Spectrum (Rakete)

Trägerrakete des bayerischen Raumfahrtunternehmens Isar Aerospace From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Spectrum ist eine in Entwicklung befindliche Trägerrakete des deutschen Raumfahrtunternehmens Isar Aerospace. Sie besteht aus zwei Stufen mit Flüssigkeitstriebwerken und soll für den Start von Kleinsatelliten verwendet werden. Mit höchstens einer Tonne Nutzlast zählt sie zu den „leichten“ oder kleinen Trägerraketen. Der erste Start einer Spectrum fand am 30. März 2025 vom norwegischen Weltraumbahnhof Andøya Spaceport statt. Er endete nach weniger als einer Minute mit dem Absturz der Rakete.

Weitere Informationen Aufbau, Stufen ...
Spectrum
Typ leichte Trägerrakete
Land Deutschland Deutschland
Hersteller Isar Aerospace
Status in Entwicklung
Aufbau
Höhe 28 m
Durchmesser 2 m
Stufen
1. Stufe  
Triebwerk 9× Aquila
Treibstoff Propan/Flüssigsauerstoff
Maximalschub 675 kN
2. Stufe  
Triebwerk 1× Aquila
Treibstoff Propan/Flüssigsauerstoff
Maximalschub 95 kN
Starts
Startplatz Andøya Spaceport
geplant:
Raumfahrtzentrum Guayana
Nutzlastkapazität
Kapazität LEO 1000 kg
Kapazität SSO 700 kg
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Aufbau und Daten

Die Spectrum besteht aus zwei Stufen, die aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff gefertigt werden. Sie ist 28 Meter lang und hat einen Durchmesser von 2 Metern. Die Rakete soll bis zu 1000 kg Nutzlast in niedrige Erdumlaufbahnen und 700 kg in sonnensynchrone Umlaufbahnen bringen können.[1][2] Es werden oder wurden zwei verschieden große Nutzlastverkleidungen angeboten.[3]

Die erste Raketenstufe wird von neun Flüssigkeitstriebwerken namens „Aquila“ mit insgesamt 675 kN Schub angetrieben. Sie soll engine out capability haben, das heißt bei Ausfall eines Motors wäre das Missionsziel nicht gefährdet. In der zweiten Stufe wird eine Vakuumversion des Triebwerks mit 94 kN Schub und Mehrfachzündfähigkeit verwendet. Letzteres soll komplexe Bahnmanöver ermöglichen, um zum Beispiel mehrere Satelliten in verschiedene Umlaufbahnen zu bringen. Die Triebwerke werden mit Propan und Flüssigsauerstoff betrieben.[2] Laut älterer Herstellerangaben arbeiten sie mit dem Gasgeneratorverfahren.[4]

Entwicklung und Erprobung

Der erste Testflug einer Spectrum wurde zunächst für das Jahr 2021,[5] dann für 2022[6] und 2023[7] angestrebt. Nach Angaben des Herstellers fanden von März 2022 bis März 2023 auf dem Gelände des schwedischen Raketenstartplatzes Esrange insgesamt 124 Testläufe des Aquila-Triebwerks statt.[8] Im November 2023 waren am Hauptsitz von Isar Aerospace in Ottobrunn die Bauteile der ersten Rakete in Produktion.[9][10]

Im Februar 2025 meldete Isar Aerospace, dass die Rakete nach erfolgreichen Testläufen der beiden Stufen für ihren Erstflug vom Andøya Spaceport bereit sei.[11] Eine Starterlaubnis wurde am 17. März 2025 von der norwegischen Zivilluftfahrtbehörde erteilt.[12] Der Erstflug trug die Missionsbezeichnung „Going Full Spectrum“. Ein erster Startversuch wurde für den 24. März 2025 angesetzt, aber wegen zu starker Winde abgesagt, als die Rakete bereits vollgetankt auf dem Starttisch stand.[13] Beim zweiten Versuch am 30. März 2025 hob die Spectrum ab und begann nach etwa 18 Sekunden, die Kontrolle über die Fluglage zu verlieren.[14][15] Die Rakete erhielt kurz darauf einen Befehl zur Abschaltung der Triebwerke, stürzte ins Meer und explodierte, wobei der Startplatz unbeschädigt blieb.[16][17][18] Bei der anschließenden Untersuchung wurde als Grund für den Kontrollverlust das ungewollte Öffnen eines Entlüftungsventils identifiziert.[19]

Die Startvorbereitungen für den Zweitflug mit der Missionsbezeichnung „Onward and Upward“ wurden am 21. Januar 2026 aufgrund eines fehlerhaften Ventils einige Stunden vor dem geplanten Start abgebrochen.[20] Ein zweiter Startversuch am 25. März 2026 musste abgesagt werden, da ein Fischerboot in die Sperrzone des Startbereiches gefahren war.[21] Ein dritter Startversuch am 9. April 2026 wurde wegen eines Lecks an einem Drucktank abgesagt.[22]

Startplätze

Als Standorte für den Startplatz waren zunächst Norwegen und Schweden im Gespräch.[5] Konkrete Vereinbarungen für mögliche Starts traf Isar Aerospace mit den Betreibern des europäischen Raumfahrtzentrums Guayana[23] und dem norwegischen Raketenstartplatz Andøya Spaceport.[24] Der Weltraumbahnhof Andøya wurde im November 2023 offiziell eröffnet, damals war jedoch noch kein Orbitalstartplatz fertiggestellt.[9]

Starts

Auftragseingang

Die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) kündigte Anfang 2019 die Entwicklung eines Forschungssatelliten an, der 2026 mit der Spectrum starten solle.[25] Zunächst sind jedoch zwei Demonstrationsflüge geplant. Die dafür nötige Qualifikation der Rakete und die beiden Starts selbst werden von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) mit elf Millionen Euro gefördert. Diese Subvention erfolgt im Rahmen des ESA-Programms Commercial Space Transportation Services and Support (C-STS, „Kommerzielle Weltraumtransportdienste und - unterstützung“). Isar Aerospace erhielt sie im Jahr 2021 als Gewinner des „deutschen Wettbewerbs für Mikrolauncher“ (Kleinst-Trägerraketen) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Die beiden Demonstrationsflüge wurden damals für 2022–2023 angekündigt.[26]

Einen ersten kommerziellen Startauftrag für die Spectrum erhielt Isar Aerospace im April 2021 von Airbus Defence and Space. Er betrifft den Start eines Erdbeobachtungssatelliten. Ein Termin für diese Mission wurde nicht genannt.[27]

Im Oktober 2021 gab Isar Aerospace eine Startvereinbarung mit OroraTech bekannt, einem Münchner Start-up-Unternehmen, das den Aufbau eines satellitengestützten Waldbrand-Überwachungssystems vorbereitete. Geplant sei der Start von mindestens zehn Satelliten in sonnensynchrone Umlaufbahnen im Zeitraum von 2022 bis 2026.[28] Die ersten elf OroraTech-Satelliten starteten dann von Januar 2022 bis März 2025 mit Transporter-Flügen des amerikanischen Startdienstleisters SpaceX und mit einer neuseeländischen Electron-Rakete.

Im Oktober 2021 wurde auch ein Auftrag des bulgarischen Raumfahrtunternehmens EnduroSat vermeldet. Dieser umfasse den Start mehrerer Satelliten im Zeitraum von 2022 bis 2025. Die Satelliten sollen mit Rideshare-Missionen vom Weltraumbahnhof Andøya aus ins All gebracht werden.[29] Es folgten weitere Pressemitteilungen von Isar Aerospace über Startvereinbarungen mit Rideshare-Dienstleistern und Betreibern von Raumschleppern.[30][31][32]

Im März 2025 erhielt Isar Aerospace den Auftrag, 2026 zwei Raumkapseln des japanischen Unternehmens Elevation Space zu starten.[33]

Erfolgte Starts

Stand: 30. Juni 2026

Weitere Informationen Datum, Startplatz ...
Datum Startplatz Nutzlasten Orbit Anmerkungen
30. März 2025 Andøya Testflug ohne Nutzlast[34] Fehlschlag
Missionsname: Going Full Spectrum
Nach dem Verlust der Lagekontrolle erhielt die Rakete ungefähr 30 Sekunden nach dem Start einen Flugabbruchsbefehl.
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Angekündigte Starts

Weitere Informationen Datum, Startplatz ...
Datum Startplatz Nutzlasten Orbit Anmerkungen
Starts
2026[35][36] Andøya DeutschlandDeutschland Cybeesat
Slowenien Trisat-S
Norwegen Framsat-1
Bulgarien Platform 6
OsterreichÖsterreich Spaceteamsat1
SSO Missionsname: Onward and Upward
1. Demonstrationsflug,
gefördert von der ESA
Andøya DeutschlandDeutschland OsterreichÖsterreich Finnland Norwegen SpanienSpanien Bulgarien
19 Technologieerprobungs­satelliten[37]
LEO[37] 2. Demonstrationsflug,
gefördert von der ESA
Andøya Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Spaceflight-Rideshare[32] SSO
JapanJapan AOBA (Raumkapsel-Testflug)[38]
DeutschlandDeutschland LMU-Forschungssatellit Stand 2019
JapanJapan Elsa-M (Weltraummüll-Beseitigung)[39] LEO
Andøya Norwegen AOS (2 Erdbeobachtungssatelliten)[40]
FrankreichFrankreich Airbus-Erdbeobachtungssatellit[27] SSO[27] Stand 2021
Rideshare-Nutzlasten
Andøya[29] Bulgarien Kleinsatelliten von EnduroSat
DeutschlandDeutschland mindestens 10 OroraTech-Satelliten
(Waldbrandüberwachung)[28][41]
SSO[28]
Andøya[30] ItalienItalien ION-Raumschlepper von D-Orbit SSO[30]
Andøya Schweiz Astrocast-IoT-Kommunikationssatellit[42] SSO[42]
Andøya,
CSG
FrankreichFrankreich mehrere Exotrail-Raumschlepper[31] LEO,
GTO
Andøya OsterreichÖsterreich 2 R-Space-Satelliten (Technologieerprobung)[43]
Andøya NiederlandeNiederlande Cassini (3 Technologieerprobungssatelliten)[44] LEO
Andøya FrankreichFrankreich Tom & Jerry (2 Rendezvous-Testsatelliten)[44] LEO
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Commons: Isar Aerospace – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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