Stephen Miller (Politikberater)

US-amerikanischer Politikberater und Redenschreiber From Wikipedia, the free encyclopedia

Stephen Miller (* 23. August 1985 in Santa Monica, Kalifornien) ist ein US-amerikanischer Politikberater. Seit Januar 2025 ist er stellvertretender Stabschef im Weißen Haus und Homeland Security Advisor.

Stephen Miller (2025)

Er war während der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump einer seiner engsten Berater (Senior Advisor to the President of the United States) und dessen Redenschreiber. Miller prägte den Wahlkampf zur Präsidentschaftswahl 2016 entscheidend mit. Zuvor war der rechtsextreme Ideologe[1][2] u. a. Berater von US-Senator Jeff Sessions.

Werdegang

Herkunft und Bildung

Der aus einer liberal-jüdischen Familie – mit Wurzeln mütterlicherseits in Belarus[3] – stammende Stephen Miller wuchs in Santa Monica auf.[4] Miller besuchte zunächst die Santa Monica Highschool. In einem Lokalradio beschwerte er sich regelmäßig über seine liberale Highschool, in Zeitungskolumnen wetterte er gegen Political Correctness.

Er kritisierte die Ausgabe von Kondomen an Minderjährige, die Zulassung eines Clubs für Homosexuelle und den aus seiner Sicht zu nachlässigen Umgang mit dem Pledge of Allegiance, dem an US-Schulen üblichen Treuegelöbnis auf Nation und Flagge.[5] Ferner begeisterte sich Miller als Schüler für Folter – anstatt Todesstrafen; Folter sei ein Fest des Lebens und der menschlichen Würde.[6] Nach seiner Schulzeit studierte Miller Politikwissenschaften an der Duke University in North Carolina.

Während seines Studiums erlangte Miller durch seine öffentlichen Auftritte im sogenannten Duke-Lacrosse-Fall überregionale Bekanntheit. Crystal Mangum, eine afroamerikanische Stripperin, behauptete 2006, drei weiße Lacrosse-Spieler ihrer Universität hätten sie vergewaltigt. Die Öffentlichkeit, Universitätsleitung und Medien verurteilten die Spieler, sahen den Fall als Beweis für Rassismus und Sexismus. Miller hingegen beharrte auf der Unschuldsvermutung und zweifelte öffentlich Mangums Darstellung an. Er wurde daraufhin regelmäßig in TV-Sendungen eingeladen, in denen er die Vergewaltigungsgeschichte infrage stellte. Später erwiesen sich Mangums Vorwürfe als falsch.[7][8] Miller nutzte den Fall als Beweis für eine angeblich linke Voreingenommenheit an Universitäten.[5] Er beendete sein Studium 2007 mit einem Bachelor. In einem Artikel für eine Studentenzeitung beschrieb sich Miller als „zutiefst überzeugter Konservativer, der es als seine Pflicht empfindet, der Linken die Stirn zu bieten“.[9]

Als Millers politischer Mentor galt seit seiner Schul- und Studienzeit David Horowitz (1939–2025), der ebenfalls erzkonservative Gründer der Students for Academic Freedom.[5][10] Während seines Studiums und der gemeinsamen Zeit in einer konservativen Studentenorganisation begann Millers bis heute anhaltende Freundschaft zu Richard B. Spencer, dem Publizisten und Gründer der rechtsnationalen Bewegung Alt-Right.[11]

Verheiratet ist Stephen Miller seit dem 16. Februar 2020 mit Katie Miller geborene Waldman, mit der er eine Tochter und zwei Söhne hat (geboren 2020, 2022 und 2023). Ihre politische Karriere verlief parallel zu der Millers. Sie diente zuerst als stellvertretende Pressesprecherin im Department of Homeland Security, dann als Pressesprecherin und später Kommunikationsdirektorin für Mike Pence. 2025 war sie zunächst als Kommunikationsdirektorin für die DOGE-Abteilung tätig und folgte Elon Musk bei dessen Ausscheiden Anfang Juni nach Kalifornien.[12] Im August 2025 gab sie ihre privatwirtschaftliche Tätigkeit für Musk auf und widmet sich seither ihrem Podcast.[13] Sie gehört dem President’s Intelligence Advisory Board (PIAB) an.[14]

Berufstätigkeit bis 2016

Nach seinem Studium ging Miller 2009 nach Washington, D.C. Dort arbeitete er zunächst als Pressereferent für die damalige, der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung nahestehende republikanische Abgeordnete Michele Bachmann. Anschließend stellte der als Hardliner bekannte Senator Jeff Sessions Miller als Kommunikationsdirektor ein. Als Sessions’ Berater kämpfte Miller etwa gegen eine Lockerung der Einwanderungsgesetze und warnte vor den Gefahren eines radikalen Islam. Zudem beschäftigte er sich mit den von Sessions angeprangerten Defiziten der Republikanischen Partei in der Kommunikation mit den amerikanischen Arbeitern.[9][15] Damit war Miller eine der Personen, die seit 2009 die von den Republikanern zugleich dringlich geforderte Reform der Einwanderungsgesetzgebung in den USA verhinderten.[16]

Berater von Donald Trump ab 2016 und anderweitige Tätigkeiten

Miller im Jahr 2016 auf einer Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump

Im Januar 2016 wechselte Miller zunächst als Senior Policy Advisor ins Wahlkampfteam von Donald Trump. Miller war Chief Speechwriter (Redenschreiber) während Trumps Wahlkampfkampagne im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016.[17][11][18] Laut Trump spielte Miller im Wahlkampf eine „zentrale und weitreichende Rolle.[11] Im August 2016 ernannte Trump Miller zusätzlich zum Leiter des Wirtschaftsrates (Economic Advisory Council) seiner Wahlkampagne.[19] Im Dezember 2016, nach Trumps Wahlsieg, berief Trump Miller und seinen Schwiegersohn Jared Kushner zum Senior Advisor to the President of the United States (Chefberater des US-Präsidenten). Unter anderem schrieb Miller mit dem damaligen Trump-Berater Steve Bannon die umstrittene und dystopische Begriffe enthaltende Rede zur Amtseinführung von Donald Trump am 20. Januar 2017.[11][20][21]

Logo der Organisation America First Legal, die von Miller gegründet wurde

Nach Donald Trumps Ausscheiden aus dem Amt im Januar 2021 und seinem Umzug nach Mar-a-Lago gehörte Miller weiterhin zur Umgebung des Politikers.[22] Im Jahr 2021 gründete er die Organisation America First Legal (AFL).[23] Die AFL hat den Zweck, rechtlich gegen solche Verordnungen und Gesetze vorzugehen, die sie als linksradikal betrachtet, und etablierte sich als einer der juristischen Hauptwidersacher der Biden-Regierung.[24]

Im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl 2024 betonte Russell Vought im heimlich mitgeschnittenen Gespräch, dass eine enge Vertrauensbasis zwischen den Autoren des Project 2025 mit den Personen im republikanischen Übergangsteam zur Übernahme der Amtsgeschäfte (presidential transition team) nach einem Wahlsieg Trumps bestehe, was einen raschen und effizienten Beginn der Umsetzung der darin vorgezeichneten Maßnahmen ermöglichen werde.[25] Im November 2024, nachdem Donald Trump als künftiger 47. Präsident die Wahl gewonnen hatte, wurde gemeldet, dass sich Trump in seiner zweiten Amtszeit erneut von Miller beraten lassen wolle.[26][27]

Trump ernannte ihn 2025 zu einem der stellvertretenden Stabschefs des Weißen Hauses,[28] sowie zum Homeland Security Advisor. Dieses Amt baute Miller zu einer Schlüsselfunktion innerhalb der Regierung aus, da es ihm direkten Zugang zum Präsidenten erlaubt. In der Neudefinition von Regierungsleitlinien und der ideologischen Besetzung von Beamten (sogenannte Schedule-F-Ernennungen) wird Millers Tätigkeit einerseits flankiert von seiner zivilen Institution America First Legal, deren Klagen gegen andere Organisationen und Personen nunmehr im Einklang mit Regierungspositionen laufen. Am 2. Mai 2025 verklagte AFL sogar den Vorsitzenden des Supreme Court, John Roberts. Andererseits bedient sich Miller eines umfangreichen Medienapparats zur öffentlichen Kommunikation seiner Botschaften an die MAGA-Bewegung, obwohl seine Strategie nicht auf der Legitimation durch öffentliche Meinung basiert, sondern auf der Abschaffung von Möglichkeiten, der Regierung zu widersprechen.[16]

Miler gilt als zentraler Planer von Trumps harter Einwanderungspolitik.[29] Miller erklärte Einwanderung zur zentralen Bedrohung der nationalen Sicherheit und betrieb seit seiner Ernennung die Migrationsbekämpfung auf allen Wegen, indem etwa Grenzen abgeriegelt, Asylverfahren erschwert und die angestrebte Zahl von Deportationen massiv erhöht wurde.[30] Bei den entsprechenden präsidialen Dekreten verließ sich Trump sehr stark auf die Beratung Millers. Dieser rief intern das Ziel aus, jährlich eine Million Migranten abzuschieben, und berief sich seither auf alle der Exekutive zur Verfügung stehenden Mittel, einschließlich Notfallverordnungen und des für Kriegszeiten vorgesehenen Alien and Sedition Acts.[16] Miller trat dafür ein, dass Migranten gegen ihre Abschiebung keine Rechtsmittel mehr einsetzen dürfen.[31]

Dabei informierte er Trump teils gezielt falsch, beispielsweise indem er bei der Gerichtsentscheidung zu Kilmar Abrego Garcia Tatsachen verdrehte.[32] Miller wird als führender Architekt eines Dekrets gesehen, welches die Staatsbürgerschaft durch Geburt abschaffen soll, das aber (Stand Mitte 2025) vorübergehend durch Bundesgerichte außer Kraft gesetzt wurde und beim Supreme Court anhängig ist.[16] Auch weitete Miller die Kompetenzen des Sicherheitsberaters auf weitere Ressorts aus; so etwa wurde das Bildungsministerium von ihm aufgefordert, nur noch Schulen zu finanzieren, die der „patriotischen“ Linie der Regierung folgen.[33] In einem Interview mit dem rechten Sender Newsmax stellte er die Frage: „Wohin soll sich unser ganzes Land wenden, um all den Reichtum, Wohlstand und die Sicherheit zurückzubekommen, die uns durch Jahrzehnte unkontrollierter, illegaler Massenmigration geraubt wurden?“ Man verdiene für das, was einem „gestohlen“ worden sei, „Wiedergutmachung“.[34]

Im Oktober 2025 erklärte Miller in einem Interview gegenüber CNN, als er auf Militäreinsätze in Oregon und Illinois angesprochen wurde, dass der Präsident „unumschränkte Befehlsgewalt“ (plenary authority) über das Militär habe. Damit widersprach er der US-Verfassung; Miller korrigierte seine Worte anschließend nicht.[35]

Rezeption

Medien

Wurde Miller 2018 noch vom Journalisten Michael Wolff als Rechtsaußenkonservativer („far-right conservative“) beschrieben,[36] wurde er spätestens 2023 in wissenschaftlicher Literatur als rechtsextremer Ideologe eingeordnet.[1] Kritiker warfen Miller bereits in Trumps erster Amtszeit vor, „Trumps Flammenwerfer“,[4] „Trumps Brandbeschleuniger“[15] und „der Mann, der hinter Trumps Rhetorik steckt“[9], zu sein; er bringe „den Hass in Trumps Reden“.[37] Im November 2019 veröffentlichte das Southern Poverty Law Center eine Analyse von mehr als 900 internen E-Mails von Miller, in denen er seine Strategien koordinierte. Die Studie legte damit Millers Rassismus und Reaktionismus offen.[38] Daraufhin forderten Abgeordnete wie Ilhan Omar und Jackie Speier den Präsidenten auf, Miller zu entlassen. Insgesamt schlossen sich diesen Forderungen 80 Kongressmitglieder an; das Weiße Haus lehnte diese Forderungen ab und Miller blieb ohne Folgen für ihn im Amt.[39]

Ein Anfang 2026 erschienener Kommentar in der Los Angeles Times beschrieb Miller als „Schlimmsten unter den Schlimmen“, als hasserfüllten Ghoul, der selbst unter all den anderen Bösewichtern im Weißen Haus unter Trump gute Argumente dafür liefere, die „Rolle der bösartigsten und einflussreichsten Figur dort“ einzunehmen. Miller sei „das schlagende Herz einer der hässlichsten, fremdenfeindlichsten und gewalttätigsten Phasen der Einwanderungskontrolle“, die die USA je erlebt hätte und die Kraft, die Trump, der nie ein Engel gewesen sei, dazu anstifte noch mehr Böses zu tun. Es sei Miller gewesen, der ICE dafür kritisiert hatte, nicht genug Einwanderer ohne Papiere festzunehmen, Miller, der ICE dazu drängte, Bau- und Supermärkte zu stürmen, Miller, der Trump dazu anstiftete, über reine Abschiebung hinauszugehen und das Ende der legalen Einwanderung und der Staatsbürgerschaft durch Geburt anzustreben, und Miller, der sich für das Neonazi-Konzept der Remigration einsetzte. Wenn Trump wirklich eine Deeskalation wolle, dann bedeute diese gar nichts, wenn er nicht das „Krebsgeschwür“ Miller aus dem Weißen Haus entferne.[40]

In der Popkultur

Der US-amerikanische Rockmusiker Bruce Springsteen veröffentlichte am 28. Januar 2026 eine Single mit dem Titel Streets of Minneapolis,[41] die sich thematisch mit dem Vorgehen der US-Polizeibehörde United States Immigration and Customs Enforcement (ICE) in Minneapolis beschäftigt. Der Liedtext charakterisiert ICE-Agenten als Söldner („private army“ (=eine „Privatarmee“)) und Stephen Millers und Kristi Noems Berichte über die Tötungen von Alex Pretti und Renée Good als „dirty lies“ (=„schmutzige Lügen“).[42]

Literatur

  • Jean Guerrero: Hatemonger: Stephen Miller, Donald Trump, and the White Nationalist Agenda―An Examination of Radicalization and Right-Wing Extremism. HarperCollins, London/New York 2020, 336 Seiten, ISBN 978-0062986719, ISBN 0-06-298671-6.
Commons: Stephen Miller – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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