Silke Redolfi

Schweizer Historikerin und Mitbegründerin des Frauenkulturarchivs Graubünden From Wikipedia, the free encyclopedia

Silke Margherita Redolfi (* 26. Mai 1964 in Samedan[1]) ist eine Schweizer Historikerin, Autorin, Archivarin, Mitgründerin und seit 2008 Leiterin des Frauenkulturarchivs Graubünden.

Leben

Kindheit und Ausbildung

Silke Redolfi wuchs in Bever im Engadin auf. Ihr Vater Elvezio Redolfi (1920–2003) stammte aus dem Bergell. Der spätere Gemeindepräsident von Bever (1975 bis 1983) kaufte 1954 die Crasta Mora, eine alte Pension mit Restaurant, und modernisierte diese zusammen mit seiner Ehefrau Barbara Redolfi-Schwerzmann (1932–2008). Sie führte das Hotel, bis 1991 Silkes Bruder Ernesto Redolfi den elterlichen Betrieb übernahm.

Silke Redolfi besuchte die Evangelische Mittelschule Schiers (heute Academia Engiadina[2]) und erwarb 1983 das Handelsdiplom[3]. Nach dem Gymnasium, das Redolfi 1987 mit der Matura abschloss, folgte eine Stage als Journalistin bei der damaligen Bündner Zeitung.

Studium und Doktorat

Von 1988 bis 1996 studierte sie Geschichte, deutsche Linguistik und Mediävistik sowie Historische Hilfswissenschaften an der Universität Basel und schloss das Studium mit ihrer Lizenziatsarbeit über Churer Frauenvereine während der Zwischenkriegszeit ab.[4] Ihre Forschung zu diesem Thema bewog sie 1997, zusammen mit Silvia Hofmann das Frauenkulturarchiv Graubünden zu gründen.[5]

2016 schloss Silke Redolfi ihr Promotionsstudium an der Universität Basel ab. Ihre Dissertation erschien 2019 als Buch Die verlorenen Töchter.[6]

Berufstätigkeit

Bereits während ihres Studiums arbeitete Redolfi als Bibliothekarin in der rätoromanischen Bücherei in der Chesa Planta der Fundaziun Planta in Samedan. 1999 und 2000 bereitete sie die reichen Bestände des Archivs der Chesa Planta auf.[7] Daneben arbeitete sie von 1991 bis 2000 als Registratorin im Staatsarchiv Graubünden, bevor sie ab 2000 als freischaffende Historikerin Aufträge annahm. Sie arbeitete von 2003 bis 2007 als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt «Ausheirat und Ausbürgerung» bei Prof. Dr. Josef Mooser und Prof. Dr. Regina Wecker an der Universität Basel.

Seit 2008 führt Silke Redolfi das Frauenkulturarchiv in Chur als alleinige Leiterin und tritt als Referentin und Kursleiterin auf.[8]

Mandate und Mitgliedschaften

Silke Redolfi ist Stiftungspräsidentin des Frauenkulturarchivs Graubünden. Ausserdem ist sie Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte SGG, des Vereins Schweizerischer Archivarinnen und Archivare SVA sowie der Historischen Gesellschaft Graubünden.

Persönliches

Silke Margherita Redolfi ist Bürgerin von Bever und Stampa und lebt in Masein.[6]

Publikationen (Auswahl)

Silke Redolfi hat zahlreiche Publikationen zur Frauen- und Regionalgeschichte Graubündens verfasst und war jahrelang Projektleiterin und Mitautorin der wissenschaftlichen Forschungsreihe «Fraubünden».

  • Zum Wandel von Handlungsraum, Öffentlichkeitsverhältnis und Kommunikationskultur in Frauenvereinen 1920 bis 1940. Vergleichend untersucht am Gemeinnützigen Frauenverein Sektion Chur und am Katholischen Frauenverein Chur, Lizentiatsarbeit Universität Basel, 1995
  • Dominikanerinnen Kloster Cazis in: Helvetia Sacra, Abteilung IV, Band 5, Die Dominikaner und Dominikanerinnen in der Schweiz, Basel 1999
  • Frauen bauen Staat. 100 Jahre Bund Schweizerischer Frauenorganisationen, Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2000, ISBN 3-85823-819-8
  • Bever. Die Geschichte eines Engadiner Dorfes, Bürgergemeinde Bever (Hrsg.), Gammeter Druck AG St. Moritz, 2007
  • Die verlorenen Töchter. Der Verlust des Schweizer Bürgerrechts bei der Heirat eines Ausländers. Rechtliche Situation und Lebensalltag ausgebürgerter Schweizerinnen bis 1952, Chronos Verlag, Zürich, 2019, ISBN 978-3-0340-1504-2
  • frauenRecht, Band 1 der Forschungsreihe «Fraubünden» (2003), ISBN 3-03823-051-0
  • frauenKörper, Band 2 von «Fraubünden» (2005), ISBN 978-3-03823-067-0[9]
  • frauenArbeit, Band 3 von «Fraubünden» (2007), ISBN 978-3-907291-61-0
  • fremdeFrau, Band 4 von «Fraubünden» (2009), ISBN 978-3-03823-069-4

Ehrungen und Auszeichnungen

  • 2013: Anerkennungspreis des Kantons Graubünden[10]
  • 2012: Dunna-Preis der Sektion Graubünden des Schweizerischen Verbandes der Akademikerinnen[5]
  • 2007: Anerkennungspreis der Irma-Landolt-Stiftung für die Gründung des Frauenkulturarchivs Graubünden
  • 2003: Promotionsstipendium des Schweizerischen Nationalfonds für das Dissertations-Projekt «Ausheirat und Ausbürgerung. Der Verlust des Bürgerrechts und seine politischen und individuellen Folgen. Geschlechtergeschichtliche Studien zur Bedeutung des Bürgerrechts in der Schweiz des 20. Jahrhunderts»
  • 2000: Förderpreis des Kantons Graubünden[11]

Einzelnachweise

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