Stadtstraße Aspern

Straße in Aspern, Wien, Österreich From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Stadtstraße Aspern, meist einfach Stadtstraße genannt, ist eine 3,321 Kilometer lange, im Bau befindliche Hauptstraße B im 22. Wiener Gemeindebezirk in Österreich. Sie wird als Landes- oder Gemeindestraße von der Gemeinde Wien errichtet.[1][2]

Schnelle Fakten
Landesstraße B3d in Österreich
Stadtstraße Aspern
Basisdaten
Straßenbeginn: Hirschstetten
(48° 14′ 27″ N, 16° 27′ 36″ O)
Straßenende: Seestadt Aspern
(48° 14′ 6″ N, 16° 30′ 2″ O)
Gesamtlänge: 3,321 km
  davon in Betrieb: 0,335 km
  davon in Bau: 2,986 km

Bundesland:

Wien

Straßenverlauf (Karte)
Straßenverlauf (Liste)
(0)  Hirschstetten A23 S2 E461
(0,3)  Franz-Fellner-Gasse
(0,4)  Süßenbrunner Straße
(0,525)  Quadenstraße
Emichgasse (795 m)
Lavaterstraße
(1,94)  U2 (unterquert)
Hausfeldstraße (550 m)
Seestadt West
Übergang in S1 E461
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Der Protest richtete sich ursprünglich gegen Lobautunnel und Stadtstraße

Sie soll Ende 2026 fertiggestellt werden und von der Autobahn Südosttangente Wien A23 über die Anschlussstelle Hirschstetten zum Heidjöchl nördlich der Ostbahnbegleitstraße führen.

Dort soll sie in weiterer Folge in die von der ASFINAG zu errichtende Schnellstraße S1-Spange Seestadt Aspern münden. Ein Baubeginn für die S1-Spange ist noch nicht abzusehen, die Stadt Wien errichtet daher die zur Erschließung der Seestadt Aspern nötige Anschlussstelle Seestadt West in Vorleistung selbst.[3]

Geschichte

Planung

Drei Überlegungen führten zur Entwicklung der Stadtstraße. Einerseits sollte eine Tangentialverbindung von der A 23 Südosttangente zum Regionenring (der südlich anschließende Lobautunnel wurde am 1. Dezember 2021 vorläufig abgesagt) hergestellt werden. Andererseits befinden sich im nordöstlichen Teil Wiens mehrere Stadtentwicklungsgebiete. Diese neuen Siedlungen liegen direkt an hochrangigen öffentlichen Verkehrsmitteln (U-Bahn, S-Bahn) und sollen eine möglichst mit wenigen Kreuzungen versehene Straße in die Stadt bekommen. Drittens sollen Ortskerne des Wiener Bezirks Donaustadt entlastet werden. Die Planungen reichen über Jahrzehnte zurück.

Vorgesehen sind zwei Autospuren in beide Richtungen, aber keine Fußgänger- und Radwege. Da die Straße 2 Schnellstraßen verbindet, ist Fahrradfahren auf der Straße gesetzlich verboten. Aus Lärmschutzgründen ist die Straße größtenteils tiefer gelegt und wird an zwei Stellen als Tunnel geführt. Als Höchstgeschwindigkeit sind 50 km/h vorgesehen.[4]

Das Projekt wurde einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen. Die Wiener Landesregierung erteilte 2018 einen positiven Bescheid. Im Juli 2020 stellte das Bundesverwaltungsgericht in einem Erkenntnis fest, dass die Genehmigung rechtskräftig erteilt wurde.

Evaluierung der S1-Umfahrung und des Lobautunnels

2021 führte das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie unter Ministerin Leonore Gewessler eine Evaluierung des Straßenbauprogramms der ASFINAG durch. Alle geplanten Projekte wurden im Hinblick auf Aspekte wie Flächenverbrauch, Biodiversität, Multimodalität, Sozialverträglichkeit, Netzwirkung, Wirtschaftlichkeit und Klimawirkung untersucht. Der Bericht wurde im November 2021 veröffentlicht.[5]

Die Evaluierung sprach sich für die Errichtung der S1-Spange und damit die Erschließung der Seestadt aus: „Im Sinne der Vereinbarung aus 2011 wäre das Projekt […] im für die Stadtentwicklung Seestadt notwendigen Umfang fortzuführen.“[6] Der Lückenschluss der S1 Wiener-Außenring-Schnellstraße mit Lobautunnel wurde hingegen negativ bewertet. Wegen der Trassenführung durch das IUCN-Schutzgebiet II des Nationalpark Donau-Auen, des immensen Flächenverbrauches von 385,35 Hektar und der durch Errichtung, induzierten Verkehr und Tunnelführung erwarteten Treibhausgas-Emissionen wurden die Planungsaktivitäten für den Verwirklichungsabschnitt 2 eingestellt.[7]

Für Kritik und Proteste sorgte, dass bereits im August 2021, ohne die Entscheidung des Ministeriums bezüglich der S1-Spange und der Umfahrung abzuwarten, mit der Errichtung der Stadtstraße begonnen wurde: „Aber ohne die S1 ergibt die Stadtstraße noch weniger Sinn. Denn sie soll die Südosttangente A23 mit der S1 verbinden – die aber möglicherweise gar nicht mehr kommt.“[8][9]

Proteste und Besetzung

Ab Ende August 2021 wurden mehrere Baustellen der Stadtstraße von Klimaschutzaktivisten besetzt. Es handelte sich um die am längsten andauernden Baustellenbesetzungen in der Geschichte Österreichs.[10][11]

Initiativen wie Fridays for Future, Extinction Rebellion, System Change not Climate Change, der Wiener Jugendrat und andere wollten den Bau der geplanten Stadtstraße und des Lobautunnels durch Protestcamps in Hirschstetten und am Hausfeld verhindern.[12][13] Die Stadt Wien und die Verkehrsstadträtin Sima ließen von der Kanzlei Johannes Jarolim Klagedrohungen an die Besetzer, aber auch an unbeteiligte Verkehrsexperten von der TU Wien wie Barbara Laa und Ulrich Leth verschicken.[14] Annemarie Schlack, Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich, sah darin eine sogenannte SLAPP-Klage.[15] Letztendlich wurden aber alle Androhungen an Klagen gegen alle Betroffenen zurückgezogen. Zur gleichen Zeit startete die Stadt Wien eine Inseratenkampagne, die Irrtümer ausräumen sollte.[16]

Am 1. Februar 2022 wurde das Camp von der Polizei auf Aufforderung der Stadtregierung geräumt, zwölf Aktivisten kurzzeitig in Gewahrsam genommen. Die errichteten Bauten wurden zerstört. Als bauvorbereitende Maßnahme wurde parallel mit der Fällung von 380 Bäumen begonnen.[17] Die Aktivisten haben angekündigt, ihren Kampf fortzusetzen. Einige von ihnen schlossen sich dem Aufstand der letzten Generation an und blockierten im Februar 2022 Wiener Hauptverkehrswege.[18] Mitte Februar 2022 wurde bekanntgegeben, dass es keine Klagen gegen die Besetzer und Wissenschafter geben würde.[19] Eine Wiederbesetzung der Baustelle am 25. Mai 2022 wurde umgehend von der Polizei geräumt.[20]

Kritik

Gegen das Projekt sprechen sich unter anderem die Organisationen Scientists for Future, Forum Wissenschaft & Umwelt, die Wissenschaftler Hermann Knoflacher und Sigrid Stagl aus. Die Gegner fordern ein radikales Umdenken der Verantwortlichen bei der Stadt.[21][22] Folgende Kritikpunkte werden mehrfach gegen das Projekt vorgebracht:

Weitere Informationen Kritik, Antwort der Stadt ...
Kritik Antwort der Stadt
Die Dimension der Straße mit zwei Spuren in jede Richtung entspricht einer Autobahn[23] Es wird maximal 50 km/h gefahren. Zudem sind je 2 Spuren in den Tunnel aus sicherheitstechnischen Überlegungen sehr sinnvoll. Zudem hat die Straße eine Kreuzung mit Ampeln und eigene Spuren für den Linienbus.
Es wird neuer Verkehr erzeugt, der die belastete Region weiter schädigt[23] Für die 60.000 Bewohner der neu zu bauenden Siedlungen ist eine Anbindung an höherrangiges Verkehrsnetz notwendig. Insbesondere für das Vorhaben Seestadt Nord wurde diese auch in der Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben.[24]
Durch die Verwendung der geplanten 460 Millionen € für den Ausbau von Nahverkehr und öffentliche Infrastruktur könnte eine deutliche Entlastung erreicht werden, die zudem auch noch beitragen, die Klima-Ziele zu erreichen. Die Entwicklung der neuen Stadtgebiete dient der Erreichung der Klima-Ziele und spart in Summe CO2 ein.[25]
Durch die Absage des Lobautunnels ist eine kleinere Neudimensionierung möglich, da nicht mehr zwei Autobahnen verbunden werden. Die Straße ist eine Gemeindestraße mit je 2 Fahrspuren und entspricht den verkehrlichen Erfordernissen. Die Straße wird den Verkehr bündeln und raus aus den Ortskernen verlegen. Neben dem Autos werden auch Linienbusse über die Straße fahren.[26]
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2024 wurde dem Bauprojekt der Negativpreis „Neun Plätze, neun Betonschätze“ verliehen.[27]

Einzelnachweise

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