffnet und als Veranstaltungsort nutzt.[2]

Beschreibung

Architektur und Troubadour-Umbau

Das Schloss präsentiert sich als kompakter, quadratischer Kernbau mit drei Stockwerken, der an allen vier Ecken von mächtigen, runden Ecktürmen flankiert wird. Die Architektur vereint drei große Epochen:[1]

  • 15. Jahrhundert (Spätmittelalter): Die Grundstruktur und insbesondere die originale Wehrarchitektur der Südfassade mit einem authentischen Wehrgang stammen aus der Bauphase nach 1461.[3]
  • 1741 (Barockisierung): Im Jahr 1741 wurde die Festung im Sinne des damaligen Zeitgeists modernisiert. Die engen, mittelalterlichen Schießscharten und Fenster wurden zu großzügigen Fensterachsen erweitert, um Licht in die Räume zu bringen, die zudem mit feinen Holzvertäfelungen (Boiserien) ausgekleidet wurden.[1]
  • Um 1865 (Troubadour-Stil): Um das Jahr 1865 beauftragte die Familie den renommierten Architekten Parent (einen Schüler von Eugène Viollet-le-Duc) mit einer tiefgreifenden historisierenden Umgestaltung im Sinne des Neogotik-Trends. Parent behielt den Grundriss bei, kleidete die Fassaden jedoch konsequent im Stil des ausgehenden 15. Jahrhunderts ein. Er versah die verbliebenen drei Ecktürme mit rekonstruierten Wehrgängen nach dem Vorbild der Südfassade und überdachte den vormaligen offenen Innenhof, um ihn in eine monumentale, neugotische Empfangshalle mit historisierenden Malereien und Holzschnitzereien zu verwandeln.[1]

Schlosspark

Das Schloss ist von einem weitläufigen, als *Parc remarquable* eingestuften englischen Landschaftsgarten umgeben.[5] Die Anlage umfasst ausgedehnte Wasserflächen und Teiche, einen historischen Obstgarten (*Verger*) sowie einen traditionellen herrschaftlichen Gemüsegarten (*Potager*).[5]

Heraldik

  • Die Familie de Caissac führte: In Silber ein blauer Sparren, im Schildhaupt begleitet von zwei blauen Sternen und im Schildfuß von einem blauen Löwen, dieser rot bewehrt und rot gezungt (*D'argent au chevron accosté en chef de deux étoiles et en pointe d'un lion le tout d'azur ledit lion armé et lampassé de gueules*).[6]
  • Die heutige Besitzerfamilie de Riverieux de Varax führt: In Blau ein silberner Fluss, der aus dem Schildfuß hervorquillt, im Schildhaupt überhöht von einem silbernen Halbmond. Als Schildhalter zwei Adler (*D'azur à la rivière d'argent mouvante de la pointe surmontée d'un croissant de même. Supports deux aigles*).

Literatur

  • Chanoine Pastisson: Marmanhac. Aurillac 1926.
  • Jean-Baptiste de Ribier du Châtelet: Marmanhac. In: Dictionnaire statistique, ou Histoire, description et statistique du département du Cantal. Aurillac 1857.
Commons: Château de Sedaiges – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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