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Seliger Jakobus von der Mark (Gemälde)

Gemälde in Tempera auf Leinwand von Pietro Perugino From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Selige Jakobus von der Mark (it. Beato Giacomo della Marca) ist ein Gemälde in Tempera auf Leinwand von Pietro Perugino (* um 1450; † 1523). Das Bild entstand 1512 oder in den darauffolgenden Jahren und zählt damit zum Spätwerk des Meisters. Es ist im Bestand der Galleria Nazionale dell’Umbria, der Nationalgalerie von Umbrien in Perugia.

Schnelle Fakten
Seliger Jakobus von der Mark (Perugino)
Seliger Jakobus von der Mark
Perugino, zwischen 1512 und 1517
Tempera auf Leinwand
152 cm × 82 cm
Galleria Nazionale dell’Umbria, Perugia

(Inv.-Nr. 241)

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Motiv

Der abgebildete Jakobus von der Mark, italienisch Giacomo della Marca, lebte von 1391 bis 1476. Zum Zeitpunkt der Entstehung des Bildes war er noch nicht seliggesprochen (Beatifikation erst 1624 unter Papst Urban VIII., Kanonisation 1726 unter Papst Benedikt XIII.),[1] weshalb der Werktitel strenggenommen nicht korrekt ist.

Heute relativ unbekannt, war er eine verehrte und zeitweise auch kontroverse Figur in der Kirche des 15. Jahrhunderts. Er führte ein Leben als Büßer, aß und schlief kaum. Auch war er ein einflussreicher Prediger und bereiste – neben Italien – Bosnien und Ungarn; Legenden zufolge predigte er vierzig Jahre lang jeden Tag mindestens einmal. Er schlug kirchliche Würden aus, um sich seinem leidenschaftlichen Predigeramt widmen zu können. Zu Lebzeiten war er in die Kontroversen zwischen den verschiedenen Gruppierungen der Franziskaner infolge des Armutsstreits, später in die Auseinandersetzungen zwischen Franziskanern und Benediktinern verwickelt.[2.1]

Bildbeschreibung

Jakobus wird in Frontalansicht abgebildet, mit leicht zur Seite geneigtem Kopf. Er steht im Kontrapost, mit der linken Hand hält er ein rotes Buch, mit der rechten ungefähr auf Brusthöhe ein kleines Reliquiar, in dem sich eine mit einer roten Flüssigkeit gefüllte Ampulle befindet. Auf dem Reliquiar ist ober- und unterhalb der Ampulle die Inschrift SANGVINI / CRISTE oder SANGVINE / CRISTE[2.2][3] angebracht, beide Varianten mit der gleichen Übersetzung „Dem Blute Christi“.

In den meisten Darstellungen seiner Person wird er mit einem Kelch in der rechten Hand als Heiligenattribut dargestellt, aus dem aber eine Schlange entweicht, eine Anspielung auf Vergiftungsversuche durch „Ketzer“.[1] Das hier stattdessen abgebildete Reliquiar dürfte auf eine Auseinandersetzung um die Natur des Blutes Christi, das dieser während seiner Passion vergossen hatte, anspielen.[2.2] Jakobus hatte am Ostermontag 1462 gepredigt, dass dieses Blut Jesu während der drei Tage seines Beerdigtseins nicht teilgehabt habe an seiner göttlichen Natur. Der Dominikaner Jacopo da Brescia lud ihn daraufhin in seiner Eigenschaft als Inquisitor vor sein Tribunal, dem sich Jakobus aber verweigerte. Stattdessen wandte er sich an den damaligen Papst Pius II., vor dem die Frage zu Weihnachten 1462 diskutiert wurde, ohne dass man zu einem Ergebnis gelangte.[1]

Gekleidet ist Jakobus in den grauen Habit der Franziskaner, zu dem auch das Zingulum (eine Kordel als Teil geistlicher Kleidung) um den Leib gehört. Meist wird es bei den Franziskanern mit drei Knoten dargestellt, die für die drei Ordensgelübde (Armut, Keuschheit und Gehorsam) stehen; die fünf Knoten, die sicherlich zwischen Perugino und seinen Auftraggebern so vereinbart waren, mögen eine besonders strenge Einhaltung der Ordensregeln durch Jakobus als Angehörigem der Observanz symbolisieren. Er wird barfüßig gezeigt, sein Heiligenschein wird als Strahlenkranz um den Kopf dargestellt.

Jakobus steht auf einer nach hinten durch eine niedrige graue Brüstung abgeschlossenen Terrasse. Die Brüstung zeigt ein klares sich wiederholendes geometrisches Muster, eine Raute in einem Rechteck. Der Terrassenboden ist mit großen Kacheln gefliest, auch diese zeigen ein Muster, einen achteckigen Ring, dem ein Quadrat eingeschrieben ist. Seine Farben sind ein sehr helles Beige und ein Terrakottafarbton. Das Terrakotta wird in der Landschaft erneut aufgenommen, die nur sehr schematisch gezeigt wird: Eine weite Ebene in dieser Farbe, in der Ferne links und rechts zwei Hügel, links noch ein einzelnes Bäumchen. Der Himmel wird über dem Horizont hellgelb dargestellt, nach oben geht er in ein immer dunkleres Blau über. Diese extrem vereinfachte Landschaft diente der Fokussierung der Gläubigen; im Kontext zeremonieller Prozessionen ein äußerst effektives Mittel.[2.2]

Das Gemälde ist mit für das Spätwerk Peruginos typischen dünnen Farbaufträgen ausgeführt. Die Farben sind verblichen, die Leinwand ist abgenutzt. Im unteren Bereich weist sie Abriebstellen auf, die ihr Gewebe freilegen. Ihre Maße sind 152 cm × 82 cm,[3] abweichend werden auch 160,5 cm × 87,5 cm angegeben,[2.1] vermutlich unter Einbeziehung des Randes gemessen.

Provenienz und Zuschreibung

Das Gemälde diente ursprünglich als Gonfanon (Kirchenfahne oder Prozessionsbanner) für die Bruderschaft des hl. Hieronymus (San Girolamo) in Perugia, wo es in einem Inventar von 1532 aufgeführt wird, während es in einem früheren Inventar von 1512 noch unerwähnt blieb. 1810 gelangte es in den Besitz der Franziskaner in die Kirche San Francesco al Prato im selben Ort. Im Zuge der Säkularisationen während des Risorgimento (Vereinigung Italiens im 19. Jahrhundert) kam es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in die Pinacoteca Vannucci, die heutige Galleria Nazionale dell’Umbria in Perugia.[3]

Abweichend von diesen Angaben wird an anderer Stelle die Überführung nach San Francesco al Prato bereits in das späte 18. Jahrhundert datiert; danach kam es dann 1810 in die Accademia di Belle Arti, deren Bestände später in die neugegründete Galleria Nazionale dell’Umbria integriert wurden.[2.1]

Der Vertragsabschluss über die Fertigung des Gemäldes scheint nicht dokumentiert zu sein, dennoch bestanden nie Zweifel an der Zuschreibung zu Perugino, die ursprünglich von Joseph Archer Crowe und Giovanni Battista Cavalcaselle stammt (1862), die das Bild auf etwa 1512 datierten. Die Zuschreibung wurde unverändert von den Kunsthistorikern Adolfo Venturi (1913), Walter Bombe (1914) und Umberto Gnoli (1923) übernommen, letzterer vertrat mit 1517 jedoch ein deutlich späteres Entstehungsdatum, dem sich manche nachfolgenden Kunstwissenschaftler anschlossen.

Walter Bombe, der umfangreiche archivalische Forschungen in Perugia durchgeführt hatte, ergänzt noch, dass ältere Peruginer Autoren den Dargestellten für den hl. Bernhardin von Siena hielten. Jakobus sei der Gründer der Bruderschaft des hl. Hieronymus gewesen, die das Bild in Auftrag gab. Die Übertragung an die Franziskaner sei durch den Einsturz des Oratoriums San Girolamo herbeigeführt worden, den Bombe auf 1797 datiert. Die neuen Besitzer, die Mönche von San Francesco al Prato, hätten das Gemälde dann als Fenstervorhang verwendet.[4]

Das Bild weist enge ikonographische und stilistische Bezüge zu anderen Heiligendarstellungen Peruginos auf, etwa zum Heiligen Antonius von Padua mit einem Stifter, ebenfalls früher als Gonfanon verwendet.[2.2] Dieses Gemälde befindet sich heute in der Pinacoteca Comunale in Bettona und wird auf 1512 oder 1513 datiert. Es ist weitgehend identisch zum Seligen Jakobus und unterscheidet sich nur durch den Kopf des Dargestellten und sein Attribut, was auf die Verwendung eines gemeinsamen Kartons schließen lässt. Es existiert auch eine Vorzeichnung des Seligen Jakobus, aufbewahrt in den Uffizien in Florenz,[2.2][5] leider in kaum lesbarem Erhaltungszustand.

Einzelnachweise

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