Stelzenkrug (Berlin)

Gasthof am Alexanderplatz in Berlin bis 1881 From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Stelzenkrug war ein Gasthof am Alexanderplatz in Berlin bis 1881.

Alexanderplatz um 1860, mit Stelzenkrug (links)

Lage

Alexanderplatz 1804, mit dem Stelzenkrug hinter Ochsenmarkt (nur das rechte Gebäude)

Der Stelzenkrug lag nördlich des Alexanderplatzes an der Alexanderstraße (bis 1819 Contre-Escarpe) 46, an der westlichen Ecke zur beginnenden Neuen Königstraße (bis 1810 Bernauer Straße).[1] Ab 1884 stand an dessen Stelle das neue Grand Hôtel Alexanderplatz. In der Gegenwart entsteht dort der Convio Tower.

Geschichte

Anfänge

Bereits 1571 gab es an dieser Stelle am Beginn der Fernhandelsstraße von Berlin nach Norden nahe des Georgentores einen Gasthof, (wahrscheinlich der bekannte Zum schwarzen Bären).[2] Um 1700 gehörte er zur Sandschäferei im Besitz von Königin Sophie Charlotte, wie auch weitere Schäfereien und Meiereien vor dem Georgentor.[3][4] Nach deren Tod 1705 übergab ihn König Friedrich an das nahegelegene militärische Invalidenhaus, mit verschiedenen Rechten und Freiheiten:[5]

  • der Freiheit von allen bürgerlichen Lasten
  • der Freiheit, Weine, auch fremde und einheimische Biere, ohne Erlegung der Magistrats-Einlage zu verzapfen
  • dem Recht, Reisende und besonders die Viehhändler mit allerhand Vieh aufzunehmen
  • dem Recht, von den dazu gehörigen Fleischscharren den Erbkanon einzunehmen
  • dem Recht, von den auf der Invalidenfreiheit stehenden Häusern den Grundzins jährlich zu erheben
  • dem Recht, Viehmärkte abzuhalten.

Der Invalidenkassen-Gasthof wurde an Georg Winckler (um 1705–1708), den Viehhändler Georg Spannagel (1708–1725), den Handelsmann Johann Georg Hansche (1725–1737) und den Handelsmann Johann George Bölcke (1737–1743) verpachtet.

Stelzenkrug, Zeichnung um 1743
Alexanderplatz 1784, Blick nach Nordosten, der Stelzenkrug war das linke kleine Haus in der Mitte

1743 wurde ein neues zweistöckiges Gebäude nach Plänen von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff errichtet, der auch den davorliegenden Platz mit einem Gatter für das Vieh gestaltete.[6] Nach der Neueröffnung 1744 war die offizielle Bezeichnung Zur Preußischen Krone.[7] Die folgenden Pächter waren der Fleischer Christoph Hermann (1744–1746) und der Soldat Johann Calvary (1746–1756?). 1754 wurde eine Witwe, die die Besitzerin war, eines Abends erdrosselt, was viel Aufmerksamkeit in Berlin und darüber hinaus hervorrief. Ihr Untermieter, der ein Theologieabsolvent und Lehrer war, wurde verdächtigt und gefoltert; erst später stellte sich heraus, dass eine Magd und deren Schwester die Täterinnen waren. Der Großkanzler Samuel von Cocceji erreichte daraufhin eine Aufhebung der mittelalterlichen Folterstrafe in Preußen durch König Friedrich II.[8]

Klaegerscher Besitz

1756 pachtete der Gastwirt Johann Gottfried Klaeger den Gasthof für jährlich 460 Thaler, 1765 kaufte er ihn mit allen Privilegien von der Invalidenkasse für 12.600 Reichsthaler (der benachbarte Gasthof Zum Goldenen Hirsch hatte im Jahre 1760 nur 6710 Thaler gekostet) und benannte ihn in Zur Goldenen Krone um.[9] Nach dessen Tod 1773 übernahm ihn sein Sohn Johann Christian Friedrich Klaeger. 1776 hatte er mit dem benachbarten Gasthaus Zum Goldenen Hirsch das Privileg, dass nur sie Viehmärkte für Berlin abhalten dürften,

„Laut Polizeyverordnung vom 19ten Septemb. 1776. muß das Vieh, es mag Namen haben wie es will, welches zum Verkauf in Berlin gebracht wird, sowohl während des Viehmarkts, als auch in jeder andern Zeit, an keinem andern Ort, als in und vor dem Gasthof auf der Königl. Vorstadt zum goldnen Hirsch, oder Stelzenkrug feil geboten oder verkauft werden. Auch ist allen Gastwirthen der andern Gasthöfe solches zu dulden verboten, und wenn es geschiehet, muß es dem Polizeydirektorium angezeiget werden.“[10]

1784 wurde dieses erneuert.[11] 1819 wurde in der Verordnung zur Umbenennung der davor liegenden Straße Contrescarpe (in Alexanderstraße) die Ortsergänzung am Stelzenkrug hinzugefügt, was dessen besondere Bedeutung in dieser Zeit unterstrich. 1820 übernahm Johann Christian Friedrich Klaeger (der Jüngere) den Gasthof nach dem Tod seines Vaters und verlegte seinen Viehmarkt 1825 wegen Platzmangel auf ein größeres Gelände vor dem Landsberger Tor.

Letzte Jahre

1848 wurde der umgebaute Stelzenkrug auf einem Gemälde mit drei Stockwerken dargestellt, um 1860 war er auf dem ältesten erhaltenen Foto des Alexanderplatzes abgebildet.[12] In dieser Zeit war es ein normales Wohnhaus ohne Gastwirtschaft.[13]

1882 wurde dieses für den Bau des Grand Hôtel Alexanderplatz abgerissen. 2020 wurden bei archäologischen Ausgrabungen noch eine Kalksteinmauer aus dem 18. Jahrhundert gefunden, die wahrscheinlich vom Stelzenkrug war.[14]

Commons: Stelzenkrug – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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