Schwarze Seewalze

Seewalze aus der Gattung Holothuria From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Schwarze Seewalze (Holothuria nobilis) ist eine Seegurke, die, wie auch Seesterne, Seeigel und Haarsterne, zu den Stachelhäutern zählt. Die schwarze Seewalze wird innerhalb der artenreichen Ordnung der Aspidochirotida zur Gattung der Holothuria gezählt.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Schwarze Seewalze

Eine Schwarze Seewalze vor der Küste Ägyptens

Systematik
Klasse: Seegurken (Holothuroidea)
Ordnung: Aspidochirotida
Familie: Holothuriidae
Gattung: Holothuria
Art: Schwarze Seewalze
Wissenschaftlicher Name
Holothuria nobilis
(Selenka, 1867)
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Während die Schwarze Seegurke im Englischen Black teatfish heißt, wird sie im Französischen Holothurie noire à mamelles genannt. Des Weiteren ist sie unter den folgenden Namen bekannt: Benono (Madagaskar), Barbara (Mauritius), Bawny black (Ägypten), Abu habhab aswed (Eritrea), Pauni mweusi (Kenia, Tansania, Sansibar), Polanga attaya (Sri Lanka), Koro, Cera hitam (Indonesien).[1]

Zuletzt wurde diese Art von der IUCN als stark gefährdet (engl. Endangered, EN) eingestuft, wobei die letzte Bewertung im Jahre 2010 stattfand (Stand 2026). Dieser Einstufung liegt die kommerzielle Ausbeutung der Art in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet zu Grunde. Schwarze Seewalzen werden vor allem von asiatischen Verbrauchern in Form von Bêche-de-mer verzehrt. Überfischung fand vor allem seit den 1960er Jahren statt und führte zu einem Bestandsrückgang in mindestens 80 % des Verbreitungsgebietes dieser Art.[2]

Verbreitung und Habitat

Schwarze Seewalzen kommen nur im westlichen Indischen Ozean vor. Man findet sie in Madagaskar, Ostafrika (Ägypten, Sudan, Somalia, Kenia, Eritrea, Dschibuti, Tansania, Mosambik, Sansibar und Südafrika), auf den Seychellen, in Indien, Sri Lanka, auf den Malediven, den Komoren und im Roten und Arabischen Meer (Israel, Jordanien, Saudi-Arabien, Oman, Jemen).[1][2][3]

Die Tiere leben in tropischen Korallenriffebenen und äußeren Riffhängen in Tiefen von bis zu 0 bis 40 Metern. Sie bevorzugen harten Untergrund und man findet sie fast ausschließlich auf Korallensubstrat. Gelegentlich sind sie auch in Seegras anzutreffen.[3]

Beschreibung

Merkmale

Die walzenförmigen Tiere sind länglich oval, stämmig und sehr fest. Die Oberseite ist gewölbt, die Unterseite stark abgeflacht. Die Tiere sind schwarz gefärbt mit weißen Flecken und Punkten an den Seiten.oft sind die Tiere von einer dünnen Schicht feinen Sediments bedeckt. Jungtiere sind möglicherweise anders gefärbt.[1]

Die Körperwand ist dick mit in der Regel 6 bis 10 charakteristischen, großen seitlichen Ausstülpungen die als Teats („Zitzen“) bezeichnet werden. Auf der Unterseite befinden sich zahlreiche kurze, grau gefärbte Ambulacralfüßchen; die wenigen Füßchen auf der Oberseite sind klein. Die Mundöffnung mit 20 kräftigen Tentakeln befindet sich am Vorderende. Der Anus ist von fünf kleinen Zähnen aus Calciumcarbonat umgeben.[1]

Nach der FAO sind keine Cuviersche Schläuche vorhanden.[1] Nach Uthicke et. al. (2004) sind bei Tieren aus Madagaskar nach Beobachtungen von Conand Cuviersche Schläuche ähnlich denen von Holothuria whitmaei (dick, weiß, 5 bis 10 Zentimeter lang) vorhanden. Bei der dritten „Teatfish“-Art, Holothuria fuscogilva, fehlen die Cuvierschen Schläuche oder sind nur rudimentär vorhanden. Wenn vorhanden sind die Schläuche nicht klebrig.[4]

Die als Ossikel bezeichneten Sklerite in den Tentakeln sind an den Enden stachelige, meist gekrümmte, 40 bis 410 Mikrometer lange Stäbchen. Die „Tables“ Ossikel, perforierte Scheibchen mit einer aufrechten Spitze oder Türmchen, sind in der dorsalen und ventralen Körperwand ähnlich. Der Durchmesser der kreisförmigen Scheiben mit gewelltem Rand beträgt 55 bis 70 Mikrometer. In der Mitte befinden sich vier große und peripher 8 bis 12 Löcher. Das Türmchen ist niedrig mit regelmäßiger, stacheliger Krone oder mit unregelmäßiger Krone mit weniger Stacheln. Die als Knöpfe („Buttons“) bezeichneten Scheibchen der dorsalen Körperwand sind länglich oder ellipsoid und durchschnittlich 100 Mikrometer lang, die ventralen Knöpfe können körnig, glatt oder porig sein und sind 80–100 Mikrometer lang. In den Füßchen auf dem Rücken und auf der Bauchseite finden sich große, durchlöcherte Patten mit zerklüfteten Rändern.[1]

Gewicht und Größe

Schwarze Seewalzen werden gewöhnlich 35 Zentimeter und maximal bis 60 Zentimeter lang, wobei sowohl die Größe als auch das Gewicht sich je nach Lebensraum stark unterscheiden können. Während in Ägypten eine durchschnittliche Länge von 55 Zentimetern mit einem Durchschnittsgewicht von 1.500 Gramm einhergeht, bringen bei Réunion gefangene Exemplare (bei durchschnittlich 35 Zentimeter Länge) zwischen 800 und 3.000 Gramm auf die Waage, während Schwarze Seewalzen bei Mauritius im Schnitt lediglich Größen von 14 Zentimetern und 230 Gramm erreichten.[1][3] Ein angegebenes Höchstgewicht von 4.000 Gramm stammt aus dem Jahr 1998.[5]

Lebensweise

Als Fleischfresser macht die Rebhuhn-Tonnenschnecke (Tonna perdix) aktiv Jagd auf Seegurken.

Ernährung

Die solitär lebenden[5] Bodenbewohner ernähren sich wie andere Seegurken von Detritus. Sie verdauen organische Substanzen im Sediment wie verrottende Pflanzenteile, Kieselalgen, Ruderfußkrebse, Pilze, Foraminiferen, Bakterien und Cyanobakterien.[3]

Fortpflanzung

Schwarze Seewalzen werden erst im Altern von 3 bis 7 Jahren geschlechtsreif. Die Tiere sind getrenntgeschlechtlich und weibliche und männliche Tiere unterscheiden sich nicht im Aussehen. Wenn die Umweltbedingungen (z. B. Temperatur, Gezeitenstand, Mondphase) passend sind, geben alle Seewalzen ihre Eizellen und Spermien gleichzeitig direkt ins Meerwasser ab. Eine Paarung gibt es nicht und die Befruchtung findet außerhalb des Körpers statt. Dies setzt eine gewisse Populationsdichte für eine erfolgreiche Vermehrung voraus. Man geht davon aus, dass sich diese Art einmal im Jahr in der kalten Jahreszeit fortpflanzt. Die befruchteten Eizelle entwickeln sich sehr schnell zu freischwimmenden Larven. Diese verbringen die nächsten 50 bis 90 Tage als Teil des Planktons in der Wassersäule, wo sie Algen fressen. Nach der Metamorphose zu ihrer endgültigen Form, setzen sie ihr Leben auf dem Meeresboden fort.[3]

Verhalten

Die Schwarze Seewalze ist gewöhnlich von Sand bedeckt, sie gräbt aber nicht im Boden.[3]

Im Gegensatz zu den gut entwickelten, klebrigen Cuvierschen Schläuchen mit Verteidigungsfunktion bei anderen Seegurken sind die Schläuche, falls überhaupt vorhanden, bei dieser Art klein und nicht klebrig.[4]

Ökologie

Als Sedimentfresser leisten alle Seegurken einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung des ökologischen Gleichgewichtes. Die indischen Gewässer besiedeln neben der Schwarzen Seewalze etwa 120 weitere Seegurkenarten.[6]

Die ökologische Bedeutung von Seegurken lässt sich mit der von Regenwürmern vergleichen, da sie die obersten Millimeter des Sediments aufnehmen und weniger organisch-reiches Sediment ausscheiden. Somit spielen sie eine wichtige Rolle im Nährstoffkreislauf von nährstoffarmen Korallenriffen.[3]

Gefährdung

Zum Verzehr bestimmte Seegurken. Zahlreichen Arten sind von Überfischung betroffen.

Der wichtigste Grund für den starken Rückgang aller Seegurken, die als kulinarisch bedeutsam eingestuft werden und international gehandelt werden, ist Überfischung.[6] Die FAO beschrieb die Art so begehrt, dass sie bereits 2012 als internationales Handelsgut bedeutend war.[1]

Seegurken der Famile Holothuroidae werden nicht nur in großem Umfang in der Lebensmittelindustrie verwendet, sondern auch in verschiedenen Kosmetik-, Nutrazeutika- und Pharmaindustrien eingesetzt. Ihre Körper sind reich an verschiedenen bioaktiven Verbindungen wie Phenolen, Kollagen, Aminosäuren, Saponinen und Chondroitinsulfat, was sie sowohl für die Kosmetik- als auch für die Pharmaindustrie wertvoll macht.[6]

Die Schwarze Seewalze ist eine der begehrtesten Arten im westlichen Indischen Ozean und sowohl in kleinem Maßstab zur Selbstversorgung als auch industriell gefischt. Früher wurden die Tiere von Hand gesammelt, oder beim Frei- und Gerätetauchen gesammelt. Auf Grund von Überfischung wurde diese Seegurken-Art in Großteil ihres Verbreitungsgebiets dezimiert.[1]

Da die schwarze Seewalze in allen 25 Ländern, in denen sie bekannt ist, als Nahrungsmittel (siehe auch: Trepang) gefangen und frisch oder getrocknet zum Verkauf angeboten, ist sie in ihrem Bestand gefährdet. In folgenden Ländern hat der starke Rückgang der Seegurken bereits dazu geführt, dass die Fischerei gesetzlich verboten wurde: Ägypten, Indien, Komoren, Mauritius, Mayotte, Saudi-Arabien, Tansania und Jemen.[3]

Da diese Art sowohl als Meeresfrucht[7], als auch zur Herstellung von Arzneimitteln, als Handelsware bedeutsam ist, wurde sie, gemeinsam mit der Weißen Seewalze Holothuria fuscogilva und der Zahnseegurke Holothuria whitmaeiin in den Anhang 2 des Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) aufgenommen. Diese drei Arten wurden 2010 evaluiert, wobei festgestellt wurde, dass die Bestände um 40 bis 60 Prozent abgenommen hatten.[8]

Aufgrund von ihrer ökonomischen Bedeutung wird diese Seewalzen-Art in der Wildnis seltener und daher zunehmend in Aquakultur gehalten, um die gefährdeten Wildbestände zu entlasten. Für die Larven wurden optimalen Entwicklungsbedingungen ermittelt, indem man Versuche mit unterschiedlicher Besatzdichte und Ernährung durchgeführt hat. Die höchsten Überlebensraten wurden bei einer Ernährung mit Mikroalgen und einer Besatzdichte von 600 Larven pro Liter erzielt.[9]

Forschungsgeschichte und Taxonomie

Holothuria nobilis wurde von dem deutschen Zoologen Emil Selenka unter dem wissenschaftlichen Namen Muelleria nobilis im Jahr 1867 erstbeschrieben. Für ein geflecktes Tier gab er als Fundort Sansibar und für ein schwarzes Exemplar die Sandwich-Inseln (heute Hawaii) an.[10] Der Holotypus ging allerdings verloren. Rowe ordnete 1995 einen Lectotypus zu, dessen Lokalität ist Sansibar. Innerhalb der Gattung Holothuria gehört die Art als Holothuria (Microthele) nobilis zur Untergattung Microthele.[11]

Medizinische Eigenschaften

Was die für die Art typischen chemischen Nobiliside angeht, so wurde 2017 nachgewiesen, dass mindestens eine der Verbindungen in der Onkologie als Ausgangsstoff für neue Medikamente bei der Behandlung unterschiedlicher Tumorerkrankungen eingesetzt werden könnte.[12]

Einzelnachweise

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