Staatsschutz (Film)
Filmdrama von Faraz Shariat aus dem Jahr 2026
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Staatsschutz (internationaler englischsprachiger Titel Prosecution) ist ein Justizthriller von Faraz Shariat. Das Filmdrama mit Chen Emilie Yan, Julia Jentsch, Alev Irmak, Arnd Klawitter und Sebastian Urzendowsky, das institutionellen Rassismus im heutigen Ostdeutschland beleuchtet, feierte im Februar 2026 bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin seine Premiere. Der Kinostart in Deutschland ist Ende August 2026 geplant.
| Film | |
| Titel | Staatsschutz |
|---|---|
| Produktionsland | Deutschland |
| Originalsprache | Deutsch, Koreanisch |
| Erscheinungsjahr | 2026 |
| Länge | 113 Minuten |
| Stab | |
| Regie | Faraz Shariat |
| Drehbuch | Claudia Schaefer, Jee-Un Kim, Sun-Ju Choi |
| Produktion | Paulina Lorenz, Jorgo Narjes, Faraz Shariat |
| Musik | Gabríel Ólafs |
| Kamera | Lotta Kilian |
| Schnitt | Friederike Hohmuth |
| Besetzung | |
| |
Handlung
Die deutsch-koreanischen Staatsanwältin Seyo Kim ist eine wortgewandte Juristin. Das Haus, in dem sie seit kurzem wohnt, ist innen kühl, geräumig und elegant. Während einer Fahrt im Park wird die zierliche brünette Frau angegriffen. Zuerst wird sie von einem Radfahrer, der absichtlich in sie hineinfährt, vom Fahrrad geschleudert, dann werden zwei Molotowcocktails von einer Brücke nach ihr geworfen, wodurch ihre Jacke Feuer fängt. Es gelingt ihr, die brennende Jacke auszuziehen, und als die Polizei eintrifft, verwandelt sie sich sofort von einem schockierten Opfer in eine Ermittlerin, und bittet die Umstehenden, den Tatort abzusichern.
Es gelingt Seyo, einen der Täter vor Gericht zu bringen. Sie versucht ihn als Teil eines rechten Netzwerks zu enttarnen. Hierfür gräbt sie tief in den Archiven ihrer Behörde und rollt lange abgeurteilte „Einzelfälle“ wieder auf. Während ihres Gerichtsprozesses erlebt Seyo jedoch am eigenen Leib, was es bedeutet, den Kampf für Gerechtigkeit in einem Staat zu führen, der mit zweierlei Maß misst und rechte Gewalt nicht nur verharmlost, sondern mitunter sogar deckt.[1][2]
Produktion
Regie, Drehbuch und Besetzung
„Manchmal stand die Frage im Raum, ob Seyo mehr Gewalt und Konfrontationen erfahren muss, um das Publikum wirklich zu packen. Dabei stirbt sie fast, viel mehr geht also nicht. Aber ich fand es eben auch reizvoll, einen Erzählton anzuschlagen, der nicht auf den maximalen Empathie-Effekt setzt, sondern bei dem das Publikum erst im Zuge des Films immer näher an diese Figur herankommt.“
Regie führte Faraz Shariat. Es handelt sich um seinen zweiten Spielfilm nach Futur Drei. Im Zuge der Recherche für Staatsschutz hatte er Menschen wie Franziska Nedelmann getroffen, die zum Beispiel im Fall vom Brandanschlag auf Ferat Koçak die Nebenklage übernommen hat und auch in vielen weiteren Prozessen Opfer rassistischer Gewalt vertritt. Auch traf er Sebastian Scharmer, der Nebenklage-Anwalt im NSU-Prozess.[3]

Das Drehbuch schrieben Claudia Schaefer, Jee-Un Kim und Sun-Ju Choi. Diesem lag eine mehrjährige intensive Recherche zugrunde. Die Geschichte in Staatsschutz basiert nicht unmittelbar auf einem konkreten Fall oder einer realen Person, ist aber in der Realität verwurzelt.[3]
Chen Emilie Yan, die 2024 zum ersten Mal in dem Dokudrama Die Spaltung der Welt vor der Kamera stand, spielt in der Hauptrolle die deutsch-koreanische Staatsanwältin Seyo Kim.[1] Julia Jentsch spielt Alexandra Tiedemann, die Anwältin aus der linken Szene, die Seyo vor Gericht unterstützt. Arnd Klawitter und Sebastian Urzendowsky spielen die Oberstaatsanwälte Forch und Quant, Seyos Chef und ihren Kollegen.[4][5] Kathrin Angerer ist in der Rolle von Franziska Haas, der Verteidigerin des Haupttäters Pascal Röder, zu sehen, der von Max Krause gespielt wird. Alev Imak ist in der Rolle der Archiv-Mitarbeiterin Ayten Alican zu sehen.[5] Kotbong Yang spielt Seyos heimliche Freundin Min-Su. Die kenianisch-österreichische Schauspielerin Mercy Dorcas Otieno ist in der Rolle von Maida Cali zu sehen, ein Opfer von Polizeirassismus, die Seyo zur Aussage überredet.[6] Auch Benjamin Radjaipour, den Shariat in seinem Film Futur Drei für eine der drei Hauptrollen besetzt hatte, ist in Staatsschutz in einer Nebenrolle zu sehen. In weiteren Rollen spielen Petra Hartung und Béla Gabor Lenz. Das Casting übernahm Andrea Rodríguez.
Filmförderung und Dreharbeiten
Der Film wurde gefördert durch die Film- und Medienstiftung NRW, den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Medienboard Berlin-Brandenburg, die HessenFilm und Medien, nordmedia – Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen und durch den Deutschen Filmförderfonds. Zudem erhielt der Film eine Verleihförderung des Bundes in Höhe von 65.000 Euro und Medialeistungen im Wert von 200.000 Euro von der Förderkommission Medialeistungen.[7][8]
Die Dreharbeiten fanden von Ende Mai bis Ende Juni 2025 in Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen statt. Mit Kamerafrau Lotta Kilian arbeitete Shariat bereits für die Webserie Druck zusammen. Zum Ansatz erklärte sie, je mehr die Hauptfigur Seyo Kim in dieses System einsteigt, recherchiert und herausfindet, desto mehr bewege sich auch die Kamera mit ihr und werde näher. Eine fast achtminütige Gerichtsszene wurde in einer Plansequenz mit einer Handkamera gedreht.[9]
Marketing und Veröffentlichung
Die Premiere des Films war am 15. Februar 2026 bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin. Hier wurde er in der Sektion Panorama gezeigt. Im April 2026 wird er beim International Istanbul Film Festival vorgestellt.[10] Am 28. April 2026 eröffnete Staatsschutz das Lichter Filmfest Frankfurt International.[11] Im Juni 2026 wurde der Film beim Internationalen Filmfest Emden-Norderney gezeigt.[12] Im selben Monat fand eine von der Berlinale veranstaltete Open-Air-Vorführung in Berlin statt.[13] Der erste Trailer wurde Anfang Juli 2026 vorgestellt.[14] Ebenfalls im Juli 2026 wird er beim Galway Film Fleadh gezeigt.[15] Am 27. August 2026 soll er in die deutschen Kinos kommen.[16] Den weltweiten Vertrieb übernimmt New Europe Film Sales. Für Frankreich sicherte sich Memento die Rechte.[17]
Rezeption
Kritiken
E. Nina Rothe schreibt in ihrer Kritik für die International Cinephile Society, Faraz Shariat habe mit Staatsschutz einen fesselnden, spannungsgeladenen Film erschaffen, der an einen Hitchcock-Thriller erinnere und die klaustrophobische Atmosphäre von Sidney Lumets Die zwölf Geschworenen besitze. Der Film entwickele sich schnell zu einem stillen Meisterwerk. Manchmal mutiere Staatsanwältin Kim fast zu einer Ninja-artigen Heldin mit einer unerschütterlichen Entschlossenheit, die vor nichts zurückschreckt und sich ihren Widersachern mit einer beneidenswerten Coolness entgegenstellt, insbesondere für eine Frau in der heutigen, oft von Übergriffen geprägten Gesellschaft. Doch wenn sie innehält und sich ihrer Angst stellt, sei ihre Menschlichkeit spürbar und man verstehe sie zutiefst. Sie sei eine vielschichtige Frauenfigur, bis hin zu ihrer alternativen sexuellen Orientierung.[1]

Corinna Götz erklärt in ihrer Kritik, Staatsschutz konfrontiere das Publikum brutal mit der eigenen Wut und Fassungslosigkeit über die aktuelle Lage der Nation, spreche aus, entlarve, seziere, wovor man sich in seiner Ohnmacht am liebsten wegducken möchte, biete gleichzeitig Halt in Person einer unerwarteten Hoffnungsträgerin, die man leicht unterschätzen könnte. Eine der größten Stärken der Erzählung liege darin, dass sie ohne erhobenen Zeigefinger und Polemik auskommt, dem Publikum erlaube, sich gemeinsam mit der Protagonistin in die Abgründe des behördlichen Versagens zu begeben, sich Klarheit zu verschaffen über verschleierte Strukturen und Mechanismen auf beiden Seiten des Gesetzes, die Widerstand mit jeder Minute dringlicher machen. Götz empfindet den Film als die bislang beste, vollendetste Arbeit von Faraz Shariat, den sie als derzeit aufregendsten Filmemachers des queeren, intersektionalen, politisch relevanten, jungen deutschen Kinos bezeichnet. Sie hebt auch die enervierend schrägen Streicherklänge der Musik von Gabriel Ólafs hervor und die ebenso gewaltige Bildgestaltung von Lotta Kilian, die die angespannte Atmosphäre und ständige Bedrohungslage noch verdichteten. Staatsschutz erinnere mit seiner Bildsprache und dokumentarischen Präzision an Alice Diops Gerichtsdrama Saint Omer, mit seiner expressiven Wucht an Hafsia Herzis Die jüngste Tochter, fühle sich oft an wie ein jüngerer Bruder von Gelbe Briefe oder Das Lehrerzimmer von İlker Çatak, doch Shariat sei eben auch ein Kind der Popkultur, durchbreche und störe damit die Schwere und neutrale Sachlichkeit, balanciere meisterhaft zwischen Systemkritik und Suspense, gieße die Wut und Ohnmacht einer ganzen Generation in die Form des Genres und verwandele sie in wehrhafte Kunst. Hauptdarstellerin Chen Emilie Yan gelinge in ihrer ersten Kinorolle eine faszinierende Gratwanderung, sie wirke gleichzeitig anziehend und distanziert, schenke ihrer Rolle eine coole Weiblichkeit und fast kindliche Verletzlichkeit.[18]
Auszeichnungen
Internationale Filmfestspiele Berlin 2026
- Auszeichnung mit dem Panorama Publikums-Preis (Faraz Shariat)
- Auszeichnung mit dem CICAE ART Cinema Award (Faraz Shariat)
- Auszeichnung mit dem Heiner-Carow-Preis (Faraz Shariat)[19][20]
Internationales Filmfest Emden-Norderney 2026
- Auszeichnung mit dem Norderneyer Engel (Faraz Shariat)
- Auszeichnung mit dem Bernhard Wicki Preis in Bronze
- Auszeichnung mit dem NDR Filmpreis für den Nachwuchs[21][22]
Weblinks
- Staatsschutz bei IMDb
- Staatsschutz im Programm der Internationalen Filmfestspiele Berlin
- Staatsschutz bei crew united
- Staatsschutz – Interview with Faraz Shariat bei YouTube (Video)