St. Verena (Rickenbach)

Kirchengebäude in Rickenbach im Kanton Thurgau, Schweiz From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Kirche St. Verena in Rickenbach im Bezirk Münchwilen im Schweizer Kanton Thurgau ist eine römisch-katholische Kirche, die in ihrer jetzigen Form auf das Jahr 1845 zurückgeht. Sie liegt im Bistum Basel, ist aber seit 2015 dem Bistum St. Gallen zugeordnet.[1] Sie ist der Heiligen Verena als Namenspatronin gewidmet und Teil des Seelsorgebereiches Rickenbach der Katholischen Pfarr- und Kirchgemeinde Wil im benachbarten Kanton St. Gallen. Seit 2026 ist Marjan Paloka Pfarradministrator und Mitglied der Co-Leitung des Seelsorgeteams.[2]

Schnelle Fakten Basisdaten, Baugeschichte ...
Kirche St. Verena
Basisdaten
Konfession römisch-katholisch
Ort Rickenbach TG, Schweiz
Diözese Bistum St. Gallen
Patrozinium Hl. Verena
Baugeschichte
Fertigstellung1845
Baubeschreibung
Baustil Klassizismus
Koordinaten 721674 / 256569
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Innenraum, 2025
Seitenaltar der Gottesmutter Maria (Evangelienseite), 1935

Geschichte

Eine St. Verena-Kirche wurde erstmals im Jahre 838 erwähnt. Dorfbrände in den Jahren 1446, 1638 und 1712 zerstörten die Pfarrkirche; nur der Kirchturm aus dem 9. Jahrhundert hielt dem Feuer stand.

Innenraum mit Orgel, 2025

In der Vergangenheit wurden immer wieder Teile des Kircheninventars entwendet, so dass von der ursprünglichen Ausstattung nur noch ein kleiner Teil existiert. 1655 schenkte der Fürstabt Gallus Alt der Pfarrei einen Taufstein, der als einer der ältesten Einrichtungsgegenstände bis heute erhalten ist. Aufgrund der zunehmenden Bevölkerungszahl Rickenbachs im 18. und 19. Jahrhundert wurde am 6. August 1845 ein Neubau der Kirche geweiht.

1965 bis 1969 wurde eine Renovation durchgeführt: Das Gebäude wurde um ein Joch nach Westen erweitert, erhielt eine neue Westfassade und eine neue Empore in Beton-Bauweise mit seitlichen Treppenaufgängen. Der Innenraum wurde umgestaltet, der Hochaltar, das Retabel an der Chorwand, die Seitenaltäre und die Kanzel wurden entfernt.[3] Ein gotisches Masswerk-Fragment im Westgiebel, als Teil eines ehemaligen Spitzbogenfensters des Vorgängerbaus vor 1845, ging bei den Umbauarbeiten in den 1960er Jahren verloren. Der Taufstein und die Ölmalereien Marias und der Hl. Verena an den Seitenaltären blieben erhalten, ebenso die Stuckaturen der Decke und der Fenster. Die barocke Monstranz, Klosterarbeiten mit Reliquien für den Hochaltar und die Seitenaltäre, das Wetterkreuz mit Reliquien, mehrere Vortragekreuze, alte liturgische Gewänder, Ziborien und Kelche sind Teile des Kirchenschatzes.

Baubeschreibung und Ausstattung

Der Kirchturm von St. Verena stammt aus dem Jahre 1644. Das Kirchenschiff wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts im klassizistischen Stil neu gebaut. Die eingestanzten Ziffern auf dem alten Tabernakel in der rechten Kirchenwand ergeben die Jahreszahl der geplanten Kirchweihe 1842. Bedingt durch den Einsturz des fehlerhaft berechneten Westgiebels kurz vor dem Abschluss der Bauarbeiten verzögerte sich die Kirchweihe bis 1845. Heute besitzt die Kirche eine moderne Chorwand und aufgemalte Seitenaltäre, die den ersten Altären gleichen. Im Altarraum steht ein schlichter Zelebrationsaltar, ein weisser Sockel mit einer Altarplatte aus grauem Sandstein. Das Kunstwerk mit dem Namen «Durch Kreuz und Tod zur Auferstehung» des St. Galler Malers und Bildhauers Fredi Thalmann an der Chorwand entstand 1993. Im gleichen Jahr wurde der alte Taufstein mit einem modernen Bronzedeckel versehen.[3] Unter der rechten Emporentreppe befindet sich seit 2018 eine Verena-Ikone. An den Seitenwänden des Innenraumes ist ein zeitgenössischer Kreuzweg zu sehen.

Orgeln

Kuhn-Orgel (1969)

Die heutige Orgel wurde 1969 von Orgelbau Kuhn (Männedorf) mit 21 Registern (Schleifladen mit mechanischer Spiel- und Registertraktur) auf zwei Manualen und Pedal gebaut; 2012 erfolgte eine Revision mit Dispositionsänderungen durch die Erbauerfirma. Die Disposition:[4][5][6][7]

I Hauptwerk C–g3
Principal8′
Rohrgedackt8′
Octave4′
Blockflöte4′
Superoctave2′
Sesquialtera II223
Mixtur V–VI113
Trompete8′
II Schwellwerk C–g3
Holzgedackt8′
Principal4′
Rohrflöte4′
Waldflöte2′
Quinte113
Scharf IV1′
Vox humana8′
Tremulant[8]
Pedal C–f1
Subbass16′
Oktavbass08′
Pommer08′
Octave04′
Hintersatz IV0223
Posaune8′[9]
  • Koppeln (mechanisch, als Tritte): II/I, I/P, II/P. Zwei mechanische Drehknopfkombinationen. Tritte «Register A», «Register B», «Register ab». Schwelltritt für II. Manual.

Kuhn-Orgel (1907–1969)

Das Instrument mit 16 Registern auf zwei Manualen und Pedal (Membranladen mit pneumatischer Spiel- und Registertraktur),[10] das von Carl Theodor Kuhn 1907 erbaut wurde, hatte folgende Disposition:[11]

I. Hauptwerk C–f3
Bourdon16′
Principal08′
Flauto dolce08′
Gambe08′
Oktave04′
Mixtur IV0223
Trompete08′
II. Schwellwerk C–f3
Geigenprincipal8′
Flûte harmonique8′
Salicional8′
Aeoline8′
Voix céleste8′
Traversflöte4′
Pedal C–d1
Subbass16′
Violonbass16′
Oktavbass08′

Haaser-Orgel (1857–1907)

Die Orgel wurde 1857 von Remigius Haaser aus Immenstadt im Allgäu fertiggestellt. Sie hatte sechs Register auf einem Manual und Pedal.[11]

Manual C–f3
Principal8′
Bordun8′
Viola8′
Flauto4′
Mixtur III2′
Pedal C–d1
Subbass16′

Glocken

Die 5 Bronzeglocken, gegossen durch Emil Eschmann 1965.
Blick in den Glockenstuhl, 2023

Die fünf Glocken wurden 1965 von der Glockengiesserei Eschmann (Rickenbach) gegossen; im Mai 1965 fand die Glockenweihe statt. Die früheren Glocken von 1638, die an der äusseren Südseite der Kirche auf Podesten stehen, sind das älteste vollständige Glockengeläut im Kanton Thurgau.[12][13]

Geläut seit 1965

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer, Gussort
 
Durchmesser
(cm.)
Masse
(kg, ca.)
Schlagton
(HT-116)
Stifter
 

Inschriften

1Mutter Gottes-Glocke1965Emil Eschmann, Rickenbach1642'500 kgc1Traktorenwerk Hans Hürlimann, WilES JUBELT MEIN GEIST ÜBER MEINEN RETTER (Lukas 1,47)
2Verena-Glocke1371'450 kges1Familie Wiesli-Lenz+DURCH UNSERES GOTTES HERZLICHES ERBARMEN (Lukas 1,78)
3Gallus-Glocke107,5750 kgg1Witwe Priska Haag-Eisenring und Sohn Joseph HaagLICHT ZUR OFFENBARUNG FÜR DIE HEIDEN (Lukas 2,32)
4Otmar-Glocke89.5450 kgb1Leo Stehrenberger-Ulrich, RickenbachOHNE FURCHT UND FREI VON FEINDES HAND (Lukas 1,74)
5Bruder Klausen-Glocke78,5300 kgc2Familie Hans Haag-Sennhauser, Rickenbach+UND FRIEDE AUF ERDEN DEN MENSCHEN (Lukas 2,14)

Altes Geläut (1638)

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer, Gussort
 
Durchmesser
(cm.)
Masse
(kg, ca.)
Schlagton
(HT-116)
Stifter
 

Inschriften
 

Bild
 

1Marien-Glocke1638Girarde Lamotte121,51100 kges1Abt Pius ReherSANCTE MARIÆ DEIPARÆ VIRGINI SACRVM☆M☆DC☆XXXVIII☆PIO*ABBATE☆GOT DEM ALLMECHTIGEN ZVO LOB VND DER VIER GLOGEN GOSSEN VORDEN FVR DIE KIRCHEN DER GEMAIND ZVO RICHENBACH ☆F☆R☆WARD DOMAL KIRCHMAIER
2Verena-Glocke98550 kgg1Abt Pius Reher SANCTE VERENÆ VIRGINI SACRVM ☆M☆DC☆XXXVIII☆PIO ABBATE☆
3Margareten-Glocke85400 kga1Abt Pius ReherSANCTE MARGRITÆ VIRGINI SACRVM ☆M☆DC☆XXXVIII☆PIO ABBATE☆
4Gallus und Othmars-Glocke68.5200 kgdes2Abt Pius Reher☆+☆S☆S☆GALLO☆ET☆OTHMARO☆☆SACRVM☆M☆DC☆XXXVIII☆PIO PIO ABBATE☆FRACOY☆RVTY☆NOS☆A☆TOVTTE☆QVATTRE☆FAICT☆FAIRE☆

Literatur

  • Albert Knoepfli: Rickenbach bei Wil – Die katholische Pfarrkirche St. Verena. In: ders.: Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau, Bd. II: Der Bezirk Münchwilen (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Bd. 34). Basel 1955, S. 291–299. Digitalisat
  • Angelus Hux, Alexander Troehler: KlangRäume. Kirchen und Orgeln im Thurgau. Huber, Frauenfeld 2007, S. 374–375.
Commons: St. Verena – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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